Archive for the ‘Stories’ Category

The Angel of Death

Saturday, October 1st, 2005
gewidmet Svenja

Ich flog über ihnen, sah sie das tun, was ich selsbt zu tun begehrte und zugleich hasste es zu sehen. Eine Qual? Eher Brennholz für meinen Hass, der nun umso mehr loderte. Ich breitete meine Flügel aus und liess mich tiefer schweben. Ich hätte sie beide töten können, mit einem oder höchstens 2 Schüssen. Aber das wäre kein Sieg nach meinem Geschmack gewesen. Ich wollte sie anfangs jagen, aber selbst das wäre unsportlich gewesen. Dann aber war ich zu dem Schluß gekommen, dass es nicht um unsportlich oder sportlich ging…würde sowieso gewinnen.

Es ging viel mehr um die Frage, wie es mir mehr Spaß und ihnen mehr Leiden brinegn würde.
Ich landete, sie bemerkten es nicht. Ich erhob meine Stimme und ich war selbst überascht von der Kälte, mit der ich sprach:
“Mit welchem Recht tust du das?”
“Was?”

Er blickte mich erstaunt an. Meine Flügel hatte ich eingezogen. Ich sah aus wie ein ganz normaler junger mann. Langes braunes Haar, hellbraune Augen, Hass ausstrahlend., einen Kapuzenpullover und eine Hose in dunklen Farben, darüber eine recht lange Jacke, grün im Grundton. Sie war wie immer schön, auf sein Aussehen achtete ich nicht. Zu sehr berauschten mich seine Augen, spiegel seiner Seele.

“Wer gibt dir das Recht, sie anzufassen?”
Er fragte sie, ob sie mich kenne.
“Joel, mach keinen Scheiss..” versuchte sie das Unheil abzuwenden.
Ihr war bewusst, was ich tun würd, wie dem Sünder bewusst ist, dass der sündigt, denn ohnen diese Wissen wäre es ja keine Sünde. “Joel also heisst du…und was willst du von mir?”

“Ich..” begann ich und liess eindruckvoll meine schwarzen Flügel aus meinem Rücken fahren, auf ihre volle Spannweite von jeweils 15 Metern, an jedem Ende ein Dorn, wie der Zahn eines urzeitlichen Untiers, “bin der Engel des Todes.”

Das Erstaunen in seinen Augen wurde zur Angst, Unglaube über das, was er da sah.
“Ancalagon der Schwarze, Fireball, Drache der alten Legende, Mitglied der Societas Draconistarum, Prior des Orden des Phönix im Haus des fast Kopflosen”, fuhr ich fort, “und ich werde den Tod über dich bringen wie die Gewitter den Regen über das Land und wie die Sonne die Wärme auf unsere Haut, so werde ich töten, in Gerechtigkeit. Ich habe von Baum des Lebens und vom Baum der Erkentniss gegessen, ich bin der Tod und die Wiedergeburt, die Sonne und der Mond.”
“Was spackt der für nen Scheiss?”, entfuhr es ihm.
“Joel, du machst mir Angst, hör auf damit!”
Ich redete wie besessen weiter, unbeindruckt von ihrem Gerede, beflügelt durch meinem Hass:
“Ich bin die 7 Siegel und die 7 Posaunen, die 10 Sephiroth; ein Mann, gegangen durch die 9 Höllenkreise volkkomen bereits in dieser Welt. Bereue deine Taten, dein Ende ist nah!”
Ich schlug mit den Flügeln und die warme Luft die durch unter den grauen Wolken ein Gewitter ankündigeten, in Bewegung. Ein Gewitter, ihr Blut beider wegzuspülen.
Ich holte meiner 55.er Desert Eagle heraus und zielte auf ihn.
Ich sah in seine Augen. Die pure Angst. Ich öffnete quasi einen Tunnel zwichen meiner und seiner Seele und liess meinen gesamten Hass in ihn fliessen.
“Fick dich!”
Zugegeben, ich hätte etwas passenderes sagen können, als ich ihm in sein rechtes Bein schoss, aber ich wollte ihn einfach nur noch beschimpfen und erniedrigen.
“Tut weh, oder? Du erlebst nur einen Bruchteil der Schmerzen, die ich ständig habe!”
Ich ging zu ihm und schoss ihm in die linke Kniescheibe. Wieder schrie er auf vor Schmerzen.
“Nun, fleh mich an, damit du hier nicht verblutest. Fleh mich an, damit ich dein mieses Leben beende, Erlösung deiner und meiner Qualen!”
In dem Moment war ich wie Gott, Richter über die Lebenden und die Toten, Hirte und Wolf zugleich.
Er ächtze irgendwas, und der Triuphm hätte mir genügt, ihn zu erlösen.
“Joel, hör auf! Wieso tust du das!”
Da wurde mir klar, dass sie nicht nur die Jungfrau, sondern zugleich auch die Hure war.
“Ich tue das nur für dich, aber du weisst es nicht zu schätzen, wie ich sehe.”
So richtete ich auch sie. Ihr Weinen verstummte, ich spuckte in die Pfütze ihres Blutes.
Ihren Freund liess ich so sterben. Ich würde nicht den erlösen, der ihr Todesurteil unterschrieben hatte.

Der Löffelmörder 2

Saturday, October 1st, 2005

Kapitel 4: The seventh Hell ring is yours

Neo konnte sich nicht bewegen. Der Schmerz lähmte ihn - oder hatte dieser Ancalagon etwa schon seine Nervenstränge so durchschnitten, dass er sich nicht mehr bewegen konnte. Im Moment traute Neo dem Jungen das auch zu, denn es war ihm immerhin gelungen, ihn zu überwältigen und allem Anschein nach vernichtend zu schlagen.

Aber hatte immer noch Kontrolle über die Matrix, Kontrolle über den Code. Den Löffel würde er nicht mit seiner “Gabe” vernichten können, Code, der war nicht zu lesen, er war eigentlich falsch, ungültiger Code, der normalerweise aus der Matrix gelöscht wurde. Was hatte dies zu bedeuten?

Joel genoss, wie Neo bei jeder Berührung, die er machte, zusammen zuckte. Und er genoss den Geruch des Blutes, vermischt mit dem süßen Geruch eines Sommergewitters, und es schien ihm, als würde beide Gerüche zusammenpassen und nur beide zusammen eine unendlich wohlriechende und berauschende Komposition ergeben. Er sog die Luft durch die Nase herein und genoss es, wie der Duft ihn ausfüllte, ihn durchdrang und ihm neue Stärke verlieh.

Neo erinnerte sich plötzlich an etwas - die Lakritze vom Orakel! Vielleicht hatte sie geheimnisvolle Kräfte oder würde ihm sonst irgendwie aus seiner misslichen Lage befreien. Er musste es jedenfalls langsam angehen und nicht wie ein großer Zauberkünstler stolz seine Tricks präsentieren, sondern heimlich die Lakritze von seiner Tasche in den Mund bugsieren. Er strenge sich an, lokalisierte die Lakritze und bugsierte sie langsam aus der Tasche. Sie schwebte gerade einige Millimeter über dem Boden, als Neo erneut einen Schmerzensschrei loslassen musste.

Joel war dabei, den Löffel unter die Wirbelsäule zu schieben, und Neo stieß wie erwartet einen lauten Schmerzensschrei aus. Er lächelte und summte leise die Filmmusik, die sie in der Fußgängerzone gespielt hatten. Dann eindeckte er ein Stück Lakritze. Es war noch eingepackt. Er nahm sich die Zeit, es auszupacken, genüsslich in den Mund zu schieben und mit dem süß-herbem Geschmack im Mund zum finalen Schritt überzugehen, nicht wissend, welch gigantische Auswirkungen seine Tat haben würde.

Der Löffelmörder 2

Saturday, October 1st, 2005

Kapitel 3: A fight on the walls of dis

Neo nahm diese freche Herausforderung gerne an. Er sprang in die Luft, und blieb in einer Höhe von ungefähr 3 Metern hängen.

Joel sah Neo in der Luft hängen und lief los, drei, vier, fünf Meter nach vorne. Neo konnte ihn nicht mehr erreichen und musste wieder landen.

“Du läufst weg?”, warf Neo Joel spöttisch vor.
“Ich wusste nicht, dass man einen Schlag einstecken muss, wenn man ihn kommen sieht! Oder ist das eine Regel in deiner Sekte? Bist du da eigentlich nur so ein Trottel, der die Drecksarbeit machen darf, oder etwa so eine Art Messias?”

Joel grinste und blickte in Andersons' kohlenschwarze Augen, der wieder in Angriffsstellung ging.

Neo schlug Joel in die Seite. Endlich ein Treffer.

Es schmerzte ganz plötzlich. Er hatte sich einen Moment zu lange ablenken lassen, da war es geschehen. Neo hatte ihn mit voller Wucht getroffen, und er war in die Knie gesackt. Neo holte aus, um ihm noch eine zu verpassen, da hatte er eine Idee.

Neo wollte Joel ins Gesicht stoßen, als dieser plötzlich weg war. Jedenfalls schien es Neo so. Zu spät bemerkte er, dass er unter ihm lag. Er wollte nach hinten springen, als er einen erdrückenden Schmerz zwischen den Beinen spürte - nur kurz, dann breitete er sich auf die Nieren aus.

Als Anderson für einen Moment lang nur den Schmerz wahrnahm, zog Joel ihm mit der linken Hand - in der rechten hielt er immer noch den Löffel -, die Beine weg und ließ ihn so auf den Boden fallen, wo dieser sich den Kopf aufschlug.

Neo verlor durch den harten Schlag das Bewusstsein. Langsam sank er in eine dämmerige Nebelwelt hinab, und er wusste, dass er nur nach dem Löffel zu greifen brauchte, um dem Spuk ein Ende zu setzten, aber er schaffte es nicht, obwohl der Löffel scheinbar in greifbarer Nähe war.

Seine Kraft war am Ende, und obwohl er sich zu konzentrieren versuchte, alles verschwamm immer mehr, er sah nur noch das merkwürdig klare Glitzern des Löffels, der sich plötzlich in Matrix-Code umwandelte, den er nicht lesen konnte. So unglaublich es auch schien, er erkannte nicht, was diese Zeichen bedeuten sollten - aber ein Fehler war es auch nicht, nicht wie ein Deja-Vue.

Joel sah, wie sein Löffel glühend rot wurde, obwohl er er wie immer eiskalt war. Er spürte, dass seine Bestimmung nun gekommen war. Er würde nun zu Ancalagon werden, einem Drachen. Sobald der Löffel die Wirbelsäule von diesem Anderson berührt hatte, würde sich alles ändern. Vielleicht hatte der sogar Recht gehabt mit seiner Matrix und maschinengesteuerten Welt - aber was sollte es?
Egal, ob diese Welt nun “real” war oder nur eine Simulation, er würde zu Ancalagon werden, dem echten und einzigartigen Drachen. Er konnte nicht erklären, wieso das passieren würde, aber er spürte es, instinktiv.

Er schleifte den bewusstlosen Anderson in eine Art niedriger Tunnel, der irgendwas mit dem Hochwasserschutz zu tun hatte - Joel nicht genau wusste, was, doch trotz dem Gewitter sah es nicht so aus, als könnte der Tunnel für ihn zu einer Falle werden.

Neo sah das freundliche Gesicht des Orakels. Ihr erstes, ihr ursprüngliches Gesicht. Sie sagte etwas zu ihm, aber er konnte sie nicht verstehen. Er hörte zwar die Worte die sie sagte, aber er verstand nicht, was sie zu bedeuten hatten. Als könnte er seine eigene Muttersprache plötzlich nicht mehr.
Dann wieder dieser Code. Dieser Code, den der Löffel gehabt hatte, und den er nicht entschlüsseln hatte können. Plötzlich kam der Nebel wieder über Neo, und seine Gedanken verloren sich in der schwere der schwarzen Wolken, die über seinen Geist kamen.

Joel kramte sein Taschenmesser hervor. Er war froh, es mitgenommen zu haben, auch wenn es ihn bisher nur gestört hatte. - es wog doch schon recht viel. Anderson hatte er mit dessen eigener Jacke gefesselt und begann nun, den Schnitt anzusetzen. Er drückte die scharfe Klinge tief ins Fleisch, solange, bis das Kribbeln in seiner Hand beinahe unerträglich wurde, und das Blut langsam heraus lief.

Neo erwachte mit einem Schmerzensschrei. Er hatte eine Wunde auf seinem Rücken, außerdem schien sein Pullover verschnitten zu sein, denn der kalte Wind, der in den merkwürdig niedrigen Tunnel blies, verschaffte ihm an dieser Stelle eine Gänsehaut.

Der Löffelmörder 2

Saturday, October 1st, 2005

Kapitel 2: It rains the water of Styx

Es regnete in Strömen, doch der Regen prallte einfach von Neo ab.
Er stand dem Löffel gegenüber, das spürte er. Und er spürte, dass dieser Junge, den Morpheus den Löffelmörder genannt hatte - er war böse. Und Neo glaubte zu wissen, dass dieser Junge noch böser war als Smith es je gewesen war. Er brachte Menschen um, die für den dei weitere Existenz der Matrix der Matrix wichtig waren. Er störte die Bestimmungen der Anderen.

Aber er war kein Programm. Das erstaunte Neo, denn normalerweise waren es Programme, die Schaden in der Matrix verursachten. Und nun hatte plötzlich ein Mensch die Macht, dies zu tun. Neo hatte sich nach dem Datum erkunden wollen,aber Daten waren irrelevant. Es gab keine Kontinuität mehr, keine konzentrische Kreise. Das Gleichgewicht der Matrix war gestört. Und so merkwürdig das auch klang, er war wohl dazu auserwählt, es wiederherzustellen, um dann seine endgültige Funktion - das Beenden des Krieges zwischen den Menschen und den Maschinen zu erfüllen - um danach zu sterben.

Er konnte nicht länger darüber nachdenken. Er musste es einfach tun. So wie Morpheus es ihn gelehrt hatte.

Joel sah diesen merkwürdigen Mann lange an. Er schien ihn irgendwie anzuziehen. So als würde diese Gestalt irgendwie verhindern, dass er einen anderen Weg nehmen würde.

Blitze zuckten immer wieder, und Joel kam plötzlich das Bild von ihm selbst, wie er den Löffel über sich hält und ein Blitz in ihn einschlägt, in den Kopf. Er schüttelte sich leicht, um diesen verrückten Gedanken wieder zu verjagen.

Er erhob seine Stimme: “Wer bist du?”

Die Stimme des Jungen, der bis auf ungefähr drei Meter an ihn herangekommen war, klang kalt, wie ein eisiger Wind, der durch Neos Gehörgänge fegte und ihm den Anflug einer Gänsehaut auf seinem Rücken verschaffte.

Er blickte dem Löffelmörder direkt in die Augen. Braune Augen, mit einer merkwürdigen Farbnuance zum Goldenen hin, aber voller Hass. So voller Hass und Bestimmtheit, dass Neos Antwort erschreckend ehrlich ausfiel:
“Ich heiße Thomas Anderson. Aber man nennt mich Neo, normalerweise.”
“Und was führt sie hierher, Mr. Anderson?”

Dieser Tonfall. Dieser schneidende, arrogante Tonfall, wie er “Mr. Anderson” aussprach. Es klang exakt wie Smith. Und es hätte Neo nicht gewundert, wenn der etwas damit zu tun gehabt hätte - aber er wusste genau, dass dem nicht so war. Dies war ein völlig neuer Gegner, und er musste sich konzentrieren, wenn er nicht versagen wollte.
“Ich bin auf der Suche nach jemandem - man nennt ihn den Löffelmörder.”
Neos Stimme war nur halb so kalt und hart, wie er es gehofft hatte, aber diese Augen brachten ihn einfach aus der Fassung. Er zog seine Sonnenbrille an, aber der Junge fixierte weiter seine Augen. Als hätte sich eine Art Tunnel zwischen seinen Pupillen und den Pupillen des Jungen geöffnet.

“Nun, ich bin sicher, es überrascht sie nicht, wenn ich mich als der Löffelmörder vorstelle, oder?”
Joels Stimme war etwas weniger hart geworden, aber noch immer noch eisig. Er war erstaunt darüber, dass dieser Typ wusste, wer er war.

“Nein, ich bin nicht überrascht, dich zu sehen, Löffelmörder.”
“Mein Name ist Ancalagon. Ancalagon der Schwarze, den sie den Löffelmörder nennen.” Joel stellte mit Zufriedenheit fest, dass der beleidigte Tonfall in Neos Art, “Löffelmörder” auszusprechen seiner Stimme neue Festigkeit verleihen hatte, so dass sie nun wieder so hart klang, wie er sie mochte.
“Nun denn, Ancalagon, du störst das Gleichgewicht der Matrix. Und ich bin hier, um dies zu ändern!”

“Bitte, was? Matrix? Ist das so eine Sekte? Willst du den Löffel ebenfalls zu spüren bekommen?”

Joel hatte die Hände noch immer den den Taschen und hatte seinen Löffel umklammert. Er schätzte diesen Anderson nicht besonders stark ein, er sah doch eher schmächtig aus - und Joel hatte in den letzten Monaten ziemlich viel trainiert und war stärker, als er aussah. Außerdem hatte er versucht, seine Kiefermuskeln zu verstärken, indem er ganze Kaugummipackungen miteinander kaute, und das stundenlang. Im Ernstfall würde er Andersons Nase abbeißen - aber nur zur Notwehr, er wollte nicht seinen Hunger stillen.

Neo stoppte für einen Moment - dieser Junge wusste nicht, was die Matrix war und war trotzdem eine Gefahr für sie? Das würde sich als Problem erweisen können. Wenn der Junge nicht wusste, von was genau die Gefahr ausging, wie sollte er es denn herausfinden?

“Du willst mir deinen Löffel zu spüren geben? Hebe dir das für später auf!”
Neos Stimme blieb trocken.
“Die Matrix ist der Ort, an dem du lebst. Es ist nur eine computergenerierte Simulation, in Wahrheit bist du gefangen in einer Kapsel und sämtliche Energie, die du produzierst, wandeln die Maschinen in Strom um. Und ich kämpfe, um die Menschen aus der Knechtschaft der Maschinen, die diese Simulation aufrecht erhalten, zu befreien!”

“Also doch eine Sekte?”, fragte Joel, mit einem verächtlichen Unterton in der Stimme. Er hatte sich mehr erwartet als eine merkwürdige Verschwörungstheorie. Aber dieser merkwürdige Kerl hatte irgendeine seltsame Ausstrahlung, die Joel davon abhielt, ihn bewusstlos zu schlagen und ihn - natürlich wirbelsäulenlos - in die Alzette zu werfen.

“Hör zu. Ich kann es dir nicht so zeigen, dass du es vollen Endes verstehst. Um zu verstehen, was die Matrix wirklich ist, muss man sie gesehen haben. Dafür haben wir keine Zeit. Gib mir deinen Löffel. Er muss zerstört werden. Das ist die einzige Möglichkeit!”

“Wieso gehen sie nicht zum FBI und erzählen das Mulder und Scully, Mr Anderson?” Ich bin an solchen merkwürdigen Theorien nicht interessiert. Und meinen Löffel - Joel hielt ihn Neo hin und zog ihn ruckartig wieder weg, als Neo danach schnappen wollte - den behalte ich!”

Neo würde langsam wütend. Dieser Junge spielte mit ihm und verarschte ihn. Er hasste so etwas.

“Was ist, Mr Anderson?”, spöttelte Joel, “Und selbst wenn das hier nur eine Simulation ist - meinen Löffel bekommen sie trotzdem nicht. Oder haben sie noch - hier machte er eine kleine Sprechpause - überzeugendere Argumente?”

Neo sah alles in Zeitlupe. Er sprang mit einem Satz nach vorne, ließ sich nach hinten fallen, und als seine Hände sich auf dem Boden abstützten, schlug er mit seinen Beinen nach denen von diesem Löffelmörder. Von außen her betrachtet musste das alles wie eine sehr merkwürdige Breakdance-Bewegung ausgesehen haben.

Doch er verfehlte sein Ziel.

Joel konnte sich nicht helfen, aber er spürte eine ungeheure Wärme vom Löffel ausgehen und fühlte, sah, hörte alles um sich herum in Zeitlupe. Er sah, wie Neo versuchte, ihm die Beine wegzutreten, so dass er fiel. Er sprang nach oben und und stieß Neo mit beiden Händen von sich, so dass dieser auf dem Hintern landete. Neo richtete sich blitzschnell wieder auf.

“Das…”, erklärte er, triumphierend wieder in seinem Element zu sein, “ist die Matrix!”
“Ich weiß nicht, was für Zeitlupentricks das sind. Aber ich weiß, dass du nicht der einzige bist, der sie beherrscht. Wenn du meinen Löffel willst, musst du ihn dir holen.”, erwiderte Joel kalt.

Der Löffelmörder 2

Saturday, October 1st, 2005

Kapitel 1: It rains the water of Styx

Joel trug seinen Löffel immer bei sich. Es war lange her, dass er zum letzten Mal gegen eine Wirbelsäule gestoßen war, und so war die Berichterstattung in der Presse zum Verschweigen gekommen und kaum noch einer erinnerte sich seiner Taten ständig. Mit Ausnahme von seiner Klasse.

Er beobachtete sie jeden Tag, mit einer diabolischen Genugtuung, wie sie zusammen zuckten, wenn jemand die Namen “Daniel” oder “Vanessa” sagten. Und, er beobachtete sie in der Kantine. Es war herrlich, mit anzusehen, wie sie die Löffel nahmen, bei dem Anblick zusammen zuckten und sich dann dennoch überwandten, damit ihren Pudding zu essen. Und immer, wenn er einen Löffel in der Hand hatte, genoss er es.

Es war Sommer geworden, und er saß oft im Garten, während er Eis aß. Mit Vorliebe aß er Waldfrüchtesorbet. Blutrot. Es glänzte auf dem Löffel. Er aß ständig mit ihm. Es fiel niemandem auf. Er wusch ihn selbst und beschmutzte den Löffel, den er bekam, mit Essen. Es sah so aus, als würde er ein ganz normales Leben führen. Auf dem Löffel hatte er die Runen eingeritzt. Aber so klein und so fein, dass niemand sie sah, wenn er nicht wusste, wo er sie suchen musste.

Aber Joel hatte keine Lust mehr, länger auf der faulen Haut liegen zu bleiben und sich auf seinen Lorbeeren auszuruhen. Aber ihm fiel niemand ein, der ein mögliches Opfer sein könnte. Musste er, Ancalagon, sich nun schon jemanden suchen, den er umbringen konnte? Niemals.

Seine Opfer waren zu ihm gekommen und er hatte gespürt, dass die Zeit reif gewesen war. Er hatte es einfach gewusst. Auch bei Daniel. Das Wetter war sehr schwül, bald würde ein Sommergewitter aufkommen. Joel leckte seinen Löffel ab und steckte ihn in die Tasche. Er würde einen Spaziergang machen.

Die Lautsprecheranlage der Fußgängerzone spielte ein Lied, den Joel aus irgendeinem blutrünstigen Film kannte. Nicht, dass die Art von Musik, die in Horrorfilmen verwendet wurde, normalerweise in Fußgängerzonen gespielt wurde. Es war harmlos wirkendes Geduddel. Ein ganz unschuldiger, wenn auch trauriger Song. Aber für jeden, der den Film gesehen hatte, bedeutete der Song noch etwas anderes. Er verband die Musik mit den Taten, die im Film zu sehen waren.

So war es auch mit dem Löffel. Normalerweise dachte niemand an blutrünstige Morde, wenn er einen Löffel sah. Wer aber die Geschichte des Löffelmörders, seine Geschichte, die Geschichte von Ancalagon dem Blutrünstigen, kannte, der verband den Löffel mit einer brutalen Art und Weise zu töten. Joel liebte den Gedanken, dass jeder, der an einen Löffel dachte, daran dachte, wie er die Wirbelsäule aus seinen Opfern hebelte.

Er befühlte den Löffel in seiner Hosentasche, nur um sicherzugehen, dass er noch da war. Dann setzte er sich auf eine Bank und beobachtete die Leute um ihn herum. Niemand interessantes. Eine Horde von Siebtklässlern, die ihr Wochenende verbrachten, indem sie die Nerven der Leute in der Fußgängerzone strapazieren - ohne dass es ihnen aufgefallen wäre. Sie lärmten herum, fühlten sich groß und stark, nur weil sie nicht mehr in den Grundschule waren.

Falsche Ignoranz. Eine Lektion würde jedem von denen gut tun, aber darauf hatte Joel keine Lust. Es war nicht seine Aufgabe, anderer Leute Kinder zu erziehen. Sein Blick wanderte weiter. Familien. Mütter, die ihre Kinderwagen , voll gepackt mit Einkäufen nach Hause schoben. Väter, die mit ihren Kindern ein Spielwarengeschäft besuchten, um ihnen Wasserpistolen zu kaufen. Uninteressant.

Danach fiel sein Blick auf die gegenüberliegende Terrasse einer Konditorei. Unter großen, dunkelgrünen Sonnenschirmen saßen die Gäste im Schatten. Es war hauptsächliche ältere Damen und Herren, die ihren Kaffee tranken und dabei entweder ein Eis oder ein Stück Torte aßen. Als er sein Auge schweifen ließ, eindeckte er dennoch etwas interessantes: Drei Mädchen, ungefähr in seinem Alter, etwas jünger vielleicht, aber sein Jahrgang. Neben einer Brünette und einer Rothaarigen, die allem Anschein nach Rastalocken hatte, saß eine Blondine.

Sie war schön. Nicht dick, eine schöne Figur. Ein schmales Gesicht, auf dem er, wenngleich das aus der Entfernung schwer zu sagen war, einige Unreinheiten vermutete. So etwas machte ihm nie viel aus. Er fand dieses Mädchen atemberaubend schön - und er spürte einen fast unwiderstehlichen Drang, ihre Wirbelsäule genauer zu inspizieren. Vielleicht sollte er ihr diesmal anbieten, sich mit einem Kuss frei zukaufen - um sie nach diesem dennoch umzubringen.

Ein leises, böses Lächeln huschte über sein Gesicht. Er kreuzte die Arme hinter dem Kopf, lehnte sich zurück und beobachtete still die drei Mädchen von seiner Bank aus.

Sie aß ein Eis, mit einem langen Löffel. Er musste wieder lächeln. Er dachte an ein altes Sprichwort, was er irgendwo aufgeschnappt hatte, wahrscheinlich wieder einmal Harris und Dr. Lecter. Es hieß: “Wer mit dem Teufel speist, braucht einen langen Löffel.” Esslöffel waren lang. Ironie des Schicksals. Er betrachtete sie, wie sie ungeniert das Eis mit ihrer rosa Zunge von dem kalten Stahl ableckte.

“Merkwürdige Art, Eis zu essen.”, Dachte er, “Aber sie wird ja auch eine merkwürdige Art zu sterben haben.”

Das erwartete Sommergewitter setzte ein. Der Regen kam und die Leute verließen fluchtartig die Fußgängerzone. Joel blieb sitzen, und schaute den drei Mädchen weiterhin zu. Sie trennten sich, die Brünette verließ die beiden anderen und ging, allem Anschein nach, nach Hause. Die beiden anderen standen ebenfalls auf und gingen in Richtung Alzette. Joel folgte ihnen mit ziemlich großem Abstand. Er hatte keine Angst, sie zu verlieren. Er kannte die Rothaarige und wusste, wo sie wohnte - und alles deutete darauf, dass die beiden Nachbarn waren, oder wenigstens nahe beieinander wohnten.

Sie hatten sich gerade getrennt, und Joel folgte der Blondine - seiner Blondine. Sie würde bald ihm gehören. Er brauchte nicht viel zu tun, nur sie zu beobachten. Langsam folgte er ihr, betrachtete ihr vom Regen durchnässtes Haar, ihre bleich wirkende Haut, ihren schönen Körper, durch das nasse, an der Haut anliegende Top zusätzlich betont. Und er betrachtete ihren Rücken, ihre Wirbelsäule, die ihr Gehirn mit dem restlichen Körper verband, von der aus ihre Nervenimpulse durch den Körper flossen.

Betört von ihrem Anblick blieb er an eine Laterne gelehnt stehen und folgte ihr noch mit seinem Blick, bis sie ihr Haus erreicht hatte und hinein ging. Er wartete eine Minute lang und ging dann zu dem Haus, um sich die Hausnummer anzusehen. Er fand, dass ein Spaziergang nach Hause nicht schlecht war und nahm einen längeren Weg, der entlang der Alzette verlief, und vorbei an einem großen Parkplatz, der so gut wie leer war. Anscheinend waren alle vor dem Unwetter geflüchtet.

Es donnerte.
Regen machte Joel nichts aus. Er mochte ihn zwar nicht sonderlich, aber eigentlich hatte er bis jetzt erst einen Tag erlebt, an dem er wirklich mit dem Wetter zufrieden gewesen war. Graue Wolken und ein warmer Wind. Er erinnerte sich nur zu gerne an diesen Tag. Obwohl eigentlich nur das Wetter gut gewesen war, mehr nicht.

Er fand sich auf dem verlassenen Parkplatz wieder. Es regnete in Strömen und beständig zuckten Blitze durch die dicken, schwarzen Wolken.

Ungefähr 15 Meter vor ihm stand ein Mann mit einem langen Ledermantel, der ihm bis zu den Stiefelansätzen ging. Er sah sehr bleich aus. Er blickte Joel mit seinen wachen, kohleschwarzen Augen an. Sein Haar, nicht ganz so dunkel wie sein Mantel, aber auch schwarz. Er schien unschlüssig, und doch hatte er auf eine merkwürdige Art und Weise eine bedrohende Wirkung auf Joel. Der Mann wirkte komplett deplatziert auf dem Parkplatz.

Der Löffelmörder 2

Saturday, October 1st, 2005

Prolog: Oracle

Das Orakel hatte wieder einmal seine Gestalt gewechselt. Mittlerweile tat sie das jeden Mittwoch und zuckte nur noch mit den Achseln, wenn jemand sie danach fragte. Neo betrachtete sie lange. Ihr Teint hatte diesmal die Farbe von geschmolzener Milchschokolade. Die Luft in der kleinen Küche roch wie immer verraucht.

“Du wirst gleich fragen, ob das ein Joint ist. Beziehungsweise, du wolltest es fragen, wirst es aber nicht nicht fragen, weil ich dir die Antwort geben werden: Nein, ich habe mir nur eine Zigarette gedreht, die so aussieht, Kleiner.”

Neo bleib der Mund offen stehen. Er wollte antworten, dass er die Zigarette - die tatsächlich aussah wie ein Joint, noch gar nicht gesehen hatte.

“Versuch nicht zu Lügen. Ich würde es sowieso merken!”
“M…”
“Nicht fluchen, Neo. Ich bin das Orakel - außerdem gibt es jetzt wichtigere Dinge”

Die Stirn der alten Frau, die in einem buntem Gewand gekleidet war, legte sich in Falten und sie blickte Neo mit ihren brauen, fast schwarzen Augen an.
Sie wusste genau, wo seine Augen waren, auch wenn er eine Sonnenbrille trug, das spürte er.

“Ich kann dir nicht viel sagen. Ich weiß nicht mal, wieso ich jeden Mittwoch meine Gestalt ändere. Ich weiß nicht, wieso du wieder in der Matrix bist, wieso du wieder unter Morpheus dienst und wieso Trinity noch lebt. Es ist so, als sei der letzte Tag der Matrix noch nicht gekommen. Niemand weiß genau, wieso dies passiert ist.”
“Was muss ich tun? Der Architekt?”
“Nein, Neo.”
“Smith?”
“Nein.”
“Der Merowinger?”
“Nein.”
“Der Schlüsselmacher?”
“Nein, der ist tot. Schon vergessen?”
“Aber ich dachte…”
“Ich weiß, was du gedacht hast. Ich bin das Orakel. Schon vergessen?”
“Sorry - ich mag solche Ratespielchen eigentlich nicht. Sie wissen, ich bin eher ein Mann der Taten.”
“Oh, diesmal sind große Taten von dir erwartet. Aber du weißt nicht, was du tun sollst, also kommst du zu mir. Du kannst diesmal nicht mit einem Gegner wie Smith oder dem Merowinger rechnen .Ich weiß nicht viel mehr. Lass mir dich eins sagen:
Löffel. Ich weiß nur, dass eine große Bedrohung von einem Löffel ausgehen wird.”
“Einem Löffel? Bitte, was soll das heißen?”
“Tut mir Leid, mehr weiß ich auch nicht. Du musst jetzt gehen.
Ich will Kekse backen. Tut mir Leid, dass ich heute keine für dich habe. Nimm dir stattdessen so eine kleine Tüte mit Lakritze!”
Neo betrachtete die kleine Tüte verwundert, spürte wie das Orakel ihm einen kleinen Schubs gab, um ihn aus der Küche zu befördern und stecke die Tüte schnell in seinen Ledermantel.

Löffel?“, dachte er, There is no spoon…

Der Löffelmörder

Saturday, October 1st, 2005

Kapitel 3 : Behind the gate of Hell

Eine halbe Stunde später erwachte Daniel.
Sein kopf brummte, Joel hatte ihn wohl mit irgendwas niedergeschlagen und dann in sein Haus geschleppt. Er lag bäuchlings auf einem großem Tisch, dem Geruch nach zu urteilen im Keller. Das Licht, das von der Decke kam, was bläulich und ziemlich grell. Das einzieg, was Daniel sah, war ein kleiner Tisch mit einer Steroanlage darauf und ein hölzener Stuhl. Er versuchte sich zu bewegen. Es ging nicht. Er war mit Lederiehmen an den Händen und Füssen gefesselt. über seinem Rücken lag eine Decke. Er bemerkte, dass er bis auf seine Unterwäsche nackt war.
“Oh, er ist aufgewacht, der kleine Schnüffler, was?”
Daniel schwieg. Er wollte Joel nicht die Genungtuung verschaffen, ihn auch noch verhöhnen zu können.
Der junge vor ihm war nicht der Joel, den Daniel kannte.
Er erschien ungleich älter und bösartiger. Sein diabolisches Lächlen veriet Daniel, dessen Gedärme sich bei dem Anblick wie zu Eis erstarrt anfühlten, dass er ihn wohl nicht schnell töten würde. “Ich bin der, den du suchst. Ich habe sie umgebracht.”
Joel setzte sich auf den Stuhl und lächelte Daniel eiskalt an. Er spielte mit seinem Taschenmesser und strich mit dem Finger sanft über eine kleinere Klinge.
“Mit der hier habe ich ihr den Rücken aufgeschnitten, sozusagen die Haut geöffnet.
Danach habe ich erst den Löffel genommen. Doch der Reihe nach.”

Vanessa war Glück gewesen. Sie war an der richtigen Zeit am richtigen Ort gewesen, so dass Ancalagon zur rechten Zeit zuschlagen konnte. Er hatte sie mit einem Baseballschläger betäubt, bis auf die Unterwäsche entkleidet und sie ebenfalls an den Tisch geschnallt. Dann hatte er ihr eröffnet, was er tun würde:
“Ich werde dir die Wirbelsäule rausnehmen, mit einem Löffel. Ich würde Lügen, wenn ich sagen würde, es würde nicht schmerzen. Bevor du fragst: Ich habe keine sexuellen Pervesitäten mit dir vor, nicht während oder nach deinem Tod. Er hatte diabolisch gelacht. Nie würde er den Anblick ihrer angsterfüllten Augen vergessen, wie sie auf dem Tisch da lag und er ihr eröffnete, dass er sie umbringen würde, und vorallem, wie grausam er das tuen würde. Und dieses einigartiges Gefühl, diese Macht die ihn durchströmte, Herr über Leben und Tod zu sein.
Er hatte eine gewisse Anzahl an Musikstücken, die Gefühle wiederspiegelten, die er gegenüber Vanessa hegte, und einige, die die Prozedur genau richtig begleiten würden. Er hasste und liebte sie zugleich. Sie war unereichbar für ihn, Ausätziger der Gesellschaft, und trotzdem hatte sie einen gewissen Respekt vor ihm gehabt, für den er sie geliebt hatte. “Nett gewesen zu sein war ihr Verhängniss, Daniel!” Ancalagon hatte sich schlussendlich für Beethovens 9., die Ode an die Freude entschieden. Zuerst zitierte er noch eine Zeile aus einem Lieb von Queen:

So you think you can love me and leave me to die….
Oh baby-Can't do this to me baby!

Er hatte die Steroanlage angemacht und leise gemurmelt “zu klein, viiieel zu klein…”
“Sie hat geschriehen, als ich den ersten Schnitt machte. Danach war sie nur wie betäubt und hat ein Geräusch von sich gegeben, das wir als “Stöhnen” bezeichnen. Allerdings ist das Wort sehr ungenau, nicht war?” Allerdings war Vanessa da eine Ausnahme gewesen, die andern beiden hatten lauter geschriehen. Joel machte das nichts aus, jedenfalls beim zweiten Mal gar nichts mehr. Beim allerersten Schnitt war er schon erschrocken gewesen, aber dann überkam ihn dieses unheimliche Gefühl der Macht und er sah die Schmerzenschreihe nur noch als Bestätigung. Vanessa hatte lange durchgehalten, selbst als er den Löffel angesetzt hatte. Die Wirbelsäule konnte er schon mit der Hand umschliessen, als sie noch atmete. “Ja, sie hat bis zum bitteren Ende gekämpft. Während sie starb, ritzte ich diese Runen in ihren Rücken. Es bedeutet Ancalagon. Der mächtigste Drache in Tolkiens “Mittelerde” hiess so. Aber wem erzähle ich das?” Joel lachte dreckig. Daniels Körper fühlte sich taub. Er wusste nun ziemlich genau, wie Vanessa gestorben war, und wie er wahrscheinlich auch sterben würde. Joel sprach von den Morden, als seien es Kunstwerke oder sonst irgendwas, was man bewunderen musste. Die Leichen habe ich in einem Einkaufswagen transportiert, während der Nacht. Zu schade, dass ich kein Auto habe, dann ginge es einfacherer. Bei dir denke ich übrigens daran, den Ermittlern eine schöne Wasserleiche zu schenken. Was glaubst du, wie weit wirst du es schaffen? Bis zur Mosel, oder bis zum Rhein? Vieleicht sogar bis nach Köln?” “Du bist eine kleine, miese Ratte, mehr nicht. Ein Verrückter, der Leute umbringt. Du wirst in das große graue Haus ziehen müssen. Und den Rest deines Lebens wirst du…” Daniels Stimem stocke, als Joel ihm eine Rune in den Rücken ritzte. Er hatte das Messer tief gestochen, tiefer als normal. Ancalagon hielt Daniel einen Löffel vors Gesicht. “Sieh, dein eigenes Blut, aus der Wunde, die ich dir zugefügt habe? Ist es nicht wunderschön? Ich finde, es gibt nicht schöneres als Blut.”
Er ritzte seinen Namen weiter ein, dann hörte er auf und wandte sich wieder Daniel zu, der auf die Zähne biss, um nicht aufzuschreihen.
“Was wolltest du eigentlich sagen? Ich bin verrückt, soso. Weisst du, ich habe mir es fast schon gedacht.
Aber weisst du was?
Es ist mir scheissegal. Man wird mich wahrscheinlich einsperren oder sowas, wahrscheinlich komme ich mit der Höchstrafe für Jugendliche davon. Und dann, werde ich wieder anfangen, und mir werden keine Fehler unterlaufen. Einem nach dem anderm werde ich sie umbringen, bis die Welt erkennt, dass sie machtlos gegen mich, Ancalagon ist!” Joels Augen waren glasig geworden und er sprach wie in Trance. Daniel, dessen Rücken brannte, als sei ein Buschfeuer auf ihm ausgebrochen, starrte ihn an. “Was willst du mit mir tun und wieso um Gottes Willen tust du das?” “Ich werde dir jetzt einen Schlag auf den Kopf geben, dich bis zum Fluss fahren, dann schneid ich die den Rücken auf, reiß die Wirbelsäule raus und werf dich ins Wasser. Nette Idee, was? Oder willst du lieber wie die Mädchen sterben? Wieso ich das tue? Ach, das habe ich dir doch schon erklärt. Vanessa und die 2. haben mich verletzt, bzw. Ich habe mich durch sie verletzt gefühlt. Und du, du bist einfach nur ein Lügner und ein kleiner Schnüffler. Ich kann sowas nicht ausstehen, und deshalb wirst du als Sahnhäubchen auf dem Ancalagon-Kuchen enden.” Joels Augen wirkten wieder klar und seine Stimme hatte einen saditischen Unterton angenommen. Er trug die ganze Zeit schon Handschuhe, und nam nun Daniels Buch, riss eine Seite heraus und legte sie auf den kleinen Tisch. Er nahm eine Feder, tippte sie in den Löffel und schrieb mit Daniels Blut:
“Hiermit erkläre ich, die Wunder des großen Ancalagon gesehen zu haben und anzukennen, dass er der größte Künstler auf Erden ist, und seine Taten gerecht sind.”

Er zeigte Daniel das Blatt und machte dessen rechte Hand los. Das Messer hielt er an Daniels Gurgel. “Unterschreib!” befahl er in einem scharfen Ton, “Sonst werde ich dir noch mehr weh tun, als ich Vanessa weh getan habe. Daniel unterschrieb mit seinem vollem Namen. Ancalagon schnürte ihn wieder fest, schüttelte Daniels Kopf, so dass Haare und Hautschuppen auf das Blatt fielen. Er steckte es in einen Frischhaltebeutel, und packte diesen zusammen mit seinem Löffel, dem Messer und einem Tacker in seinen Rucksack. Er schlug Daniel wieder bewusstlos.

~**~

Wieder spürte Daniel Kopfschmerzen, als er erwachte. Sein Rücken brannte noch immer. Er hatte gehofft, dass die Begenung mit dem Löffelmörder nur ein schlechter Traum gewesen war, aber dem war nicht so. Er bemerkte, dass er bis zum Oberleid wieder bekleidet war. “Ah, so sieht man sich wieder. Hast du gut geschlafen, Daniel?” Keine Antwort. “Du wirst bald lange schlafen, sehr lange. Grüss die Narren von mir, wenn du in Köln bist!” Daniel wollte sich wehren, aber Joel war schneller. Er hatte seine Zunge hinausgezogen und tackterte die Tüte an ihr fest. Nicht nur einmal, sondern 4 mal. Es schien ihm richtig Spass zu machen. Wenn Daniel hätte schreihen können, hätte er es getan, aber er konnte nicht, der Schmerz betäubte ihn noch zu sehr. Ancalagon schnitt Daniel den Rücken auf, stach einen Suppenlöffel unter die Wirbelsäule und hebelte sie heraus. Daniel schrie wie am Spiess, aber das liess Joel völlig kalt. Er konnte die Knochen bereits zwichen seinen Händen spüren. Er riss daran, bis das Schreihen aufhörte. “Gute Nacht, Daniel!” sagte er sarkatisch und stiess den leblosen Körper in die Alzette. Nachdem er die Spuren vernichtet hatte, dachte er bei sich:
“Verdammt. Nun muss ich bald wieder auf ein Begräbniss. Vieleicht sollte ich mir wirklich einen schwarzen Anzug kaufen.”

Der Löffelmörder

Saturday, October 1st, 2005

Kapitel 2: Knockin' on Hell's Door

Joel war sich bewusst, dass jemand ihm folgte. Und er konnte sich denken, wer es war. Die Batterien seines Discmans waren leer, und so hörte er ausnahmsweise die Geräuche, die seine eigenen Schuhe und die seines Verfolgers verursachten. Er musste sich beherschen, um sich nicht umzudrehen. Kurz überlegte er, was er tun sollte. Er fasste einen Entschluss. Er ging weiter bis er vor sein Haus kam. Er blieb stehen, drehte sich um und blickte in die Augen Daniels.
“Hey…was machst du denn hier?”
“Ich..”
“Du spionierst mir nach, was? Glaubst du wirklich, ich würde jemanden aus meiner eigenen Klasse umbringen?” Joel blinzelte kein einziges Mal, als er das sagte. Kalt und gefühslos wanderten die Worte über seine Lippen. “Nein, natürlich nicht, aber ich dachte mal, ich sehe mir an, wo du wohnst, wenn ich schon hier bin.” Joel hasste Lügen. Es gab nichts, was er mehr und so abgrundtief hasste wie Lügen. “Klar. Sieh zu, dass dir nichts passiert. Es scheint gefährlich zu sein hier, in letzter Zeit.” Er würde ihn umbringen. Aber er würde nur eine Zugabe zu Vanessa sein, sozusagen das Sahnehäubchen. Kein einzlenes Projekt. Aber dafür würde sein Tod schmerzhafter sein.
~**~

Gegen halb vier setzte strömender Regen ein. Niemand würde Daniel vor sieben Uhr zuhause erwarten. Er wusste nicht recht, was er von Joels Warnungen halten sollte. Ob er irgendwas gesehen hatte? Eher nicht. Allerdings hatte der Typ eine solche Kühle, dass man ihm zutrauen könnte, die Morde begangen zu haben. Daniel schlenderte durch die Fussgängerzone, obwohl er nicht recht wusste, was er da sollte. Leute hasteten durch die breite Strasse, andere bummelten ruhig und blieben vor jedem Laden stehen. Doch niemand schien sich für den Löffelmörder zu intressieren. Für manche Leute schien er sogar eine Art Kultfigur geworden zu sein. Beim Vorbeigehen hörte Daniel Witze über Löffel und Wirbelsäulen. “Wie abscheulich!”, dachte er, obwohl er wusste, dass er früher auch solche Witze gemacht hatte. Aber dies war nun eben etwas anderes.
Er ging in einen Laden und kaufte sich ein Buch über Runen. Er wusste, dass der Mörder Runen in die Leichen eingerizt hatte, man wusste nur nicht, welche es waren und was sie zu bedeuten hatten. Er glaubte zwar nicht wirklich daran, aber vieleicht würde er es herausfinden.

~**~

Ancalagon, gelesen Ankalagon, deshalb die Runen für A, N, K, A, L, A, G, O und N. Aber in Cirth, den Zwergenrunen von Tolkien, geschrieben. Nur wenige kannten diese Runen überhaupt, und noch wenigere waren imstande, sie zu lesen. Und selbst wenn, was half Ancalagon einem weiter? Nicht viele wussten, wer oder was Ancalagon ausser einem nettem Chatpseudonym wirklich war: Der größte und schrecklichste Drache Mittelerdes, vorkomment im Similmarillon. Ein wunderbarer Pseudonym für einen Mörder, fand Joel. Er mochte Drachen, und Ancalagon war dem “roten Drachen” von Thomas Harris nicht zu ähnlich, auch wenn wenige Dinge die beiden verbanden. Zum Beispiel war der Rote Drache ebenso wie Ancalagon oft ausgestossen worden, hatte wegen seines äusseren nicht dazugehört. Aber was die Art und Weise, wie sie töten anging, so waren sie grundverschieden. Der Drache hatte seine Opfer totgebissen, weshalb die Presse ihm den Spitznamen “Zahnschwuchtel” gegeben hatte. Aber Ancalagon, Ancalagon tötete anders. Präziser, und wohl auf den Schmerz bedacht, den er seinen Opfern zufügte. Zuerst lagen sie alle Halbnackt auf seinem “Operationstisch”, dann erklärte er ihnen, wieso er sie umbrachte und wie er es tun würde. Ganz ruhig, wie ein Arzt, der einem Patienten schildert, was bei einer Blindarmentfernung geschah. Nämlich den Wurmfortsatz des Blindarms, der in den meisten Fällen entzündet ist, abschneiden. Joel überlegte, ob der Daniel nicht zuerst den Blindarm entfernen sollte. Aber es entsprach nicht seinem Styl. Seine Opfer starben immerhin nicht an ärtzepfusch, sondern an einer kunstvollen Art des Mordes. Nun, mit Ausnahme von Daniel natürlich. Den müsste man etwas brutaller bestrafen, so dass er merken würde, dass Lügen kurze Beine haben. Kalt lächelte Joel und sah auf sein Dachfenster, und bemerkte mit Bedaueren, dass der Schneefall dem Regen gewichen war.
Alles hatte an genau einem solchen Tag begonnen. Grau, Joels Eltern erst sehr spät wieder zu Hause, und eine Wut auf irgendein blondes Mädchen. Er hatte ihren Namen jetzt vergessen, er war ihr auch egal. Sie war nur die Generalprobe für sein künstlerisches Schaffen, dass ihn später mit Gott gleichsetzten würde. Immerhin musste er sich einige antatomische Kentnisse aneignen, um den idealen Punkt zu finden, wo er den Löffel ansetzten und wo er schneiden musste. Und so war diese Wut gerade richtig gewesen, um sein Schaffen zu beginnen. Er hatte 3 Menschen getötet, und er verspürte keine Reue. Sie hatten ihm alle auf eine gewisse Weise wehgetan, und das alleine war schon ein Grund, ihm zu helfen, gottgleich zu werden.

~**~

Es war spät geworden. Daniel wollte noch einmal in die Wohngegend von Joel gehen und dann auf seinen Bus warten. Vieleicht würde er ja eine verdächtige Gestalt entdecken. Die Regen hatte aufgehörte, die Strasssen waren nass und der Himmel hatte eine Art grau-blau angenommen, das den nahen Sonnenuntergang bezeugte. Daniel war, als würde er in die Hölle eintreten.
Irgendwo hier trieb sich ein Verrückter umher, der wahlos Leute umbrachte, und ihnen wie vermutet wurde, bei lebendigem Leibe die Wirbelsäule herausriss.
Irgendwo hier lebte der Mörder, der diese 3 Mädchen so grausam zu Tode gequält hatte.
Hier lebte das Schwein, das Vanessa auf dem Gewissen hatte!
Der Gedanke entfachte in ihm neuen Mut, es stärkte ihn ungemein.
Aber was wollte er eigentlich?
Rache für Vanessa?
Oder einfach nur wissen, wieso sie gestorben war?
Ein komischer Mix aus beiden und noch einem anderem Gefühl, das er nicht richtig beschreiben konnte, das ihn antrieb. Er ging nochmal die Strasse entlang, in der Joel wohnte. Es war nun vollständig dunkel, niemand ausser ihm war auf der Strasse. “Du willst also wissen, wer der Löffelmörder ist?” Jemand hatte ihn von hinten gepackt und hielt ihm ein Messer gegen die Gurgel. Eine jugendliche Stimme, die eiskalt wirkte, drohte ihm: “Eine Bewegung, und ich schneide dir die Pulsader durch, aber nicht die Luftröhre. Dann läufst du hier blutend durch die Strassen, bis irgendwer dich findet!” Daniel wagte es kaum, zu atmen. Er war in der Falle. Der Löffelmörder – der Stimme nach anscheiend wirklich Joel, hatte ihn.

Der Löffelmörder

Saturday, October 1st, 2005

Kapitel 1: Hell is not far away

Dritter Mord des Löffelmörders

Löffelmörder/Ettelbrück.Am Sonntagabend wurde bei Ettelbrück die Leiche eines jungen Mädchen gefunden. Ihr war das Rückgrat entfernt worden, dem Autopsiearzt nach mit einem Löffel. Desweiteren wies ihr Körper mehere Schnittwunden auf, die allerdings erst nach dem Tode zugefügt worden sind. Dies scheint wieder einmal das Werk des “Löffelmörders” zu sein, der seit mehren Monaten die Bevölkerung in Angst und Schrecken versetzt. Wie bereits die 2 voherigen Male war das Opfer blond gewesen und ungefähr 15 Jahre alt gewesen. Der Löffelmörder scheint eine Vorliebe für blonde, junge Mädchen zu haben, denn keins der bisherigen Opfer war über 18. Wie auch die letzten beiden Male scheint die Wirbelsäule mit einem Löffel herausgetrennt worden zu sein, und wie jedes Mal die erschreckende Tatsache, dass das Opfer zu dem Zeitpunkt noch gelebt haben muss. Da der Täter sich nur an einer bestimmten Opfergruppe vergreift, vermuten die Ermittler,dass sich der Mörder während oder nach der Tat sexuell an den Opfern vergeht, obschon hierfür keine eindeutigen Hinweise gibt. Der Löffelmörder ginge nach keinem erkennbaren Schema vor, so der Sprecher der Polizei. Daraus schliesse man, der Täter sei endweder völlig verückt und morde nach Lust und Laune oder er sei aber äußerst intelligent, und verzichte auf ein Schema, weil man ihn dadurch leichter kriegen könnte, so der Polizeispecher weiter. Der Täter scheint die Lebensgewohnheiten der Opfer gut gekannt zu haben, deshalb ist anzunehmen, dass er sie eine Zeit lang davor auspioniert hat. Allen jungen Frauen, denen verdächtige Personen aufgefallen sind, sollen dies unverzüglich der Polizei Ettelbrück melden. Auch eventuelle Zeugen in den 3 Fällen des Löffelmörders sind gebeten, sich zu melden. Auf Hinweise, die zu einer Festnahme des Löffelmörders führen, ist eine Belohung von 1000 € ausgesetzt.

Joel wollte den Artikel auschneiden. Die einzige Schrere, die auf seinem Schreibtisch lag, war Bestandteil seines Taschenmessers. Er leckte die ausgeklappte, kleine Klinge ab und spürte den unverwechselbaren Geschmack von Blut. Er trocknete die Schneide an seinem Pullover ab, klappte sie ein und zog die Schere hinaus. Noch einmal betrachtete er verächtlich das, was die Journalisten und anscheiend auch die Polizei über den Löffelmörder dachten.
“Wenn die nur wüssten…”, dachte er nur. Ja, ER wusste, wie der Löffelmörder seine Opfer auswählte, und dass er sie nicht aus sexuellen Bewegründen umbrachte. Er sah zu seinem Dachfenster hoch und bemerkte, dass es zugeschneit war. Wie würde wohl Blut auf Schnee aussehen?

~**~

Natürlich war Joel auf dem Begräbniss. Immerhin war Vanessa ja in seiner Klasse gewesen. Nicht dass er jemals irgendeine Beziehung zu ihr gehabt hätte, aber die ganze Klasse war da, und es gehörte in gewisser Weise zu seiner Pflicht, durch seine Anwesenheit zu beweisen, dass er zur Klasse gehörte, jedenfalls offiziell. In Wirklichkeit verabscheute er die Menschen in dieser Klasse, und er wollte nicht länger als umbedingt nötig mit ihnen zusammen sein.
Die Augen der andern sahen verweint aus, im Moment hielt sich jedoch jeder zurück.
Ein leichtes Gefühl der Macht durchströmte ihn plötzlich.
Als die Zeremonie endlich abgeschlossen war, merkte Joel, dass Daniel, einer der Leute, die er am meisten hasste, lauthals verkündete, er würde den Löffelmörder aufspüren und fangen. Jedenfalls kam es Joel sehr laut vor, in der ansonsten so stillen Trauergemeinschaft, vieleicht aber auch nur, weil ihn dies intressierte und er es lauter wahrnam als es war. Er blieb stehen, machte auf dem Absatz kehrt und sah in Daniels blaue Augen.
“Hey!”
“Ja?”
“Pass auf, was du tust. Nacher tut es dir leid. Überlass solche Dinge lieber der Polizei.”
Und in Gedanken fügte er hinzu: “Sonst wird es sehr bald das erste männliche Opfer geben.”
Zu gerne hätte er diabolisch gelächelt, aber das konnte er nicht.

~**~

Daniel merkte sehr schnell, dass der Löffelmörder mit einer teuflichen Präzision ans Werk ging und seine Opfer und deren Lebensgewohnheiten offenbar sehr gut kannte. Ausserdem waren alle Opfer zuletzt in Ettelbrück gewesen, deshalb vermutete er, dass der Mörder ebenfalls in Ettelbrück wohnte. Nun, Ettelbrück hatte über 5000 Einwohner, für Luxemburger Vehältnisse eine recht große Stadt, und es würde schwierig werden, irgendwas herauszufinden. Daniel legte die Zeitungsartikel, die er aus dem Altpapier herausgesucht hatte, vor sich auf seinen Schreibtisch. Ihn erfüllte eine Mischung aus Schmerz und Wut. Es fühlte sich an, als würde irgendwas ihn von ihnnen heraus aufressen. Er dachte nach. Der Täter muss Vanessa gekannt haben – aber woher?
Er dachte zurück an das Begräbniss. Ausser seiner Klasse und der Familie war niemand anwesend gewesen. Oder doch? Er hatte nicht aufgepasst, seine Sicht war von Trauer getrübt gewesen.
Daniel errinerte sich an die Warnung von Joel. Wusste dieser Typ etwas mehr? Konnte es etwa sein, dass…
“Nein”, dachte er, “unmöglich. Er ist aus Ettelbrück, aber das sind viele.”
Daniel nahm sich trotzdem vor, Joel am nächsten Tag, einem Mittwoch, nachzugehen. Vieleicht würde er ja irgendwo in Ettelbrück auf etwas stossen, das ihn weiterbringen würde.
Er wusste nicht wieso, aber irgendwie fühlte er sich dazu berufen, sich näher mit dem Mörder zu beschäftigen. Es war wie ein unbesiegbarer Drang, herauszufinden, wieso Vanessa und die anderen Opfer gestorben war.

Ein Traum wird wahr - ein Schulaufsatz (Note 46/60, 8.Klasse)

Saturday, October 1st, 2005

“Wer will mal mitfliegen?” Alle verblüffte diese Frage, aber einige Kinder riefen sofort: “Ich will, nehmen sie mich!” Ich war auch dabei, obwohl ich einen Kopf größer war als die meisten. Der Drachenreiter lächelte. Dann zeigte er auf mich : “Du, du kommst mit!”
Mir war, als würde ein Traum in wahr werden. Ich durfte auf einem Drachem mitreiten.

Jeden Monat kam einer der Drachenreiter zu uns ins Dorf, das hoch in den Bergen lag, um uns Post, wichtige Nachrichten und manchmal auch Geschenke von Verwandten zu bringen. Seit ich denken kann, war es mein größter Wunsch gewesen, auch einmal auf einem Drachen zu reiten. Ich stieg über die Landungsbrücke zu dem Reiter hinauf: Er hob mich in den Sattel. Dann versicherte er meiner Mutte, dass überhaupt nichts passieren könnte. Während dessen betrachtete ich den Drachen. Seine schuppige Haut war blutrot, außer der dünnen Flughaut, welche zwischen den Flügeln gespannt war. Ich blickte in die Augen des Tieres, als es kurz den Kopf nach hinten wandte. Sie waren wie die einer Katze, ihre Farbe war jedoch anders. Noch nie hatte ich eine ähnliche Farbe gesehen. Es war eine Mischung aus Silber und Blaugrün.

“So, los geht es!”, rief der Drachenreiter mir zu. Ich hatte gar nicht bemerkt, dass er schon im Sattel saß. Der Drache sprang in die Höhe, breitete seine Flügel aus, die zuvor zusammengeklappt waren. Ich hörte, wie ein Raunen durch die Menschenmenge ging, die unten zuschaute. Dann schlug der Drache ein-, zwei-, dreimal mit den Flügeln, und mein Dorf sah aus als wäre es ein Spielzeugdorf. Es war herrlich, auf einem Drachen zu fliegen. Der Wind strich mir sanft durchs Haar, und der Sonnenuntergang färbte die umliegenden Berge golden. Doch dann entdeckte ich etwas Schwarzes am Himmel. “Riesengeier!” rief der Reiter mir zu. “Du musst dich jetzt gut festhalten.” Doch der Ratschlag kam zu spät. Ich war hinuntergefallen,als der Drache den Geiern ausgewichen war. Ich fiel in die Tiefe. Zuerst hatte ich das Gefühl zu schweben. Doch dann ging es rasend schnell hinab. Der Boden kam immer näher, und mir wurde es immer banger. Ich dachte an meine Mutter. Was sie wohl denken würde, wenn sie erführe, dass ich tot war? Dann entdeckte ich noch einen Drachen. Er war auch beritten. Ich wollte den Mund öffnen, um “Hilfe” zu rufen, aber ich konnte nicht mehr. Ich fiel zu schnell.

Dann hörte ich auf zu fallen. Erst dachte ich an ein Wunder, doch im nächsten Moment bemerkte ich, dass ein raues Seil um meine Hüfte geschlungen war. Dann erkannte ich, dass das Seil der Schwanz eines Drachen war. Er hob mich hoch. Ich erblickte das Gesicht des Reiters. Es war derselbe, der mich mitgenommen hatte. Er hatte die Geier abgehängt und war dann zu meiner Rettung herbeigeeilt.

Wir machten uns auf den Rückflug. Ich betrachtete den ganzen Weg lang die Berge, wie sie ihre goldene Farbe langsam verloren und sich schließlich rosa färbten. Dann erblickte ich mein Dorf. Ich war fast wieder daheim. Ich fühlte mich sehr erleichtert, und ich hatte nun nicht mehr so große Lust, auf einem Drachen zu reiten, obwohl mich später von Zeit zur Zeit die Sehnsucht doch noch packte.