TGV, kurz nach Metz

Tuesday, May 6th, 2008

Das merkwürdige an so einer Reise, wie ich sie im Begriff bin, anzutreten, angetreten habe, ist, dass man ständig dabei ist, sich vorzustellen, wie alles werden wird, dass man das Reisen an sich quasi vergisst, und durch den nach Vorwärts gerichteten Blick das Erleben der Reise nicht immer bewusst wahrnimmt. Ein gigantischer, unglaublich schneller Metawurm, ein Silberpfeil auf Schienen, befördert mich übers Land in die französische Hauptstadt, in der ich die Nacht verbringen werde und von der aus morgen mein Flugzeug abhebt. Und schon wieder vergesse ich das jetzt, habe den Blick starr nach vorne gerichtet. Am Flussufer stehen Wohnwagen und kleine Hütten im Gebüsch. Es ist schwierig, sich auf so eine vermeintliche “Oase” zu konzentrieren, die jetzt schon mehere Kilometer weit weg ist, wenn der Geist schon fast über dem Atlanik ist. Der Zug beschleunigt. Hochgeschwindigkeit. Ich sitzte im Bauch des Metawurms, der mich dem Pendel immer näher bringt.

Zugunglück

Saturday, March 1st, 2008

[0802192011] Schwarze Materie verschlingt mich. Was für ein Alptraum.
Der Zug, in dem du sitzt, bleibt auf dem Abstellgleis stehen und bewegt sich nicht mehr.
Mit einem Male fällt dir auf, wie unrasiert du bist. Aber so lange es nicht kratzt, ist alles in Ordnung. Oder es stört dich dann auf jeden Fall nicht.
Netwon schlägt mit all seinen Gesetzen gleichzeitig auf dich ein, was dir das Bewusstsein einimpft, dass Physik ein schwieriger Begleiter für Texte ist. Immer und immer wieder Fahrten durch das Dunkle. Als bestünde das Leben nur aus einem schwarzen Rohr, durch das du ständig hindurch fährst, hin und zurück, hin und zurück, immer wieder. Der Nachtzug als Ersatz für die U-Bahn. Urbanes Leben in der Einöde.
Nachrichten fliegen ratternd durch den Äther, knistern in den Ampliflikatoren und Transistoren unterwegs, während du nur Sender/Empfänger bist. Kommunikation ist niemals selbst reisen. Still beneidest du die elektromagnetischen Wellen für ihre Reisefreiheit.

[0402082008]

Wednesday, February 6th, 2008

»Musik«, denkst du, »Ich kann keine Musik mehr hören!«, und der Gedanke klingt als würdest du über irgendetwas reden, mit dem du dich überfressen hast.
Trotzdem ziehst du sofort die Kopfhörer an. Abschottung um jeden Preis. Eine dünne Schicht Geräusch umgibt dich wie eine schützende Fruchtblase. Abkapslung von der akustischen Realität. Vor allem kein Geschwätz mehr. Nur noch stumme Bandansagen im Zug, stumme Klingeltondiskos von Halbstarken, stummes Großmüttergeschnatter und stumme Stammtischparolen. Die Welt ist sehr viel erträglicher so. Wie immer, wenn man sich seine eigene Realität formt ?

Als du in den Zug gestiegen bist, hat dich ein Mädchen angesehen. Auf den ersten Blick zu jung, und du kannst nicht einmal sagen, was dieser Blick denn jetzt heißt. Auf jeden Fall scheint da irgendeine Form von Interesse zu sein. Aber du siehst dir auch immer die Junkies am Bahnhof mit einer gewissen Form von Interesse an. Du könntest dich sofort setzen, es gibt genügend freie Plätze, aber nein, du musst an ihr vorbei. Nur, um diesen Blick nochmal zu sehen. Egal, was er heißt. Das ist weder romantisch, noch neugierig, das ist einfach nur furchtbar egozentrisch ? und damit schon fast wieder arm.

Das Klicken von elektronisch per Chipkarten gesteuerten Türen. Schließen.
Déja-Vue. Déja-Entendu wohl eher. Kurze Haare, orange Rahmenbrille.
Das Bett gegenüber. Wieder eine Erinnerung. Die schlimmste Nacht deines Lebens.
Du hast die Brücke über den See damals nicht gefunden gehabt.
Dieses Mal sollte alles anders sein. Keine Versuchung, kein Drama.

Und all die Sinnlosigkeit summiert sich in einem einzigen langen Tunnel, durch den der Metawurm sich frisst. Diesmal ist es eher eine Made. Die Dunkelheit wirkt nicht einmal mehr bedrohlich. Alles ist so seltsam klar, als ob man die Welt durch eine frisch gewaschene und auf Hochglanz polierte Scheibe sieht. Oder wie mit eklig glänzender Gelatine überzogen.
Im Hintergrund artikuliert jemand laut Buchstaben, die Musik wirkt immer unheimlicher, während die Realität zu Kunstharz zerfließt und erstarrt. Geschmolzene Bakelittelefone pflastern den Weg des Autors, der jetzt völlig übergeschnappt ist.

Podcast: Angscht a Schrecken mat engem Ökohellegenschain

Sunday, February 4th, 2007

Podcast. A&S. Manche Leute nennen es “Kultserie”. Hier zuerst, aufm Radio zwischen 16 und 17 Uhr, 103,3 & 105,2 oder per Livestream

Podcast: Angscht a Schrecken mat engem Ökohellegenschain(mp3, 5,88 MB)

Ganzer Text wie immer unter “Mehr!”. Sollte irgendwer, der seinen Kaffee mit Speed trinkt, sich angegriffen fühlen: Ist nicht persönlich gemeint.

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Podcast: Angscht a Schrecken bei den CFL

Saturday, November 4th, 2006

Ich präsentiere hier meine neuste Serie, die im Rahmen meiner wöchentlichen Radiosendung “Crumble” (bei den Jugendsendungen von Radio ARA, Graffiti) laufen wird.
Exklusiv für meine Leser bzw. Hörer gibt es den Text der ersten Folge vorab.

Die Serie läuft unter dem Namen “Fear and Loathing in Luxemburg - Angscht a Schrecken zu Lëtzebuerg” und stellt eine Gonzo-Radiojournalismusserie dar. Ich denke, das fehlt in unserer Medienlandschaft, in der sich viel zu viele Leute zu ernst nehmen und viel zu viele unfreiwillig komisch sind. Das ganze Konzept, der Text, die Töne wurde alles heute abend aus spontanem Anlass heraus entwickelt. Ich weiß nicht, wie die Serie weitergehen wird, aber momentan gefällt mir die Idee ganz gut.

Angscht a Schrecken bei den CFL (mp3, 6,13 MB)

Unter “Mehr!” lässt sich der luxemburgische Originaltext lesen, eine deutsche Version folgt morgen. Im Radio wird dann am Montag eine Version mit musikalischer Untermalung laufen.

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