Archive for the ‘literarische Spielwiese’ Category

Wanderungen

Wednesday, February 23rd, 2011

Das einstige Belgien. Eine abgebrannte Steppe, Ödnis, deren Untergrund sich nicht definieren lässt. Die Bodenkunde hat keinen Buchstaben, um die Horizonte, aus denen sie besteht, zu beschreiben. Vielleicht, weil es in diesem abgebrannten Land keine Menschen mehr gibt, die sich gut genug mit Bodenkunde auskennen. Ohne Vegetation erreicht der Wind ungeahnte Spitzen. Er ist, wie das Meer, von dem er kommt, giftig.

Eine einsame Figur kämpft sich durch diese Wüste, einst ein stolzes Königreich. Sie trägt eine dicke Gasmaske, das Sichtfenster schwarz verspiegelt. Die Schutzkleidung, wovor auch immer sie schützt, ist ganz in schwarz gehalten. Genau wie der wehende Stoffumhang, der nicht so recht zu dem sterilen Rest passen will.

Es ist der Baron von Luxemburg.
Er hat unglaubliche Lust auf eine Zigarette. Und in dieser lebensfeindlichen Umgebung wäre der Tabakrauch wohl gesünder als die Atemluft. Seine Wanderung durch diese wahrhaft postapokalyptische Landschaft sieht von außen aus wie reiner Wahnsinn, zumindest aber ist sie lebensgefährlich. Seine Gedanken sind hell wie tausend Atombombenexplosionen. Er allein weiß, wohin er muss und was er dort zu tun hat. Er trägt keine Krone, der Umhang muss genügen, um seine Noblesse auszudrücken.

Das einzige Lebewesen, das ohne technische Hilfe in diesem Landstrich noch neben kann, ist der Shai Hulud, der gemeine Sandwurm. Die Tiere sind nicht gefährlich, aber unglaublich robust. Eine ungeübte Wandererin kann sich leicht durch den Anblick der meterlangen Chaetognatha aus der Fassung bringen lassen. Der Baron ist nicht ungeübt. Nicht mehr. Niemand, der die belgische Wüste durchquert hat, ist ungeübt.

Domein Raversijde steht auf einem Schild, das nur wenige Zentimeter aus der Asche rausragt. Die Schrift ist nur schwer zu erkennen. Aber dies ist die Gewissheit, die er brauchte. Dies war die Stelle. Der ehemalige “internationale” Flughafen liegt hier ganz in der Nähe. Wahrscheinlich wird er hier finden, was er braucht.

Drei Tränen laufen dem Baron über die Wange. Kurz durchzuckt ihn die Angst, der Filter der Gasmaske könnte beschädigt oder voll sein. Erleichtert bemerkt er, dass er weint.
Von dem blutroten Meer trennt ihn nur eine hohe Düne.

photo: U.S. Office of War Information

son of

Monday, February 21st, 2011

- Gastbeitrag von Fynh. Vielen Dank an Joël, dem dieser Text auch gewidmet ist.

Sometimes i wish you would come home, lay your exhausted self down in the spare half of the bed, and instant sleep would fall over you. I would watch over your insecurity until you get up running again. I’ll watch your breath, I swear. I’ll watch your heartbeat, I swear. I won’t ever touch you. You should only come home to me so I’d be given the chance to care for you.

Eddie’s coming over every once in a while. We drive up to the hills, sit down on the front lid of the car, watch the airport’s quiet nightiness. We roll some papers, he’s telling me his worries, i get caught by the smoke we blow. The Head is the only one I can loose my head with. He goes home with the dawn. I think about M. We’re coming to get you Barbara. I broke your circle of death before dishonor. Did you break the promise to yourself? When will you break it to me? My olfactive taste resembles your mother’s so much. I have a strange feeling. I wasn’t horny tonight, I’m really sorry. For days I’ve been having pyromaniac desires. I want to see burns, flames slapping the air, ever higher, while laid back, worshipping the universal selfdestructiveness to the bone.

Mando Diao are riding like the Walkyries on short waves, invading my brain with their sticky whatsoever songs for the ipod nation, and i’m ashamed for the times I cried about the news. I hate the mere idea of imperialism, but the strength and vigor, the discipline and consistency They were showing builds up the remedium to my depression.

So crowded are these nights, lonely inside. Hold me without taking hold of me. Afraid of being alone because of all the accumulated sins. Typing the oh so beloved night away, waiting for invading moments of shared love, but recurrently sensing the voracious creeping in of the counterpart awareness.

I don’t know when I last felt a devotion so devouring I was torn through inside only by looking at its centre. I want a life so blastingly bright that it makes me Semele in front of Zeus eventually. Instead I feel like I’m Antigone’s repressed doubt.
I am
Antigone’s
repressed
doubt.
I am
Semele’s
hidden
regret.
I am
Kronos’
broken
will.
And all the Aconitum of the East won’t make those thoughts vanish.
And all the success that’s nurturing my splintered ego won’t make it redundant at last.
Let go of yourself, only then will you be able to fuse with the universe.
Most of the time I’d be perfectly satisfied with fusing with the background.
Life as a struggle with my self. A struggle between the difficulty of moving on and the reluctance to give up. I already said that once before, except for one fine detail.
It’s the love for you that determines the outcome of each and every fight.

eiskaltes Bett.

Tuesday, February 8th, 2011


Brutale Träume, die mich morgens mit weit aufgerissenen Augen aus einem eiskalten Bett aufstehen lassen. Mit zitterigen Händen koche ich mir Kaffee, den ich im ersten Sonnenschein des Jahres auf dem Balkon trinke. Der Wind weht durch die Krone der Kiefer im Innenhof und für einen kurzen Moment wähne ich mich am Meer. Das Blau des Himmels, für das es kein passendes Wort gibt, um es zu beschreiben. Und die Sonne, die mich fast verblendet. Fast rieche ich das Meer in der Ferne, statt der Donau. Melancholisch denke ich an Belgien, das, wie Pommern in dem Kinderlied, abgebrannt ist. Nur noch öde, verkohlte Landstriche, die nicht einmal zur Wüste taugen.

Ich bin auf einer Demonstration. Vielleicht ist es auch der kommende Aufstand, von dem man immer wieder hört. Ich stehe am Rand, auf der obersten von ein paar flachen Stufen, die zu einem Platz führen, auf dem ein weißes Hochhaus steht. Ein älterer Mann lächelt, winkt mich zu sich und begrüßt mich mit meinem Vornamen, auf Luxemburgisch. Ich kenne ihn nicht. Aus dem, was er sagt, lässt sich erkennen, dass er wohl einen früheren Lehrer von mir ist. Ich erkenne ihn nicht wieder, denke, dass er unglaublich gealtert sein muss in den paar Jahren. Er weiß offenbar, dass ich rauche (obwohl ich eigentlich ja überhaupt nicht …) und bietet mir Zigaretten, Parisiennes, an. Er grinst mich mit seinem unbekannten Gesicht an und wünscht mir Alles Gute.

Die Polizei will die Demo abriegeln. Ich will dabei sein, hetze die Stufe herunter, springe hinter das Absperrgitter, kurz bevor es geschlossen wird. Ich verstehe mich selbst nicht, aber das Ziel der Demonstration scheint mir wichtig zu sein. Ich vermute kurzzeitig, dass es wieder einmal gegen einen Ball in der Hofburg geht, vielleicht gegen den BOKU-Ball.
Wenig später finde ich mich mit einem Mädchen eingekreist von der Polizei. Ein Polizist schießt immer wieder Tränengasgranaten in unsere Richtung, trifft jedoch nie. Einmal landet die Granate, kreisrund und schwarz, vor meinen Füßen. Ich hebe sie auf und werfe sie in Richtung des Polizisten. Ich erkläre mir selbst, dass das äußerst gefährlich sei, sowas zu tun.
Durch die Papierkulisse, himmelblau, springt ein Fuchs. Ich streichele ihn, ziehe neckisch seinen Kopf nach oben und flehe ihn an, “chaos reigns!” zu sagen. Irgendwer kommentiert, dass zwar in jedem Film von von Trier ein Fuchs vorkomme, aber dieser Spruch halt nicht immer.

Ich bin in einem Schloss. Wir beraten uns. Und stellen fest, dass die Situation untragbar ist und der einzige Ausweg ist, jemanden der anderen zu erschießen. Ich habe eine Waffe, jemand hat sie mir gegeben, weil ich ihn darum gebeten habe. In dem Raum, der ein wenig wie ein Hörsaal wirkt, warte ich auf eine Gelegenheit, um sie zu erschießen. Sie sieht mich an und ich weiß, dass ich ihr die Patrone in die Augen jagen muss. Sie sieht aus wie eine Mischung vieler weiblicher Personen mit roten Haaren, denen ich in meinem Leben begegnet bin. Und k., merkwürdigerweise. Ich drücke ab, aber es kommen nur Metallspäne aus dem Lauf. Sie muss blinzeln, funkelt mich böse an. Draußen, es ist ein Sommertag, muss ich mich auf die kleine Mauer stützen. Fast hätte ich einen Menschen getötet. Mechanisch führe ich ein neues Magazin ein, ich habe drei davon in meiner Jackentasche, warum auch immer. Ich verstehe mich selbst nicht. Fast hätte ich einen Menschen getötet. Niemand spricht mit mir, alle entfernen sich von mir.

Ich grabsche nach nackten Brüsten, die Frau, der sie gehören, erkenne ich nicht, wahrscheinlich ist sie unbekannt. Ich fühle mich brutal und schuldig.


photo Rolling Barren Land, near Karakul, Xinjiang : Kevin Cure / CC BY 2.0
photo riot police : Chris Huggins / CC BY 2.0

Müllverbrennungsanlage Canossa

Monday, January 31st, 2011

Fi sieht mich verständnislos an.

Canossa

Ich blicke verständnislos zurück, ziehe meine Mütze tiefer ins Gesicht, will gehen. Sie legt ihre Hände in mein Gesicht, drückt meine Mundwinkel nach oben, so dass ich lächele.
Ich muss an diese Party denken, auf die ich eigentlich nicht gehen wollte, weil ich mal wieder zu müde war. Auch da hat eine Person meine Mundwinkel nach oben gezogen, so dass es aussah, als würde ich lächeln. Danach hatte ich tatsächlich noch etwas Spaß auf der Tanzfläche. Als der DJ dann “Nein Mann” spielte, sind wir gegangen. Oder vielmehr: Ich bin gegangen. Diesen verheerenden Nachhauseweg, den ich schon viel zu oft alleine gegangen bin. Das mit dem Abschleppen kann ich nämlich überhaupt nicht. Vielleicht bin ich auch zu blöd, mich abschleppen zu lassen.

Ich verlasse die Wohnung, ziehe abermals an meiner Mütze, die mir gut steht und von der ich immer das Gefühl habe, sie würde falsch sitzen. Ich stapfe durch den Schnee, der erst nächste Woche fallen wird. Zur Bushaltestelle. In meinem Mund eine Zigarette, obwohl ich eigentlich überhaupt nicht … Krampfhaft halte ich mich an ihr fest. Wie an einem Rettungsring.
Ich bin auf dem Weg zu Ruth. Ruth, die ich eigentlich schon vergessen hatte. In letzter Zeit war sie nicht mehr als ein Name auf meinem Handydisplay gewesen. Ohne Gesicht, ohne Stimme, nur Buchstaben in einem flüchtigen digitalen Speicher. Und nun bin ich auf dem Weg zu ihr, schaffe es kaum, meine Füße zu heben.

Der Bus lässt auf sich warten. Der Bus lässt immer auf sich warten. Manche Busse haben Spitznamen, werden “die rote Rakete” genannt. Dieser Bus lässt nur auf sich warten. Als ich nach kaum vier Stationen wieder aussteige, wähne ich mich in einer anderen Welt, mindestens aber in einem anderem Land. Das hier könnte genauso gut ein kleines Dorf im unbekannten Osten Luxemburgs sein. Die Straßenschilder sprechen eine andere Sprache.

Ich war schon einmal hier. Eigentlich war ich schon viel zu oft hier. Ich kenne die Straßen, als sei ich sie eine Zeit meines Lebens jeden Tag gegangen. Dort haben wir damals Y. getroffen, dort hat Ruth mal Menschen den Weg erklärt, nicht ohne unabsichtlich einen Fehler dabei zu begehen. Unwillkürlich muss ich grinsen, obwohl mir gar nicht zum Grinsen zu Mute ist. Ich schleppe mich den Hügel hoch, von dem aus man über die ganze verdammte Stadt sieht. Wenn nicht gerade dicker Nebel die Sicht versperrt. Die Müllverbrennungsanlage (oder das Fernwärmekraftwerk, je nach Betrachtungsweise) Spittelau stößt bedrohlich ihre (oder seine, je nach Betrachtungsweise) ungefährlichen Dämpfe aus.

Ruth also.
Einen kurzen Moment erfasst mich eine Woge der Einsamkeit. Das Meer der Verdammnis umspült mich mit seinen eiskalten, harten Wellen, als ich in der Brandung stehe. Am Horizont das große Seelenzeppelin.
Ich lächele. Ganz ohne fremde Hilfe.

photo: Some rights reserved by sayimsorry

Fetzen, (un)zusammenhängende.

Monday, January 10th, 2011

Ich muss das alles aufschreiben, ehe ich es vergesse. Dies sind nur Eindrücke, die ich nicht zu einem Bild zusammensetzen kann, da die Geschichte dazu erst geschrieben wird.

Hippophae rhamnoides  cc-by-sa Jean Tosti

Ich stehe am Münchener Hauptbahnhof und rauche. Obwohl ich eigentlich gar nicht rauche, stehe ich am Rand von diesem Raucherquadrat, mit gelber Farbe auf den Boden aufgemalt und blase den Rauch heraus. In der linken Hand halte ich einen mittelgroßen Starbucks-Kaffee. Ich habe nur einen kleinen bezahlt. Der Kaffeeausgabefrau war es egal. Das viel zu süße Getränk des multinationalen Konzerns schmeckt gleich viel besser, wenn man weiß, dass man eben jenen multinationalen Konzern um ein paar Euro beschissen hat. Wohin geht meine Reise? Ich weiß nicht einmal wirklich, was ich in München tue. Was ich dort, wo ich hinfahren will, tun werde. Die ganze Unternehmung fühlt sich so hoffnungslos an, ich könnte gleich wieder nach Hause fahren.

Ich wache in einem fremden, zu kleinen Bett auf, entfernt von allen Fixpunkten. In diesem Zimmer, das die Traurigkeit eines gesamten Teenagerlebens atmet, wirkt plötzlich alles fremd, geradezu feindlich. Die Fenster sind leicht angelaufen, draußen Nebel. Einzig zu erkennen der Thuja. In seinen Wipfeln drei kleine Vögel. Ich kann nicht mehr schlafen, wahrscheinlich nie wieder.

Ich stehe auf meinem Balkon. Leichter Schnee fällt. Ich atme die kalte Winterluft ein. Vor meinem geistigen Auge sehe ich k. und Ky. gemeinsam im Bett. Im Hintergrund spielt Werner Herzog gets shot von Get Well Soon. Ich lächele. Alles ist in Ordnung.

Ich stehe in der Dusche und reibe die Sanddornseife an meinem Körper entlang. Mir wird erst während des Einseifens bewusst, dass der Geruch, der mir da in die Nase steigt, Sanddorn ist. Mein Mitbewohner trinkt morgens manchmal einen Cocktail aus Acidophilusmilch, Ahornsirup und Sanddornsaft. Es schmeckt, wie der Name klingt. Sanddorn. Wie Schleifpapier in der Kehle. Und dieser Schleifpapiergeschmack dringt in meine Nase, während ich in dieser Dusche stehe und mir nichts sehnlicher wünsche, als alles abwaschen zu können, vor allem Entfernungen.

In seltenen Momenten voller Klarheit, merkwürdig oft beim Zugfahren, denke ich, dass mir das alles egal ist, weil es Werte gibt, die wichtiger sind. Meistens ist es mir nicht egal. Meistens kribbeln irgendwelche Körperteile merkwürdig, das Nervenbündel unter meinem Magen meldet sich und ich weiß nicht, was ich damit anfangen soll. Rein rational ist ja alles in Ordnung. Aber kribbelnde Körperteile und Nervenbündel im Bauch lassen sich mit rationalen Gedanken kaum beruhigen. Und so taumele ich täglich zwischen Alpträumen, Wahnsinn und Klarheit.

In E. fühle ich mich, als würde ich in einem Museum leben. Ausstellungsstück in meinem eigenen Zimmer. Jedes Objekt erinnert an ewig weit weg scheinende Zeiten. Ich als Archäologe der eigenen Geschichte, noch ungeschrieben. Immerhin brauche ich weder Hut noch Peitsche. Ich soll die Sachen sortieren, in Dinge, die ich aufbewahren will und Abfall. Ich bringe die Kraft dazu nicht auf. Ich schaffe es ja schon kaum, das Archiv meines eigenen Blogs zu lesen, ohne mich wahlweise über mein früheres Ich zu ärgern oder “den guten alten Zeiten” nach zu trauern. Wie alt bin ich eigentlich? Ich muss über diese Frage kurz nachdenken. Das Internet weiß wie immer die Antwort, erschreckend genau. Zum Glück ist der Aufenthalt in E. nur temporär. Als die Flut kommt, flüchte ich.

Ich kann keinen Schlusspunkt setzen

photo cc by-sa Jean Tosti

Das kleine rote Auto

Saturday, December 25th, 2010


Der Fahrtwind schnitt ihr eisig ins Gesicht. Sie drückte mit aller Kraft in die Pedale, um den steilen Hügel hoch zu kommen. Die Straße war rutschig, wegen dem Schneematsch. Zum Glück schneite es gerade nicht. Es war unglaublich kalt und sie war sich nicht sicher, ob der Ausflug sich lohnen würde. Die Müdigkeit der viel zu kurzen Nacht steckte ihr noch in den Knochen. Quietschend blieb das Rad stehen. Von diesem Hügel aus sah man über den gesamten kleinen Ort und – das war heute viel wichtiger – einen kleinen Teil der Autobahn, die an ihm vorbeiführte.

Sie zog sich die Mütze etwas tiefer ins Gesicht, richtete ihren Schal und fuhr mit der Hand in ihre Tasche, aus der sie eine Zigarettenpackung fischte. Ihr Körper war zwar von der Fahrradfahrt erhitzt, aber der eisige Wind, der den Nebel gespenstisch bewegte lies sie erschauern. Sie klopfte gekonnt auf die Unterseite des Softpacks, so dass eine Zigarette heraus kam, die sie mit dem Mund nahm. Das Klicken ihres Feuerzeugs hallte in der bedrückenden Stille des Nebels. Sie brauchte trotz dem Wetter nur einen Versuch, um ihre Zigarette anzuzünden.

Wenn du jetzt auf einen Hügel steigst und mit dem richtigen Blick nach Norden, zur Autobahn hin siehst, dann kannst du mit viel Glück ein rotes Auto erkennen. Das bin ich.

Das Grollen der Lastwagen war zu hören. Angestrengt sah sie auf die Autobahn.
Für sie lautlos fuhr ein kleines rotes Auto vorbei.
(more…)

Never love again.

Wednesday, December 22nd, 2010

Wenn ich in den Spiegel sehe, sehe ich nur Narben. Jetzt, da das große Seelenzeppelin so kurz davor ist, Segel zu setzen, muss ich mir diesen einen Satz hierhin schreiben, um mich daran zu erinnern, dass ich ihn – zumindest jetzt – für wahr erachte.
Never love again.
View in winter over Saltsjön (Salt water sea) from Katarinahissen (the Katarina Lift), built in 1883. The Old Town to the left and Skeppsholmen in the background.
Aber vielleicht stimmt das ja alles nicht. Aber in mir ist alles so voller Melancholie, die fast schon Verzweiflung ist, dass ich ein Dogma daraus machen will.

Seal my heart and break my pride,
I’ve nowhere to stand and now nowhere to hide,
Align my heart, my body, my mind,
To face what I’ve done and do my time.

Feuer machen.

Tuesday, December 21st, 2010

Schlafende Menschen im Park

Nach dem Aufwachen bleiben die zögerlichen Reste des Traums in meinem Kopf, wie zerrissene schlafgraue Fetzen liegen sie im Zimmer, nass noch vom Schnee der langsam auf dem Balkon taut und dann wieder gefriert.
Es gibt da eine Stelle unter meinem Ohr, wenn ich dort geküsst werde, schaltet sich meine Ratio aus und ich bin nur noch Instinkt. Kaum jemand weiß davon. Geschweige denn, wo genau diese eine Stelle ist. Im Traum heiße Küsse, dann Bewegungen der Zunge genau an diesem einen Punkt.

Wer war das? Ich grübele darüber nach, versuche mich zu entsinnen, den Film, der da in der Nacht gelaufen ist, zurückzuspulen. In meinem Kopf nur Leere und diese eine Szene, Berührungen und Küsse einer Unbekannten.

Dafür andere Bilder, die da auch waren. Eine Art Seminar in einem Pfadfinder_innenlager. Zumindest draußen, in der Natur. Oder das, war wir für die Natur halten, denn Wildnis gibt es kaum noch und dort wo es sie gibt ist sie, bis auf Pinguine, recht unspektakulär bis langweilig. Wir bauen eine Soundanlage aus einfachsten Mitteln, wie sie auch schon die alten Kelten hatten, wenn sie sich mit billigem Met aus dem Supermarkt betrunken haben. Außerdem soll ich Feuer machen, indem ich einen verdorrten Baum-Sprössling anzünde. Immer wieder wird mir erklärt, wie das geht, aber ich kriege es immer nur halb richtig hin. Der Busch brennt, aber nicht so, wie er soll. Der Koch nimmt mir die Pflanze weg, es ist eh noch hell, wir brauchen jetzt kein Feuer.

Irgendwann denke ich: Es muss Ruth gewesen sein, die mich unter dem Ohr geküsst hat. Ruth, die Cousine von Wilhelm Conrad, die mich durchschaut hat.
“Vielleicht war es auch …”
Ich wage es nicht, diesen Satz zu Ende zu denken.

Soul Zeppelin

Tuesday, December 14th, 2010

Manchmal ist das einzige, was noch hilft, eine Reise mit dem großen Seelenzeppelin.
Das große Seelenzeppelin über London
Manchmal ist alles, was ich brauche, um die Welt wieder klar zu sehen, eine Reise mit dem großem Seelenzeppelin.

Was bleibt.

Wednesday, November 17th, 2010


Was bleibt am Ende des Tages? Am Endes des Gespräches? Viele Worte, Witze, Sorgen, sinnvolles, sinnloses, unsinniges. Die Sorgen bleiben hängen. Als wären sie noch nass und müssten zum Trocknen aufgehängt werden. Ich hab nicht umsonst so viel Hoffnung in den Keller geschaufelt, als dass ich sie jetzt zum Heizen verwenden könnte. Ich habe nicht umsonst so viel Tee eingelagert, da kann der Winter nicht einfach ausbleiben. Alles wird gut werden. Ich glaube daran. Mir bleibt nichts anderes übrig. Ich kann nicht davon ausgehen, dass die Welt in Zukunft ein Trümmerhaufen sein wird und ich im Epizentrum einer Wasserstoffbombenexplosion stehen werde, wenn ich dort ankomme, dann kann ich mich auch von meinem sicherlich zu niedrigen Balkon schmeißen. Ich muss optimistisch bleiben. Und selbst wenn alles in Trümmern aufgeht, so werde ich mir beim Wiederaufbau halt die Hände aufreißen und Narben davontragen. Aber letzten Endes wird es gut ausgehen. Drei kleine Vögel werden singen, und wenn sie die letzten auf Erden sind.

Vor meinem inneren Auge bauen sich düstere Visionen auf. Rote Meere, der letzte Mensch im Universum, eingesperrt in eine ewige Maschine. Radioaktivität. Ich kann sie nicht glauben.
Und was bleibt? Der Vorsatz, sich weniger Gedanken zu machen.
Oder mehr?