Archive for the ‘Politik’ Category

Jagd

Saturday, December 20th, 2008

DieJulia hat mich mit ihrem kulinarischen Schüttelreim zur Jagdsaison daran erinnert, dass ich schon etwas länger plane, etwas über das Thema Jagd zu schreiben.
Ich möchte anmerken, dass ich mir aufgrund meiner Ausbildung einbilde, relativ viel Ahnung von den Thema zu haben und keiner extremer Ideologie nachzueifern. Ich werde auch vor allem auf die Situation in Luxemburg eingehen, da es die ist, die ich am besten kenne.

Aber das ist ja eigentlich schon das große Problem: Jeder, der eine Meinung zur Jagd hat, bildet sich ein, furchtbar viel Ahnung zu haben. Was dann oft nicht so sehr der Fall ist.

Ist Jagd notwendig?
Um es kurz zu machen: Ja, Jagd ist notwendig. Es gab immer schon Tiere, die Jagd auf das heute gejagte Wild gemacht haben. Diese Super-Prädatoren wie der Wolf und der Luchs sind größtenteils verschwunden und werden auch so schnell nicht zurück kommen. Die Populationen von Rehwild und Schwarzwild (Wildschweinen) sind in den letzten Jahren enorm gestiegen. Es ist quasi unmöglich, Rehe und Wildschweine im Wald zu zählen und auf brauchbare Zahlen zu kommen. (Auf der dänischen Halbinsel Kalø wurden unter größten Anstrengungen 70 Rehe gezählt, als man einen Totalabschuss durchführte, zählte man 213 Tiere.) Die hier genannten Populationsanstiege berufen sich also auf die einzigen Zahlen, die zur Verfügung stehen: die Zahl der abgeschossenen Tiere.

Die Wildschweine haben sehr viel bessere Lebenskonditionen, seit intensiver Maisanbau betrieben wird. Was wiederum zu sehr viel Wildschaden führt. Schädigen die Wildschweine in den Wäldern selbst kaum Bäume (höchstens einzelne Stämme, an denen sie sich nach einem Schlammbad abreiben, was aber wirtschaftlich absolut verträglich ist), so sind die Schäden in der Landwirtschaft relativ groß.
Wildschweine haben keine “eingebaute” Populationskontrolle wie beispielsweise Füchse, bei denen bei hoher Populationsdichte nur ein Α-Weibchen Junge gebärt, dh. aus einer kleinen Rotte Wildschweine kann sehr schnell eine sehr große werden, welche natürlich auch sehr viel mehr Futter braucht. Wildschweine haben unter den momentanen günstigen Bedingungen eine Vermehrungsrate von 150 bis 200% pro Jahr. In den letzten Jahren kommt verstärkt das Problem der vielen aufeinander folgenden Mastjahre hinzu, dh. die Wildschweine leben quasi im Schlaraffenland – und vermehren sich dementsprechend.
Weitere mögliche Ursachen der Populationsexplosion der Wildschweine sind die starke Fütterung durch Jäger, die gezielte Hege der Bachen (man schießt keine weiblichen Tiere, um mehr Nachwuchs zu erhalten), milde Winter und der naturnahe Waldbau – welcher natürlich auch für mehr Nahrung sorgt.

Die Population des Rehwildes ist seit den 60er Jahren steigend. Wurden 1960 noch etwas über Tausend erlegte Rehe gezählt, so waren es um 2000 über 7000. Beim Reh ist allerdings zu bedenken, dass der Populationszuwachs wesentlich geringer ist als beim Schwarzwild, da eine Rehgeiß meistens zwei Kitze auf die Welt setzt. Eine Überpopulation, die weniger Nahrung bietet, bedingt auch, dass weniger Kitze durchkommen.
Rehe verursachen eine ganze Reihe von Schäden, vor allem im Wald. Man unterscheidet zwischen Fegeschäden und Verbissschäden. Fegeschäden werden von Böcken verursacht, die die anfänglich vorhandene Haut über ihren Geweihen an Bäumen abfegen, was wirtschaftlich wenig von Bedeutung ist. Die Verbissschäden sind jedoch schwerwiegender und werden mit steigender Rehpopulation schlimmer.

Da Rehe sogenannte Konzentratselektierer (Artikel vom Hirsch verlinkt, da sich hier der Begriff erklärt wird – Rehe und Hirsche haben aber sehr wenig gemein!) sind, d.h. energiereiches Futter benötigen, fressen sie vor allem die energiereichen Knospen von jungen Bäumen (da kommen Rehe besser dran!). Entfernt man den Terminaltrieb (die Knospe, die später einmal der Stamm wird), kommt es zur Bildung von Bonsaibäumchen.
Bei wenigen Rehen stellt das noch kein großes Problem dar, in der waldbaulichen Planung rechnet man immer mit Verlust und pflanzt deshalb mehr – wenn es Naturverjüngung gibt ist das Problem bei einzelnen Pflanzen nicht sonderlich schwerwiegend. Fehlt jedoch nun andere Äsung (Nahrung) und ist die Rehdichte hoch, kann der Schaden von den einzelnen Pflanzen schnell auf den kompletten Ausfall einzelner Baumarten (Eiche und Kirsche werden bevorzugt) bis hin zu einer Situation, in der nicht einmal mehr Naturverjüngung ohne Schutzmaßnahmen mehr möglich ist, reichen. Rehe können sogar verschiedene Pflanzen lokal ausrotten, z.B. die Türkenbundlilie.
Anzumerken vielleicht noch, dass der Vebissdruck auf eine Pflanzung (Kulturfläche) in einem äsungsarmen Gebiet (also ein Gebiet, in dem es sehr wenig andere Pflanzen gibt, an denen sich Rehe bedienen können) trotz geringer Rehdichte sehr hoch sein kann. Waldbaulich kann man Rehen begegnen, indem man artenreiche Mischwälder und gut strukturierte Waldränder gestaltet und fördert – was natürlich Arbeit bedeutet!

Übrigens ist die Winterfütterung von Rehen ziemlich Unsinn, da Rehe im Winter normalerweise ihren Magen so umstellen, dass sie mit sehr wenig Nahrung zurechtkommen (die Entwicklung der Föten steht ebenfalls still). Füttert man sie, so stellt sich der Magen nicht um und man muss bis ins späte Frühjahr weiter füttern, da die Rehe sonst eingehen.

Was ist denn mit den Prädatoren?
Der einzige Super-Prädator, der in Luxemburg vorkommt, ist der Uhu. Und das auch nicht gerade in atemberaubenden Zahlen. Vor allem ist ein Ein-Meter-Vogel auch nicht unbedingt das Tier, das unsere riesigen Reh- und Wildschweinpopulationen dezimiert.

Der Luchs wird oft als möglicher Superprädator in Luxemburg zitiert. Nun, auch wenn Luchse nicht, wie das oft angenommen wird, riesige Wälder brauchen und sich nur auf 500 Meter vom Waldrand entfernen (ein telemetrisch beobachteter Luchs ist zwei mal durch Zürich gelaufen), so brauchen Luchse dennoch ein ziemlich großes Territorium. Man könnte sich durchaus einige Tiere in den Ardennen, dem Ösling und der Eifel vorstellen. Gerüchten zufolge gibt es auch schon einige wenige Luchse in Belgien. Allerdings wäre der Luchs eher ein Gast in Luxemburg, der alle paar Wochen oder Monate mal ein Reh erlegt und sonst wenig zur Verkleinerung der Populationen beitragen würde. Fazit: Schön wärs, aber der Nutzen ist eher klein.

Der Wolf ist das nächste Kandidat auf der Prädatorenliste – und meiner Meinung nach der vielversprechenste. Definitiv auf dem Weg der weiteren Ausbreitung wird der Wolf wohl von alleine in den nächsten 50 Jahren irgendwann in Luxemburg ankommen. Dafür wäre er allerdings ziemlich effektiv, vor allem was die Rehpopulationen angeht. Schafherden können durch Hunde gut geschützt werden. Wildschweinrotten können größer werden, dh. mehr Schweine in einer Gruppe, wenn eine ständige Nahrungsquelle vorhanden ist (Maisfeld oder Futterstelle im Wald). Wölfe haben auch den Vorteil, dass sie, anders wie der Luchs, dessen Jagderfolg vom Überraschungseffekt abhängig ist, vor allem junge, kranke oder schwache Tiere angreifen.
Noch gibt es die Wölfe aber nicht – und es scheint mir zumindest auch nicht so, als gäbe es politischen Willen, welche auszusetzen.

Was kann man an der Jagd kritisieren?
Mein Problem mit Jagdgegnern/Jagdkritikern ist, dass sie oft ziemlich dämliche Argumente haben. Man kann einfach nicht mit “Die armen Bambis” und die angeblich brutalen Jagdhunde argumentieren. Auf jeden Fall dann nicht, wenn man sich ebenfalls für den Luchs oder den Wolf stark macht. Ich vermute jetzt einfach mal, dass ein Tod durch die Kugel, wenn sie denn sauber trifft (mit flüchtenden Tieren hat man selten die Chance für einen zweiten Schuss), “humaner” ist als von einer Meute Wölfe kilometerweit gehetzt zu werden und dann totgebissen zu werden. Überhaupt frage ich mich, ob die Tiere den Schuss hören, denn die Kugel ist ja schneller als der Schall.

Fütterung von Wildtieren ist kontraproduktiv und gehört verboten, was im neuen Jagdgesetz ebenfalls der Fall sein wird. Wie es sich mit der Äsung (zum Anlocken) verhält, mag ich nicht genau sagen. Es kommt dort wahrscheinlich auch auf die Menge an.

Fuchsjagd bringt nicht sehr viel, aber es gibt auch außer “die armen Tiere” nicht wirklich viel Argumente dagegen. Man sollte sich als Jäger halt nur bewusst sein, dass es wegen Fuchsbandwurm auch noch gefährlich ist und man deshalb wohl sehr wenig davon hat, einen Fuchs zu schießen. Aber das ist ein Punkt, den man sicherlich kritisieren kann: Trophäenjagd anstatt Wildregulierung.
Auch das System in Luxemburg das, einen ja menschenrechtsverachtend dazu zwingt, als Grundstückbesitzer Mitglied in einem Jagdsyndikat zu werden, dh. in dem Club, der dafür sorgt, dass man Geld für die Jagdpacht und den Wildschaden bekommt, kann man sicherlich kritisieren. Es dürfte wohl auch kein Geheimnis sein, dass die Jägerzunft in Luxemburg oft aus der Oberschicht besteht, was zumindest bei mir einen merkwürdigen Beigeschmack erzeugt.

Ich kann nicht einschätzen, wie die Situation in Luxemburg momentan ist. Es gibt sicherlich einige schwarze Schafe unter den Jägern – vielleicht auch mehr, als man glauben mag, vielleicht aber auch weniger. Vielleicht kommt mit einer neuer Generation Jäger auch ein Wechsel der Methoden und vor allem des “Spirits”, mit dem die Jagd betrieben wird.

Falls ich jetzt irgendwo einen Fehler begangen habe – was bei der komplexen Materie sicherlich leicht der Fall ist, so bitte ich, mich darauf hinzuweisen. Und auf eine Diskussion freue ich mich schon!

Meinungsfreiheit

Saturday, December 13th, 2008

Eben sah ich folgenden “Status” bei einem meiner Facebookkontakte:
XY* thinks people with limited understanding of morals, history and consequences should shut up and not mess with social and political issues

Ich finds erst Mal erschreckend, sowas von Jugendlichen in einem halbwegs aufgeklärten, westeuropäischem Land lesen zu müssen. Ich meine, Ok, ich will auch nicht, dass Nazis den ganzen Tag auf der Straße stehen und ihre Parolen schreien, genausowenig will ich keine Post von Pierre Peters, PI lesen müssen oder den ganzen Tag Gebrabbel vom ADR hören. Und trotzdem müssen in einer Demokratie, in einer freien Gesellschaft alle Menschen gleich behandelt werden – und dazu gehört die Meinungsfreiheit. Ich bin der festen Überzeugung, dass eine Gesellschaft nur dann funktionieren kann, wenn jeder seine Meinung kund tun darf, solange er sich dabei an gewisse Regeln hällt. Und gesellschaftlicher Konsens über schwierige Themen wie beispielsweise die Sterbehilfe lässt sich nur dadurch erreichen, dass man auch die Argumente der Gegenseite hört.
Anderen Leuten den Mund verbieten heißt meistens, zu glauben, man wüßte selbst besser, wie es laufen sollte. Das klingt für mich ungefähr so wie “Ich schreib jetzt meine eigene Wikipedia!”.
Jede Diktatur zeichnet sich dadurch aus, dass sie die Meinungen von Kritikern verbietet, deren Werke verbrennt, sie einsperrt, foltert, tötet, usw. – immer aus Furcht, die eigenen Argumente wären nicht die Besseren. Und ich weiß zumindest von meinen Argumenten gegen die ADR, Pierre Peters, PI und sonstige Nazis, dass sie besser sind als deren. Was aber nicht heißt, dass es nicht wichtig ist, dass auch diese Menschen ihre (in meinen Augen durchaus verquere) Meinung äußeren dürfen.

Ihre Meinung ist mir absolut zuwider. Jedoch würde ich mich dafür totschlagen lassen, damit Sie sie äußern dürfen! (Voltaire Evelyn Beatrice Hall, unter dem Pseudonym Stephen G. Tallentyre in “Die Freunde von Voltaire”, 1906. Das Zitat wird in dieser Form oft fälschlich Voltaire zugeschrieben (Wikiquote)

(*Name von der Reaktion geändert)

Urheber/Piratenrecht

Saturday, December 13th, 2008

Eigentlich weiß das ja schon jeder, aber die neuste Folge des Elektrischen Reporters ist klasse. Klar hat man für das ZDF ein paar Eingeständnisse gemacht, aber das Reportage/Magazinformat gefällt mir eigentlich genausogut wie einfache Interviews, auch wenn die immer sehr sehr interessant waren. Aber besonders bei Themen wie dem Urheberrecht in Zeiten des Webs 2.0 braucht man natürlich mehr Personnen, um das Thema gut darzustellen. Auf die Folge der nächsten Woche freu ich mich schon.

Interessant auch der Hinweis in den Kommentaren zu sellyourrights und der Aktion von Marcus Loeber, der sein Album releast, wenn in 2 Wochen genug Geld dafür zusammen ist. Auch wenn ich zugeben muss, dass ich nicht ganz verstehe, wieso da “public domain” steht, wenn eine relativ restriktive CC-Lizenz (nichtkomerziell, keine Veränderungen) angewandt wird.

Republik Luxemburg

Tuesday, December 2nd, 2008

Je nachdem, wie die Mühlen der Geschichte jetzt mahlen, wird heute der Tag sein, der als Wendepunkt Luxemburgs in die Geschichtsbücher/ebooks eingehen wird. Großherzog Heinrich I., (eigentlich S. K. H. Großherzog von Luxemburg, Herzog von Nassau, Prinz von Bourbon-Parma, Graf von Sayn, Königstein, Katzenelnbogen und Diez, Burggraf von Hammerstein, Herr von Mahlberg, Wiesbaden, Idstein, Merenberg, Limburg und Eppstein) hat heute bekanntgegeben, dass er das vieldiskutierte Sterbehilfegesetz aus moralischen Gründen nicht unterschreiben und damit legalisieren will. Das ist das erste Mal dass sich Henri aktiv in die Politik einmischt und das zweite Mal, dass ein Großherzog das überhaupt tut.

Und schon das letzte Mal hatte es fast eine Republik gegeben. Ein wenig Geschichtsunterricht:
Am 11. November 1918, also am Ende des ersten Weltkrieges bildete sich in Luxemburg-Stadt ein Arbeiter- und Bauerenrat, der die Abdankung der Großherzoging Marie-Adelheid und die Einführung der Republik beschloss. Dieser sprache bei Staatsminister Reuter vor und überreichte ihm eine Petition, die eine marxistisch geprägte Republik forderte.
Auch in Esch/Alzette und Düdelingen bildeten sich solche Räte, welche die Republik und Abschaffung der Monarchie forderten. Diese Forderungen kamen auch aus der sozialistischen Partei und von einer gewissen Ligue Française, die allerdings auch einen starken Anschluss an Frankreich forderte.
Berreits zwei Tage drauf, am 13. November waren vor allem im Escher Tageblatt und in der Volkstribüne Schlagzeilen zu lesen, die die Abschaffungs der Monarchie forderten und der Großherzogin einen Prozess an den Hals wünschten.

Im Dezember 1918 wurde es zusehens verworrener. Die politischen Parteien waren sich nicht nur uneins ob Monarchie oder Republik, sondern auch ob Anschluss an Frankreich oder Belgien.
Im Januar 1919 gab es dann den ersten Versuch, die Republik zu gründen. Ein Wohlfahrtsauschuss (Comité du Salut Public) wollte am 9. Januar eine vorläufige Regierung aufstellen, welche am Tag drauf vorgestellt werden sollte. Da die Republik nicht sofort ausgerufen wurde, wurde dieser Ausschuss von Volksmaßen ausgepiffen. Der Ausschuss wollte die Schranken des Gesetzes nicht verlassen und hatte daher keinen Erfolg.

Am Tag drauf, 10. Januar 1919 wurde nach Verhandlungen mit dem Ausschuss, Soldatenführern und Sozialdemokraten ein weiterer Ausschuss gebildet, der aus René Blum, Gaston Diderich, Jacques Gallé, Aloys Kayser, Adolf Krieps, Eduard Léon, Emil Mark, Josef Palgen, Jakob Schaack, Emil Servais, Josef Thorn, Jules Ulveling und Dr. Michel Welter bestand.

Die französische Besatzungsarmee schützte jedoch die Regierung Reuter. Und sie scheint wohl auch der Grund für das Scheitern des zweiten Wohlfahrtsausschusses zu sein. Zumindest hat sie die Leute, die sich vor der Chamber (lux. Parlament) versammelt hatten, auseinandergetrieben. Am 12. Januar 1919 gab der Wohlfahrtsausschuss seine Niederlage zu und erklärte die Revolution für beendet.

Ein Brief von Gust van Werveke, der diesen am 11. Januar 1919 um 4 Uhr morgens an seinen Freund Marius Wagner auf dem offiziellen Briefpapier der Chambre geschrieben hat, beschreibt er dass republikanische Kräfte und der Wohlfahrtsausschuss die Chambre besetzt hielten und dass, wenn Wagner den Brief in den Händen halten würde, vielleicht schon die Flage der Republik über Luxemburg wehen würde.
Den Briefkopf hat van Werveke folgendermaßen modifiziert:
Gr.-Duché de Luxembourg République luxbeoise

Drei Wochen später erhielt Wagner wieder einen Brief, diesmal mit unverändertem Briefkopf. Die Republik wäre nach nur sechs Stunden bestehen sabotiert worden. Man müsse einen zweiten Versuch wagen, sobald die Gefahr einer französischen Einmischung nicht mehr bestehe.

Die Informationen zu diesem Beitrag habe ich zum größten Teil aus dem Buch Luxemburgische Avantgarde von Gast Mannes, erschienen im Mai 2007 bei Editions Phi. Weitere Informationen kamen von dieser Webseite.
Wenn jemand mehr weiß – die Kommentare sind dafür da!

Man darf gespannt sein, was jetzt mit Luxemburg passiert. Vor allem die Aussage von Jean-Claude Juncker, er habe das schon lange gewusst, macht mich irgendwie wütend. Immerhin hätte man schon länger darüber diskutieren können, aber vielleicht war das ja auch kalkuliert? (Mein Spaß-Vorschlag war ja die demokratische Monarchie: Wir wählen den Monarchen einfach, verraten das aber niemanden. So können wir den Grüßmonarchen benutzen, um asiatische Konzernchefs zu beeindrucken und haben aber ein demokratisches System.)
Bleibt nur zu hoffen, dass wir kein zweites 1919 erleben müssen und die Zeiten anachronistischer Regierungsformen in Luxemburg bald gezählt sind …

Blogathon: Anarchie in Afrika

Sunday, November 16th, 2008

Da hab ich mir ja was schönes eingebrockt. Als Chris den Blogathon über Afrika ausgerufen hat, dachte ich: Afrika. Mhmm. Doofes Thema. Das könnte man genausogut zu Themen wie “Europa” oder “Südamerika” sagen, aber mich interessiert Afrika als Kontinent weniger als beispielsweise Südamerika. Obwohl beides ja mal ein Kontinent war. Aber darum geht es hier nicht. Hier soll es jetzt um Anarchie bzw. Anarchismus in Afrika gehen. Ich hatte mir das als Thema ausgesucht, wahrscheinlich noch angestachelt von dem furchtbar schlechten RAF-Film und mit der Meinung, ich hätte ja noch genug Zeit “bis November” und würde deshalb wohl ausgiebig über das Thema recherieren können.

Dass ich jetzt überhaupt wieder schreibe (die ersten Zeilen habe ich tatsächlich heute morgen geschrieben), liegt daran, dass ich eigentlich mein Zimmer aufräumen soll, weil morgen die Heizungsmonteure kommen, die gleichzeitig auch noch unsere Nachbarn sind. Also, deren Atelier ist in unserer Straße.

Die Wikipedia weiß quasi nichts über Anarchie in Afrika. Die wenigen Länder, die zum Thema verlinkt sind, führen sogleich wieder auf den Artikel, der den ganzen Kontinent begreift.
Afrika, ein Kontinent, auf dem es so gut wie keine Anarchie gibt? Eigentlich verwunderlich, da es in Spanien ja grundsätzlich deshalb mehr Anarchisten als Sozialisten gab, weil die Bevölkerung eher auf dem Lande lebte und der Marxismus eher auf den Fabrikarbeiter abzielte als auf Bauern. Übrigens haben die Gebiete, die anarchistisch “verwaltet” wurden, eine höhere Produktion als die anderen zur gleichen Zeit. Wir wir alle zur Genüge wissen, ist ein Großteil der Bevölkerung Afrikas in der Landwirtschaft tätig, insofern sind die Grundvoraussetzungen also nicht die schlechtesten für Anarchismus.

Das einzige, was in der Wikipedia beschrieben wird, ist die Annahme, dass es heute noch in Afrika viele Stammesstrukturen gibt, welche in ihren Grundzügen als anarchistisch bezeichnet werden könnten. Ob das nun so stimmt, mag ich hier mal bezweifeln, immerhin gibt es, wenn die Ältesten herschen, zumindest de facto eine kleine Hierarchie, wenn auch eine flache. Trotzdem dürfte eine Gesellschaft, die sowieso schon an flache Hierarchien gewöhnt ist, eigentlich den idealen Nährboden für Anarchismus bieten.

Und siehe da, es gibt auch so einiges zum Thema im Internet:
Als erstes stoße ich auf zwei Buchrezensionen. Das eine ist eine Doktorarbeit mit dem Titel Post-Colonial African Theory and Practice: Wole Soyinka’s Anarchism von Joseph Walunywa. Der erste afrikanische (Literatur)nobelpreisträger hat auf 313 Seiten zusammengefasst, wo der Anarchismus in afrikanischen Mythen und in den Werken von Wole Soyinka gefunden hat. Da sag doch noch jemand, Anarchismus und Literatur könnten sich nicht prima ergänzen.

Das zweite besprochene Buch ist geschichtlicher und sicherlich leichter zu lesen (wie auch die Besprechung) und nennt sich African Anarchism: The History of a Movement, wobei der Rezension nach diese Bewegung nie so wirklich bestanden hat. Interessant jedoch die Meinung des Besprechers, dass Nationalismus in Afrika nicht immer gleich, wie in Europa, Kapitalismus heißen muss.

Was gibt es denn nun tatsächlich an Bewegungen in Afrika? Anarchism and Revolutionary Syndicalism in Africa gibt Aufschluss darüber. In Nigeria z.B. gibt es die Awareness League, welche 99 mehrere tausend Mitglieder hatte – aktuellere Zahlen sollten kleiner sein. Eine Art Verfassung hat diese Liga auch, worin die Ziele der Organisation wiederzufinden sind:
The AWARENESS LEAGUE upholds the principles and dictates of internationalism convinced that national boundaries and territoriality are but artificial creations. The LEAGUE stands for and is committed to PEACE and rejects WAR, militarism, fascism and racism as well as the acquisition and development of technologies that promote war, militarism and, in turn, undermine peace and peaceful co-existence among nations. The LEAGUE advocates violence only as a form of resistance to the violence and violent methods and tactics of the ruling class its agencies and collaborators or as a form of liberation struggle. To this end, AWARENESS LEAGUE, as an anarcho-syndicalist and revolutionary socialist front proclaims all over the world and insists that no form of collaboration can exist between the ruling classes – the exploiter and their victims, the masses
Interessant ist hier wieder, dass in Nigeria Anarchismus nicht gleich Antinationalismus heißt.

In Uganda gibt es dann die Anarchist Democratic Forces, von welchen einige Emails veröffentlicht sind. Interessant ist vor allem die mit dem Titel , aus der folgendes Selbstverständniss hervorgeht:
UADF struggle is about a just society with no Class structure. Uganda is a society based on class and land ownership. Free use and equal distribution of Land is one of UADF’s causes. Reactionary forces have used an “allied democratic forces (adf)” to contra UADF from the masses. Basically UADF is a revolutionary science in Uganda that has no face, something strange. The regime claims that UADF is run by Islamic fundamentalists, wrong. ADF (Anarchist Democratic Forces) sees any form of religion to be a class structure.
Weiter wird erklärt, dass das Land lange Zeit vom Westen ausgenutzt wurde und es jetzt an der Zeit sei, das zu ändern. Die in den Mails angebene Webseite existiert nicht mehr, ob die Gruppe, die offensichtlich auch bewaffnet agiert hat, nocht existiert, weiß ich nicht.

In Südafrika gibt es das Bikisha Media Collective, die anarchistische Medien verteilen und Pramphlete verteilen. Auf deren Webseite ist auch von “Revolutionary internationalism” die Rede – es scheint also, als ob der südafrikanische Anarchismus mehr von der europäischen Idee der Abschaffung der Nationalstaaten gemeinsam hat als jene Gruppierungen, die wir bisher behandelt haben.

Ansonsten bleibt nur die Information, dass es in Sierra Leone, Libanon, Ägypten, Marocco, Kongo, Somalia und Algerien wohl auch anarchistische Gruppierungen gibt oder gegeben hat. Ich bin bei meiner Informationssuche auch auf die Seite struggle.ws gestoßen, welche aber eng verknüpft mit blackened.net zu sein scheint, wo ich den Großteil der Infos gefunden habe.

Anteile

Wednesday, November 12th, 2008

Wenn man Anteile an einer Firma kauft, hat man ja (theoretisch) als Inhaber ein gewisses Mitspracherecht, je nachdem wieviel Teile man besitzt. Wenn ich jetzt Anteile am Luxemburger Staat kaufen würde, gelten meine Stimmen bei der Wahl dann zweimal? Können Ausländer so jetzt Wahlrecht kaufen? Oder sind das überhaupt keine “richtigen” Anteile?
Und vor allem: Wieso dürfen die ehemals bankrotten, jetzt geretteten Banken da wieder ordentlich mitspielen? Was, wenn die das Staatsgeld jetzt ungefragt in albanischen Hüttenkäse investieren und der Markt für albanischen Hüttenkäse in zwei Jahren implodiert?
Hat der Staat sein Geld eigentlich auch auf einer Bank? Wenn ja, auf welcher? Wieso ist die “Spuerkees” nicht auch Zentralbank, und was macht die eigentlich?

Großherzogtum der Angst

Thursday, October 16th, 2008

Hier mein Redebeitrag zu der freedom not fear!-Demonstration am 11. Oktober 2008 in Luxemburg/Stadt.

Wéi den Hunter S. Thompson, amerikaneschen Journalist an Auteur kuerz no den Attentater vum 11. September 2001 vun engem “Kingdom of Fear”, engëm Kinniksräich vun der Angscht, geschriwwen huet, konnten déi meescht vun eis nach net wëssen, dat mir eis e puer Joer duerno an engëm Grand-Duché vun der Angscht erëmfannen géifen.

An Angscht a Schrecken ginn stänneg verbreet:
den westafrikaneschen Drogendealer, den islamisteschen Terrorist, den “auslänneschen” Messerpicker, den autonome Chaot – sinn nëmmen e puer vun deenen Gestalten, virun deenen mir stänneg Angscht gemaach kréien.

An well mir alleguerten esou vill Angscht hunn, mussen mir eis schützen. An dat geet anscheinend nëmmen, wann mir gefilmt ginn beim Akafen, op der Autobunn, am Zuch, bei eisen Rendezvousen um Aldringer. Dat geet anscheinend och nëmmen dann, wann eis Verbindungsdonnéen gespäichert ginn, all Obenthalt an Hotelen an Jugendherbergen protokolléiert ged, wann mir en biometreschen Pass hunn, asw…

“Mee et huet jo keen eppes ze verstoppen?”
Ma dach! All Mënsch huet eng Privatsphäre! Scholden, Nervendokter, Krankheeten, Bezéiungen, Reesen, Iwwerzeegungen, asw, asw.
Donnéen sinn ni sécher! Net beim Staat, an schon guer net bei Firmen, wéi mir an denen leschten Deeg erëm esou beandrockend bewissen kruten.

Et hätt en net d’Ofsicht, en Iwwerwaachungsstaat ze erichten, héiert een europawäit vun den Politiker. Ma dat erënnert mech un eng gewëssen Mauer, déi och keen se ze errichten d’Ofsiicht hat.

An Däitschland gett een méintelaang iwwerwaacht an agespaart, wann en an enger wëssenschaftlecher Arbescht déi selwecht Wierder wéi lenk “Krimineller” benotzt. Virum G8 kruten Leit hir Haiser duerchsicht, well se Aueren an Knupperten am Keller haten!
Do ass den Iwwerwaachungsstaat net méi wäit!

Mee et geet net nëmmen ëm eng imaginativ “Sécherheet”, mee och ëm knallhaart wiertschaftlech Interessien.
D’Film an Musekindustrie, déi bis op e puer luewenswärt Ausnamen nach ëmmer net kapéiert huet, dat den Internet an senger Grondarchitektur wéi eng gigantesch Kopiesmaschinn funktionéiert, versicht all “Pirat” virun een Gericht ze kréien – mat Hëllef vun Verbindungsdaten!

Hei ged eng ganz Bevölkerung kriminaliséiert. Jiddereen ged verdächteg. Vum Pirat zum Terrorist ass et net méi wäit! Aueren an Knupperten am Keller ginn jo schon duer!
An esou verdächtegt een den aneren, keen traut sech méi an wat kennt dobäi raus? ANGSCHT!

An et hëlleft näischt, Paranoia ze kréien an all Gerücht iwwert Handyortung asw. ze gleewen!

Paranoia ass de Buedem fir déi stohlen Beem un denen d’Iwerwaachungskameraen wuessen!
Paranoia ass d’Grondlag vum Iwerwaachungsstaat!

An esou stinn ech hei, als stolze Pirat an ruffen zesummen mat ierch an dem Recht vun der Welt – well mir sinn haut net alleng op de Stroossen:

Fräiheet, net Angscht!
Fräiheet, keen Groussherzogtum vun der Angscht!

(Nach dem Schreien Halten dieses Redebeitrags hatte ich übrigens den Rest des Tages Halsschmerzen.)

Sonntagszeitung

Saturday, September 20th, 2008

rtl.lu, eigenen Angaben nach die meistbesuchte luxemburgische Webseite (Ich nehme mal an, da wird auch kräftig mit Gallerien und ähnlichem zum Klickdoping nachgeholfen), hat seit heute Mittag die neue “Sonntagszeitung” online.
Vielleicht bin nur ich das, aber ich sehe eine gewohnt unübersichtliche Seite (das hat sich seit 1999 nie wirklich geändert) mit ein paar eigenen Features, vielen nicht-luxemburgischen Agenturmeldungen und sehr sehr viel Werbung. Und wenn mich nicht alles täuscht, funktioniert dieses aufklappbare Menü auch nicht, weil statt den einzelen Rubriken die Übersichtsseite verlinkt sind. Da stört es kaum noch, dass Meldungen wie die über das Spaghettimonster (siehe da, ein “Surftipp” auf einen Wikipediaartikel!) eigentlich nur aus einem Wikipediazitat bestehen.

Aber vielleicht bin ich das nur?

Der Spiegel macht doof.

Sunday, August 10th, 2008

Peroid.
Spiegel Cover
Ich fand den Ansatz des Ursprungsartikel ja gar nicht mal so schlecht. Also, zu wissen, dass sich das Gehirn den Gewohnheiten anpasst. Aber ich ziehe halt andere Schlussfolgerungen daraus wie der Spiegel, das Sturmgeschütz der Doofheit.

Überwachung in Luxemburg

Friday, August 8th, 2008

Ich bin normalerweise nicht unbedingt ein Freund von Parteien, was aber auch an dem Wahlsystem liegt, das mir nicht sonderlich gefällt und weil ich oft das Gefühl habe, Machtsterben in Parteien dominiert. Oft bin ich aber von Jugendparteien sehr positiv überrascht. Und so auch dieses Mal von den jungen Grünen Luxemburgs, die eine sehr interessante und sehenswerte Analyse von Überwachungsgesetzen in Luxemburg online gestellt haben. Einbinden des Videos geht leider nicht, sonst hätte ich es hier reingestellt.

Das Video hat mich noch wütender auf CSV und LSAP (Wer, wer, wer hat uns verraten?) gemacht. Und die Grünen sind mir jetzt wieder symphatischer.