Badezimmer

Sunday, March 2nd, 2008

Das Badezimmer ist viel zu hell jetzt. Früher waren die Fliesen rosa und das warme, aber schwache Licht über dem Spiegel ließ einem das eigene Spiegelbild wie ein Polaroidfoto erscheinen, wie weich gezeichnet.
Es ist warm, als du herein kommst, einen großen Krug Tee in der Hand, obwohl du sie erst vor wenigen Minuten eingeschaltet hast. Du fragst dich kurz, wieso das Badezimmer so schnell heiß wird, während die Heizung in deinem Zimmer nur blubbert, das Zimmer aber ewig kalt bleibt.

Die Gedanken wirbeln wild durcheinander. Unerfülltes Sexualleben prallt gegen wiedergefundene Gedichte. Du liegst im Bett und wünschst dir, sie würde neben dir liegen, obwohl dort überhaupt kein Platz ist. Merkwürdige Flugblätter über vermisste Hunde. All deine Wünsche bedeuten nichts, denn du wünschst sie nicht wirklich. »Es ist einfach nur langweilig.«, meint sie und du weißt nicht, was du sagen sollst. Dazwischen die Flucht vor den eigenen Eltern, wie aus einem dieser Drogenbücher, die man in der Schule lesen musste. Unwirklich, ihre Stimme am Telefon. Du wolltest vorlesen. Die Sterne verschwinden im Regen, der alles verschluckt. Jetzt ist der Winter schon wieder fast vorbei. Sie spielt mit dem Gedanken, dir Texte zu zeigen. Das ist fast so gut wie Sex. Mit Zwanzig hat niemand mehr Illusionen. Du weißt noch, dass du geträumt hast, aber die einzige Erinnerung ist eine karamellfarbene Pampe, die wie aus einem Fleischwolf gepresst durch deinen Kopf zieht. Ein verwischtes Bild, auf in Großbuchstaben mit eben dieser Pampe »SEX« geschrieben steht. Alles unklar. Vielleicht ging es auch nur um Geld. Der Frühling, der Sommer, er wirkt bedrohlich. Unfälle auf den Vogelfelsen irgendwo am Mittelmeer. Wie lange kannst du dir das alles noch anhören?

Der Spiegel wirkt wie ein scharfes Messer, das die unbarmherzige, haarige Realität hervorzeigt. Vielleicht sehen alle anderen durch deine Kleider hindurch, erkennen das Monster, das sich darunter verbirgt, und das ist der wahre Grund. Das wäre nett, immerhin kannst du wenig dafür und bist dennoch Schuld. Das warme Badewasser lässt dich alles vergessen. Ein Krug voller Tee und ein Buch mit melancholischen Kurzgeschichten.
Dies ist der Himmel. Für kurze Zeit.

Unproduktiv

Wednesday, January 16th, 2008

Ich bin momentan sehr unproduktiv. Ich weiß nicht mal wieso – es ist eine Art generelle Lustlosigkeit. Ich habe weder die Emails, die auf Antwort warten, beantwortet, noch an irgendwelchen Projekten gearbeitet, irgendetwas geschrieben oder aufgenommen, ich habe nicht einmal irgendwelche großartigen IM-Gespräche geführt, und ich weiß nicht mal, ob ich das später noch tun werde. Ich lebe von Tag zu Tag – scheinbar ohne großes Ziel vor Augen. Ich sitze mit Tee und Muffins hier und fühle mich einfach nur leer. Die Muffins sind irgendwie so klebrig, dass man nur die Wahl hat, das Papier mitzuessen oder einen guten Teil Teig wegzuwerfen. Ich habe mich für letzteres entschieden, nehme ich doch schon ernährungsbedingt relativ viel Ballaststoffe auf.

Es fühlt sich merkwürdig an, mal wieder »einfach so« zu bloggen. Ich weiß nicht, wann ich das das letzte Mal getan habe, so Bauchbloggen ohne zumindest eine Zielsetzung. Als ich die Pressemitteilung für die Lesung Mitte Dezember rausgehauen hatte, wollte ich der Presse erst mal ein Blog ohne Katzenbildercontent bieten (was natürlich Blödsinn ist, man kommt hier nach zwei Klicks zu Inhalt, der ganz und gar nicht literarisch ist) und habe mich deshalb mit solchen Artikeln zurückgehalten, und dann fühlte es sich eine gute Zeit lang irgendwie falsch an, »einfach so« zu schreiben.

Vielleicht geht es mir auch deshalb so, weil ich zwischen die Fronten einer merkwürdigen Verschwörung geraten zu sein scheine, auf der einen Seite der Geheimdienst, auf der anderen die rechts ultrakommunistische ADR Pol-Pot-Brigade (oder so ähnlich). Das regt einen dann einige Minuten am Tag auf und dann schreibt man ein paar tolle Zeilen und die Welt sieht wieder anders aus.
Die Zeit fliegt dahin mit Nachgrübeln und Wikipedia-Rumgeklicke, und alle paar Minuten schreibe ich einige Zeilen oder auch nur Wörter in diesen Artikel.

Es gibt auch kein Fazit. Vielleicht sollte ich nur anmerken, dass ich meinen Tee mit Zucker weitaus leckerer finde als in gesund.