Archive for the ‘Politik’ Category

Homöopathie = Bullshit

Saturday, April 11th, 2009

Edzard Ernst gibt jedem 100.000 Dollar, der die Wirksamkeit von Homöopathie wissenschaftlich beweisen kann. Bis jetzt hat sich noch niemand gemeldet. Woran das wohl liegt?
Der “weltweit erste Professor für Komplementärmedizin” im Interview mit dem schweizerischen Tagesanzeiger über eine der wohl erfolgreichsten Bauernfängereien für leichtgläubige Esoterikfuzzies und andere Hokuspokusgläubige.

(via sixtus)

Netzneutralität

Tuesday, March 24th, 2009

Als eifriger Netzpolitikleser weiß ich, dass das sogenannte Telekom-Paket am Dienstag, den 31. März abgestimmt werden wird. Die Netzneutralität ist auch in der zweiten Lesung noch immer in Gefahr und deshalb rufen verschiedene NGOs, allen voran La Quadrature du Net dazu auf, die jeweiligen EU-Abgeordnete, die in den IMCO und ITRE-Ausschüssen sitzen, diese Ratschläge zukommen zu lassen.

Was die luxemburgischen EU-Abgeordnete angeht, so sitzen folgende Drei im ITRE-Ausschuss: Claude Turmes, Erna Hennicot-Schoepges und Robert Goebbels. Ich habe den Dreien eine Mail geschickt, in der ich das Anliegen kurz erklärt habe und die Abstimmungsempfehlungen von La Quadrature du Net weitergegeben habe. Eigentlich mit nicht sehr viel Hoffnung auf eine Antwort oder Reaktion.

Wie man sich täuschen kann. Bereits zwei Minuten(!) später ereichte mich die Antwort von Claude Turmes (bzw. seinem Assistenten):
Moien joël,
mir sin als gréng an deem Punkt geschlossen an stemmen mam rebecca harms an helga trüpel, déélen also ären avis.
schéi gréiss,
Olaf Münichsdorfer
Assistant to Claude Turmes, MEP, Vice President of the Green Group in the European Parliament

Eine gute halbe Stunde später erhielt ich dann auch eine Antwort von Frau Hennicot-Schoepges (bzw. ihrer Assistentin):
Cher Monsieur,
nous vous remercions pour l’intérêt que vous portez aux débats sur le paquet telecom et plus particulièrement sur les aspects liés au traffic management et à la net neutrality. Nous sommes sensibilisés à ces questions et veillons à ce que la législation se fasse de manière non discriminatoire et sans porter préjudice aux droits fondamentaux des citoyens.
Bien cordialement,
Nima AZARMGIN, Attaché parlementaire de Mme Erna HENNICOT-SCHOEPGES, MdPE

Wow. Erstaunt mich. Die Reaktionszeiten und die positiven Antworten. Ich bin gespannt, wie es am Dienstag ausgehen wird. Und ob Herr Goebbels antworten wird.

Die Krise ist vorbei

Saturday, March 21st, 2009

Am Ende des Tunnels

Ähnlich wie die YES MAN vor einigen Monaten eine gefälschte Ausgabe der New York Times verteilt haben, hat attac jetzt eine Ausgabe der Zeit vom 1. Mai 2010 herausgegeben. Die Weltwirtschaftskrise ist vorbei, Klimasünder werden verklagt, Opel befindet sich in Genossenschaftshand. Klingt doch gar nicht mal so übel …

The Marie-Adelaide Complex

Friday, March 6th, 2009

Disneyland copyright by Steve Jakobs

Dieser Artikel ist als Solidaritätbekundung zu Steve Jakobs zu verstehen, dessen Werke (das oben gezeigt Bild sowie eins mit dem Titel dieses Artikels als Schriftzug) vom luxemburgischen Botschaftler in Belgien aus einer Austellung in der Botschaft entfernt, weil sie angeblich Majetätsbeleidigung darstellen. Weshalb ich diese wiederhole.

Mehr Informationen im tageblatt(Das ich ausnahmsweise verlinke, obwohl ich eigentlich auch Lust hätte, über die momentane “Wir schreiben jeden Tag einen nichtssagenden Artikel über Facebook”-Tendenz beim Tageblatt und anderen Blättern zu meckern) und bei rtl. Auf der Seite der konservativen und auflagenstärksten Zeitung Luxemburgs, dem “Luxemburger Wort” ist “erstaunlicherweise” nichts zu finden. Philippe Schockweiler hat ebenfalls einen Artikel über die Mickey-Maus-Monarchie geschrieben.

Kunst muss frei sein und Kunst muss auch Herscher kritisieren können!

Die adr und ihr “City-Tunnel”

Thursday, February 19th, 2009

Wäre es nicht so traurig, würde ich seit einigen Minuten lachen und nicht mehr damit aufhören. Denn das, was ich eben gesehen habe, kann doch gar nicht ernst gemeint sein. Pure Realsatire.

Die alternative demokratische Reformpartei (früher “Aktionskomitee für Demokratie und Rentengerechtigkeit” (früher “Aktionskomitee 5/6″ (früher “Aktionskomitee 5/6 Rente für jeden”))) hat schon im späten August eine Pressereise nach Leipzig organisiert, um den dortigen City-Tunnel zu besichtigen. Damals schon wurde der City-Tunnel zur Lösung aller Transportprobleme erklärt und den Tram, den man in Luxemburg-Stadt bauen will verdammt.
Ich weiß nicht, wie ich zum Tram in Luxemburg-Stadt stehe. Das ist sicherlich ein schwieriges Projekt, das aber realisierbar ist. Realisierbarer als eine Untergrundbahn, aber dazu komme ich noch.
Der City-Tunnel in Leipzig ist vor allem als Eisenbahntunnel gedacht, nicht so sehr als U-Bahn. Ironischerweise hat die Stadt Leipzig nämlich ein sehr weit ausgebautes Straßenbahnnetz (16 Linien).

Auf ihrer neuen Webseite maachmat (mach mit), die merkwürdigerweise sehr viel besser aussieht als die Homepage der Partei selbst, wird das Projekt “City-Tunnel” in einem durchaus professionel gemachten Video vorgestellt. Wir lernen: die adr will Tunnel unter die Stadt bauen, von der man aus zB. aus Bettemburg sofort zur Messe auf dem Kirchberg fahren kann. In 18 Minuten. Ein Zug von Bettemburg nach Luxemburg-Stadt braucht heute übrigens acht bis zehn Minuten. Klingt ja alles sehr schön, ich würde auch gerne ohne umzusteigen von E. ins Stadtzentrum fahren.
Wenn man sich das so auf einer Straßenkarte ansieht, sieht es wunderbar aus. Eine gerade Trasse vom Bahnhof zum Stadtzentrum, von da aus weiter zum Glacis und von dort auf den Kirchberg (was übrigens ziemlich genau der Trasse des geplanten Trams entspricht!).

Wäre da nicht ein kitzlekleines Problem.
Luxemburg-Stadt ist nicht sehr flach.
Luxemburg-Stadt ist auf zwei (oder drei) verschiedenen Felsen gebaut, die durch ein ziemlich tiefe und schmale Täler voneinander getrennt sind. Verschiedene Stadtteile liegen in diesen Tälern
Vom Stadtzentrum aus sieht das Richtung Bahnhof so aus:
cc by David Evers
(Foto cc David Evers)

Der Höhenunterschied vom Tal zur Oberstadt beträgt ca. 70 Meter.
Eigentlich könnte ich jetzt aufhören, denn endweder müsste man sehr sehr tief bohren, um die Strecke ganz unter Tage bauen zu können oder eine weitere Brücke für den “City-Tunnel” bauen, damit dieser das Petrustal überqueren kann. Und das noch viel tiefere Tal zwischen Oberstadt und Kirchberg, das momentan die “rote Brücke” überspannt:

roud Breck

Dann stellen sich weitere Probleme:
Zum einen sind Bohrungen im Luxemburger Sandstein sind normalerweise ziemlich kritisch, da es sich meistens um Trinkwassergebiete handelt, zum anderen ist Luxemburg-Stadt schon sehr weit unterhöhlt.
Die berühmten Kasematten, die unsere nationalistisch-faschistoiden Freunde vom adr eigentlich mit Stolz erfüllen sollten, bilden ein großes Gewirr von Tunneln und Gängen unter der Stadt. Außerdem wurde von 1960 bis 1963 ein Tunnel quer unter die Oberstadt gegraben, der als Atombunker dienen sollte, jedoch nie seiner Bestimmung übergeben wurde. Was die Geschichte mit der Tunnelbohrung wohl nicht nur kulturtechnisch zum No-Go macht, sondern auch noch zum Sicherheitsrisiko.

Das spricht alles nicht sehr für ein City-Tunnel-Konzept. Vielleicht habe ich auch noch ein paar Faktoren vergessen oder mich in verschiedenen Sachen geirrt. Aber eigentlich verbietet ja schon der gesunde Menschenverstand die Idee, sowas in Luxemburg-Stadt bauen zu wollen.
Und ich darf jetzt ernsthaft glauben, dass in der adr offenbar alle zu doof sind, das zu bemerken? Gut. Denn so lange sie sich mit solchem Blödsinn beschäftigen und ihr Geld dafür zum Fenster rauswerfen, müssen wir uns wahrscheinlich keine Sorgen machen.
Edit: Übrigens hat sich Philip Schockweiler in seinem Blog auch an die adr gewendet und meint “Es riecht nach brauner Scheiße”. Ich möchte auch nochmal auf mein legendär gewordenes “Wenn man hellbraun mit Scheiße mischt, was kommt denn da raus?” verweisen.

CO2 einfangen

Tuesday, February 17th, 2009

In den USA will man C02 jetzt einfangen und unter der Erde lagern.
Ob das eine gute Idee ist? So nützlich diese Technologie auch sein mag, sie schafft das eigentlich Problem nicht aus der Welt.

Forderungskatalog

Wednesday, February 11th, 2009

Ich will mich ab jetzt ein klein wenig mit den luxemburgischen Parlamentswahlen beschäftigen. Ich werde dabei sicherlich keine so tiefen Analysen wie Oppenen Bréif zu Stande bringen, aber wohl auch etwas unparteiischer sein. Vor allem möchte ich mir selbst eine Art Überblick verschaffen. Bis jetzt habe ich nämlich noch nicht den Schimmer einer Idee, wen ich denn im Sommer wählen werde (Ich weiß eigentlich nur, wen ganz sicher nicht!), und vielleicht hilft das hier ja dabei.

Es gibt genügend Vereine, die vor den Wahlen Forderungskataloge veröffentlichen. Und weil ich ja noch nicht weiß, wen ich wählen soll, will ich dann einfach mal fordern. Vielleicht nimmt sich mir ja eine Partei an.

Kulturflatrate
Die Idee ist nicht neu und relativ einfach. Jeder (Breitband)-Internetuser zahlt eine kleine Abgabe auf seiner Rechnung bzw. eine Art “Kultursteuer”, welche den Künstlern zu Gute kommt. Das gleiche Prinzip wird zum Zweck der Privatkopien auf Kopierer, Druckerpapier, CD und DVD-Rohlinge, usw. angewendet. Es sollte also auch für die Film- und Musikindustrie funktionieren. Die 128.312 Haushalte (Statec: Le Luxembourg
en chiffres 2008
), die in Luxemburg über einen Internetanschluss verfügen, könnten mit einer Abgabe von 10€/Monat ca. 15.397.440 € an Zusatzeinnahmen generieren. Natürlich müsste die Regierung auch alles dran setzen, um dieses Modell europaweit bzw. weltweit durchzusetzen, um eine größtmögliche Effizienz zu garantieren. Eine solche Kulturflatrate hätte zudem den großen Vorteil, dass man einen Großteil der Internetuser wieder entkriminalisiert und ein gewaltiger kultureller Schub zu erwarten ist.

Legalisierung von “leichten” Drogen
Entkriminalisierung dürfte auch hier das Stichwort sein. Vor allem lassen sich die Gefahren von zB. Cannabis sehr viel besser eindämmen, wenn der Staat den Markt kontrolliert und reglementiert. Außerdem sollten die Möglichkeiten vom medizinischen Nutzen geprüft werden. Natürlich kann eine solche Drogenpolitik nicht anders, als Hand in Hand mit einer gesunden, objektiven Aufklärung zu gehen. Vorteile für den Staat: Die Beschaffungs- und Verkaufskriminalität geht quasi auf Null, die gesundheitlichen Risiken und Kosten durch Verunreinigungen werden minimiert und durch hohe Steuern lassen sich zusätzliche Einnahmen generieren, die heutzutage Kriminellen zu Gute kommen.

Trennung von Kirche und Staat
Ich will keine Steuern für einen Verein von homophoben, leicht faschistoiden Mystikern zahlen. Und auch nicht für Juden, Protestanten, Moslems, Buddhisten, Scientologen, Satanisten oder sonstige Religionen. Ich will, dass meine eventuellen Kinder nicht Märchen, sondern Wissenschaft beigebracht bekommen und ihren Glauben selbst auswählen können, wenn ihnen danach ist.
Kirchen kann der Staat wegen mir mit instand halten, wenn sie eine große kulturelle Bedeutung haben. Katholische Krankenhäuser und Schulen können sich aussuchen, ob sie ein Ausdruck der christlichen Caritas sein wollen oder verstaatlicht werden.

Flächendeckende Versorgung mit breitbandigem, kabellosen Internet
Always on” ist sicherlich ein großartiger Wirtschaftsmotor. Und ziemlich geil noch dazu! Internetzugang(=Informationszugang) ist Menschenrecht!

Digitalisierung öffentlicher Dokumente, Staatsbibliotheken und Archive sowie konsequentes E-Gouvernement
Staatliche Daten sollen den Bürgern frei zur Verfügung stehen, am besten auch unter freien Lizenzen. Das gilt für Luftbilder und Kartenmaterial genauso wie für Inhalte der Staatsbibliotheken und -archive. Außerdem sollten so viele Behördengänge wie möglich per Internet machbar sein. Für digitale Signaturen gibt es sicherlich einen Haufen intelligenter Lösungen.

Rückbau des Überwachungsstaates
Überwachungsmaßnahmen wie CCTV, Vorratsdatenspeicherung, Bespitzelungen, Abhörmaßnahmen, usw. sollen auf ein Minimum reduziert werden. Auflagen für private Überwachungsmaßnahmen sollen strenger werden.

Effiziente Transportpolitik und Ausbau des öffentlichen Transportes
Wenn wir die Welt irgendwie retten wollen und auch mit 500.000 Einwohnern noch irgendwann auf der Arbeit ankommen möchten, brauchen wir den öffentlichen Transport. Und zwar schnellen und effizienten. Dazu gehört sicherlich ein Ausbau des Schienenverkehrs, eine größere Frequenz von Bus und Zuglinien und ein Nachtservice, vor allem für die Eisenbahn. So kann man zwar jedes bessere Dorf Samstags morgens um drei Uhr von Luxemburg-Stadt aus mit einem Late-Night-Bus erreichen, aber Städte, die eine Bahnanbindung haben, dieses Privileg nicht haben.
Und hier muss Luxemburg auch mit seinen Nachbarn arbeiten. Wir brauchen mehr Pendlerzüge und Auffangparkplätze, billigere Tarife und bessere Anschlussmöglichkeiten.

Noch mehr Förderung von erneuerbaren Energien
Luxemburg importiert einen Riesenanteil seines Stroms. Das führt dazu, dass ca. 60% des Stroms, den wir bezahlen, durch Transportverluste verloren gehen. Edit: Ich weiß nicht, wie weit dieser Satz so stimmt. Fakt ist, dass für 1 KWh, die in Luxemburg verbraucht werden, 3 KWh in Deutschland “primärenergetisch” hergestellt werden. Ich verstehe nicht genug vom Thema, um jetzt sagen zu können, ob dies alles Transport/Umspannungsverlust sind oder was der Mann, der mir das im Interview erzählt hat, mit “Verlusten im Kraftwerk” genau gemeint hat. Durch Photovoltaik- und Windkraftwerke könnten wir mehr Strom selbst produzieren und diesen auch noch dort gebrauchen, wo er produziert wird. Nebenbei würden wir auch noch die Welt/das Klima retten.

Mehr Basisdemokratie
Wichtige Entscheidungen sollten per Referendum abgestimmt werden, die Beteiligung an demokratischen Prozessen muss einfacher werden und verstärkt passieren. Ausserdem sollte das bisherige Wahlsystem in Frage gestellt werden. Auch die Frage, ob wir nicht eine zweite Kammer benötigen, sollte nicht einfach ausgeklammert werden!

Republik!
Wir brauchen keinen Monarchen. Höchstens als Repräsentanten. Das darf er dann auch gerne machen, er wird dann auch auf die Stunde bezahlt für das Händeschütteln mit dem japanischen Kaiser und dem Konzernchef von Suzuki. Ansonsten möchte ich eine vollwertige Demokratie ohne Staatschef mit Gottesanspruch.

Das sind noch sicherlich alle meine Forderungen, aber schon mal einige. Die Serie zum Wahljahr wird fortgesetzt werden, Kommentare sind wie immer erwünscht!

Protect every kiss

Thursday, January 15th, 2009

Ja, es gibt hier jetzt nur noch Videos.
Quatsch.
Aber das hier ist wirklich großartig. Und so verdammt wichtig.

(via spreeblick)

Solidarität mit Niemandem?

Friday, January 9th, 2009

Morgen wird es in Luxemburg/Stadt eine Demo contre la guerre à Gaza geben, also gegen den Krieg im Gazastreifen, organisiert von dem Comité pour une Paix Juste au Proche Orient
Und ich frage mich schon die ganze Zeit, ob man bei so einem Krieg überhaupt solidarisch mit einer Partei sein kann. Die Hamas greift Israel an, Israel greift die Hamas an (und die Hamas die Fatah) und keiner der beiden scheint an Frieden interessiert. Sind Israel nun die Bösen, weil sie sich nicht an die UNO-Resolutionen halten oder die Hamas, weil sie sich nicht an die Waffenruhen halten? Oder war es umgedreht? Wo ist in dem ganzen Konfliktwirrwarr denn da noch Aktion und Reaktion?

Darf man das? Darf man einmal zu niemanden “halten” und sich wünschen, dass irgendwann Vernunft einkehrt? Und gibt es nicht irgendwo einen Krieg, wo das Ganze einfacherer ist?
Stellt sich natürlich auch die Frage: Who is winning the PR war? – und auch diesen Artikel sollte man mit Vorsicht genießen.

Jagd

Saturday, December 20th, 2008

DieJulia hat mich mit ihrem kulinarischen Schüttelreim zur Jagdsaison daran erinnert, dass ich schon etwas länger plane, etwas über das Thema Jagd zu schreiben.
Ich möchte anmerken, dass ich mir aufgrund meiner Ausbildung einbilde, relativ viel Ahnung von den Thema zu haben und keiner extremer Ideologie nachzueifern. Ich werde auch vor allem auf die Situation in Luxemburg eingehen, da es die ist, die ich am besten kenne.

Aber das ist ja eigentlich schon das große Problem: Jeder, der eine Meinung zur Jagd hat, bildet sich ein, furchtbar viel Ahnung zu haben. Was dann oft nicht so sehr der Fall ist.

Ist Jagd notwendig?
Um es kurz zu machen: Ja, Jagd ist notwendig. Es gab immer schon Tiere, die Jagd auf das heute gejagte Wild gemacht haben. Diese Super-Prädatoren wie der Wolf und der Luchs sind größtenteils verschwunden und werden auch so schnell nicht zurück kommen. Die Populationen von Rehwild und Schwarzwild (Wildschweinen) sind in den letzten Jahren enorm gestiegen. Es ist quasi unmöglich, Rehe und Wildschweine im Wald zu zählen und auf brauchbare Zahlen zu kommen. (Auf der dänischen Halbinsel Kalø wurden unter größten Anstrengungen 70 Rehe gezählt, als man einen Totalabschuss durchführte, zählte man 213 Tiere.) Die hier genannten Populationsanstiege berufen sich also auf die einzigen Zahlen, die zur Verfügung stehen: die Zahl der abgeschossenen Tiere.

Die Wildschweine haben sehr viel bessere Lebenskonditionen, seit intensiver Maisanbau betrieben wird. Was wiederum zu sehr viel Wildschaden führt. Schädigen die Wildschweine in den Wäldern selbst kaum Bäume (höchstens einzelne Stämme, an denen sie sich nach einem Schlammbad abreiben, was aber wirtschaftlich absolut verträglich ist), so sind die Schäden in der Landwirtschaft relativ groß.
Wildschweine haben keine “eingebaute” Populationskontrolle wie beispielsweise Füchse, bei denen bei hoher Populationsdichte nur ein Α-Weibchen Junge gebärt, dh. aus einer kleinen Rotte Wildschweine kann sehr schnell eine sehr große werden, welche natürlich auch sehr viel mehr Futter braucht. Wildschweine haben unter den momentanen günstigen Bedingungen eine Vermehrungsrate von 150 bis 200% pro Jahr. In den letzten Jahren kommt verstärkt das Problem der vielen aufeinander folgenden Mastjahre hinzu, dh. die Wildschweine leben quasi im Schlaraffenland – und vermehren sich dementsprechend.
Weitere mögliche Ursachen der Populationsexplosion der Wildschweine sind die starke Fütterung durch Jäger, die gezielte Hege der Bachen (man schießt keine weiblichen Tiere, um mehr Nachwuchs zu erhalten), milde Winter und der naturnahe Waldbau – welcher natürlich auch für mehr Nahrung sorgt.

Die Population des Rehwildes ist seit den 60er Jahren steigend. Wurden 1960 noch etwas über Tausend erlegte Rehe gezählt, so waren es um 2000 über 7000. Beim Reh ist allerdings zu bedenken, dass der Populationszuwachs wesentlich geringer ist als beim Schwarzwild, da eine Rehgeiß meistens zwei Kitze auf die Welt setzt. Eine Überpopulation, die weniger Nahrung bietet, bedingt auch, dass weniger Kitze durchkommen.
Rehe verursachen eine ganze Reihe von Schäden, vor allem im Wald. Man unterscheidet zwischen Fegeschäden und Verbissschäden. Fegeschäden werden von Böcken verursacht, die die anfänglich vorhandene Haut über ihren Geweihen an Bäumen abfegen, was wirtschaftlich wenig von Bedeutung ist. Die Verbissschäden sind jedoch schwerwiegender und werden mit steigender Rehpopulation schlimmer.

Da Rehe sogenannte Konzentratselektierer (Artikel vom Hirsch verlinkt, da sich hier der Begriff erklärt wird – Rehe und Hirsche haben aber sehr wenig gemein!) sind, d.h. energiereiches Futter benötigen, fressen sie vor allem die energiereichen Knospen von jungen Bäumen (da kommen Rehe besser dran!). Entfernt man den Terminaltrieb (die Knospe, die später einmal der Stamm wird), kommt es zur Bildung von Bonsaibäumchen.
Bei wenigen Rehen stellt das noch kein großes Problem dar, in der waldbaulichen Planung rechnet man immer mit Verlust und pflanzt deshalb mehr – wenn es Naturverjüngung gibt ist das Problem bei einzelnen Pflanzen nicht sonderlich schwerwiegend. Fehlt jedoch nun andere Äsung (Nahrung) und ist die Rehdichte hoch, kann der Schaden von den einzelnen Pflanzen schnell auf den kompletten Ausfall einzelner Baumarten (Eiche und Kirsche werden bevorzugt) bis hin zu einer Situation, in der nicht einmal mehr Naturverjüngung ohne Schutzmaßnahmen mehr möglich ist, reichen. Rehe können sogar verschiedene Pflanzen lokal ausrotten, z.B. die Türkenbundlilie.
Anzumerken vielleicht noch, dass der Vebissdruck auf eine Pflanzung (Kulturfläche) in einem äsungsarmen Gebiet (also ein Gebiet, in dem es sehr wenig andere Pflanzen gibt, an denen sich Rehe bedienen können) trotz geringer Rehdichte sehr hoch sein kann. Waldbaulich kann man Rehen begegnen, indem man artenreiche Mischwälder und gut strukturierte Waldränder gestaltet und fördert – was natürlich Arbeit bedeutet!

Übrigens ist die Winterfütterung von Rehen ziemlich Unsinn, da Rehe im Winter normalerweise ihren Magen so umstellen, dass sie mit sehr wenig Nahrung zurechtkommen (die Entwicklung der Föten steht ebenfalls still). Füttert man sie, so stellt sich der Magen nicht um und man muss bis ins späte Frühjahr weiter füttern, da die Rehe sonst eingehen.

Was ist denn mit den Prädatoren?
Der einzige Super-Prädator, der in Luxemburg vorkommt, ist der Uhu. Und das auch nicht gerade in atemberaubenden Zahlen. Vor allem ist ein Ein-Meter-Vogel auch nicht unbedingt das Tier, das unsere riesigen Reh- und Wildschweinpopulationen dezimiert.

Der Luchs wird oft als möglicher Superprädator in Luxemburg zitiert. Nun, auch wenn Luchse nicht, wie das oft angenommen wird, riesige Wälder brauchen und sich nur auf 500 Meter vom Waldrand entfernen (ein telemetrisch beobachteter Luchs ist zwei mal durch Zürich gelaufen), so brauchen Luchse dennoch ein ziemlich großes Territorium. Man könnte sich durchaus einige Tiere in den Ardennen, dem Ösling und der Eifel vorstellen. Gerüchten zufolge gibt es auch schon einige wenige Luchse in Belgien. Allerdings wäre der Luchs eher ein Gast in Luxemburg, der alle paar Wochen oder Monate mal ein Reh erlegt und sonst wenig zur Verkleinerung der Populationen beitragen würde. Fazit: Schön wärs, aber der Nutzen ist eher klein.

Der Wolf ist das nächste Kandidat auf der Prädatorenliste – und meiner Meinung nach der vielversprechenste. Definitiv auf dem Weg der weiteren Ausbreitung wird der Wolf wohl von alleine in den nächsten 50 Jahren irgendwann in Luxemburg ankommen. Dafür wäre er allerdings ziemlich effektiv, vor allem was die Rehpopulationen angeht. Schafherden können durch Hunde gut geschützt werden. Wildschweinrotten können größer werden, dh. mehr Schweine in einer Gruppe, wenn eine ständige Nahrungsquelle vorhanden ist (Maisfeld oder Futterstelle im Wald). Wölfe haben auch den Vorteil, dass sie, anders wie der Luchs, dessen Jagderfolg vom Überraschungseffekt abhängig ist, vor allem junge, kranke oder schwache Tiere angreifen.
Noch gibt es die Wölfe aber nicht – und es scheint mir zumindest auch nicht so, als gäbe es politischen Willen, welche auszusetzen.

Was kann man an der Jagd kritisieren?
Mein Problem mit Jagdgegnern/Jagdkritikern ist, dass sie oft ziemlich dämliche Argumente haben. Man kann einfach nicht mit “Die armen Bambis” und die angeblich brutalen Jagdhunde argumentieren. Auf jeden Fall dann nicht, wenn man sich ebenfalls für den Luchs oder den Wolf stark macht. Ich vermute jetzt einfach mal, dass ein Tod durch die Kugel, wenn sie denn sauber trifft (mit flüchtenden Tieren hat man selten die Chance für einen zweiten Schuss), “humaner” ist als von einer Meute Wölfe kilometerweit gehetzt zu werden und dann totgebissen zu werden. Überhaupt frage ich mich, ob die Tiere den Schuss hören, denn die Kugel ist ja schneller als der Schall.

Fütterung von Wildtieren ist kontraproduktiv und gehört verboten, was im neuen Jagdgesetz ebenfalls der Fall sein wird. Wie es sich mit der Äsung (zum Anlocken) verhält, mag ich nicht genau sagen. Es kommt dort wahrscheinlich auch auf die Menge an.

Fuchsjagd bringt nicht sehr viel, aber es gibt auch außer “die armen Tiere” nicht wirklich viel Argumente dagegen. Man sollte sich als Jäger halt nur bewusst sein, dass es wegen Fuchsbandwurm auch noch gefährlich ist und man deshalb wohl sehr wenig davon hat, einen Fuchs zu schießen. Aber das ist ein Punkt, den man sicherlich kritisieren kann: Trophäenjagd anstatt Wildregulierung.
Auch das System in Luxemburg das, einen ja menschenrechtsverachtend dazu zwingt, als Grundstückbesitzer Mitglied in einem Jagdsyndikat zu werden, dh. in dem Club, der dafür sorgt, dass man Geld für die Jagdpacht und den Wildschaden bekommt, kann man sicherlich kritisieren. Es dürfte wohl auch kein Geheimnis sein, dass die Jägerzunft in Luxemburg oft aus der Oberschicht besteht, was zumindest bei mir einen merkwürdigen Beigeschmack erzeugt.

Ich kann nicht einschätzen, wie die Situation in Luxemburg momentan ist. Es gibt sicherlich einige schwarze Schafe unter den Jägern – vielleicht auch mehr, als man glauben mag, vielleicht aber auch weniger. Vielleicht kommt mit einer neuer Generation Jäger auch ein Wechsel der Methoden und vor allem des “Spirits”, mit dem die Jagd betrieben wird.

Falls ich jetzt irgendwo einen Fehler begangen habe – was bei der komplexen Materie sicherlich leicht der Fall ist, so bitte ich, mich darauf hinzuweisen. Und auf eine Diskussion freue ich mich schon!