Verlorener Tag

Saturday, March 29th, 2008

Dies wäre ein verlorener Tag, meintest du. Und ich entgegnete, dass es wohl wichtig wäre, die Bilder des letzten Abends, der vergangenen Nacht Revue passieren zu lassen und sich dem wohligen müden Gefühl der Dehydrierung hinzugeben. Du klagtest über Kopfschmerzen und die Unmöglichkeit, einen Kater zu genießen. Ich hingeben, der nie Kopfschmerzen hat, meinte, dass auch dies dazugehörte.

Den Körper bis an die Grenzen treiben. Wie ein Irrer mit einer lächerlichen Sonnenbrille durch die Nacht laufen und ständig Thompson zitieren, was auf die Dauer nicht witzig, sondern nur nervig ist. In einem schicksalhaften Lokal brennt noch Licht, durch die halb heruntergelassenen Jalousien siehst du den Besitzer mit einem Freund diskutieren. Man hat dich überall vertrieben, und hier, mitten in der Nacht kommt dir die Erkenntnis:

Das, was wir brauchen, ist ein Zeppelin. Du siehst es schon vor dir. Ein gigantisches Luftschiff am Himmel über Norwegen, nur mit den LJM an Bord. Neben der luxuriösen Ausstattung gibt es noch ein paar weitere Argumente: Reisefreiheit, die Möglichkeit, unwillige LeserInnen zu entführen sowie die offensichtliche Inspiration, die von diesem Objekt ausgeht.
Du siehst dich selbst in deiner Kabine sitzen und deine Texte in die Tastatur einer altmodischen, mechanischen Schreibmaschine, die auf wunderbare Art und Weise mit einem Computer verbunden ist, hauen. »Klack! Klack! Klack!« macht die Maschine, während das Luftschiff starr seinen Kurs beibehält und nach Island fährt. (Fahren oder fliegen Luftschiffe?)

Wortlos/Muselos/Endlos

Saturday, February 23rd, 2008

Du fühlst dich wortlos ob des leeren Formulars, in das du deine Texte reinhaust. Du hast dich quasi entfremdet von dem Ding, was du am liebsten tust, was dir so viel Freude bereitet, und das du nie aufgeben willst, weil es für dich quasi so wichtig ist wie atmen. Und deshalb quälst du dich durch die ersten Zeilen, drückst die ersten Worte heraus wie jemand, der Verstopfung und schweren Stuhlgang hat, bemerkst aber dann, dass die Wörter wieder zu fließen beginnen, sobald du dabei bist. Es ist das Anfangen, was dir so verdammt schwer fällt dieser Tage, aus welchem Grund auch immer.

Eine Muse würde dir fehlen, hast du gesagt. Du weißt, dass das teilweise stimmt und teilweise auch wieder gelogen ist. Es gibt doch eine, die als Muse funktionieren könnte, die in deinen Träumen auftaucht und sich dort ohne Probleme an deinen Körper schmiegt. Als würden Träume irgendetwas aussagen. Leise hegst du den Verdacht, dass die Muse wohl eher Johnnie Walker heißt. Jetzt werden sie wieder alle kommen, mit ihren guten Ratschlagen betreffend Magenschleimhaut und Leber. Überhaupt, all diese guten Ratschläge!

Du möchtest ihr sagen, dass du dir vorstellen könntest, sie zu lieben.
Aber was ist das für eine Aussage? Als ob das irgendetwas bedeuten würde! Du könntest dir auch genauso gut vorstellen, mit A. in einem Haus mit zwei großen Hunden irgendwo in der südamerikanischen Pampa zu leben und den ganzen Tag Rum zu saufen. (Prost!) Man kann sich so ziemlich alles vorstellen. Deshalb sind solche Aussagen eigentlich nichtig. Aber nur eigentlich.
Denn das, was du mit den Worten, die nichts aussagen vermögen, auszudrücken versuchst, ist etwas großes, gewaltiges. Ein Schritt von umgekehrt-armstrongischen Ausmaßen, der eigentlich heißt: Ich könnte mich in dich verlieben. Ich wäre sogar bereit dazu, wenn es passieren würde. Und ich glaube, ich würde es nicht bereuen.

Ein Jahr, fünf Monate und anderthalb Wochen später:
Sieben Personen fahren in einem alten VW-Bus durch Skandinavien, vorbei an Seen, die den Landratten erscheinen wie kleine Meere. Im Autoradio läuft Sigur Rós. Man genießt das wunderbare Gefühl des Erlebens, des Lebens in der Gegenwart, die Gemeinschaft und vielleicht auch die Gewissheit, an der Spitze von etwas Neuem zu stehen. Beat-Generation, die Beatles und Yoko Ono, ein beliebiger Tourbus einer erfolgreichen Band, LJM. Während du auf deinen Knien dein momentanes Lebensgefühl notierst, in ein noch jungfräuliches Exemplar deiner berühmt-berüchtigten grauen Bücher, A. Witze macht, eine Flasche mit Biowein herumgeht, was dich an andere, vom Gefühl her ähnlichen Zeiten erinnert, T., L. und S. sich halb flüsternd – aus welchem Grund auch immer, über ein Buch, das sie alle drei in der Schule lesen mussten, unterhalten, hat sie ihren Kopf auf deine Schultern gelegt und ist eingeschlafen.
Du bist glücklich.
Dies ist das Ende der Welt.

Choose your weapon

Saturday, February 16th, 2008

Choose your weapons

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Schreibsklave

Monday, October 29th, 2007

Roboter schreibt Bibel copyright by Robotlab
Ein Insdustrieroboter schreibt die Lutherbibel auf Endlospapier.
Mehr Bilder hier und mehr Informationen bei robotlab.
(via boingboing gadgets)

Wieso ich blogge (II)

Tuesday, January 30th, 2007

Weil es die gottverdammte Revolution ist.

Es war nie einfacherer, Texte ins Internet zu setzen. Aber ich hatte auch mit komplizierten Lösungen nie meine Probleme. Ehe ich auf das Blog-CMS Nucleus umgestiegen bin, habe ich das Blog jeden Tag als HTML-Text geschrieben und geupdated. Irgendwann dachte ich, dass es wohl furchtbar schick wäre, ein RSS-Feed zu haben. Dann habe ich das RSS-Feed halt auch selbst gecodet.
Trotzdem gibt es mehr als genug Leute, die sich alleine bei der Vorstellung, auch nur irgendetwas mit HTML zu tun haben zu müssen, vor Angst fast in die Hose machen oder schon keine Lust mehr haben.

Mit Blogs ist das egal. Es funktioniert einfach oder man findet einen hilfsbereiten Menschen, der einem das Blog einrichtet. Das muss einmal getan werden, und dann kann man schreiben. Das kann jeder tun, und ebenso kann jeder es danach lesen.

Die umgekehrt chronologische Reihenfolge der Einträge scheint den meisten Menschen gut in den Kram zu passen. Vielleicht liegt es auch einfach nur an unseren Lesegewohnheiten im Internet. Das aktuellste steht oben, wo es am besten sichtbar ist.
Man muss, anders als bei “personal homepages“, nicht lange suchen um zu finden was man sucht oder was man finden soll. Das Design ist einheitlich, was die Übersichtlichkeit nochmals erleichtert.

Gut: Jeder kann bloggen und jeder findet sich mit Blogs zurecht. Ist das nun schon die Revolution?
Die wahre “Revolution” entsteht durch das Linken, die Kommentarfunktion, die Fähigkeit, nicht nur Texte ins Internet zu setzen, sondern sich auch mit anderen Menschen auszutauschen. Es gibt wohl kaum ein Medium, dass eine direktere Kommunikation zwischen Sender und Empfänger ermöglicht als das Blog.

Ich hatte anfangs sehr wenig Kontakt mit anderen Bloggern. Alle Blogs, die ich damals (back in 2001/2002) fand, erschienen mir uninteressant oder ich verstand nicht sofort, worum es dabei ging. Trotzdem war Bloggen für mich eine wichtige Sache - obwohl ich zeitgleich auch eine/mehrere Homepages unterhielt. Irgendwann kam dann auch der “Klick” mit Kommentaren und Kontakt zu anderen Blogs, und mit einem Schlag traf ich auf eine völlig andere Welt, etwas großes, das mich sofort faszinierte.

Ich denke, diese Gedanken kann man noch vertiefen. Und da ich “Wieso ich blogge” von Anfang an als Reihe konzipiert habe, wird da wohl noch einiges nachkommen. Ich finde es jedenfalls interessant, über das Bloggen zu bloggen. Und da mir die Frage nach dem “wieso eigentlich” in den letzten Tagen öfters gestellt wurde, bringe ich so einige dieser Gedanken auch hier unter.

Nicht ohne.

Thursday, December 7th, 2006

Ich kann nicht mehr ohne. Es geht einfach nicht. Ich kann mir ein Leben ohne Schreiben nicht mehr vorstellen. Wenn ich beide Hände verlieren würde, das wäre so schrecklich, da könnte ich auch gleich meine Lungen verlieren.
Ich habe heute erfahren, dass ich als Embryo einmal Kiemen hatte. Wie übrigens ein jeder von uns. Das ist eine wundervolle Information. In meinem früheren Leben war ich ein Fisch, heute bin ich ein Wal. Wir sind Wale im Ozean des Belanglosen.
Und wenn ich heute aufschreibe, wie es mir geht, dann tue ich dies, weil ich irgendwann wieder diesen Eintrag lesen werde und mich errinneren kann, dass der 7. Dezember 2006 ein völlig verregneter Tag in dem viel zu warmen Dezember 2006 war.

Nehme ich meine Umwelt so war, wie ich könnte? Lebe ich mit all meinen Sinnen? Was ist der letzte Geschmack in meinem Mund, an den ich mich erinnere? Der letzte Duft in meiner Nase? Das letzte Bild, das ich wirklich betrachtet habe? Das letzte Lied, das ich nicht nur zur Berieselung gehört habe?
Wenn ich den Regen so betrachte, könnte ich alles andere einfach vergessen.