Archive for the ‘Stories’ Category

Der Saloon

Sunday, October 2nd, 2005

Ein kleiner Saloon, in einer kleinen Stadt am Rande der Prärie, irgendwo dort, wo der Westen noch wild war, ein Saloon wie tausende.
Wenn man durch die typischen Flügeltüren eintrat, kamen einem Rauchschwaden entgegen, die von der bereits längeren Zeit sitzenden Klientell verursacht waren. Man roch deutlich den charakterischten Geruch des Wildwestsaloons:
Das neu angestrichene Holz, das man wahrscheinlich gebraucht hatte, um die letzte Schiesserei zu verdecken, das noch einen “neuen” Geruch hatte, der abgestandene Whiskey, der billige Tabak der durchreisenden Cowboys und deren eigener Geruch nach Vieh und Pferden, allles vermischt in dieser düstern Spelunke.

Joe Grey war schon in hunderten, wenn nicht tausenden solcher Saloons gewesen, und seiner Meinung nach war es wie folgt: Hatte meinen einen Wildwestsaloon gesehen, hatte man alle gesehen, abgesehen von den billigern Plagiaten, in denen sich zumeist gelehrte Leute aufhielten, die teuere Zigarren rauchten und französichen Wein tranken, und jeder trotzdem einen Cowboyhut aufhatten, um den Eindruck zu erwecken, sie gehörten zur Landbevölkerung – dabei waren es meist Versicherungsagenten oder ähnliche Firmenvertreter aus dem Osten.

Dies hier war ein echter Saloon, das bemerkte Joe Grey nicht nur auf den ersten Blick, sondern seit er den Geruch der Cowboys, der auch ihm anhaftete, gerochen hatte. In dieser Wirtschaft konnte man sicher einige lustige Stunden erleben.

Joe setzt sich gemächlich auf den Barhocker, spuckte einen Kautabak in den kupfernen Spucknapf und strich sich durch das unrasierte Gesicht. Er wartete ungeduldig darauf, dass ihn jemand bediente, und war dran und drauf, mit der Hand auf den Tresen zu hauen und zu schreien:
“Was ist das hier für ein Sauladen? Jetzt warte ich schon eine Ewigkeit auf meinen Drink!”
Zum Glück der Innenaustattung des Saloons wurde Joe jedoch eine Sekunde nach diesem Gedanken bedient.
“Hey, Bubi, lass nen Whiskey rüberwachsen, und keinen zu knappen!”

Der Barkeeper, offensichtlich an den rüden Umgangston seiner Klientell gewöhnt, schüttete Joe einen starken Whiskey raus – und wenn Joe schon fand, dass er stark war, dann war er wirklich stark!
Trotzdem, der Cowboy vertrug so einiges.

Plötzlich erhob sein Nebenmann, ein älterer Cowboy, seine Stimme:
“Hey, Greenhorn, ziehst du auch so schnell wie du trinkst?”
Der Mann war offensichtlich betrunken. Trotzdem war das für Joe kein Grund, nicht auf ihn einzugehen.
“Du nennst mich ein Greenhorn? Du weiß wohl nicht, mit wem du es zu tun hast? Ich bin Joe Grey, und ich habe Rinder vom Rio Grande zum Pazifik und wieder zurück getrieben!”
“Greenhorn, nun mach dir mal nicht in die Windeln. Das habe ich schon getan, als du noch an den Brüsten deiner Mutter genuckelt hast!”

Joe Grey wurde nun ernsthaft wütend.
“Ich glaube, da will jemand ein Duell, was?”
“Wenn du dich traust, Hosenscheißer, gerne!”
“Um Punkt 6 Uhr morgen früh, vor dem Stadttor. Du wählst die Waffen!”
“Ich werde da sein, Greenhorn. Wenn du dich bis dahin nicht aus dem Staub gemacht hast, würde ich dir raten, vorher den Sargbauer aufzusuchen, er fertigt Modelle auf Maß.”
“Du wirst keinen Sarg brauchen, wenn ich mit dir fertig bin.”

Mit einem Zug lehrte Joe Grey sein Glas und verliess, ohne noch ein Wort zu sagen, den Saloon.
Der heiße Wüstensand der Stadt knirschte unter seinen Stiefeln.

Die wundersamen Orte an denen Fire sich während des Bloggen aufhält (oder: Wo fliegt der Drache?)

Sunday, October 2nd, 2005

Diese Bezeichnung oder überhaupt die Tatsache, das es eine solche Kategorie gibt, mag verwirrend sein.
Nun, es sind nicht die Orte gemeint, an denen ein PC steht und von dem aus ich blogge, das ist sowieso in 99 % aller Fälle mein Zuhause. Ich beschreibe hier die Orte, die nur in meinen Gedanken exsitieren, einen Teil einer imaginären Welt bilden und doch sehr wichtig sind, da ich mich an sie zurückziehe um meine Gedanken zu sammeln, um einfach einen Ort zu haben, an dem ich alleine sein kann, und der nur mir gehört - das ich diesen Ort evt. mit andern teilen werde, ist nicht ausgeschlossen, aber es werden nur priviligierte Leute das Recht dazu haben. Nun, hier eine Beschreibung der Orte, die Liste ist jedoch nicht vollständig:

Die Halle der Erkenntniss
Ein dunkler, hoher Raum, so alt wie die Welt selbst, aber von Menschenhand erschaffen. Nur von ganz weit oben, dort wo die Schüler der Weisen ihren meditativen Gesang einstimmen, der durch die Gemäuer erschallt, kommt Licht, das einen trotzdem fast verblendet. In diesen Raum ziehe ich mich zurück, wenn ich über mich selbst Gericht halten will und eine Entscheidung brauche. Ich kann mich in diesem Raum in zwei oder mehere Personnen aufspalten und mich selbst beobachten. Manchmal besuche ich ihn auch nur, um den beruhigenden Geräuschen in der Halle zu lauschen.

Der Strand des vollkommen Glücks am Meer des Verderbens
Der Strand ist der schönste Ort der Welt. Es herscht ein ewiger Sonnenuntergang, und es ist weder zu warm noch zu kalt. Ein fabelhafter Ort, um lange Spaziergänge zu machen und sich nach dem Meer zu sehen. Aber das Meer ist das Meer des Verderbens, und so wie der Strand ein Ort von vollkommenem Glück ist, so verdirbt das Meer alles Glück. Eine ironie des Schicksals, dass beide Orte so nahe aneinander liegen, aber Gegensätze ziehen sich halt an.

Die Waldlichtung in der lauen Sommernacht bei Vollmondschein
Der Mond erhellt die Lichtung in seinem fahlen Licht, es ist weder warm noch kalt, und die Luft ist erfüllt von einem schweren Duft von Blumen. Eine perfekte Kulisse für eine Liebesszene. Und doch hat man hier irgendwie das Gefühl, unsterblich zu sein.

wird fortgesetzt

Milchschokoladeexpresso

Sunday, October 2nd, 2005

in Errinerung an lange Chatsamstagabende mit Nosnibor

Man macht wenig Expressopulver in den Filter, lässt ungefähr ne halbe Expressotasse mit der Expressomaschine machen, schüttet diese in eine größere Tasse. Hierauf gibt man 3-4 gehäufte Löffel Kakao (als Trinkschokoladenpulver, damit wir uns richtig verstehen!) und schüttet Milch drauf, bis die Tasse voll ist. Umrühren und anderhalb Minuten in die Mikrowelle.
Das wars auch schon. Der Expresso muss flüssig in die Milch geschüttet werden, da er sich nicht so mit der Milch verbindet - bei meinem ersten Versuch jedenfalls nicht.
Geschmack: ähnlich sehr gesüßtem Kaffee mit sehr viel Milch
Effekt: Man wird wacher dadurch. (subjektiv)

Wie man Jack Sparrow zum Weinen bringt

Sunday, October 2nd, 2005
für Commediante, die mir dafür Haarperlen schenkt…

Als Jack erwachte, spürte er, dass er Sand im Mund hatte. Und dass seine Hosenbeine naß waren. Er machte den zwecklosen Versuch, den Sand auszuspucken. Aber mit Sand im Mund war es mit Gefängnissen: Er war meistens leichter drinnen als wieder draußen.

Er legte den Kopf wieder auf den Boden und bemerkte, dass er am Strand lag. Vermutet hatte er es zwar, aber richig bewusst wurde es ihm erst in dem Moment, wo sein Kopf den leicht feuchten Sand berührte. Er öffnete die Augen einen Spalt weit, nur genung, um die aktuellen Lichtverhältnisse prüfen zu können. Eine grelle, gelbe karbianische Nachmittagssonne stach ihm direkt in die Augen.

Wieso wacht man immer dann auf, wenn die Sonne einem direkt in die Augen scheint?“, dachte er und hörte seine innere Stimme, wie sie plötzlich sehr sarkatisch wurde.

Aber wo war er überhaupt?
Das Problem an dieser Frage ja, dass man dazu die Augen öffnen musste, und Jack hielt es momentan für besser, sie geschloßen zu halten.
Gut, nächste Frage!
Wie war er hierhin gekommen, wo auch immer dieser Flecken Sand, auf dem sein schwerer Kopf lag, war?
Er hatte keinerlei Errinerung.

Gut, er war Jack Sparrow. Captain Jack Sparrow. Und alles, was mit diesem Namen verbunden war: Charme, gutes Aussehen, Stil, usw. Wäre die Gefahr nicht gewesen, noch mehr Sand zwichen die Zähne zu bekommen, hätte Jack gegrinst.

Aber er wusste nicht mehr, wie er dorthin gekommen war, wo “hier” war. Wo auch immer das sein sollte. Er konnte sich nur an die Black Pearl errinern, das beste Schiff in der ganzen Karibik, an seine ihm reu ergebene Mannschaft und an einen reich gefüllten Laderaum.

Er beschloß, den Kopf zur Seite zu drehen und seine Augen aufzumachen. Es tat nich so weh, wie er vermutet hatte, aber sein Kopf dröhnte immer noch - und seine Hosen waren nass. Viel zu nass für seinen Geschmack.

Er stand auf, spuckte noch ein paar Mal erfolgslos, in der Hoffnung, den Sand aus dem Mund los zu werden. Dann sah er sich auf der Insel um.
Sie war klein, schien unbewohnt und - klein. Eine typische Insel für Leute in seiner Situation.

Er nahm sein Fernrohr aus dem Gürtel und suchte damit den Horizont ab - es hatte das Wasser erstaunlich gut überstanden. Er war nun tatsächlich ein Schiffbrüchiger.
Na ja, früher oder später kommen sie mich eh abbholen.
Jack beschloß, das Inselchen genauer zu erkunden - allerdings glaubte er nicht, dass dies ihm tagelange Beschäftigung schaffen würde. Er tippe eher auf 45 Minuten. Aber besser als überhaupt nichts. Er ging in das kleine Palmenwäldchen, das direkt an den Strand anschloß.

Endweder wurde die Insel breiter oder er lief im Kreis, was angesichts des Dickichts völlig normal war. Jedenfalls schwitze er angesichts der Hitze und der immer höher werdenden Zahl der Mückenstiche, die er auf seiner Haut zählte. Er hasste die tropischen Wälder. Noch mehr als Meuterer.

Schweiß lief ihm von seiner Stirn in seine Augen, die anfingen zu brennen und sogleich trännten. Innerlich rollte er mit den Augen.
Jetzt fange ich auch noch an zu We…” Er konnte den Satz nicht zu Ende denken, denn er erblickte eine merkwürdige Gestalt, die offenbar auf einer Art Lichtung stand.

Ungefähr 5 Meter vor Jack stand jemand. Und allem Anschein jemand, dessen Outifit auf die Insel passte. Oder, bei näherer überlegung, auf jemanden, der solche Inseln besuchte, passte.
Der Typ hatte Sandalen an, dazu eine schwarze Hose, die ihm bis zu den Knöcheln ging. Darüber trug er ein merkwürdiges dunkelrotes Hemd, das offenbar keine Knöpfe hatte und für den Rest merkwürdig kurz geschnitten war, jedenfalls in der Armregion.

Entgegen dem, was man bei seiner Kleidung erwarten würde, war der Junge - Jack schätze ihn auf nicht älter als 25 -, nicht braungebrannt, ja richtig blass und seine Haut war mit spärlichen Sommersprossen gesprenkelt. Seine blassroten Lippen formten ein Lächeln, als er Jack mit seinen wachen, sehr blaß-hellblauen ansah und seine rotbraunen Augenbrauen leicht hochzog. Ein Lächeln, als hätte er Jack bereits erwartet.

Was Jack am meisten erstaunte, waren die Haare des Typen. Sie waren mit einem schwarzen Kopftuch, auf dem ein silberer Drache, umrandet von einem exotisch ausehenden Muster, aufgestickt war, nach hinten gehalten. An ihrem Ansatz waren sie dunkelbraun, wurden nach unten hin immer heller, bis zu einem Orangerot, das zu einem Dunkelnrot in den Spitzen überging. Die Haare gingen ihm bis zur Schulter, wo sie sich nach oben hin bogen.

Auf seinem Rücken hatte der Junge eine Schwertscheide. Nun, jedenfalls etwas, das wie eine schmale Schwertscheide aussah. “Merkwürdiger Junge“, dachte Jack, “Aber vieleicht erweist er sich als nützlich…

“Hallo!”
Jack setzte sein freundschaftlichtes Lächeln auf und bot dem Fremden seine Hand an.
“Hi, Pirat.”
Wieder dieser merkwürdige Lächeln, als hätte er Jack schon erwartet.
Capatain Jack Sparrow.”
Jack hob seinen Arm etwas hoher und näher an den Jungen heran und lächelte so charmant er konnte.
“Das bezweifele ich, Jack.”, erwiederte der Junge.
Captain Jack, für dich. Was bezweifelst du, Junge?”
“Das Captain.”
“Wie meinst du das?”
Wieder dieses Lächeln.
“Nun, ich sah kein Schiff, Pirat.”
“Die Black Pearl sieht man auch nicht einfach so. Aber bald wirst das beneidenswerte Vergnügen haben, sie zu sehen.”
“So?”

Langsam nervte dieser Junge. Er war an Aggoranz und Selbstsicherheit kaum zu überbieten. Ausserdem hatte er weder nasse Hosenbeine noch Schweiß in den Augen. Und seine Errinerung schien komplett zu sein. Aber Jack wusste, wie man sich aus solchen Situationen herauswand.

Er ging näher zu dem Jungen, legte ihm seine Hand auf die Schulter und legte sein zweideutigtes Lächeln auf, während der sagte:
“Was willst du? Etwas Spaß mit mir haben?”
Der Junge schloss die Augen zur Hälfte und grinste noch zweideutiger zurück, als er antwortete:
“Hängt ganz davon ab…”
Er packte Jacks Arm mit der Rechten und verdrehte ihn ruckartig. Jack spürte für einen Moment lang nur den überraschend kommenden Schmerz, und dann, wie er auf dem Boden lag und die Klinge eines gekrümmtem, asitaisch ausehenden Schwertes seinen Hals berührte.

“…was sie unter Spaß verstehen, Captain Jack Sparrow.”, beendete der Junge seinen Satz, wobei er das “Captain” besonders spöttisch aussprach.
“Mein Name ist übrigens Leal Ojis, falls es sie intressiert, Jack.”
“Du magst es hart, was, Leal?”
Jack wusste sogleich, das es ein Fehler war, denn der kalte Stahl drückte fester gegen seinen Hals.
“Gaaanz ruhig, okay? Sag mir einfach, was du willst. Egal was es ist.”
Bei dem letzten Satz setzte Jack wieder sein zweideutiges Lächeln auf. Grinsend antworte Leal:
“Das einzige, was ich will, sind keine Zeugen. Viel Spaß noch auf der Insel, Captain Sparrow!”

—-

Das nächste, was Jack spürte, war ein schmerzender Kopf - und wieder einmal Sonnenlicht, das ihm genau in die Augen stach. Er roch den unverkennbaren Geruch von schwarzgebranntem Rum, und als er sich umdrehte, endeckte er eine offene Rumflasche, an der ein Zettel befestigt war.

In quasi unleserlicher Handschrift stand drauf:
Wenn sie dies lesen, bin ich längst weg. Ich habe ihnen etwas Rum dagelassen, damit können sie sich die Zeit vertreiben, bis das nächste Schmugglerschiff meine Ladung abholen kommt. Was ihre offentsichtliche Gedächnisslücke angeht, erlauben sie mir, sie zu füllen, Captain Sparrow:

An dem Abend, bevor sie angeschwemmt wurden, sah ich ihr Schiff. Da schwarze Segel doch etwas ungewöhnliches hier in der Gegend sind, habe ich mir die Sache genauer angeschaut. Man hat sie über die Planke gehen gelassen. Es ist wahr, dass die See etwas stürmisch war, deshalb wohl auch ihr Gedächnissverlust.

Sie werden ihre Pistole finden, die ich ihnen vorsichthalber abgenommen habe. Die Schmuggler werden bald kommen. Vieleicht sehen wir uns irgendwann mal wieder. Ich hätte zu gerne gegen sie gekämpft, aber die Umstände ließen dies nicht zu. Meine Geschäfte gehen sie nichts an und sind auch nicht weiter von belang, aber ich bin sicher, wir treffen nochmal aufeinander.

Leben sie wohl, Captain Jack Sparrow!
ergebenst ihr
Leal Ojis

Jack musste zwei große Schlucke Rum trinken, bevor ihm klar wurde, was der Brief bedeutete: Seine Mannschaft hatte gemeutert! Er war nicht länger Captain der Black Pearl. Jedenfalls nicht mehr ausführender. Lange Zeit saß er still da und blickte den Horizont an. Als er erneut zur Rumflasche greifen wollte, bemerkte er, wie ihm eine einsame Träne über die unrasierte Wange kullerte.

The End (?) (more…)

Brücke

Saturday, October 1st, 2005

Mitten auf der Brücke blieb sie plötzlich stehen und kehrte um.
Der kalte Winde wehte durch ihr kurzes, dunkelbraunes Haar.
Er sah sie zurückkommen, und erstaunt blickte er in ihre traurigen, himmelblauen Augen.
“Was ist los?”
Die Verwunderung in seiner Stimme war deutlich herauszuhören.
“Ich weiß nicht. Es geht nicht. Ich kann einfach nicht weiter.”
Er wusste nicht, was er tun oder sagen sollte. Ihre Stimme klang nicht verzweifelt, eher kalt, als wäre das, was sie sagte, eine sachliche Feststellung.
Er betrachtete sie, sah in ihr blasses, von einigen spärlichen Sommersprossen gesprenkeltes Gesicht auf ihren schmalen Mund, in die schwarzen umrandeten Augen.

Sie stand sich gegenüber, auf dieser Brücke; ihr farbiges Oberteil war unter der dunkelen Jacke versteckt, seine ganze normale Alltagskleidung war weder bunt, noch düster.
Sie schweigen sich an.

Die Stille war unangenehm. Sie vermischte sich mit dem ewig gleichen, monotonen Rauschen des Wassers unter ihnen und dem heisern Krächzen eines Raben, der irgendwo in einem Baum saß.
Schwere graue Wolken trieben, wie gigantische tief hängende Luftschiffe am Himmel, und stärkten die melancholische Stimmung der Beiden.

Lara rang sich nach dieser bedrückenden Pause zu einem Satz durch, weil er nichts von sich gab. Es schien schwer, etwas zu sagen, aber die Stille war noch unerträglicher.
“Kevin, ich weiß nicht, was los ist in dieser Welt, in der es scheinbar nur um Geld, Macht und Sex geht, ich weiß nicht, was mit mir los ist, dass ich es nicht einmal schaffe, über diese Brücke zu gehen. Das Einzige, was ich mit Sicherheit weiß, ist, dass dies nicht gut ist.”

Kevin fand, dass ihre Stimme immer noch trocken, fast kalt klang, aber irgendwo hatte er eine Spur von Verzweiflung festgestellt.
Vielleicht hatte es an der Art gelegen, wie sie ihre Worte gewählt hatte, oder viel mehr daran, welche Worte sie nicht benutzt hatte. Er wusste genau, das sei gerne geflucht hätte, dass sie am liebsten “gottverdammte Brücke”gesagt hätte. Wieso blieb sie so distanziert?

Er antwortete:
“Ich weiß auch nicht, was mit uns und dieser verdammten Welt passiert, in dir wir ungefragt hineingeboren werden, mir einem Drang nach Leben, der so stark ist, dass die Mehrheit geduldig auf den Tod wartet und sich ihn nicht wünscht. Ich weiß nicht, was das soll und ob sich irgendwer was dabei gedacht hat, oder ob alles nur ein verdammter Zufall war.”

Sie richtete ihren Blick auf ihn. In ihren Augen war weniger Traurigkeit als zuvor, und sie wirkten größer als zuvor.

“Du fluchst und machst deinem Ärger über die Welt Luft. Ist das der richtige Weg?”
Kevin wusste sich keinen Reim zu machen auf Laras Gedankengänge, die sie laut artikulierte. Ihm schien es, als drückten die Wolken auf die Beiden, und diese fühlbare Last schien ihren Frust herauszupressen. Ihm kam eine Eingebung, wie ein Blitz, der einen Befehl erteilte, den der mechanisch ausführte.

Er streifte seinen Ärmel nach oben und hielt seinen nackten Arm hoch.
Er war übersät von paralellen Schnittwunden.
Lara sah, dass er sie sich selbst zugefügt hatte. Ritzen, nannte man das. Sie war erschrocken, obwohl sie nicht wusste, ob des Anblickes wegen, oder wegen der abrupten Bewegung.
“Das ist jedenfalls auf keinen Fall der richtige Weg. Ich wollte sichtbare Narben für meine inneren Wunden. Aber es gibt keinen Grund, sich zusätzliche Schmerzen zuzufügen, wenn man sowieso ein Leben voller Leiden führt!”

Sie verneinte mit einer Kopfbewegung.
“Ich denke, dass Kämpfen der richtige Weg ist. Nicht gegen, sondern für das Leben.”
Kevin schob seinen Ärmel wieder über seinen Arm.
“Das klingt weise. Aber braucht man nicht eine Waffe, um kämpfen zu können?”
“Unser Geist ist unser Schwert. Wenn wir Dinge erfinden, schreiben, malen, dann schärfen wir dieses Schwert. Manchmal zerbricht es und wir müssen es neu schmieden. Ein solcher Tag ist heute.”

Kevin lächelte.
“Du hast Recht. Lass uns gehen, es ist spät.”
Sie nickte, und auch auf ihrem blassen Gesicht war für einige Sekunden ein Lächeln zu sehen.

Sie ging über die Brücke. In der Mitte blieb sie stehen, drehte sich um und rief:
“Bis bald, Kevin!”
Es kam ihr vor, als habe sie ihr Schwert in die Scheide gesteckt, um besser laufen zu können. Für den Augenblick war sie außer Gefahr.

feeling so unholy

Saturday, October 1st, 2005
gewidmet Katha - danke für deine Offenheit und die schier endlosen diskusionsreichen Nächte mit dir, ausserdem Dank für die erste Inspiration für dies hier
und Stella - danke für die Erdbeeren und die dementsprechende Inspiration

Sie lagen dicht nebeneinander im Bett, obwohl es hellichter Tag war. Durch die orangen Vorhänge fiel das Licht des Nachmittages gedämpft in das Zimmer, das eindeutig einer Jugendlichen gehörte, die aus dem Alter raus war, in dem sie die Wände mit Postern zukleistern mustte oder aber das Privileg gehabt hatte, nie eine solche Phase erleben zu müssen.

Jedes mal, wenn eine Wolke an der Sonne vorbei zog, wurde es dunkeler in dem Zimmer, was die ruhige Stimmung, die herschte, noch verstärkte. Auf den ersten Blick hätte ein ungeübter Beobachter geglaubt, es wäre niemand in diesem Zimmer gewesen, denn die beiden Jugendlichen, die auf dem Bett lagen, verharrten - jedenfalls im Moment - völlig regungslos.
Ruhe Musik war zu hören - kein Pop, etwas unbekanntes, sehr viel weniger populär,. Ein nicht definierbarer Stil. Eine weibliche, schon fast ätherische Stimme sang dazu.

Ihre Haut war durch das orange Licht das auf sie fiel in eben dieser Farbe getönt. Eine relativ große, männliche Hand fuhr über ihren Arm. Er genoß die Weichheit ihrer Haut. Ein zärtlicher Kuss auf ihren Mund, sinnliche Berührung der Lippen, und dann erneut das Zurückfallen in eine phlegmatische Ruhe, die wie eine Stille schien, die einzig und allein von den wunderbar weichen Berührungen untereinander als Gerräusche unterbrochen wurde.

Beide hatten ihre Augen geschlossen und erlebten so den Körper des Andern als wundervolle lebendige Landschaften, die sie mit ihren Fingerspitzen erkunden konnten.

Es gab keine Unklarheit über die Dinge, die noch passierten sollten und so konnten sie sich Zeit lassen, jede einzelne Phase ihres Beieinanders ausführlich zu gestalten und zu geniessen, und taten dies auch. Jede Berührung wurde zu einem unendlichen Moment, der sich im kollektiven Gedächniss beider einbrannte, bis die nächste Berührung ihn wieder vergessen machte.
Er zeichnete mit seinem Finger unendlich viele Achten auf dem Weg zwichen den beiden Gelenken ihres Daumens, während ihre Hand den Weg unter sein T-Shirt fand, sich Millimeter für Millimeter zärtlich seinen Oberkörper hinauf tastend, ein sanftes Kribbeln auf seinem Bauch hinterlassend.

Die Gedanken verliessen die Beiden, und statt ihnen kamen die Gefühle, die sie instinktiv dazu antrieben, Gänsehaut auf dem Körper des Anderen zu verursachen, die jeder genoß, denn es war eine äusserst angenehme Art der Gänsehaut.

Der Nachmittag wich dem Abend, der die Unendlichkeit seines Vorgängers fortsetzte, und mit ihm kam auch der Hunder, den sie, mittlerweile nur mehr in Unterwäsche, damit vertrieben, in dem sie sich gegenseitig mit Erdbeeren fütterten. Dies erhöhte die Lust ihrer Zungen, sich zu berühren.
Ein weiterer unendlicher Moment. Das Berühren der Lippen, das dem Berühren der Zungenspitzen wich, um schlussendlich in einer vollständigen Verschmelzung ihrer Münder zu enden.

Das Licht wurde schwächer, durch den Sonnenuntergang jedoch wärmer. Die Musik blieb dieselbe und entführte ihre Ohren in völlig entlegene, höhere Sphären.

Langsam wurden die gegenseitigen Berührungen konkreter und verschafften Lust, was ihrer Schönheit keinen Abbruch tat, sondern sie im Gegenteil sogar noch verstärkte.
Mit der Zeit waren beide ganz nackt geworden, und auch ihre Augen hatten sich geöffnet.

Beiden hatten strahlend hellblaue Augen, und oft war es vorgekommen, das sie, wenn sie einander in die Augen und nur in die Augen geschaut hatten, der Meinung verfallen waren, sie würden ihre eigenen Augen sehen.

Doch jetzt sahen sie sich nicht nur in die Augen, sondern betrachteten sich gegenseitig. Es war herrlich, die lebende Landschaft, die ihre Fingerkuppen in zahllosen Wanderungen erkundet hatten, zu sehen, in dem warmen Schimmer des letzten Tageslichtes fast golden.
Ihre Lust steigerte sich, und bald konzentrierten sich ihre Berührungen auf den Schamberreich. Das Unbekannte das Andern, auch wenn es schon tausendmal berührt worden war, behielt den Reiz des mysteriösen Lustorgans, das man selbst nicht besaß und dementsprechend nur raten konnte, was die eigenen Hände für Gefühle hervorriefen.

Und dann wich die Nähe der völligen Verschmelzung, der Stille der Musik gesellten sich neue Geräusche und Laute. Die Ruhe verwandelte sich in eine sinnliche Hektik, die alle Gefühle der letzten Stunden intensivierte und zu vervielfachen schien, ohne sie dadurch abzuwerten.

Es dauerte unendlich lange und dennoch war es viel zu kurz. Es schloss ab mit einem gemeinsamen Sinnfeuerwerk, wie immer.

Das Gefühl danach, die postkoitoale Eurphorie, wie er es nannte, war wie ein Rausch. Er liess das Kondom, Zeuge von dem, was sich gerade erreignet hatte, in den Mülleimer fallen und sie machte sich daran, sich wieder anzuziehen, denn sie schlief ungern nackt.

Sie zog seinen Boxershort und ihre eigenes, hellgrünes Oberteil an. Als er fragend auf seine Unterwäsche blickte, lächelte sie ihn mit ihn mit ihren weißen Zähnen an und warf ihm einen halb zwichen ihren halblangen schwarzen Haaren verdeckten, überlegenen Blick zu, während er ihre dünne Taile und dann ihren Nabel streichelte, als wolle er zeigen, dass er sie noch weiter begehrte.

Dann stand er auf und ging zu seiner Sporttasche, aus der er einen neuen Boxeshort fischte.
Sie lag flach auf dem Bett und beobachtete ihn dabei, genoß die Blicke auf seinen schönen Körper, und murmelte zufrieden:
“Ich liebe dich…”

Ich kam mir vor wie in einer fremden Welt

Saturday, October 1st, 2005

“Ich kam mir vor wie in einer fremden Welt..”, so lautete der letzte Satz, den Mana in ihr Tagebuch schrieb, bevor sie es beiseite legte.

Sie lehnte sich zurück und genoss die Musik, die aus anderen Sphären zu stammen schien, ein akutischer Orgasmus, der in ihrem Kopf Bilder fremdartiger Landschaften hervorrief, als würden sich die Gedanken der Musiker konkret veranschaulichen. Doch auch Erinnerungen an den voherigen Tag drängten sich ihr auf und liessen sie nicht mehr los.

Seufzend griff sie wieder nach dem Tagebuch, drehte die Musik etwas leiser, so dass sie nicht mehr übermachtig von ihr beherscht wurde, dass sie sich auf nichts anderes mehr konzentrieren konnte.
Wieder und wieder las sie die Zeilen, die sie erst vor kurzem mit schwarzer Tinte in ihr kleines schwarzes Heft, ihr persönliches Logbuch, eingetragen hatte.

Sie schloss die Augen und lies die Ereignisse Revue passieren.

Alles hatte damit angefangen, dass sie bei einem guten Freund übernachtet hatte. Sie waren zuvor ins Kino gegangen und es war zu spät gewesen, um noch nach Hause zu fahren.

Ihren Elltern war es ohnehin egal, wo sie schlief – immerhin befanden sie sich gerade auf einer Kreuzfahrt in der Karibik und hatten andere Sorgen. Mana war Siebzehn und konnte, jedenfalls für zwei Wochen, auf sich selbst aufpassen.

Was auch immer ihre Eltern davon halten mochten, sie hatte mit ihrem besten Freund in einem Bett geschlafen. Zu etwas anderem als ungewollten Berührungen war es allerdings nicht gekommen.

Ali und Mana hatten lange geschlafen, und seine Eltern waren längst aus dem Haus, als die Beiden frühstückten.

Dann dieser Joint.

Mana hatte schon öfters Gras geraucht, und sie kannte die Wirkung auf ihren Körper. Für sie war der unregelmässige Drogenkonsum ein Genuss, wie für andere Leute das Glas Wein am Abend.

Ali war mit ihr nach Hause gefahen, aus welchem Grund auch immer.
Im Zug war der Rausch am stärksten zu spüren gewesen. Eine wollige Müdigkeit lullte sie ein und sie lehnte sich zurück.
Sobald der Schaffner passiert war, holte Ali seinen Discman hervor und reichte Mana einen der Ohrstöpsel.

Sie hatte es einfach auf sich wirken lassen, die vorbeiziehende Landschaft, die wunderbaren Wolkenformationen und die Musik.
Eine Melodie, erzeugt von Instrumenten, die sie nicht bestimmten konnte und eine ätherische Stimme, die über die Liebe sang. Manas Fähigkeit, klar zu denken kam ihr abhanden. Sie hörte auf, ihren Zustand zu analysieren, wie sie es sonst ständig tat.

Die Realität wurde unwirklich, auch wen dies ein Paradox war, die Droge – Mana wusste nicht, ob die Musik oder das Gras sie mehr beinflusste – ermöglichte solche Widersprüche.

Alles um sie herum wurde weich, als bestände selbst die Luft aus unsichtbarer Watte. In ihren Kopf verschmolz die Musik mit anderen Sinneseindrücken und synthetisierte sich zu folgendem Bild:

Die Wolken schienen die Musik zu verdinglichen, die hügelige Landschaft wurde von der Melodie erschaffen, jeder Baum wurde zu einer Note und jede Note zu einem Baum, aus den sanften Hügeln wurden Takte, aus den Takten wieder Hügeln.

Es war eine fremde Welt und doch so vertraut. Mana nahm sie immer verschwommener wahr, als fahre der Zug im Schneckentempo, obwohl er das gleiche nervöse Tempo beibehielt, mit dem er sie und Ali nach Hause beförderte.

Sie stiegen aus, ohne dass Mana aus ihrem wundervollen Tagtraum erwachte. Ali hatte ihr mittlerweile beide Ohrstöpsel überlassen.

Sie war wirklich in einer anderen Welt. Es musste einfach so sein, denn alles erschien ihr so neu.
Den kühlen Wind, der durch ihr langes, hellbraunes Haar blies, spürte sie zum ersten Mal bewusst, obwohl sie schon oft geglaubt hatte, ihn zu spüren. Sie sah, und es war sie, als wäre sie vorher blind gewesen, die vielen Farbvariationen, die allein der Himmel bot.

Ali liess ihr den Discman und die CD, als er sich verabschiedete.
Doch etwas störte Mana noch, selbst einen Tag danach.
Er hatte gesagt, die Euphorie sei unmöglich allein auf den Joint zurückzuführen, das was Mana erlebt habe, sei wohl vor allem durch die Musik ausgelöst worden.

Mana sehnte sich nach diesem Gefühl. Für einige Momente hatte sie an nichts denken können, ihr Kopf war vollkommen leer gewesen, und es hatte sich wundervoll angefühlt, besonders für jemanden, der ständig alles analysierte und durchdachte.

Sie wusste, dass sie allein durch Ruhe und diese Musik wieder für einige Sekunden diesen Zustand erreichen konnte, und diesen Gedanken empfand sie als tröstlichen.

Gefallener Engel

Saturday, October 1st, 2005
für Lisa, da es sie beschreibt…

Schwarz umrandete sie ihre Augen, schwarz färbte sie ihre Augenlieder, so dass ihre grünen, ihre wunderschönen dunkelgrünen, mal ernsten, mal kindlich-fröhlichen Augen noch mehr zur Geltung kamen.
Sie sah sich selbst an.
Ihr hellbraunes Haar mit der einen Dread, die ihre Eltern ihr erlaubt hatten, ging ihr bis kurz vor über die Ohren. Es sah wild aus, und das gefiel ihr.

über den schwarzen BH, den sie bis jetzt an hatte, zog sie ein dunkelgrünes Top mit einem kleinen Ausschnitt. Auch wenn sie ihren Busen für ihre Figur vielleicht etwas zu groß fand, brauchte sie sich ja nicht zu schämen, ihn zu zeigen.

Sie sah sich wieder an. Es fehlte noch etwas. Etwas, was sie von der normalen Masse abhob. Etwas, das jeder direkt erkannte, anders als die Dread oder das dunkele Make-Up.
Das Nietenhalsband? Nein, noch zu unauffällig. Und sie fühlte sich nicht so, als bräuchte sie nur ein Halsband, das ihr tieftes Inneren in ihr gefangen hielt, sondern sie brauchte auch etwas, was sie vor den Blicken dieser lüsterenen kleinen Wichser, denen sie ganz sicher begegen würde, denn die waren überall, schützte.
Sie entschied sich für ihr Stachelhalsband.
Es war ein Symbol, ein privates Symbol, das vielleicht falsch gedeutet wurde. Aber was machte das?
Es war nicht wichtig, was die “Anderen” dachten. Wichtig war nur sie, ihre Gedanken. Und dass niemand genau wusste, was in ihr vorging. Ein Zeichen setzten war okay, aber niemanden wollte sie die Abgründe ihrer Seele zeigen.
Wer sich in dieses Labyrinth vorwagen mochte, hatte besser daran, eine große Fackel mitzunehmen, denn es war dunkel, in ihrem Innersten.

Sie sah sich nochmals an. Mana Kotsun, 17 Jahre alt, hellbraunes Haar, eine Dread, dunkel umrandete grüne Augen, bleiches Gesicht, Stachelhalsband, enges grünes Top - ihr Busen kam zur Geltung, schwarze 3/4 Hose, Sandalen. Ungewöhnliche Mischung, aber passend zu ihr.

“Selbst wenn der Fall eines Engels schon eine Million Jahre her ist, man sieht ihm seine einstige Schönheit immer noch an…”, dachte sie, und es war die Stimme aus ihrem Innersten, die da in ihrem Kopf sprach. Das war einer der Gedanken, die sie mit niemanden teilen wollte.

Mana verliess ihr Zimmer, stieg die Treppe hinunter, ging zur Tür, nahm ihren Schlüssel vom Schüsselbrett, vergewisserte sich, dass sie ihr Geld und ihr Handy dabeihatte und verliess das Haus. Wohin wollte sie? Sie wusste es nicht wirklich. Spazieren gehen, raus, an die frische Luft.
Irgendwo in ihr innendrinn fühlte sie, dass irgendetwas sie dazu drängte, rauszugehen, so als hätte sie eine Vorahnung.

Aber war das nur ein merkwürdiges Gefühl, oder steckte etwa mehr dahinter? Was wusste sie schon über das, was manche Leute ihre Seele genannt hätten?

Sie ging durch den Schatten, vermied es, direkt ins Sonnenlicht zu treten. Auf eine Art und Weise genoss sie zwar die warmen Strahlen auf ihren Schulterblättern, aber anderseits behagte ihr die grelle Sonne überhaupt nicht.
Sie war ein Kind der Nacht, allenfalls noch von Sonnenauf- und -untergängen.

Sie machte einen langen Umweg, um nicht sofort in der Zentrum der Kleinstadt zu gelangen, in der sie lebte. Sie schlenderte am Ufer des kleinen Flusses entlang, genoss es, den schattigen Weg entlangzugehen, und von den Menschen, die sie ab und zu traf, mit einem erstaunten Blick angestarrt zu werden.
Es kamen Mütter mit ihren Kindern, Gruppen von Jugendlichen - kichendere Siebtklässlermädchencliquen und gröhlende Banden von Jungs, die es nicht wagten, auf ihr Dekoltee zu sehen - oder nicht groß genung dazu waren, Päarchen jedes Alters, und in jedem Gesicht sah Mana die Verwunderung.
Manchmal hasste sie es, wenn sie angestarrt wurde, aber in den meisten Fällen gefiel es ihr oder sie mochte es sogar. Vielleicht überlegte sich ja jemand, wieso sie sich so anzog.
Der Wind stricht sanft durch ihr Haar, und sie spürte, wie einzig die Dread nicht durch die Luft gewirbelt wurde. Wiederstand. In gewisser Weise hätte man sagen können, die Dread schwimme im Gegensatz zu den Rest ihrer Haare gegen den Strom. Aber was konnten die Haare denn dafür, dass sie nicht zu Dreadlocks verfilzt waren, dass sie zu leicht waren, um dem Wind Wiederstand leisten zu können?

Gab es auch Menschen, die zu schwach waren, um Wiederstand zu leisten? Die es sich nicht leisten konnten, gegen den Strom zu schwimmen, um nicht alles zu verlieren?
Aber konnte man im Geist Wiederstand leisten, und sich rein äusserlich vom System beherschen lassen? Wieso fingen nicht alle die, denen alles das wiederstrebte, was täglich mit ihnen passierte, damit an, ihr äusseres so zu ändern, dass man sah, dass ihnen etwas nicht passte?

Mana seuftze. Vielleicht war es leichter, ihre Eltern zu überreden, dass sie sich endlich alle ihre Haare dreaden durfte, dann würde sie solche Probleme nicht mehr haben, oder nicht mehr alleine durch einen Windstoss auf solche Gedanken kommen.

Busfahrt

Saturday, October 1st, 2005

gewidmet allen Liebespaaren dieser Welt die sich vor mir umarmt/geküsst/ect. haben…

Gefangen im Sumpf der Depression stehe ich hier und weiss nicht weiter.
Ja, ich habe mich selbst hier rein bugsiert, ich war es selber, auf dem Weg ins versprochene Land.
Oder nicht?
Wer weiss noch was war, wenn er nichts mehr weiss? Wie soll ich euch sagen, wie ich hierher kam, wenn ich nicht mal mehr weiss, wieso ich überhaupt hier bin?

Aber ich weiss noch, wie es angefangen hat. Ich sass im Bus und schloss die Augen. Ich wollte das, was ich vor mir sah, sowieso nicht sehen. Ein küssenden Pärchen. Ich wollte sie beide töten, nur aus dem Grund, weil sie sich küssten, jeder von ihnen berauscht von der Schönheit seines Gegen übers.

Und jetzt? Wohin gehe ich, oder soll ich überhaupt noch gehen? Ich kann nirgends mehr hin, und keiner kann mir mehr sagen, wohin ich soll.. Ich bin verloren, verloren in diesem Sumpf, und wenn ich den letzten Ausweg wähle, werde ich danach nur noch tiefer versinken.

Was nützt es zu sterben wenn man nicht glücklich sein kann? Glaubt ihr, danach wird es besser sein? Ja, euch vielleicht, aber mir sicher nicht. Da oben wird es doch auch von Pärchen nur so wimmeln, und in der Hölle? Wollust ist eine Todsünde, also werde ich dort Leuten begegnen, die sich zügellos ficken.

Und ich wollte sie töten, ja. Vielleicht habe ich es ja getan und sitze im Gefägniss? Nein, das wüsste ich, und es ist nicht so lange her. Vielleicht sollte ich meine Augen öffnen, um zu erkennen, wo ich bin. Um dann festzustellen, das sie immer noch vor mir sitzen und ich immer noch unglücklich im Bus sitze?

Wo bin ich nur, wo bin ich nur und was mache ich hier? Ich will weg von diesem Ort, wo ich doch so unglücklich bin, aber ich kann es nicht. Ich sitze bis zur Hüfte im Schlamm fest und kann nicht weiter.

Ich sitze im Bus. Ich spüre die Vibration des Motors und der Scheibe, gegen die mein Kopf gelehnt ist. Seid ich die Augen geschlossen habe, ist fast keine Zeit vergangen, höchstens eine Minute. Ich weiss, sie sitzen immer noch da und küssen sich. Ich hasse sie. Nicht aus persönlichen Gründen, einfach nur weil sie küssen. Aber ich will nicht. Ich bleibe einfach hier sitzen und lasse meine Augen zu, bis ich raus muss.

Rache

Saturday, October 1st, 2005

gewidmet Svenja

Es war dunkle Nacht. Ich hörte sie schreihen, meinen Namen. Es war wie ein Traum, und dennoch war es auf einen merkwürdige Art und Weise real. Die luft war heiss, und als ich mein Fenster öffnete, blies kein Wind der mir Kühlung verschaffte. Der Himmel war nachtschwarz, keine Sterne zu sehen, ja nich mal Wolken. Ich sah mich selbst in der Scheibe meiner Fenster relfektiert, und in meinen Pupillen die Reflektion der Relfektion. Es hätte ewig so weitergehen können, da hörte ich sie wieder schreihen. Doch sie schrieh nicht mehr nach mir, sie schrie nach jemandem anderem. Ich wurde wütend, wollte alles zerstören. Ich öffnete die Tür die auf das Dach führte und ging hinaus. Ich beschwor den Wind wieder zu blasen, breitete meine Flügel aus und flog zu ihr, um Rache zu nehmen wegen ihrem Verrat.