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Die große Reise

Am Samstag ist es soweit.

Europa aus der Luft

Über 1000 Kilometer.
Optimistisch geschätzte 13 Stunden von Haustür zu Haustür.
Ich trete mal wieder die große Reise an. Meine ganz persönliche Nord-Süd-Passage, von der Stadt der Musik hinter den Alpen in das Großherzogtum.
Und soll ich euch was sagen? Ich freue mich. Luxemburg ist genau so ein guter Flecken Erde wie Wien, aber die Menschen die sich auf diesen Flecken aufhalte, sind andere. Und ich freue mich, einige wiederzusehen. Und ganz besonders freue ich mich, dass ich am Montag schon wieder im Radiostudio sitzen werde und _endlich_mal_wieder eine Livesendung fahren werde.

Ich mag mein Leben in Wien derzeit. Ich fühle mich wunderbar wohl in dieser Stadt und ertrage die Hitze mit dem stoischen Rezept: viel Eistee und wenig Bewegung. Ich weiß, dass ich nach einer Woche wieder über “Ferien in Disneyland” und unzureichenden öffentlichen Transport lamentieren werde. Aber in mir drin drängt etwas.

Vielleicht war es nur Jack Kerouac, der meine Reiselust angetrieben hat. Und da tausche ich Kerouacs scheinbare Unendlichkeit des nordamerikanischen Kontinents doch glatt gegen tausend Kilometer durch Europa ein, das auf dem Bild so saftig und waldig aussieht. Auf geht’s!

Warten auf Dr. Kroko

Ich stehe am Gürtel, vor der U-Bahnstation und warte. Warten ist etwas, was ich nicht mehr gewohnt bin, seit ich in einer Großstadt lebe. Ich versuche, meine Hände nicht in meinen Taschen verschwinden zu lassen. Stattdessen spielen meine Finger irritiert an meiner Hose. Ich überlege kurz, ob ich nicht eine Packung Zigaretten am Automaten ziehen soll. Ich habe kein Feuer dabei. Und eigentlich rauche ich ja auch nicht.

Wiener U-Bahnstation bei Nacht. (cc-by Denis Todorut)photo cc by Denis Todorut

Es sind viele Menschen unterwegs. Ist ja auch Samstag Abend. Ich lerne seit Tagen nur noch und habe jedes Zeitgefühl verloren. Ich messe Zeit in „vor der Prüfung“ und „nach der Prüfung“. Wobei „Nach der Prüfung ist vor der Prüfung“. Alte Sportlerweisheit. Ich kenne niemanden, der so etwas sagen würde, aber es gibt sicher Menschen, die solche Sprüche klopfen.
„Vier gewinnt. Alte Studierendenweisheit.“ Auch so ein Spruch.
Wahrscheinlich gibt es Menschen, die solche Dinge sagen, nur in Kurzgeschichten auf Blogs.

Merkwürdige Stimmung. Die U-Bahn spült alle möglichen Menschen an. Vor allem aber angetrunkene Teenager, die wahrscheinlich in wenigen Stunden zu Hause sein müssen und deshalb den Höhepunkt ihres Rauschs schon jetzt erleben. Wobei ich mich da auch täuschen kann. Vielleicht haben Teenager in Großstädten ganz einfach keine Sperrstunden. Das würde die Beobachteten zu Opfer einer Gesellschaft machen, die die Latte für Alkoholkonsum immer höher schraubt. Binge-Drinking als Kulturtechnik.

Mir macht das Angst. Also nicht nur die Verwahrlosung der “Jugend” und die zunehmende Anzahl von Alkoholkranken sondern auch, alleine warten zu müssen und jeden Moment von einem Irren angesprochen zu werden, dem mein Gesicht nicht gefällt. Und dann muss ich dem erklären, dass ich hier nur warte und ihm mein Gesicht eigentlich gar nicht zeigen wollte. Vielleicht schlägt er mich dann halbtot und ich muss blutend mit der U-Bahn ins Krankenhaus fahren. Sind auch nur zwei Stationen.

Wobei ich zugeben muss, dass die Angst doch sehr klein ist. Eigentlich kaum existent. Aber so ein klein wenig ein mulmiges Gefühl habe ich doch, wenn ich mir vorstelle, blutüberströmt in der U-Bahn zu sitzen. Und alle Leute starren einen an und denken, ich hätte mich mit der Polizei geprügelt oder jemanden umgebracht und mich dann mit der Polizei geprügelt. Und wenn ich dann aus der U-Bahn steigen will, steht da schon die Polizei und knüppelt mich nieder. Vielleicht hätte ich mich doch rasieren sollen.

Ob ich jemanden um eine Zigarette anhauen sollte? Aber eigentlich rauche ich ja nicht. Und wenn dem (oder der!) mein Gesicht nicht gefällt, laufe ich Gefahr, Blut aus der Halsschlagader spritzend in der U-Bahn zu sitzen.

Jemand ruft meinen Namen. Hinter einem Blumenkübel tauchen Dr. Kroko und Mau auf. Die Beiden heißen natürlich nicht wirklich so. Höchstens auf Facebook.
“Scheiß auf die Prüfung!”, denke ich.

Benzingeruch

photo cc by Christian Kadluba

Nacht. Ich kann nicht schlafen. Oder zumindest bin ich wieder aufgewacht und weiß instinktiv, dass ich so nicht einschlafen werde. Wenn ich das Gefühl habe, ist es sinnlos, liegen zu bleiben. Tue ich es trotzdem, werde ich mich stundenlang im Bett wälzen und erst in den frühen Morgenstunden auf meinem doch relativ unbequemen Sofa einschlafen. Da hilft auch dann der viel zitierte Tipp 2 nichts. Meine Hörbuch-Playlist ist am Ende, in meinem Zimmer ist es neben dem monotonen Brummen meines Rechners still. Ich ertrage diese Stille nicht.

Ob Ruth wohl schon schläft? Ob ich sie anrufen soll?
Nur zu gerne würde ich ihre Stimme hören, wie sie mir nette Kleinigkeiten ins Ohr flüstert.
Überhaupt vermisse ich es, nachts im Bett zu telefonieren.

Durch die viel zu hellen Vorhänge scheint das Licht der Straßenbeleuchtung, die an einem dicken, schwarzen Kabel über der Straße hängt. Weißes, kaltes Licht für eine kalte Straße.
Ich stelle mich ans Fenster, weil mir zu warm ist. Wieso es mir zu warm ist, weiß ich nicht, denn eigentlich ist es draußen zumindest frisch. Unter meinem Zimmer befindet sich eine Seniorentagesstätte. Die lassen wahrscheinlich den ganzen Tag die Heizung bollern. Oder wir haben eine Fußbodenheizung, von der ich nichts weiß.

Ich öffne das Fenster. Ruhig ist es. Tagsüber ist meine Straße eine viel befahrene Straße, eine Hauptverkehrsader des Bezirks. Sechshundert Meter weiter fährt sogar die Straßenbahn, an der Ende der Straße gibt es einen Umsteigebahnhof. Und eigentlich hört dort die Stadt in meinem Bewusstsein auf. Das ist natürlich Blödsinn, denn die Stadt geht noch weiter, mindestens noch einmal so breit wie bis zu mir zu dem Platz, an dem man umsteigen und Döner kaufen kann. Dann kommt der Wald, der wie ein grüner Gürtel um die Stadt liegt und in dem sich die Grenze versteckt, die die Stadt vom Land trennt. Vielleicht sollte ich mal einen Spaziergang wagen. Einen Spaziergang nach Niederösterreich. Klingt ein wenig Furcht einflößend. Als ob ich ein Hobbit wäre, der fürchten würde, sein kleines Dorf zu verlassen. (Wo habe ich letztens nur davon gelesen, wo war dieses Bild so trefflich eingebaut? Oh Gedächtnis! Oh Internet! Nichts findet man wieder, es bleibt nur der Schmerz, mal gewusst zu haben, dass …)

Wenn ein Auto vorbeifährt, hört man es schon am Gürtel einbiegen. Ein lautes Rauschen, das immer näher kommt, lauter wird, kurz wie ein vorbeifahrendes Auto klingt, um dann wieder ein Rauschen zu werden, dass leiser wird, sich entfernt, in Richtung Niederösterreich.

Laut sind die Autos. Lauter als sonst. Als habe jemand an den Lautstärkeregelern der Realität gespielt. Wo all die Leute wohl hinfahren? Vielleicht war ich lange Jahre meines Lebens zu gefangen in dem kleinen Großherzogtum, aber es erstaunt mich immer wieder, wie unglaublich viele Menschen es doch gibt. Hinter all den Fenstern in meiner Straße lebt jemand, in jedem Auto das übermäßig laut an mir vorbeifährt, sitzen Menschen, die irgendwohin wollen. Späte Erkenntnis hat Gold im Stuhl.

Es riecht. Nach Nacht.
Ich rümpfe die Nase, sauge den Geruch ein.
Ja, es riecht nach Nacht in der Stadt.
Der Geruch wird wohl eher jener von Benzin sein. Verflüchtigt sich Benzin in der Nacht einfach so aus Autotanks, die hier abgestellt stehen? Letztens lag ein Motorad umgefallen neben dem Gehsteig, an der Stelle, wo jetzt die weiße Vespa steht und nach Benzin und Nacht riecht. Genau so hat es auch in jener Nacht vor einem halben Jahr gerochen, als ich umgezogen bin. Mit dem Auto. Erinnerungen an Umwege durch ländliche Gebiete, mitten in der Nacht, als das Radio nur Musik spielte. Mein Gehirn vernebelt sich, die Müdigkeit kommt langsam, kriecht in meinen Geist und verhüllt alle Gedanken mit einer bleiernen Schwere.

Bald läuft mein Hörbuch wieder.
Draußen fährt ein Auto vorbei. Vielleicht zieht da draußen auf meiner Straße auch gerade jemand um.

Kopfschmerzen

photo from wikimedia commons

Samstagnachmittag. Ich wärme mir das Abendessen von gestern in der Mikrowelle. Nicht ohne zuerst zwei Scheiben Käse auf die kalte Reis-Gemüse-Soße-Masse gelegt zu haben. Denn: Alles wird besser, wenn man es mit Käse über backt. So lautet zumindest die Internetweisheit. Mir fallen ziemlich viele Dinge ein, die ekliger werden, wenn man sie mit Käse über backt (hauptsächlich Süßspeisen und körperliche Tätigkeiten), aber darum geht es gerade gar nicht.

Nach dem Essen, bei dem ich eine Folge Futurama ansehe, der ich aber nur zur Hälfte folge, weil meine Gedanken woanders sind und ich sie eh schon mehrmals gesehen habe, nehme ich die Wäsche aus der Waschmaschine und hänge die halbherzig auf den Wäscheständer. In meinem kleinen Badezimmer stelle ich die Heizung und die Lüftung an und glaube, eine schnelle Methode der Wäschetrocknung erfunden zu haben.

Kopfschmerzen. Als ob ich einen Amboss auf dem Kopf balancieren würde. Und das erstaunlich gut für einen Menschen, der in Sachen Hand-Augen-Koordination und Gleichgewicht einige Defizite hat. Es fühlt sich an, als drücke sich meine Schädeldecke gegen mein Gehirn. Wobei ich mir sicher bin, dass es umgedreht ist. Ich bin aber kein Biologe, schon gar kein Humanbiologe und deshalb ist es wohl besser, ich lasse solche Mutmaßungen ganz einfach sein.
Das viele Amboss-Balancieren bringt zusätzlich noch Nackenschmerzen mit sich.

Immerhin haben wir April und ich kann dem Wetter zusehen, wie es minütlich seine Meinung ändert.

Gegen halb Sechs beschließe ich, dass es von äußerster Wichtigkeit ist, dieses Wochenende noch ein wenig Kekse und eventuell auch eine Pizza zu verzehren. Ich bemerke, dass ich noch eine halbe Stunde zum Einkaufen habe oder mich am Sonntag in die Vorhölle der wenigen offenen Supermärkte in Bahnhofsnähe begeben muss. Darüber habe ich bisher immer nur Geschichten gehört, die 300 wie ein Pixiebuch erscheinen lassen.

Also ziehe ich mich schnell um und schleppe mich um meinem schmerzenden Kopf selbst bedauernd zum Gürtel. Es hängen schon diese merkwürdigen Plastiktaschen, aus denen man sich gegen Münzeinwurf eine Zeitung nehmen kann, an den Laternen. Natürlich kann man die Zeitung auch ganz ohne Münzeinwurf aus der Plastiktasche nehmen, weshalb die Zeitungen entweder ein Verlustgeschäft machen oder in Wien nur sehr ehrliche Menschen leben.

Der Gürtel ist so eine Sache. Eine teilweise achtspurige Straße, die mitten durch Wien führt und die inneren Bezirke von den äußeren trennt, ist schon imposant. In der Mitte führen die Bögen der früheren Stadtbahn die U6, eine U-Bahnstrecke, die größtenteils oberirdisch verläuft, was schon so manche Touristen sehr unterhaltsam gefunden haben. Ich mag die U6. Nicht nur wegen der Aussicht, sondern auch, weil U6 fahren meistens bedeutet, dass ich bald zu Hause bin. (Oder halt aufbreche, und Aufbruch ist auch nur selten etwas schlechtes!)
Es ist also ziemlich schwierig, über den Gürtel zu kommen, weil man mindestens zwei Ampeln überqueren muss, meistens überquert man jedoch mehr, weil man auch noch die Straßenseite wechselt. Als ich darauf warte, dass es grün wird und die Autos nur Zentimeter an mir vorbei rasen, habe ich das seltsame Gefühl, mein Pulli rieche nach Gras. Ich muss an Ruth denken. Hatte ich den Pullover an, als ich das letzte Mal bei ihr war? War sie nicht fiktiv?

Ich glaube, dass der Billa, der in der U-Bahnstation im Stadtbahnbogen inmitten des Gürtels der nächste Supermarkt ist. Allerdings gibt es in meiner Straße, ungefähr 500 – 600 Meter von meiner Haustür entfernt, ebenfalls einen. Außerdem gibt es in einer Parallelstraße noch zwei. Samstags machen alle um 18 Uhr und durch häufige Einkäufe nach U-Bahnfahrten kenne ich das Sortiment des Billas, in dem ich mich jetzt befinde, recht gut. Niemand hat gesagt, dass Einkaufen in letzter Sekunde nicht sehr viel mit Bequemlichkeit zu tun hätte. Ich entscheide mich für Kekse, brauche aber einige Zeit, bevor ich mich entscheiden kann, welche genau ich nehmen will. Andere Menschen haben offenbar ähnliche Probleme.
“Ich weiß nicht was ich mag!”, säuselt eine Stimme gequält.

In letzter Zeit fällt mir immer öfters auf, dass sich Menschen in Supermärkten immer gerade dann zweifelnd vor eine Produktpalette stellen, wenn ich mich entschieden habe. Ich betrachte kurz das Sortiment an Zucker, ehe die Unentschlossenen sich in Richtung Schokolade aufmachen und ich mir zwei Kekspackungen entscheiden kann. Vor dem Chipsregal dann entscheide ich, dass ich keine Lust auf Chips habe. Den leeren Einkaufskorb fülle ich kurz vorm Erreichen der Kasse noch mit Mangosaft, meinem Lieblingssaft, und einer überteuerten Tiefkühlpizza. (Hofer hat Tiefkühlpizzen für 0,79 €. Allerdings ist die spezielle Marke, die ich kaufe, auch sehr lecker.) Vor mir kaufen zwei Menschen eine tiefgekühlte Sachertorte.
Ich würde nicht wirklich auf den Gedanken kommen, mir so etwas zu kaufen, vor allem nicht in Wien. Ich meine, immerhin kann man hier den real deal haben, wenn man nur genug Geld auf den Tisch legt.

Wieder draußen steht neben mir ein Mann. Auch er ist mit last-minute Einkäufen beladen. Aber anstatt ungesundem Süßkram hält er ein Netz Zwiebeln und eine Zweiliter–Flasche Wein in den Händen. Ich blicke auf die einsame Plastikhülle des Standards. Noch keine Zeitung drin. Heute hätte ich sogar bezahlt.
Die Kopfschmerzen werden nicht besser.

Frühlingswut

foto aus wikimedia commons

Ich hatte heute so eine merkwürdige Wut im Bauch. Auf dem Nachhauseweg von der Uni habe ich mir gedacht, dass es vielleicht daran liegt, dass der Frühling kommt. Hier in Wien sah es die letzten Tage schon ziemlich stark nach Sommer aus, der Himmel war blau, die Sonne schien und ich war richtig geflasht davon. Heute war es dann nicht mehr so toll, halt so laues Frühlingswetter und in mir braute sich die Gewissheit zusammen, dass die Zeit, in der ich dem Schnee von drinnen zugucken konnte, jetzt vorbei war. Was eigentlich eine positive Sache ist. Aber ich mag den Frühling nicht. Gegen den Sommer habe ich nichts, denn Sommer heißt oft, dass Ferien sind und man irgendwo im Schatten liegt (Ich freue mich darauf, meine Nachmittage im Türkenschanzpark zu vertrödeln!), aber der Frühling macht mich irgendwie fertig mit seiner Unentschlossenheit, seiner Art, alles und nichts zu sein. Im Herbst gibt es wenigstens die Gewissheit, dass es bergab geht, dass es kalt und nass wird. Frühling dagegen ist nur Unsicherheit.

So auf jeden Fall meine Gedanken, während ich durch das Cottageviertel lief (gemeint ist: “gehen”) und das zum Zweiten Mal, weil ich entschlossen habe, wenn ich nur gute zwanzig Minuten Fußweg von der Uni entfernt wohne, kann ich die bei gutem Wetter auch zu Fuß gehen. Wobei ein Fahrrad wohl idealer wäre, ich schätze die Fahrzeit auf lockere zehn Minuten, was meiner Eigenschaft, zu trödeln, sehr entgegen kommen würde, vor allem bei den derzeit doch sehr vollen Hörsälen.

Und jetzt ist alles anders. Meine Gefühle gegenüber dem Frühling sind gemischt, ich freue mich sehr auf den Sommer und die Wut, die ich in mir herum getragen habe, ist weg. Was ich wohl zumindest teilweise auf meinen wunderbaren Rotbusch-Zitronengras Tee, den ich mit Milch und Zucker trinke, zurückführen kann.

(Ja, einfach mal so Befindlichkeitsbloggen. Habe ich lange nicht mehr gemacht, ist aber manchmal ganz gut, und sei es nur für die persönliche Buchführung.)

setzt sich die Sonne besser durch

photo cc by Richard Hemmer

Die ersten Sonnenstrahlen seit Dezember. Mit einem Male glänzt die Stadt wieder. Meine Stadt, wie ich übermütig behauptet habe, als wir die Prachtstraße entlanggelaufen sind, unwissend, was für Geheimnisse die Nacht bergen würde. Wir wussten nichts, nicht einmal den Weg.
Mein Abfluss ist wieder frei. Das schöne an Abflussreinigern ist ja, dass sie nicht nur Verstopfungen lösen, sondern auch das Waschbecken wieder so sehr glänzt, dass die Augen schmerzen. Und du fast hoffst, dass es wieder verstopft, damit du beim Zähneputzen nicht dauernd die Augen zukneifen musst.
Der Sommer steht hier schon verheißungsvoll vor den Toren der Stadt, beinahe spürst du schon die Sonne auf deiner Haut, deren Berührungen nie die Zärtlichkeit von jenen mythischen Wesen erreichen werden, die mir so sehr fehlen.
Jeden Morgen das gleiche Lied.
Jeden Abend der gleiche Text.
Jede Sekunde ein Weltuntergang.
Nichts bleibt so wie alles immer ist.

Weiß irgendwer, wo wir hingehen?
Die mächtige Stadt, bis zum Horizont überall nur Dächer, fremdartig rot gebrannt, sie mag dich. Obwohl hier alles kalt sein könnte, flüstert der Wind leise Liebesbekundungen in dein Ohr. Die Schneeflocken sehen aus wie im Fernsehen, die Sonne strahlt um ein vielfaches heller, der Regen ist nasser und sogar die Werbung ist noch dümmer als sonst.
Ein Windstoß, ein Wirbel, hoch zu den Seilen, die knarren wie Takelage. Sie führen zu dem Zeppelin, angetaut hoch oben über der Stadt, jeden Moment einsatzbereit. Es fehlt nur ein Kapitän, der da einen Kurs befiehlt.
Dein Mobiltelefon vibriert. Erst jetzt bemerkst du die Gänsehaut auf einem Rücken.
Die Ferne ruft an.

Gender Check

gendercheck1Foto: © MUMOK

Wenn ich schon in Wien wohne, kann ich mir auch ab und an ein wenig Kultur gönnen. Immerhin gibt es hier unglaublich viele interessante Museen. Die meisten davon hat man im sogenannten Museumsquartier versteckt, damit Leute wie ich, die nach freistehenden Museen suchen und denken, sie würden das wohl schon entdecken, erst nach längerer Suche am Ziel ankommen. In dem “Innenhof” der ehemaligen Hofstallungen hat man die Kunsthalle, das Leopoldmuseum und das MUMOK gesteckt. Das muss man ja auch erst einmal wissen. Andererseits hätte ich auch fast meinen seit lang gehegten Plan, einen Tag lang mit den Straßenbahnen Wiens zu fahren, unfreiwillig wahr gemacht, weil ich zu doof war, die Richtung zu checken. Aber ich habe ja schon einmal festgestellt, dass das gonzojournalistische Prinzip des auf-alles-vorbereitet-seins meistens bedeutet, dass man überhaupt nicht vorbereitet ist.

Gender Check ist eine Ausstellung über – Überraschung! – Geschlechterollen in Osteuropa. Bzw. die Auseinandersetzung der Kunst mit Geschlechterollen in Osteuropa. Interessanterweise wurde im Sowjetkommunismus ja eine “geschlechterlose” Gesellschaft propagiert, die aber nicht wirklich umgesetzt wurde, wobei sehr viel mehr Frauen Lohnarbeit verrichtet haben als im Westen. Natürlich spiegelt sich dieser Umstand auch in der Kunst wieder, vor allem im sowjetischen Realismus bis 1960. Im ersten Teil der Ausstellung sind heroische Darstellungen von arbeitenden Frauen zu sehen, erstaunlich oft als Bauarbeiterinnen. Aber auch hier ist eine Arbeitsteilung und damit Rollenbilder zu erkennen. Die meisten Bilder zeigen Frauen in Webereien, in der Lebensmittelindustrie, während die Stahlarbeiter allesamt Männer sind. Trotzdem: die Bauarbeiterinnen bleiben im Gedächtnis. Diese Werke sind Teil der offiziellen Kunst gewesen und damit Teil der Staatspropaganda, die von inoffizieller Kunst als Märchen enttarnt werden.

gendercheck2Michails Korneckis (Lettland) – Mädchen, packen wir es an, 1959 © Normundus Braslins

Vor allem ab den 1970er Jahren beginnen Künstlerinnen, Selbstdarstellungen anzufertigen und decken hier in der offiziellen Kunst nicht vorhandene “Weiblichkeit” auf. Ein Bild mit einer über die Kloschlüssel gebeugten Schwangeren trägt den simplen Titel “Eine Frau”.

Und so staunte ich mich durch die Ausstellung, schaute kurz in einige Filme rein, die ich immer ein wenig sinnlos finde, wenn sie länger als zehn Minuten dauern, denn sie reißen einen oft aus der eigentlichen Ausstellung und ganz ehrlich, eine Stunde auf einem Hocker in einem Museum sitzen bleiben, das halte ich nicht wirklich aus. Es fällt mir schon schwer genug, in meinem Zimmer eine Folge “X-Files” anzusehen, ohne zu schauen, was gerade bei twitter passiert. Nach einigen Versuchen ließ ich die Filme also Filme sein und bedauerte, nicht über mehr Zeit und Auffassungsfähigkeit zu haben. Außerdem ärgerte ich mich darüber, kein real-life-ffffound zu haben und dass es offensichtlich auch in großen Museen Gang und Gäbe ist, Glasrahmen so zu beleuchten, dass man die Ausstellungsstücke gut als Spiegel benutzen kann, jedoch das Werk selbst kaum sieht.

gendercheck3Wojciech Fangor (Polen) – Figures / Postaci, 1950 © Wojcieh Fangor

Die sexuelle Revolution gab es, Überraschung, nicht nur im Westen. Perfomances, Videoinstallationen, Body Art und die Fotografie waren nicht nur neue Medien, sondern auch Ausdruck einer neu erlebten Sexualität. Feminismus wird angedeutet. Auch die klassischen männlichen Rollenbilder, allen voran der Soldat, werden gekonnt dekonstruiert. Auch andere Sexualitäten und Beziehungsformen als die das durch Propaganda geprägte heterosexuelle Norm werden dargestellt.

Nach 1989 veränderte sich so einiges. Der Teil Gender und Kapital zeigt, dass mit dem Kapitalismus/der Wende auch Prostitution, Menschenhandel und die Pornoindustrie verstärkt nach Osteuropa gekommen sind. Milchtüten für Brustmilch, ein Menschenhandel-Monopoly und mutmaßliche Bankangestellte, die “Money Money” von ABBA singen bildeten meiner Meinung nach einige Highlights von diesem Teil, der mich im Großen und Ganzen sehr begeistert hat. Ob das daran liegt, dass “Sex sells”, oder ob ich auf neueres Material einfach besser anspreche, weiß ich nicht. Immerhin ist Pornografie ja heute auch allgegenwertig.

gendercheck4Eva Filova (Slovakei) – Without Difference, 2001 © Eva Filova

Allgemein scheinen die Kunstwerke nach 1989 freier, aber auch wesentlich stärker am Westen interessiert. Das Projekt einer polnischen Künstlergruppe, die eine virtuelle Präsidentschaftskandidatin zur Wahlen stellen lassen wollten, inklusive Wahlkampagne, wirkt dann doch sehr “westlich”. Wobei ich die Idee ziemlich gut fand und sie auch super ausgeführt war.
Natürlich gibt es auch eine Abrechnung mit den Diktaturen und ihren Geschlechterrollenbildern vor 1989 in der Kunst. Nicht nur die DDR-Künstlerin, die die Stasiakten über sich selbst mit Fotos zu den Beobachtungen der Spitzel spickt, sondern auch viele Werke, die die Rolle der Armee und der Männer in ihr beleuchten und karikieren.

Insgesamt ist Gender Check sehr sehenswert. Ein wenig hat mich gestört, dass das ganze ein wenig zu sehr wie ein “Best Of” wirkte. Von manchem hätte ich gerne mehr gesehen, anderes fand ich dann nicht so umwerfend, aber ich würde jeder Person, die ein klein wenig was mit Gender, Kunst oder Osteuropa anfangen kann, dringend empfehlen, das MUMOK zu besuchen. Die Ausstellung läuft noch bis zum 14. Februar 2010. Die Ausstellung hat auch eine eigene Webseite.

In All My Dreams, it Never is Quite as it SeemsRovena Agolli (Albanien) – In All My Dreams, it Never is Quite as it Seems, 2002 © Rovena Agolli

Nicht nur Glühwein.

Na endlich. Seit ich meinen ersten Spaziergang durch Wien, genauer durch meinen eigenen Bezirk gemacht hatte, wusste ich, dass diese Stadt unglaublich/verdammt/sehr inspirierend sein kann. Und nachdem ich schon fast angefangen hatte, über einen Asiaten, der in Wirklichkeit ein Vampir oder zumindest ein Mystiker sei, zu schreiben, fing die Uni an zu brennen und ich stürzte mich erstmal in einen Monat voll Protest. (Der übrigens immer noch anhält und über den ich auch gerne mal mehr schreiben werde.) Aber endlich habe ich wieder dieses Kribbeln in den Fingern. Merkwürdig auch, wie das sich ankündigt, wie ich immer wieder öfters in Backend wechsele, nur um mir die Statistiken anzusehen, wie ich darüber nachdenke, zu schreiben, ohne es wirklich zu tun, wie ich dann unwillkürlich auf den Link zum Backende klicke, nur um jetzt darüber zu schreiben, dass ich wieder Lust habe, zu schreiben. Und so was kann man ja einfach “meta” nennen, es kursiv setzen und anfangen.

nichtnurgluehwein

Hier im Osten wird es viel zu früh dunkel. Ich werde mich daran wohl nie so richtig gewöhnen, genauso wenig wie da hier sein soll und dort da. Aber nicht umsonst komme ich aus dem Land, das den Mörtel für den großen Turm zusammen mischte. Fast unvorstellbar, zurückzukehren. Hier ist eine gute Fliehburg, ein sicherer Hafen für das Luftschiff während des Winters.
Aber ist hier “Zuhause”? Ein Ort, der dir immer noch so fremd ist? Glaubst du überhaupt daran, dass du je ein Zuhause haben wirst? Ist es nicht eher so, dass dein Leben ein ewiges Roadmovie sein sollte? Hast du dir die Flucht vor der Apokalypse nicht auf die Fahnen geschrieben? Sesshaft werden ist für Menschen, die an die Ewigkeit glauben.
Poetische Landschaften entfalten sich vor meinem geistigen Auge, und ich weiß nicht, wie ich sie beschreiben soll, ohne sie zu zerstören. Einfache Worte können unglaublich glücklich machen, sie können aber auch der vernichtende Strahl des Todessterns sein, der Planeten in Milliarden Stücke zerspringen lässt wie billiges Porzellan. An der Bushaltestelle atme ich – wieder einmal, jene Luft ein, die nach Winter und Frost schmeckt und frage mich, wann er wohl endlich kommt und dieser Stadt einen weißen Mantel anlegt. Vielleicht habe ich ihn auf vertrieben mit Fackel und Feder?

Wärme könnten wir gerade alle gut gebrauchen. Nicht nur Glühwein.

photo cc by ethan lindsey

Auf Wohnungssuche in Wien

wohnungssucheinwien

Dieser Artikel erscheint Mitte Dezember in der neusten Print-Ausgabe der Queesch. Da ich meine BlogleserInnen aber besonders liebe und hier schon viel zu lange nichts mehr geschrieben habe, dürft ihr ihn schon jetzt lesen. Ach, und falls es jemand noch nicht mitgekriegt haben sollte: die erste Folge des neuen luxemburgischen Podcasts Gedibbers ist online.

Freitag Abend. Ich steige aus der U-Bahn, mir schlägt kalte Luft entgegen. Sie riecht nach Winter. Ich versuche, mich zu orientieren, was mir aus zwei Gründen nicht leicht fällt: Erstens bin ich ein ganz klein wenig angetrunken, zweitens befinde ich mich in Wien, einer Stadt, die mir zu diesem Zeitpunkt noch nicht sehr bekannt ist. Später werde ich merken, dass ich eine U-Bahnstation zu früh ausgestiegen bin, aber immerhin ist mir der Weg hier bekannt. Ich bin im Zeitdruck, denn vor ungefähr zwanzig Minuten hat mich Jan, dessen Zimmer in einer WG ich haben will, angerufen und mich gefragt, ob ich nicht noch einmal vorbeikommen könnte, da jetzt mehr Mitbewohner da seien, die sich gerne mit mir unterhalten würden. Aus Angst, zu spät zu kommen und eine Mitbewohnerin, die nur kurz da sein wird, zu verpassen, laufe ich sogar ein Stück. Lieber verschwitzt ankommen und zeigen, dass ich den WG-Platz wirklich will, als zu spät kommen.

Ich geb’s ja zu: Ein klein wenig habe ich mich schon um die Wohnungssuche gedrückt. Eigentlich hätte ich viel früher damit anfangen können, mir etwas zu suchen, immerhin kannte ich auch schon vor meiner Ankunft hier in Wien einige Leute. Und es ist ja nicht so, als würde man Wohnungen heutzutage in Zeitungen oder auf schwarzen Brettern suchen. (Obwohl das vielleicht die beste Methode ist, immerhin GIBT es noch Anzeigen auf den schwarzen Brettern dieser Welt!) Ich habe also ein paar FreundInnen angeschrieben, ob sie niemanden kennen würden, der/die einen Mitbewohner aus Luxemburg sucht. Vielleicht würde die Traumimmobilie ja einfach so ohne weiteres Zutun zu mir kommen und ich müsste nur noch „Ja!“ sagen.

Als dann nach und nach klar wurde, dass dem wohl nicht so sein würde, sah ich mir einige Mitbewohner-Gesuche im Internet an, schrieb Dutzende Mails, von denen nur die wenigsten beantwortet wurden und buchte einen Flug nach Wien. Vier Tage gab ich mir Zeit vor Ort, eine Wohnung oder eine WG zu finden. Währenddessen würde ich bei einem Kumpel unterkommen.

Fünf Minuten nachdem ich den Flug gebucht hatte, schrieb mich eine Freundin aus Wien an und fragte, ob ich nicht zusammen mit ihr in eine WG ziehen wollte. Natürlich wollte ich. Das Problem war nur: Für die WG gab es noch keine Wohnung. Schlagartig änderten sich also meine Suchkriterien von „Ich will ein Zimmer, möglichst abschließbar“ zu „eine Wohnung mit drei getrennt begehbaren Zimmern in guter Lage“. Vor allem die drei getrennt begehbaren Zimmer sind in Wien schwierig. Es scheint früher durchaus gang und gäbe gewesen zu sein, Leute in Durchgangszimmern einzuquartieren. Was natürlich blöd ist, denn solche Zimmer muss man immer aufgeräumt und sauber halten, Freundinnen und Drogen sind möglichst unauffällig zu platzieren. Will sagen: Nichts für Studierende.

Weil die Aussicht auf einen Fund nicht so gut aussah und obwohl ich mich ziemlich daran klammerte, besuchte ich zwei WGs, die MitbewohnerInnen suchten. Auf dem Weg zur ersten Wohnung erzählte mir mein Kumpel, der mich zwecks Ortsfindung begleitete, dass Hitler, der ja auch irgendwann in Wien eine Wohnung gesucht hätte, bei der Wohnungssuche einer eventuellen Vermieterin wohl so sehr gefallen hätte, dass diese ihren Bademantel absichtlich fallen gelassen hätte. Wie hätte sich die Geschichte wohl verändert, wäre er nicht mit hochrotem Kopf aus dem Haus gerannt?

Bei meinem Besuch in der Sechser-WG gehen mir ganz andere Dinge durch den Kopf. Zum Beispiel, dass es eine ziemlich dumme Idee war, sich nur zwei WGs anzusehen und zu hoffen, dass eine geeignete Wohnung für die geplante WG-Gründung vom Himmel fallen würde. Ich habe gerade eine Absage für die andere Wohnung, die ich mir angesehen habe, bekommen. Die hätte etwas weniger gut gelegen, das Zimmer wäre aber größer gewesen. Dieses „Bewerbungsgespräch“ war also quasi meine letzte Chance, sollte ich doch am nächsten Tag wieder nach Hause fliegen. Es ist teilweise sehr verwirrend, in einer Großstadt, die man nicht wirklich kennt, eine Wohnung zu suchen. Zum Glück ist Wien in Bezirke eingeteilt, was sie Suche ein wenig erleichtert, vor allem, da es offenbar einige „Bad Bezirke“ (analog zu der „Bad Bank“) gibt, in denen man sich keine Wohnung suchen sollte. Außerdem kann man die Bezirke des historischen Stadtzentrums gleich mal weglassen, es sei denn, man hat im Lotto gewonnen. Gut, dass ich einen Menschen zur Seite hatte, der vor einem halben Jahr das gleiche Problem gehabt hatte und die Tücken des Wiener Wohnungsmarktes recht gut kannte.

Ich unterhalte mich also mit der Mitbewohnerin, halte zum gefühlten millionsten Mal ein Spontanreferat über Luxemburg und versuche wie ein guter WG-Mensch zu wirken, obwohl ich eigentlich überhaupt nicht weiß, wie das in einer WG so wirklich vor sich geht. Immerhin kann ich als erstes von fünf Kindern behaupten, ich wüsste, wie es ist, in einem Haushalt mit mehreren Personen zu leben. Jan, dessen Platz ich haben soll (das mit dem Zimmer ist nochmal komplizierter), bietet mir nach der ersten 0,5 l-Dose Bier ein merkwürdiges Getränk an, das, Zitat eines Mitbewohners, schmeckt „als ob man eine Distel“ trinkt. Und ein klein wenig wie „Tegel“, ein Gel, das in meiner Familie als Wunderwaffe gegen jede Art von kleinen Entzündungen im Mund verwendet wird.

Nach einiger Zeit ist das Gespräch beendet, ich achte darauf, mein Glas selbst zum Spülstein zu bringen und werde mit der Ankündigung, das Gitter zum Innenhof sei nun sicherlich zu und ich müsste wohl darüber klettern, verabschiedet.

Nachdem ich über das sicherlich zwei Meter hohe Gitter geklettert bin, was ich wahrscheinlich nur wegen des Alkohol in meinem Blut schaffe, laufe ich an einem Elektrofachgeschäft vorbei: „Nur Miele, Miele, sagte Tante, die alle Waschmaschinen kannte“ steht dort im Schaufenster. Ich muss grinsen und torkele zurück zu der Geburtstagsfeier, von der ich gekommen war.

Am nächsten Tag wache ich verkatert auf, dusche schnell und eile zum Bus, der mich zum Flughafen Bratislava fährt. Dort mahnt mich ein Schild, kein radioaktives Material mit an Bord zu nehmen. Dargestellt ist das radioaktive Material auf dem Schild durch eine Styroporbox, auf der das Radioaktivitätszeichen abgebildet ist. Nach dem kurzen Flug, während dessen ich glücklicherweise fast die ganze Zeit schlafe, mache ich mir bei meiner Ankunft in Hahn ernsthaft Sorgen. Was, wenn ich den Platz in der WG nicht bekomme? Wie soll ich von Luxemburg aus eine Wohnung finden?

Irgendwo zwischen Hahn und Luxemburg ruft mich Jan an und sagt mir, dass ich in die Wohnung einziehen darf. Ich mache einen Luftsprung. Nur innerlich, da ich ja in einem Auto sitze und angeschnallt bin und ich die Fahrsicherheit nicht beeinträchtigen will.

Zu Hause wartet eine Email mit einem weiteren Angebot für eine WG auf mich.

photo cc by problemkind