Fireball’s Weblog – Literature is the new rock!

Ina Marseille Sessions - Session 1

June 23rd, 2008 - 1747

Ich habe das hier gestern in/außerhalb einem Strassencafé geschrieben, und wie der Titel verrät, hat das hier etwas mit meinem Ina-Epos zu tun. Es ist ein Entwurf, aber ich mag nicht nur “Es ist sooo heiß”-Postings schreiben und gerade dieses Stück kann auch für sich stehen. Aber es ist nicht meine Schreibe und ich weiß nicht, ob ich es gut finde. Ich bin da wirklich ohne Meinung. Ich hatte zwei süße Mädchen gegenüber sitzen und habe mich mehr auf das Lippenpiercing der Einen konzentriert als wirklich auf das Gedicht zu achten. Aber es ist eine Richtung. Und weil Schreiben auch immer mit Verbessern zu tun hat, bitte ich heute mal ausdrücklich um Feedback. Harte Bandagen. Wegen mir auch Rechtschrebfehler, wenn euch sonst nichts einfällt. Und ja, es ist von zwei Verliebten geschrieben, also darf es schmalzig sein. Und ja, Ginsberg hallt immer noch in meinem Kopf nach.

[Session #1 – 0806221904 Marseille, irgendwo in der Nähe des alten Hafens]

Sanfter Sommerwind wispert einsame Botschaften der Sterne
in die Ohren engumschlugener Körper, stöhnend und nassgeschwitzt
Sprache nur aus Bassnoten lässt Trommelfelle vibrieren
gemeinsamer Takt verbindet über Körpergrenzen
das, was zusammengehört in dunkler Nacht

an der Küste, Grenze zur Unendlichkeit des Ozeans
an der Küste, Ziel der mystischen Reise
an der Küste, voll der Liebe und des Schweisses
an der Küste, Anfang, nicht Ende der Reise
an der Küste, wo nur Sand ein Bett bildet
an der Küste, Ursprung der gemeinsamen Gedanken

Körper nur aus Zungen und Fingern und Löchern
Alles hier ist Liebe und Zärtlichkeit und Sex und Extase
Alles hier ist Inpiration und Idee
Alles hier ist Schwermut und Euphorie und Melancholie und Sinnlichkeit
Alles hier vibriert im Lied der Sterne

Kein Brunnen, in den man hinabsteigen muss
alles liegt offen, alles Geheimnisse gelüftet
kein Fluss, der die Geschlechter trennt
alle Teile fügen sich nahtlos zusammen
kein Käfig, die Vögel zu bewahren
alle Geister fliegen hoch unter diesem Himmel

Dieser Moment gehört den Verbundenen
auf ewig festgehalten auf Papier und im Geiste
Geheimniss für alle Uneingeweihten
verschlossen im Herzen des vereinten Körpers

Alles zerfliesst in Sinneseindrücken
Geist und Körper zu oranger Masse
lieblicher Stoff der Extase
erstarrt zum Denkmal für diesen Moment

Wifilos in Marseille

June 22nd, 2008 - 1706

Ich bin seite heute morgen, Viertel nach Fünf in Marseille und habe bis jetzt folgendes feststellen können:
Es gibt hier nirgendwo WiFi. Endweder sind die Netze verriegelt oder man muss zahlen ODER man kann sich nicht verbinden. So passiert im MacDoof hier, den ich tatsächlich auf der Suche nach Netz betreten habe. Deshalb muss ich mich jetzt auch mit einer nervigen AZERTY Tastatur herumplagen.

Es fühlt sich hier an wie in den Ferien. Vielleicht habe ich als Kind so oft in Südfrankreich Ferien gemacht, dass sich alles hier instinktiv nach Ferien anfühlt, aber ich werde hier arbeiten müssen (wie schwer das wird, wird sich noch herausstellen…)

Nachtzüge sind ohne irrationale Angst vor Passkontrollen sehr viel entspannter, trotzdem habe ich nach meiner Ankunft gegen Sieben in meiner Wohnung erstmal ne Runde geschlafen.

Ansonsten sieht die Stadt sehr hübsch aus - das werden sicher spannende fünf Wochen! Es sind 29 °C, am Dienstag soll es regnen, ich glaube das nicht!

Eis auf dem Mars!

June 20th, 2008 - 731

Phoenx hat Eis gefunden: einmal via twitter und einmal bei der Nasa.

Lissabon und das Ende der Welt

June 15th, 2008 - 1512

Gibt man dem Volk die Möglichkeit, sich auszudrücken, bereut man es danach oft. Sei es denn, man erpresst das Volk vor dem Referendum wie vor nicht allzu langer Zeit der luxemburgische Regierungschef Jean-Claude Juncker, der den Luxemburgern mit seinem Abtritt drohte, sollte es entgegen seine Empfehlung gegen die zur Wahl stehende EU-Verfassung wählen. Fast wäre das dann auch passiert. War aber damals schon egal, denn Frankreich und die Niederlande hatten schon vor dem luxemburgischen Ja mit Nein den Vertrag über eine Europäische Verfassung gekippt.

Man hat also nach einer anderen Möglichkeit gesucht, den Vertrag irgendwie über die Bühne zu bringen. Die EU muss schliesslich modernisiert werden. Ich will diesen Fakt auch überhaupt nicht bestreiten, aber wieso muss dazu noch die Politik der EU bis in die Unendlichkeit festgelegt werden? Um die Stimme des dummen Volkes nicht mehr hören zu müssen, machte man sich ein paar schöne Tage in Lissabon und änderte den Namen des ganzen in Vertrag von »Lissabon zur Änderung des Vertrags über die Europäische Union und des Vertrags zur Gründung der Europäischen Gemeinschaft, unterzeichnet in Lissabon am 13. Dezember 2008 «. Womit das ganze keine Verfassung mehr hatte. Und damit hat man das Problem, dass in vielen Ländern Verfassungsänderungen vom Volk abgesegnet werden müssen, einfach umgangen.

Leider hat Irland nicht mitgespielt. In Irland müssen auch neue EU-Verträge in einer Volksabstimmung abgesegnet werden. Und die Iren haben Nein gesagt. Und jetzt geht die Welt unter. Bzw. die EU. Oder man wird Irland ganz einfach aus der EU ausschließen. (Frank-Walter Steinmeier hällt »einen vorübergehenden Ausstieg Irlands aus dem europäischen Integrationsprozess für eine mögliche Option. «)
Darf man es merkwürdig finden, dass immer, wenn es nicht so geht, wie die ach-so-großen EU-Politiker es gerne möchten, die Welt gleich untergehen wird?

Was kann man eigentlich an dem Lissabon-Vertrag kritisieren?
Es gibt eine ganze Reihe von Dingen, die nicht besonders gelungen sind. So ist der Vertrag selbst z.B. ein Machwerk, das sich ungefähr so anhört:

PRÄAMBEL
1) Die Präambel wird wie folgt geändert:
a) Folgender Wortlaut wird als zweiter Erwägungsgrund eingefügt:
„SCHÖPFEND aus dem kulturellen, religiösen und humanistischen Erbe Europas, aus dem
sich die unverletzlichen und unveräußerlichen Rechte des Menschen sowie Freiheit,
Demokratie, Gleichheit und Rechtsstaatlichkeit als universelle Werte entwickelt haben,“.
b) Im siebten Erwägungsgrund, der achter Erwägungsgrund wird, werden die Worte „mit
diesem Vertrag“ durch die Worte „mit diesem Vertrag und dem Vertrag über die
Arbeitsweise der Europäischen Union“ ersetzt.
c) Im elften Erwägungsgrund, der zwölfter Erwägungsgrund wird, werden die Worte „dieses
Vertrags“ durch die Worte „dieses Vertrags und des Vertrags über die Arbeitsweise der
Europäischen Union“ ersetzt.

Klingt nicht sehr hübsch. Ist nicht einfach zu lesen. Zum Glück gibt es eine konsolidierte Fassung, die das Lesen ein wenig einfacherer macht. Viel hübsches kann ich darin allerdings nicht entdecken. So ist folgender Abschnitt, den ich schon an der Verfassung kritisiert habe, noch immer zu lesen:

Die Mitgliedstaaten verpflichten sich, ihre militärischen Fähigkeiten schrittweise zu verbessern. Die Agentur für die Bereiche Entwicklung der Verteidigungsfähigkeiten, Forschung, Beschaffung und Rüstung (im Folgenden „Europäische Verteidigungsagentur“) ermittelt den operativen Bedarf und fördert Maßnahmen zur Bedarfsdeckung, trägt zur Ermittlung von Maßnahmen zur Stärkung der industriellen und technologischen Basis des Verteidigungssektors bei und führt diese Maßnahmen gegebenenfalls durch, beteiligt sich an der Festlegung einer europäischen Politik im Bereich der
Fähigkeiten und der Rüstung und unterstützt den Rat bei der Beurteilung der Verbesserung der militärischen Fähigkeiten.

Aufrüstung! Genau das was wir brauchen, um uns vor unseren bösen Feinden zu schützen! Nur schade, dass man mit einer Armee weder Terroristen noch Filesharer bekämpfen kann oder darf.
Sogar Angriffskriege darf die EU führen:

Der Rat kann zur Wahrung der Werte der Union und im Dienste ihrer Interessen eine Gruppe von Mitgliedstaaten mit der Durchführung einer Mission im Rahmen der Union beauftragen.

Im Dienster ihrer Interessen kann ausdrücklich Terrorismusbekämpfung in Drittländern sein, aber ich denke mir, dass man diesen Satz sicher noch dehnen könnte und aus der EU eine multinationale Angriffstruppe für Öl- und Gasreserven machen könnte.

Die Sicherstellung eines »freien und unverfälschten Wettbewerbs «, ein vielkritisiertes Ziel der EU-Verfassung, ist nicht mehr drin. Deshalb wird einfach ein Protokoll über die Sicherstellung eines freien und unverfälschten Wettbewerbs vereinbart, wodurch sich nichts ändert.

Es gibt sicher noch weitere Punkte, aber für mich ist das eigentlich schon genung.
Ich will keine EU, die weiterhin ein reiner Wirtschaftsclub ist, in dem die Lobbyisten auf höchster Ebene Gesetze durchsetzen, gegen die ich mich nicht einmal mehr wehren kann, weil selbst meine Regierung kaum noch eine Chance hat, sich gegen beschlossene EU-Bestimmungen durchzusetzen.
Ich will keine EU des Militärs und des Krieges, das angeblich gegen den Terrorismus und in Wahrheit für Öl kämpft.
Ich will keine EU in der einzelne Völker das Recht auf Demokratie aberkannt bekommen (von wem auch immer!), weil ihre Meinung nicht jedem gefällt.

Ich will eine EU der sozialen Gerechtigkeit, des Pluarlismus, des Friedens, der Ökologie und der gerechten und sinnvollen Entwicklungshilfe!

Dachboden.

June 11th, 2008 - 002

Dies ist der 9. Teil einer Geschichte um ein Mädchen mit dem Namen Ina, ihren Exfreund und ihre Freundin.
1. Teil: Hoffnung. 2. Teil: Entmut. 3. Teil: Überwindung. 4. Teil: Türschwelle 5. Teil: Ina. 6. Teil: Vergessen. 7. Teil: Mullbinde.
8. Teil: Entscheidungsfindung

Zoë öffnete die große, mit weißem Lack gestrichene Tür, die zum Dachboden führte. Der gusseisenere Schlüssel – Zoë hatte auf jeden Fall das Wort »gusseisern « im Kopf, als sie ihn berührte, ging nur schwer im Schloss herum. Es krachte laut, als der Mechanismus in Gang gesetzt war und der Riegel sich in die Tür zurückzog. Diese knarrte jedoch, entgegen Zoës Erwartungen, nur wenig. Die staub-trockene Luft des Dachbodens stieg ihr in die Nase. Sie war noch nie auf dem Dachboden gewesen, obwohl sie schon einige Zeit bei Ina verbracht hatte. Aber wie oft bittet man schon seine Freundin, den Dachboden zu erkunden?

Eine schmale Holztreppe, die unter ihren Schritten leicht ächzte, führte gewunden zum Dachboden. Mit jedem Schritt, den sie tat, tauchte sie weiter in die merkwürdige Atmosphäre aus grauem, durch den Schnee gedämpften Licht, verstaubten Spinnweben und mehr oder weniger altem Gerümpel, das Ina hierhin verfrachtet hatte, weil sie es nicht im Blickfeld haben, aber auch nicht wegwerfen wollte. So hatte sie es einmal ausgedrückt, und Zoë war in dem Moment nicht bewusst gewesen, dass es sich dabei nicht nur um alte Schulhefte oder Spielzeuge handelte. Woher hatte sie wissen sollen, dass Ina ihre gesammelten Erinnerungen an ihren Exfreund aufbewahrt hatte?

Sie selbst hob solche dinge immer nur eine Zeit lang auf, und wenn sie nicht besonders wertvoll waren, schmiss sie sie nach ein paar Monaten weg. Das war alleine aus Platzgründen nicht anders möglich – ihre kleine Wohnung hatte weder Dachboden noch Rumpelkammer.

Ihr war mulmig bei dem Gedanken, die Geschichte der Beziehung von den beiden Menschen, die jetzt, das erste Mal seit Monaten alleine in der Küche saßen und wahrscheinlich wieder nicht wussten, was sie einander sagen sollten. Sie hatte Angst, zu entdecken, dass er Ina Dinge geben konnte, die sie niemals tun könnte, abgesehen von gewissen anatomischen Begebenheiten, auf die sie – und ihres Wissens nach auch Ina, jedoch wenig Wert legte.

Sie war sich nicht sicher, ob es gut sei, alles über diesen Sommer von dem sowohl Ina als auch ihr Exfreund so schwärmten, zu wissen. Andererseits würde sie wohl nur Bruchstücke erfahren, Dinge erraten und die Atmosphäre dieses Sommers erahnen können.

Und sie hatte das Gefühl, dass es gut war, was sie tat. Sie tat es nicht nur aus Liebe zu Ina heraus, sondern auch, weil sie bemerkt hatte, dass er diese Verarbeitung brauchte, um seine Rastlosigkeit zu verlieren. Auch, oder vielleicht gerade weil er Inas Ex war, wollte sie ihm helfen. Und sie wusste auch, dass diese Hilfe ihrer eigenen Beziehung zu Ina mehr nützen als schaden würde.

Es war kalt und zugig auf dem Dachboden. Sie war froh, einen dicken Kapuzenpullover und eine Wolldecke mitgebracht zu haben. Mit der einen Hand hielt sie diese fest, mit der anderen tastete sie über den nächsten Balken, an dem sie den Lichtschalter vermutete.

Eine nackte Glühbirne baumelte über einem alten Sofa und erleuchtete den Raum schwach.

Sofort erblickte sie das grüne Regal. Es sah alt und wacklig aus, so als habe es seinen Dienst schon zu lange verrichtet. Allerdings war es voll mit alten Fotoalben mit Ledereinbänden, grauweißen Ordnern, auf denen Jahreszahlen aus dem vorigen Jahrhundert und Wörter wie »Rechnungen « oder »Steuer « standen. Und ein tiefschwarzer Ordner, auf dem in weißer Schrift mit großen, runden Buchstaben »SOMMER « stand. Er schien nicht genauso dick zu sein wie die Steuer-Ordner, die wohl kaum von Ina stammten.

Attic cc by kevtori

Sie hatte Gänsehaut auf ihren Beinen, als sie kalte Zugluft spürte, die von irgendeiner Ritze zu ihr geweht war. Sie drückte die Decke zwischen ihre Schenkel und schlüpfte in den warmen, gemütlichen Kapuzenpulli. Dann wickelte sie die Decke um ihre Taille, so dass sie wie einen Rock trug.
»Auch eine Form der Ablenkung «, sagte eine scharfe kleine Stimme in ihrem Kopf. Zoë grinste.

Sie schloss die Augen leicht, als sie den Ordner aus dem Regel nahm. Fast wünschte sie, dass es zusammenkrachte und die Beiden durch den Krach nach oben kommen und ihr den Ordner entreißen würden. Sie setzte sich so vorsichtig wie möglich auf das alte, verstaubte Sofa.

Eine hauchdünne Staubschicht lag bereits auf dem Ordner. Mit einem Zipfel ihrer Decke wischte sie ihn behutsam weg. Sie betrachtete das Foto auf dem Deckel. Ein oranger Fleck, das Aufglimmen einer Zigarette in der Nacht und sehr wage die Konturen eines Autos. Eigentlich ein banales Bild, ein Schnappschuss, wie er im Zeitalter der digitalen Fotographie tausend- oder gar millionenfach vorkam. Aber sie wusste, dass Ina dieses Foto wohl kaum ohne Grund als »Titelbild « ihrer Sommererinnerungen gewählte hatte. Es versinnbildlichte eine Stimmung, die sie als Außenstehende wohl nur erahnen konnte.

Zoë kam es so vor, als hätte sie mir dem Staubwegwischen das unsichtbare Siegel des Ordners gebrochen. Es kribbelte sanft in ihrem Bauch. Eine merkwürdige Mischung aus Aufregung und einem anderem Gefühl, das sie nicht genau benennen konnte. Sie atmete tief ein und öffnete ganz langsam den Deckel. Und sah den Stapel von grauem Papier, das fremde Erinnerungen festhielt.

Graues Recylingpapier als Medium für Andenken an eine wichtige und intensive Zeit. Zoë fragte sich, ob Ina das bewusst so gewählt hatte, oder ob sich dieser doch sehr triste Träger aus einem Zufall heraus im Ordner befand.

Auf der ersten Seite befanden sich einige Fotos, vor allem von Ina. Ina, wie sie Bass spielt, Ina, wie sie auf einer grünen Parkbank ihre Schuhe bindet, Inas nackter Rücken in ihrem Bett.

Es war beileibe nicht das erste Mal, dass sie Ina nackt sah, aber auf diesem Foto war sie nackter als je zuvor. Ihre Haltung, das Licht, das alles lies sie sehr offen und freizügig wirken, obwohl man eigentlich nur einen nackten Rücken sah. Seltsam, was für eine Schönheit in so einfachen Bildern lag und wie viel sie enthalten konnten. Oder, wie viel man hineininterpretieren konnte.

Das wollte Zoë eigentlich nicht. Es war ihre Absicht gewesen, den Beiden unten zu helfen, damit sie abschließen, weitermachen konnten. Nicht ihre eigene Neugier zu befriedigen und sich Geschichten über das, was sie sah, auszudenken.

Es waren auch einige Fotos von ihm auf der ersten Seite, aber er war Ina zahlenmäßig unterlegen. Auf einem Foto, ungefähr in der Mitte des Blattes, waren beide zu sehen. Sie saßen auf einer Parkbank, irgendwo in einem Wald. Es muss ein warmer Tag gewesen sein, denn beide hatten nur wenig und sommerliche Kleidung an, seine Stirn wirkte etwas rötlich, wie verbrannt.

Zoë blätterte weiter. Auf den nächsten Seiten waren weiter Fotos zu sehen, immer nach dem gleichen Schema, wobei jetzt auch Fotos von Landschaften oder Dingen auftauchten, und immer mal wieder das Innere eines Autos, seines Autos. Man konnte die weiten Landschaften der Gegend, in der Ina wohnte, im Hintergrund erahnen. Unter eines dieser Fotos hatte Ina in sorgfältiger Schrift geschrieben:
»Wir kehrten nicht nur aus einem fremden Land zurück, wir kehrten auch in ein fremdes Land zurück, als fremde Menschen in ein fremdes Leben … «

Die Fotos schienen nicht in einer besonderen Ordnung zu kommen. Sie wirkten mehr wie ein Vorwort als wirklich schon wie das richtige »Erinnerungsalbum «. Aber sie wusste ja auch nicht, wie Ina das ganze angelegt hatte und konnte vielleicht zusammenhängende Strukturen überhaupt nicht erkennen.

Auf den nächsten Seiten waren Fotos einer Reise, wahrscheinlich irgendwo in Skandinavien oder Norddeutschland, daneben ein Ticket einer Fähre, ein Bonbonpapier, eine Metrofahrkarte und ein Ausschnitt eines Stadtplanes, auf dem ein Ort mit einem Kreuz markiert war. Wieder Fotos von weiten und offenen Landschaften, einmal sogar vom Meer.

Zoë verweilte nicht zu lange auf den einzelnen Seiten, und dennoch spürte sie bereits eine ungewöhnliche Art von Melancholie, das unbestimmte Gefühl, etwas verpasst zu haben, an dem sie nie hätte teilnehmen können.

Und dann kam es. Ein anderes Papier, säuberlich aus irgendeinem Notizheft gerissen. Mit zwei verschiedenen Schriften, der bekannten, rundlichen Handschrift von Ina und einer unbekannten.

Die dicken Balken auf dem Dachboden knackten leise.


Photo
cc by kevtori

Podcast: Angst und Schrecken in Tübingen

June 8th, 2008 - 2320

(Ja, diese Woche war mau. Ich versuche die Situation zu verbessern, aber es ist der Situation nicht gerade zuträglich, wenn man ewig in der Weltgeschichte herumgondelt.)
Es gibt Missionen, die sind wichtig für Gonzojournalisten. Und es gibt Missionen, die sind für Gonzojournalisten unerlässlich und müssen unbedingt angetreten werden. Eine solche unerlässliche Mission war mit einer Reise nach Tübingen verbunden…


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Die Musik stammt von Revolution Void und steht unter einer cc-Lizenz.

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Podcast: Angscht a Schrecken op der Fréijoersfoire

June 2nd, 2008 - 2258

Die alljährliche Frühlingsmesse ist ein steter Quell von Angst und Schrecken. Das darf man sich als Gonzojournalist natürlich nicht entgehen lassen. Mit Begleitung wagte ich micht in die Ausstellungshallen auf dem Kirchberg, nur um schon an den Eingängen fast zu verzweifeln …


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Verlassen

June 2nd, 2008 - 2039

[0806011709]
Ich verlasse diese Stadt und fühle mich nicht gut dabei. Nach längeren Reisen überwiegt meistens dann doch die Freude, mal wieder nach Hause zu können. Aber heute ist das das erste Mal überhaupt nicht so. Da in T. sind Freunde, ehemalige Affairen, »liebe Menschen «, mit denen man sich verbunden fühlt und es schmerzt, nach so kurzer Zeit wieder zu gehen und zu wissen, dass ein Teil von einem dort bleiben wird.
Vielleicht ist es auch einfach, weil kein Zuhause mehr da ist, weil ich andauernd auf Reisen bin.
[Ich schreibe lieber auf meinen Knien als auf dem Tisch, irgendwie.]

Mein Magen rebelliert. Aber wogegen eigentlich? Das Essen war gut, ich habe genügend und abwechlungsreich getrunken und habe auch nicht an suspekten Dingen rumgeleckt.
Psychosomatisch, möglicherweise.
Ich möchte jetzt eigentlich noch weiter mit meinen Freunden aus T. auf der Terrasse sitzen, Limo oder Kaffee schlürfen und über alles mögliche diskutieren.
Irgendwann mal wiederkommen. Am liebsten im Sommer, am liebsten sofort, am liebsten überhaupt nicht wegfahren.

Und dann sagst du deiner rebellierenden Verdauung und deinem kribbelnden Körper, dass du die Erinnerung bewahren musst, die Luft, die du geatmet hast, die Bilder, die du gesehen hast, die Musik und die Worte, die du gehört hast, jede Berührung und Umarmung, die du gefühlt hast musst du in deinen Zellen und deiner DNA abspeichern, damit du sie nie vergisst.

Und das ist das Schöne. Die Fähigkeit, Erinnerungen zu bewahren wie mystische Einmachgläser. Die Inspiration, die über sämtliche Nervenbahnen kriecht und neue Verbindungen schafft und dass neues entsteht.
Fast wie die Vögel, wie Seemöwen.

Unterwegs

June 2nd, 2008 - 2008

[0805261822]Kryptische Symbole auf dem Tellerrand der Seele.
Ich bin nur noch unterwegs. Home is where your luggage is.
Und immer kommt Geld von irgendwoher, du verlierst die Perspektive. Stählerne Metawürmer verschlingen dich, verdauen dich in ihren rasenden Innereien zwischen Bordbistro und Dynamo. Transkontinentale Flüge, und du musst dir nur im Eilverfahren einen Pass ausstellen lassen.
Du verlierst die Perspektiv, fühlst dich irgendwie nicht mehr daheim, denn du bist ein Nomade.

Aber war das nicht dein Wunsch?

Die Perspektive zu verlieren über der kalten Nordsee, wo die feine Linie zwischen Horizont und Meer, zwischen Genie und Wahnsinn, zwischen Pepsi und Cola, zwischen Leben und Tod nicht zu erkennen ist?

War es nicht dein Wunsch, ein einsamer Wanderer zu sein, über dem Meer, ewig auf der Suche nach deiner Insel? Ich bin der Nemo der Lüfte! Call me Captain, Baby! Sub umbra alarum tuarum!

Du hast die Perspektive verloren und niemand ist da, dem du es erzählen könntest. Vielleicht hast du nicht nur die Perspektive verloren, sondern auch andere Dinge, Menschen, Gefühle.

An der Bahnsteigkante sitzt ein Jazz-Yogi und meditiert.
Auf den Leitungen sitzen Raben und trauern alten Zeiten nach.
Am Fahrkartenschalter verkauft ein Insektenwesen Zeit auf Raten
Pinkfarbene Mobiltelefone verbinden Kontinente auf der Metaebene.
Abstrakte Denkmuster fließen aus meinen Ohren.

Ich erwache in dem Plastiktraum.
Hier ist alles unsinnig, selbst meine Brustwarzen.
Die Sonne scheint und der Traum beginnt zu schmelzen. Entschuldigen Sie, Herr Schaffner, aber meine Fahrkarte ist geschmolzen!
Plastikturbinen heulen auf, während Ken und Barbie eine wilde Knuschterei beginnen. Er hält ihren Kopf und reißt ihn von ihrem angeschmolzenen Hals. Ihr letzter Plastikschrei erstickt und es spritzt Plastikblut und -gedärme aus ihrem Halsstummel. Der ganze schöne Teppich ist ruiniert. Ein unwissender Greis setzt sich mit seinen Plastikhintern auf den beschmierten Sitz. Er ist inkontinent und so schmilzt er auf dem Sonnenplatz zu einer breiigen Masse aus Blut und Urin.

Meine Augen öffnen sich ein weiteres Mal. Ich stehe in einem dichten, dunkeln Nadelwald. Es ist absolut still. Paranoia kommt auf. Alle unterdrückten Kindheitstraumata vom bösen Wolf und kannibalischen Frauen stemmen meine Schädeldecke auf und schöpfen meine grauen Zellen mit Metaleimern aus meinem Kopf. Ich taumele blind und taub durch diesen Alptraum, um schlussendlich einzuschlafen, während ich mich langsam verpuppe.
Ich verwandele mich in einen ewigen Tausendfüssler, der von unten Frauen auf die Brüste stiert, die er nicht versteht, weil er ihre Sprache nicht spricht, und überhaupt – die meisten von ihnen mögen keine Männer!

Wärst du doch nur eine Schnecke geworden, die sind Zwitter und haben homo- und heterosexuellen Sex zugleich, sozusagen.
Dir fallen die Beine ab. Der Waldboden löst sich, krümmelt unter deinen Füßen, die du nicht mehr hast. Mädchen fassen sich gegenseitig ohne Scham an die Brüste und gewinnen offenbar Befriedigung davon, eine Zigarette nur zu halten.
Meine Hornhaut hat sich gelöst, ich sitze gesichtslose in großen Sälen und sage nicht.

Eine lose Sommerbrise.
Alles wird gut, sagt die Frau im Fernsehen.
Es ist warm. Ich bin ein Mensch. Sauerstoff füllt meine Lungen.
Hello, World!

Tübingen

May 31st, 2008 - 2234

Wie meine treuen twitter-Folger wissen, bin ich gerade in Tübingen, auf Einladung der Wüsten Welle, dem freien Radio hier. Und in Tübingen ist dieses Wochenende neben dem Jahrestreffen des Vereins Schwäbische Alb auch das RACT!-Festival. Drei Bühnen, Workshops, viele Stände und Liveübertragung der Wüsten Welle.
Wer meine Reiseerlebnisse schneller und vermeintlich lustiger verfolgen will, kann sich ja meine tweets ansehen. Ich wünsche noch ein erholsames und nettes Wochenende.