Hallo Tageblattleser!

Wednesday, August 13th, 2008

Ich war schon ein wenig erschreckt, als ich erfuhr, dass der Artikel (Er ist noch nicht online, ich verlinke ihn, sobald es soweit ist, vorerst müsst ihr mit dem gratis Epaper vorlieb nehmen.) über mich und mein Blog hier heute erscheinen soll. Wieso? Weil Janina Strötgen, die Kulturredakteurin, die mich interviewt hat, eigentlich mit mir abgesprochen hatte, dass ich den Text zuerst nochmal lesen könnte, ehe er in den Druck kommt. Eigentlich war das, weil Zitate von meinem Blog verwendet werden sollte und ich nicht wollte, dass Dinge, die in einem bestimmten Kontext im Netz stehen, nicht aus diesem Kontext herausgerissen neben meinem Foto in der Zeitung erscheinen. Ich finde das legitim, viele Leute verfahren nach dem Modus des “autorisierten Interviews«. Ich wollte das eigentlich nur für die Zitate so, aber hätte ich nur darauf bestanden! (Na ja, habe ich ja. Wurde mir ja auch zugesichert. Aber Journalistenversprechen Kulturrdakteurinnenversprechen bedeuten anscheinend rein gar nichts.)

Na ja, das erste was mir aufgefallen ist, hätte ich damit wohl auch nicht verhindern können. Auf der Titelseite ist neben meinem Foto, auf dem ich nur halb zu sehen bin, weil ein Laptop, das in dieser Größe wie ein Druckfehler wirkt, den Rest meines Gesichtes verdeckt, mein Name als Adamis abgedruckt. Gut, auf den meisten Tastaturen ist das »i« nicht unbedingt sehr nahe am »s«, aber sowas kann ja schon mal passieren.

Zum Glück wurde mein Name sonst immer richtig geschrieben, sogar das Trema auf dem e ist immer vorhanden. Das Laptop wirkt immer noch wie ein Druckfehler, aber hey, das ist schließlich die Kulturseite, da müssen die Leute ja mitdenken. Ich bin auch nicht einer der ersten Blogger Luxemburgs, sondern der erste Blogger Luxemburgs. Es sei denn, es gibt irgendwo einen Luxemburger, der schon länger bloggt. Hat aber noch niemand gefunden.

Ich mag das Books&Beans, aber es ist alleine schon deshalb nicht mein Lieblingscafé, weil es nur bis Achtzehn Uhr auf hat. Hab ich überhaupt ein Lieblingscafé? Klingt ein wenig wie im Poesiealbum, à la »Lieblingsfarbe, Lieblingsbuch, Lieblingstier?«. Das Laptop ist auch nicht meins, sondern war ausgeliehen, um in Marseille Angscht a Schrecken zu Lëtzebuerg produzieren zu können. Wer mir es geliehen hat, kann sich der geneigte Leser ja denken. (Tipp: Es erscheint regelmäßig Werbung im Kulturteil des Tageblatts für die Muttergesellschaft!) Ich hab das Laptop auch eigentlich nur wegen der Fotografin ausgepackt, weil die unbedingt ein Foto damit machen wollte. Ich habe leider zu spät gemerkt, dass wir in der Kinderecke des B&Bs saßen, in dem die Harry Potter-Bücher stehen.

Für mich ist »der« Blog das geeignete Medium für überhaupt nichts. »Den« Blog gibt es nämlich nicht. DAS Blog. Von DAS Weblog. Von DAS Logbuch. Ich bin ja der Meinung, dass “der Blog« von Leuten kommt, die glauben, das sein nur eine »coole« Schreibweise von »Block«.

Das Interview ist zum größten Teil konstruiert aus einzeln Satzfragmenten, die ich fast alle so gesagt habe, jedoch oft genug aus dem Kontext gerissen wurden und teilweise unverständlich sind. Drei Fragen des »Interviews«, das in Wahrheit eher ein Gespräch war und in dem ich relativ viel geschwaffelt habe, in der Hoffnung, viel brauchbares zu sagen und die Dinge so gut wie möglich zu erklären, drehen sich um einen Satz, der so nie im Blog stand und jetzt auch nicht mehr im Blog steht.
Gut, meine Schuld, ich hab ihn kurz nach dem Interview entfernt, weil er nicht furchtbar wichtig war, mit Zwanzig dann doch ein wenig peinlich wirkte und vor allem, weil ich mir eine neue Vorstellungsseite gebastelt habe. Der betreffende Satz ist übrigens falsch zitiert und stand so nie im Blog. Und jetzt halt nicht mehr.

Die virtuell/real-Diskussion hatten wir auch kurz, und da habe ich länger und bessere Sätze als die kleinen Häppchen, die uns Frau Strötgen da serviert, von mir gegeben. Ich finde das noch immer langweilig, und all meine guten Beispiele (zB. Die Suche nach der Maus) schafften es natürlich nicht ins Tageblatt.

Ich habs nicht so mit Zahlen, aber ich habe sicherlich nicht gesagt, dass es nur zehn, 15 aktive luxemburgische Blogs gibt. Wenn, dann habe ich »ganz aktiv« gesagt und damit gemeint, dass die sehr oft posten und es einen Longtail gibt, der nicht jeden Tag gegen das Tageblatt anstinkt. Ich habe aber ganz sicher nicht gesagt, dass man bei twitter nur 150 Zeichen benutzen darf. Man darf nur 140 Zeichen benutzen. Es ist auch ein Problem, wenn ich heute in der Zeitung mit »letzte Woche war in Berlin eine twitterlesung« stehe, wenn diese eigentlich vor 3 Wochen war.

Dann kommt der Hammer. »Über was sollst du mit mir reden«, schiebt sich Frau Strötgen dann selbst in den Mund. Ich hatte ja eigentlich gewittert: Werde gerade interviewt und versuche provokative Aussagen zu finden. Hat jemand Ideen? Die Antworten darauf waren diese drei tweets. Letzteren hätte ich als Titel des Artikels genommen, nicht mein billiges Zitat aus einem Artikel der Zeit, den ja niemand verstehen kann, der nicht schon twitter kennt.

Der Rest des Interviews ist eigentlich ganz OK. Aber ich fühle mich nicht wohl, wenn Zeitungen ohne das irgendwie angeben zu müssen, sich halbfiktive Interviews zusammenreimen dürfen. Weiß jemand, ob es in Luxemburg das Recht gibt, Gegendarstellungen einzufordern? ;-)
Für alle die Tageblattleser, die es bis hierhin geschafft haben, vielleicht einige Perlen hier im Blog: Im Allgemeinen der Podcast Angscht a Schrecken zu Lëtzebuerg, die Ina-Geschichte, und alles, was ich über Tageblatt gebloggt habe. Xanga finde ich übrigens keinen guten Blogdienst, benutzt lieber wordpress.com. Eine Webseite der Jeunes Mélancoliques gibt es natürlich auch.

Edit[0808131058] Der Artikel ist jetzt online, habe ihn verlinkt. Ganz dem Credo der alten Medien verlinkt das Tageblatt mich natürlich nicht. Ist ja auch lästig, so Hyperlinks. Was ich vorhin vergessen habe: Seht euch doch in der Epaper-Version die Werbung des Weltverband der Zeitungen an. »Wir haben für sie recherchiert. Sie brauchen nur noch umzublättern.« Selten so gelacht.

Edit[0808132100] Um dann noch einmal Öl ins Feuer zu gießen: Man vergleiche kurz die Inhalte der blauen Infobox in der epaper/Printversion mit dem Wikipediaartikel zu Blogs. Dadurch wird »Wir haben für sie recherchiert. Sie brauchen nur noch umzublättern.« gleich noch einmal lustiger. Darüber muss man nicht diskutieren, Wikipedia ist ja schon ne gute Quelle.

Nomade

Tuesday, July 29th, 2008

Es ist merkwürdig, wieder in Luxemburg zu sitzen. Ich kann jetzt nachvollziehen, wie fremd sich manche Studenten in den Semesterferien hier fühlen, und dabei war ich nur fünf Wochen weg und hatte quasi jeden Tag Kontakt mit Leuten von hier, konnte luxemburgische Medien im Netz lesen (haha! Baut doch endlich mal ordentliche Internetportale, bitte!) und trotzdem ist alles irgendwie fremd geworden. Und das ist sind halt nicht nur die neuen Verkehrsbemalungen in meinem Viertel, sondern auch die fünf Wochen gemeinsame Erlebnisse, die einem fehlen.

A Postcard from Luxembourg cc by Claude Wians

Und das bestätigt mein Gefühl des “Heimatlosen”, dem Wanderer, dem Nomaden, der ständig auf Achse ist und seine Eindrücke ins Netz stellt. Und ich frage mich, ob das Blog dabei hilft. Denn aus dem Schreibwerkzeug, das dem blossen Publizieren von Texten dient, über die dann diskutiert wird, wird ein Mittel zum Kontakt mit den Daheimgebliebenen, Freunden, anderen Reisenden. Das wurde mir deutlicher als sonst, obwohl es keine neue Tatsache ist.

Und dann hat sich auch die Art meines Schreibens geändert. Ich bin, obwohl ich das selbst nicht so wahrhabe, literarischer geworden. Vielleicht liegt das an twitter, dass die skurillen Alltagserlebnisse und -gedanken in 140 Zeichen dorthin verfrachtet werden und somit auf dem Blog mehr Platz für die wirren und die konstuierten Texte ist. Oder aber ich war schon länger so und twitter hat diese Eigenschaft nur polarisiert.

Dann auch die Frage, ob ich nicht gerne mehr politische Artikel schreiben würde, aber das ist stets schwierig. Erstens benötigt das Recherche, für die mir die Zeit fehlt, und zweitens mach ich aus solchen Dingen dann “lieber” Radiobeiträge, weil ich halt auch eine Sendung habe, die ich jede Woche füllen “muss”. Wäre das eine Idee, solche Dinge auch hier zweitzuverwenden oder anders aufzubereiten? Als Podcast oder als Text? Und vor allem: Das funktioniert vielleicht während der Ferien, aber wie sieht es im “normalen” Leben aus?

Ich sitze gerade mit einem Laptop, das nicht meins ist, im heissgeliebten Books&Beans in Luxemburg-Stadt und blogge. Das gefällt mir eigentlich sehr gut, und ich könnte mir durchaus vorstellen, in so einen angenehmen Umfeld zu arbeiten. Die digitale Boheme Luxemburgs, was doch eigentlich schon wieder ein Witz ist, denn damit kann man hierzulande sicherlich nicht leben, oder nur sehr sehr schwer. Aber hip ist es schon.
Würde ein Konzept wie das von spreeblick in Luxemburg funktionieren? Ich könnte mir das schon vorstellen, man müsste halt nur endweder genügend Freiwillige finden, die sich für so etwas begeistern - und das das schwer ist, weiss ich aus der Radioerfahrung - und von der Finanzierung für eventuelle Autoren, die davon leben wollen, reden wir lieber erst gar nicht. Und was das heisst, für Geld zu bloggen, darüber habe ich mir selbst auch noch keine Gedanken gemacht. Ich fände es nur spannend, mein Geld damit zu verdienen, was ich am liebsten mache: in netten Cafés sitzen, mich mit Menschen unterhalten und mehr oder weniger spannende Texte zu schreiben.

Das sind alles nur Gedanken, die mir kommen und die ich nicht so recht einordnen kann. Vielleicht haben meine werten und hochgeschätzten Leser ja Beobachtungen gemacht, die ich von innen nicht sehe?

(Photo cc by Claude Wians)

“D’Wort” heißt wieder “Luxemburger Wort

Sunday, March 23rd, 2008

Und man feiert 160 Jahre Antisemitismus, Nationalismus und römisch katholischen Fantatismus. (Sowie die konsequente Berichterstattung über runde Geburststage, Ruhestandfeiren und die Generalversammlungen aller lokalen Garten&Heim-Vereine.)
»Im Dienste des Menschen« nennt man das beim »Multimedia-Unternehmen« Saint-Paul. Selten so gelacht! Das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen. Jedes einzelne Wort der letzten Zeile.

Und ich bin jetzt am Überlegen, ob mir die quick&dirty-Methode des L’Essentiel nicht lieber ist. Da gibt es zwar eigentlich nur Agenturmeldungen, aber immerhin leugnet das niemand.
Wer ein wenig mehr über die Geschichte des CSV-Kampfblattes lesen möchte, dem ist dieser Artikel des »D’Land« zu empfehlen.

24 essentielle Punkte

Tuesday, November 27th, 2007

Eigentlich hätte ich selbst was zu dem neusten Produkt der Kategorie »Papier, dass man besser als Klopapier hätte verwenden können« geschrieben, aber dann ist mir das hier in die Hände gefallen. Der Text stammt von afurnishedsoul/Jeff Hemmer und unterliegt seinem Copyright. Der Text steht also nicht unter der hier üblichen cc-Lizenz.

Von essentiellen Unterrichtsunterwanderungsmitteln und punktgenau rationierter Papierverschwendung…

Seit einigen Wochen entlädt sich ein wahrhaftiges Nachrichtengewitter über unserer friedlichen kleinen Heimat. Die Demokratisierung der Information schreitet wie auf Stelzen voran. Nach den jüngst erfolgten, durchaus rührenden Bemühungen einiger ReVisionäre um eine vertikale Demokratisierung elektronisch erfasster, persönlicher Daten bei unseren nahöstlichen Nachbarn (auch in der Hoffnung um eine langfristige Steigerung des seit Web 2.0 stark angeschlagenen Briefmarkenabsatzes durch die geschätzten 1.3 Millionen in Deutschland lebenden Terroristen sowie die, vom Bundesverfassungsschutz auf zirka 5000 bezifferten, sogenannten “Autonomen”) schicken sich nun hierzulande zwei konkurrierende Verlagshäuser an, die Demokratisierung der Information auch auf horizontaler Ebene - und vor allem, buchstäblich flächendeckend - voranzutreiben.

Dank L’essentiel und Point24 kommen spätestens seit heute morgen auch arbeitswütige, nimmer-ruhende Zeitgenossen in den Genuss des gefühlten Weltbürgertums - ein Privileg, das bisher nur höheren Funktionären, bekifften Studenten, bei Regen im geschlossenen Fahrzeug wartenden Busfahrern und klischeebewussten Lehrern vorbehalten war. Beide Zeitungen, gratis erhältlich an Hunderten von Abnahmestellen im ganzen Land, versprechen ein maximal gekürztes, dabei jedoch maximal breitgefächertes und reichhaltiges Angebot an News und Meldungen.

Die langfristigen Vorteile dieses neuen, selbst für progressiv-katholische Verhältnisse ausgesprochen revolutionären Service werden sich wohl erst in einigen Jahren in vollendeter Pracht offenbaren. Eine kurzfristige, überaus positive Bilanz lässt sich allerdings schon jetzt, anhand eines kurzen Besuchs im Lehrerzimmer einer x-beliebigen Bildungsanstalt unserer Nation, ziehen.

Besonders das bereits seit einigen Wochen erscheinende L’Essentiel erfreut sich bei Schülern und Lehrpersonal höchster Beliebtheit. Während Schüler insbesondere die Aerodynamik des handlichen Infozettels zu schätzen wissen, zeigen sich vor allem Civique- und Geschichtslehrer erfreut über das plötzliche Interesse ihrer Zöglinge am Weltgeschehen.

Die Selbstmordrate unter den Mathematiklehrern hat drastisch abgenommen. Das Sudoku des L’essentiel führt Schüler auf spielerische Art und Weise selbst an kompliziertere Zahlen wie 5, 8 oder 9 nahezu mühelos heran. So mancher Klimaschützer erliegt gar der voreiligen Hoffnung, in einigen Jahren könnten selbst die bei Eltern und Kindern gleichermassen verpönten Tafelrechungen eine Renaissance erleben und als wertvolle Waffe im Kampf gegen die in manchen Kreisen als äusserst CO2-intensiv und volksverblödend gewerteten Taschenrechner fungieren.

Selbst Sprachprofessoren, viele von ihnen seit der Geburt des SMS-Lingo zu geschätzten Kunden von Thymoleptika-Herstellern verkommen, sind verzückt angesichts des neuen Lernmaterials, welches im Gegensatz zu den traditionellen Schulbüchern auch für minderbemittelte Schüler durchaus erschwinglich ist, und zudem aktueller als so manches Schulprogramm.

Die allgemeine Euphorie angesichts des neuen Gratisangebots wird auch vom Reinigungspersonal der Schulen geteilt. In einer wahrhaft solidarischen Geste, welche herzerwärmende Erinnerungen an das traute 1968er Miteinander von Studenten und Arbeitern wachruft, überlassen viele Schüler ihre gelesenen Gratiszeitungen den von ihnen hoch geschätzten “Botzfraen” bevor sie nach Hause ziehen. Einige knüllen sie sogar noch taschengerecht zusammen und legen ein Kaugummi hinzu. Fast wie der Kleeschen.

Das von ISP veröffentlichte Point24 wird dem L’Essentiel wohl kaum lange hinterherhinken. Mit einer gleichwertigen Zusammensetzung aus 50% Weltgeschehen und 50% Kaufundservicerauschmitteilungen trifft es den konsumorientierten Nerv der Zeit wie eine Halloweenpostkarte aus Macy’s in New York. Jeweils links mit Text anödend, rechts mit ganzseitigen Werbeanzeigen aufgemotzt, ist Point24 nahezu fetter als die ebenfalls von ISP gedruckte Wort-Wochenbeilage JobSearch, und eignet sich vorzüglich zum Unter-dem-Arm-tragen auf dem Bürgersteig, dem Laufsteg intellektuell-geschäftig tuender Zeitgenossen.

Zyniker und hoffnungslos sarkastische, bösartige Menschen versuchen zur Zeit noch zu argumentieren, jeder halbwegs normal funktionierende Geist wäre imstande, auch aus einer “herkömmlichen” Zeitung das Wichtigste - sozusagen das Essentielle - durch simples Überfliegen der Zeilen und Titel herauszufiltern. Grüne Dauernörgler und Miesmacher - als hätte ihnen die UN in letzter Zeit nicht mehr als genug Aufmerksamkeit geschenkt - lästern über den “scheusslichen Papiermissbrauch” und ketten sich erneut an unschuldige Bäume im Stadtpark, während linke Chaoten ohnmächtig behaupten, dass diese Projekte auf nichts anderes als künstliche Nachfrageerzeugung auf dem Anzeigen- und Pressemarkt abzielten.

“Production for production’s sake”, meinte dazu jüngst ein einheimischer Künstler, und zeigte sich angesichts der angeblichen Popularität der neuen Zeitungen verwundert über den öffentlichen Aufschrei gegen Wim Delvoye’s Cloaca Maschinen, die doch “auf ihre Art und Weise ebenfalls nur das essentiellste über den Menschen und seine Welt aussagen” würden.

Den fulminanten Siegeszug der Fast Food Zeitungen werden solch ewig Gestrige allerdings - allein schon aufgrund ihrer beispiellosen Flüssigkeit - glücklicherweise nicht mehr zu stoppen vermögen. Experten sagen jetzt bereits die vollständige Einmottung sämtlicher Druckpressen voraus. Rezente Forschungsprojekte kamen unabhängig voneinander zur Schlussfolgerung, dass jede Art von geschriebener Information (inklusive Literatur und Sachbücher) in absehbarer Zukunft nur noch in Form von Myspace Comments oder SMS überliefert und verbreitet werden wird - vielleicht schon Ende 2008!

Affaire à suivre…
(more…)

Die alten Medien und ihre “Blogs” (Zweiter, dafür aber nicht weniger schmerzhafter Teil)

Wednesday, October 24th, 2007

Nachdem RTL ihre Blogs und Podcasts hatten, musste das zweitgrößte Revolverblatt Luxemburgs dann auch nachziehen: Das Tageblatt, auch bekannt als sozialistische Gewerkschaftszeitung des Großkapitals, hat jetzt auch sein Blog. Das ganze nennt man sinnigerweise »Tageblog« und wird auf der Homepage des Tageblatts mit den Worten »Kommentare & Leserreaktionen« beworben.
Symbolfoto: Erklärung für ein Klo
Symbolfoto: Japanische Erklärung für eine westliche Toilette. Passt auch zum Tageblog.(cc by Hilly)

Seit dem 3. September bloggt wird beim Tageblatt. Beteiligt sind die Damen und Herren Danièle Fonck, Francis Wagner, Fränk Hary, Guy Kemp, Helmut Wyrwich, Jean-Marie Backes, Léon Marx, Lucien Montebrusco, Philip Michel, Robert Schneider, Roger Infalt und Tom Wenandy. Alles Tageblattredakteure, die auch in dem gedruckten Blättchen manchmal ihre Meinung loslassen. Einen sogenannten Kommentar schreiben. Oh. Gibt es da etwa einen Zusammenhang? Hat man den gleichen Fehler wie RTL begangen?
Man hat. Vielleicht noch einmal schnell das positive: für das Tageblog gibt es einen seperaten RSS-Feed, jedoch nicht für die einzelnen Autoren, und man kann Kommentare schreiben. Was jedoch nichts am Inhalt ändert: Die Blogeinträge sind die Kommentare des gedruckten Tageblatts. Genau wie RTL versucht man auch hier, bestehenden Inhalt als etwas neues zu verkaufen, vor allem aber täuscht man etwas vor, was man nicht ist: ein Blog. Ein Blog hat nämlich eigenen Inhalt, es ist persönlicher als die Kommentare, die nur dann wirklich eine Meinung vertreten, wenn es um Fußballstadien geht, (edit) und vor allem: die Inhalte wurden für das Blog geschrieben. (/edit)
Und vielleicht, liebes Tageblatt, versteht ihr jetzt auch, wieso sich kaum jemand erbarmt, euch einen Kommentar unter die halbgaren Meinungen eurer Redakteure zu schreiben: Sie interessieren niemanden. Wieso auch? Dem Tageblattleser wird nichts Neues geboten, und wer sonst sollte eurer Internetangebot benutzen? Lieblos gemacht ist das ganz dann auch noch, denn die verpixelten und im Halbschatten aufgenommenen Autorenfotos wirken nicht so, als würde man es wirklich ernst meinen. Aber wenn die Agentur sagt, das sei klasse, dann ist es bestimmt auch klasse.
Das Ganze fällt mal wieder klar in die Kategorie »Nichts verstanden!«. Ich kriege selbst dann mehr Kommentare als ihr, wenn ich darüber schreibe, was ich auf dem Klo mache!
Es gibt gute Journalistenblogs. Aber momentan wage ich sehr zu bezweifeln, dass dies je in Luxemburg der Fall sein wird.
Fazit: Es schmerzt. Nicht nur, weil es zeigt, wie wenig die luxemburgische Presse von Web2.0 verstanden hat, nein, es zeigt auch, wie tot sie ist.
(Danke an E. für den sachdienlichen Hinweis!)

Die alten Medien und ihre “Blogs”

Friday, October 12th, 2007

Ich wundere mich nun schon ein paar Tage lang, wieso die RSS-Feeds von rtlnews.lu und wort.lu auf dem luxemburgischen Blogverzeichniss Blogbuerg (An dieser Stelle noch einmal Kudos an pa!) auftauchten. Wort.lu hat kein Blog, aber, und das habe ich eben erst entdeckt, rtlnews hat welche. Anders als bei der lächerlichen Podcastsektion wird der Begriff nicht erklärt und es gibt auch keine Erläuterungen, wie man die Blogs in seinen RSS-Feed aboniert.
Symbolfoto: Erklärung für ein Klo
Symbolfoto: Japanische Erklärung für eine westliche Toilette. (cc by Hilly)

Und wieder einmal wird es deutlich: Die alten Medien verstehen weder Blogs, Podcasts noch Web 2.0. RTL wiederholt bloß ihre tendenziell fremdenfeinlichen und dazu noch schlechten Witzereisser sowie die Nachrichten über die Erfolge der Männer in Blau und Kühe auf den Straßen als Podcasts und das, was da als »Blogs« verkauft wird, sind die Texte der vier Kommentarrubriken, die RTL hat: »Carte Blanche«, »Commentaire«, »Carte Blanche économique« und »Rapport économique«. Eine Mogelpackung sozusagen. Den Inhalt gab es auch schon auf der alten RTL-Seite, nur wurde es dort nicht als Blogs verkauft. Da sieht man auch schnell, wieso das mit RSS nie erklärt wird: es ist überhaupt nicht möglich, einzelne Sektionen der RTLnews-Seite zu abonieren. Endweder alles oder nichts, so die Devise. Zeigt wieder einmal sehr viel Verständniss und Nutzerfreundlichkeit.
Sowas bringen nicht mal deutsche Tageszeitungen fertig. Da schreiben die bloggenden Journalisten wenigstens noch Inhalte, die sie nicht in ihrem regulären Medium veröffentlichen. Ich weiß nicht, ob ich RTL das empfehlen würde. Vielleicht sollten sie das mit Bloggen einfach sein lassen. Wissen die Autoren überhaupt, dass sie bloggen, oder wird das einfach so auf die Seite gestellt?

Endweder, die Journalisten/Redakteure/Moderatoren bei RTL fangen von selbst an, zu bloggen, oder sie werden dazu gezwungen und bringen nur ein halbgares Blog fertig, wie wir das schon oft bei anderen Medien erlebt haben. Insofern mag es ehrlicher sein, einach bestehenden Inhalt als Blog zu verkaufen, aber sehr viel Verständniss von der Sache zeigt es nicht. Und ich weiß auch nicht, ob ich mich eher aufregen oder nur darüber lachen soll. Aufregen deshalb, weil wohl viele Luxemburger zum ersten mal bei RTL auf den Begriff stoßen werden, Lachen, weil es einfach nur so herrlich dämlich ist. (Neue Medien braucht das Land!)

Klopapier (aka »Der Niedergang des Journalismus in der freien Welt«)

Wednesday, October 10th, 2007

Heute ist dann die erste Ausgabe des »l’essentiel« herausgekommen, und gleich heute kündigte Saint-Paul, die die größte luxemburgische Tageszeitung, »d’Wort«, herausgeben, in eben dieser an, auch eine Gratiszeitung verteilen zu wollen. Die nennt sich »point24«, kommt in einem Ton des dem Katholizismus nicht fremden lila daher und will sich wohl hip und modern geben.
Ich habe den »l’essentiel« gesehen, aber nicht gelesen. Das Format ist wirklich mini, wie wohl auch der Inhalt. Auf der ersten Seite: Aufreger über die hohen Mietpreise und ein Bild eines halbnackten weiblichen B-Promis. Das Wesentliche halt. Im Inneren erspähte ich dann auch noch ein uraltes Bild von einem Gebäude in Hakenkreuzform. Sieht ja nach richtigem Qualitätsjournalismus aus. Vielleicht holt man sich für »point24« ja Jean Nicolas, den Herausgeber von Letzebuerg Privat, die mit »Schlagzeilen wie Moslems greifen nach unsern Kindern« es bisher noch schafft, das Niveau der Gratiszeitungen zu unterbieten.

Ich werde mir wohl eine Ausgabe beider Gratiszeitungen vornehmen müssen, sobald auch das Saint-Paul-Machwerk publiziert wird, weissage aber jetzt schon, dass die beiden Blättchen jenes Papier verschwenden, dass man sehr viel besser für die Produktion von Klopapier hätte verwenden können. Egalwaat sieht eine Neuauflage des Kölner Zeitungskrieges in Luxemburg heraufbeschworen und assistedthinking ruft der Stadt Luxemburg zu, größere Mülleimer aufzustellen. I ch überlege mir ernsthaft, meine Drohung für ein neues Sturmgeschütz der Demokratie wahrzumachen!

Medienkritik und Ideen für ein neues Sturmgeschütz der Demokratie

Wednesday, October 3rd, 2007

Ehe ich ein »Wortblog« oder generell pressekritisches Blog für Luxemburg, vorausichtlicher Titel wäre »Papier, das man viel besser zum Arschabwischen benutzt haben könnte« im Stile von bildblog eröffene, möchte ich mich dann einem ein wenig höherwertigem Medium, nämlich der Woxx widmen.

Früher hieß die Woxx mal “GréngeSpoun” und war ein wenig sowas wie ne Hippiezeitung. Wahrscheinlich ähnlich wie Radio ARA, nur mit einer mehr oder minder festangestellten Redaktion. Die Woxx ist die luxemburgische Taz, zumindest von der politischen Richtung her. Allerdings ist die Woxx ein Wochenmagazin, was ja auch irgendwie in dem Namen drin ist. Die Woxx hatte wahrscheinlich auch damals kein Geld, gegen Vox, den Mobilfunkanbieter, zu klagen, wegen Namesgleichheit. Aber darüber wollte ich jetzt eigentlich auch gar nicht lästern.

Die Woxx hat sich relauncht und erscheint jetzt im Magazinformat. Ein neues Format auf den Markt bringen ist momentan ja modern. Ein Grund, wieso ich die ZEIT cool finde: In Zeiten der Tabloidisierung der Zeitungslandschaft das Monsterformat einfach beibehalten. Das neue Logo sieht modern genung aus und ist nicht Web 2.0. Man hat wohl von etwas unschöneren Farben Abstand genommen. Aber eigentlich habe ich bisher nur die Webseite gesehen, und will auch nur die bewerten. Die sieht nämlich eigentlich sehr gut aus. Besser als das neue rtl.lu, das ebenso hässlich wie zuvor ist und übersichtlicher als wort.lu. Das Design ist gelungen, manche Dinge sehen noch nicht so ganz rund aus, so zB. die Doppelung von deutsch und französisch auf jedem Artikel. Genial finde ich, dass man ein pdf-Archiv aufbauen will. Ich hoffe doch sehr, dass es gratis sein wird!

Und Artikel gibt es. Das ist an und für sich ja mal gut. Aber, und das ist der Grund, wieso ich dies schreibe: Die Artikel öffnen in einem Pop-Up. Ich finde das schrecklich. Es ist weder modern noch alternativ, sondern einfach nur störend. Und liebe Woxx, wenn ihr das ändert, dann fügt bitte auch eine Kommentarfunktion für eure Artikel hinzu. Ihr wärt die erste luxemburgische Zeitung, die das tun würde. Wahrscheinlich aber auch die einzige, die es sich trauen würde. Wenn ihr das tut, und das verspreche ich jetzt hier vor all meinen Lesern, aboniere ich die Woxx und lese sie auch immer ganz. Sogar das Agenda. Womit wir wieder beim Thema sind: Das könnte auch irgendwie übersichtlicher aussehen.

Ich frage mich, ob ich das jetzt als Leserbrief einschicken oder einfach darauf hoffen soll, dass die mitlesenden Woxx-Redakteure das weiterreichen?