Archive for the ‘literarische Spielwiese’ Category

Blauer Sonntag

Friday, June 10th, 2011

Und wenn es nur das Gefühl war, dass ich vermisste? Vermisse.

Vermisse, während ich durch den Augarten laufe. Der Augarten mit seinen Kastanienalleen, gerade angeordnet, Grünfläche, Kiesweg, Grünfläche, Kiesweg, Grünfläche, Kiesweg. Und trotzdem kommen die Hippies mit ihren Hängematten und Slacklines daher. Und feiern Kindergeburtstage. Drei Kindergeburtstage zähle ich, während ich unter den schattigen Kastanien schlendere. Und denke laut, dass das wohl eine gute Metapher für Wien sei. Diese Gegensätze. Das Wegenetz aus dem Geometrielehrbuch, die Hippies und Kindergeburtstage und die großen Flaktürme aus braunem Nazibeton.

An diesem schönen blauen Sonntag bin ich mir sicher, dass ich nur ein Gefühl vermisse. Es ist doch fast egal, neben wem du aufwachst, so lange du dich wohl fühlst. Geborgenheit lässt sich leicht reproduzieren. Peer-to-Peer, sozusagen.

Ob Gefühl oder Mensch: Was bleibt, ist das vermissen.
Am Abend platzt die Bombe und ich fürchte kurz, mich in den Schlaf weinen zu müssen.

photo cc by fortysix_vie

wolkeNacht

Saturday, May 28th, 2011

In der Nacht kam der Wind und mit ihm die Wolken, die unsere nackten Gedanken bedecken. Wie gerne würde ich noch einmal neben dir träumen! Ich träumte wunderbar wirr, neben dir. Träume, in denen mir in einer Pizzeria erklärt schlüssig erklärt wird, dass sich alle zwischenmenschlichen Probleme mit einer Freundschaftsanfrage bei Facebook lösen lassen.

Wirst du dich erinnern, an diese Nacht, in einem Jahr, in zehn Jahren?
Werde ich mich erinnern?
Oder wird diese Begegnung, diese seltene Planetenkonstellation im elenden Erinnerungsbrei meiner persönlichen Geschichte untergehen? Ich weiß kaum noch, was ich vor zehn Jahren gemacht habe. Lange wird es nicht mehr dauern, und ich kann es nachlesen. Das gibt mir Hoffnung. Wenn ich alles aufschreibe, meine Gedanken, Träume, Wünsche und Sehnsüchte in die große Wolke schicke, werden sie nie verloren gehen.

In diesen von Wolken verhangenen Nächten kommt die Sehnsucht durch das gekippte Fenster und schläft mit mir in Löffelchenstellung. Ich kann meinen Gedanken nicht mehr zuhören, stehe auf, wandere durch das Zimmer, stelle mich die Kälte der Nacht. Auch das hilft nicht. Irgendwo in dieser Stadt läuft ein Dachs herum, der die Menschen erschreckt. So entstehen unsichtbare Verbindungen zwischen ihnen, so lange die Wolken dafür sorgen, dass ihre Gedanken nicht über die Stadt fliegen können. Inversionswetterlagen und ihr Einfluss auf das Gefühlsleben junger Großstädter_innen.

Auf dem Fensterbrett steht das Avocadobäumchen, auf dem Balkon wächst alles wie verrückt, aber nichts von alldem tröstet über meine Einsamkeit hinweg. Das liegt einfach daran, dass Ruth nicht mehr auf meinem Fensterbrett sitzt und raucht. Und das nie wieder tun wird. Es gibt keinen Ersatz für das Nichts.

Ich sehne mich nach Nähe, obwohl ich weiß, dass ich nicht gut schlafe, wenn eine Person neben mir liegt. Ich will mich an jemanden kuscheln, obwohl ich so niemals einschlafen kann. Und mich ärgern würde, dass ich mein Hörbuch nicht hören könnte. Ich sehne mich nach dem Unmöglichen, dem Vergangenem, dem Niegewesenen.

Am Morgen ist der Himmel wieder klar. Ich setze mich im Lotossitz auf den Balkon und meditiere der Sonne entgegen, Zigarette in der linken, Kaffee in der rechten Hand.

Dreadlocks im Stroboskoplicht

Wednesday, May 4th, 2011

Dies ist ein neuer Teil der Kuchenbaum-Geschichte. Der Artikel hat ein eigenes Layout, deshalb nicht erschrecken, wenn die Seite erst einmal ungewohnt aussieht. Besondere Geschichten haben auch eine besondere Präsentation verdient. Wer einen aktuellen Mozilla-Browser benutzt, hat besonders viel von dem Artikel, da ich passend zum Titel von der blink-Eigenschaft Gebrauch gemacht habe. Alle anderen modernen Browser funktionieren natürlich trotzdem gut.

(more…)

dem Morgenlicht entgegen.

Wednesday, April 20th, 2011

Ich dusche dem Morgenlicht entgegen. Das Fenster ist halboffen, das Bäumchen davor verhindert, dass jemand mich sieht. Nackt, wie ich es halt nun einmal bin, wenn ich dusche. Ich taste mich halb blind, obwohl mit Brille, durch die vielen Flacons, bis ich ein Shampoo und Duschgel gefunden habe, das ich für geeignet halte. Nachher werde ich riechen wie sie. Sie, deren Namen ich noch vor einem Tag nicht zu ihrem Gesicht zuordnen hätte können, die nun nur wenige Meter entfernt ist. Ich versuche, nicht zu viel an sie zu denken, an die Nacht, die hinter uns liegt, um diese Duschsituation nicht merkwürdiger zu machen, als sie es jetzt schon ist.

Als ich in dem leeren Bett lag, ihrem Bett, habe ich mich nach links gedreht, um das Bücherregal ansehen zu können. Bei jedem Buchrücken, den ich las, wurde mein Grinsen breiter. In mir machte irgendwer Luftsprünge. Dann lachte ich mich selbst für die Idee aus. Ein kurzes, hämisches Lachen, wie ich es selbst kaum von mir kenne. Im Hintergrund das Plätschern der Dusche. Zum Glück wird sie mein Lachen wohl nicht gehört haben. Was sie sonst wohl denken würde? Immerhin gibt es gerade keinen Grund zu Lachen. Zumindest nicht laut. Ein wenig Schmunzeln und glücklich aussehen, das wäre der Situation angemessen. Ich kann nicht anders. Ich drehe mich wieder auf den Rücken, grinse glückselig und starre an die fremde Zimmerdecke.

Die folgende Woche ist regnerisch. Wie langen dünne Fäden steht der Regen im Innenhof. Manchmal, in den kurzen Sonnenperioden, wundere ich mich, dass er noch nicht voll gelaufen ist. Meine Gedanken sind überall, aber nie bei den Dingen, die ich tue. Während der Prüfung denke ich statt an Staudämme, Schlauchwehre und Fischaufstiegshilfen nur an Sex. Ich werde trotzdem eine 3 schreiben. Oder ankreuzen. “Ich habe eine Drei angekreuzt” klingt seltsam, beschreibt aber besser, was wirklich passiert ist. Während ich über Optimierungsverfahren lese, die auf den Bewegungen von Ameisen basieren, krabbeln die Insekten über meinem Kopf, bauen Nester, züchten Pilze und melken Blattläuse. Und wenn es nicht die Ameisen sind, dann weitaus ablenkendere Gedanken.

Ich spiele das gute alte “Was wäre wenn …”-Spiel. Dreimal ende ich in einem Haus mit Bäumchen davor in der Bodenseeregion. Einmal davon baue ich eigene, legal gewordene Drogen an. Ein anderes Mal werde durch Lesungen berühmt, bei der meine Lebenspartnerin im Hintergrund Musik auflegt. Wir geben einem Hochglanzmagazin gemeinsam ein Interview und machen uns einen Spaß daraus, zweideutige Aussagen über unser gemeinsames Sexualleben zu machen und lassen Vieles absichtlich im Unklaren. Sowas passiert mir ständig. Meine Gedanken sind nicht mehr greifbar, ich kann sie kaum in Zaum halten und auf die 180 Seiten richten, die ich aufzunehmen versuche.

Wir sitzen im Park, essen Eis und reden. Die Sonne scheint, im Hintergrund spielen Kinder, Hunde bellen. Es ist einer der Momente, die ich einfrieren möchte. Oder besser, sie in Endlosschleife erleben möchte, unendlich, im schönsten Sinne des Wortes. So wie das unendliche Gespräch über Sex, während Sigur Rós im Hintergrund läuft. Ich will einfach, dass dieser Moment nie aufhört und wir einfach immer weiter reden und reden. Mir wird das erst später bewusst, als ich meine Rollos runter lasse und die Nacht aussperre. Um dann das Licht zu löschen. Dieses Gefühl kommt nicht oft, nur ganz selten. Dieses Gefühl, dass die Welt stehen bleiben könnte, ist ein schwieriger Deckel, es passt nicht auf dunkle Nächte in fremden Betten.

Da ist sie wieder, die Poesie in meinem Leben.

Wind

Saturday, April 9th, 2011

Ich blicke in den Spiegel und sehe mir selbst in die Augen. Seit ein paar Wochen mag ich meine Augen. Ich weiß nicht, ob es sonst einen Menschen gibt, der mir in die Augen sieht und sich denkt: “Das sind schöne Augen!”, aber ich tue es. Wenigstens einer. Die Haare gefallen mir nicht mehr. Anders sollen sie. Da anders nicht so hinhaut, wie ich mir das vorgestellt hatte, kommen sie ganz ab. Kahlschlag, wie Anno 2008.

Während dem Schneiden habe ich Stöpsel in den Ohren, weil die Haarschneidemaschine so unglaublich laut ist. So höre ich nur, wie das Metall an meinen Schädel stößt. Ich kann nicht genau ausmachen, ob ich die Vibrationen mehr spüre oder mehr hören. Letzten Endes ist es das Gleiche, die Biologie bietet uns keine Hilfe.

Ich spüre den Wind um meinen Kopf wehen. Von unten weht der Wind hoch, an den steilen, verzierten Häuserwänden der majestätischen Stadt entlang zu den Häusergiebeln bis hoch über die Dächer der Stadt, dort, wo das Zeppelin steht.

Das mächtige Seelenzeppelin rührt sich nicht, trotz des heftigen Windes, der mir um die Ohren weht. Und ich wähne mich am Steuer, im Auge des Sturms. Die Nacht ist lauwarm und ich muss an k. denken. Einen kurzen Moment lang vermisse ich ihre Lippen. Vor meinem geistigen Auge nur postapokalyptische Sperrzone, in dem ein paar japanische Hunde bellen. Solange ich am Steuer stehe, kann mir nichts etwas anhaben, denn dies ist mein Luftschiff.

Die Stadt ist gut zu mir. Ich habe seit Monaten endlich wieder das Gefühl, wirklich zu leben. Vielleicht liegt es an den Haaren, die ab sind, vielleicht liegt es an dem Herzchaos, das begraben ist, vielleicht liegt es tatsächlich auch an der Sonne, die immer öfters kommt, vielleicht liegt es an den Sternen, die ich an unbekannter Stelle erblickte, aber ich habe das Gefühl, dass es mir gut geht. Und gleichzeitig wünsche ich mir endlich mehr Poesie in diesem verficktem Leben.

Kälteeinbruch

Wednesday, March 9th, 2011

“Ich habe unglaubliche Lust auf Kamillentee.”, sagt sie.
Zum Glück versteckt sich in meinem Schrank eine Tüte mit getrockneten Bio-Kamillenblüten, die einen wirklich wunderbaren Tee ergeben. Ich setze Wasser auf, putze meine Brille, während der schäbige Wasserkocher vor sich hin brodelt.

Kamillentee

“Eigentlich wäre es schön”, meine ich, “wirklich Wasser aufzusetzen. In einer Teekanne, die auf den Herd kommt und lustig pfeift, wenn das Wasser fertig ist.”
Sie nickt, sagt nichts. Leider ist das energetisch wohl ziemlich ineffizient. Ich bin nicht der Meinung, dass alles immer möglichst effizient sein sollte, aber Energie sparen ist mir wichtig.

Die Katastrophe, in die wir uns und unseren Planeten stürzen, mag nicht so plötzlich kommen wie beispielsweise ein Atomkrieg, und wahrscheinlich ist genau das ihr Problem – sehenden Auges laufen wir in den Abgrund, weil er gar nicht so tief aussieht – aber verheerend wird sie trotzdem sein. Vielleicht hätte sie sogar das Potential, den eben genannten atomaren Konflikt auszulösen. Ich erzähle ihr das. Nein, ich halte eher eine Rede. Meine eigenen Worte regen mich auf, während dem Sprechen stellen sich mir die Nackenhaare auf, mein Rücken eine einzige Gänsehaut. Zu viel Pathos in meiner Stimme.
Sie hat Gänsehaut auf den Armen und schaut mich schockiert an. Vielleicht ist das einer dieser Momente, die das Leben verändern. Vielleicht ändert sich ihre Sicht auf alles im Leben, weil ich so gefangen von meinen eigenen Worten war, als ich meinen Monolog gehalten habe.
Der atomare Winter, die Gänsehaut: Ironie des Schicksals.

Nachdem sie am Tee genippt hat, öffnet sie den Mund, als ob sie was sagen wollte, schließt ihn wieder.
Dann, endlich: “Ich fühle mich manchmal unglaublich einsam.”
Ihre Stimme ist eiskalt.
Ich frage sie, ob sie darüber reden will.
“Irgendwann ist der Punkt erreicht, an dem es sich nicht mehr lohnt, darüber zu reden, weil es nichts mehr zu reden gibt.”
Ob es ihr helfe, wenn ich sie umarmte. Ich bin so. Ich stelle solche Fragen genau so dumm und gerade heraus, weil ich Angst habe, etwas Falsches zu tun. Magie des Augenblicks: esoterischer Humbug.
“Irgendwann bringt auch jede noch so freundschaftlich gemeinte Umarmung nichts mehr, weil sie nur den Schmerz aus einem heraus presst. Diese Momente kommen und gehen. Sie tun weh, aber sie sind nicht dauerhaft. Die Frage ist nur, wann diese Momente keine Löcher mehr sind, aus denen ich raus krabbeln kann, sondern ein Abgrund.”
Wieder ein Monolog, diesmal von ihr. Mich fröstelt es überall.

Die Probleme im Großen und im Kleinen ähneln sich.

photo CC BY 2.0 derya

Wanderungen

Wednesday, February 23rd, 2011

Das einstige Belgien. Eine abgebrannte Steppe, Ödnis, deren Untergrund sich nicht definieren lässt. Die Bodenkunde hat keinen Buchstaben, um die Horizonte, aus denen sie besteht, zu beschreiben. Vielleicht, weil es in diesem abgebrannten Land keine Menschen mehr gibt, die sich gut genug mit Bodenkunde auskennen. Ohne Vegetation erreicht der Wind ungeahnte Spitzen. Er ist, wie das Meer, von dem er kommt, giftig.

Eine einsame Figur kämpft sich durch diese Wüste, einst ein stolzes Königreich. Sie trägt eine dicke Gasmaske, das Sichtfenster schwarz verspiegelt. Die Schutzkleidung, wovor auch immer sie schützt, ist ganz in schwarz gehalten. Genau wie der wehende Stoffumhang, der nicht so recht zu dem sterilen Rest passen will.

Es ist der Baron von Luxemburg.
Er hat unglaubliche Lust auf eine Zigarette. Und in dieser lebensfeindlichen Umgebung wäre der Tabakrauch wohl gesünder als die Atemluft. Seine Wanderung durch diese wahrhaft postapokalyptische Landschaft sieht von außen aus wie reiner Wahnsinn, zumindest aber ist sie lebensgefährlich. Seine Gedanken sind hell wie tausend Atombombenexplosionen. Er allein weiß, wohin er muss und was er dort zu tun hat. Er trägt keine Krone, der Umhang muss genügen, um seine Noblesse auszudrücken.

Das einzige Lebewesen, das ohne technische Hilfe in diesem Landstrich noch neben kann, ist der Shai Hulud, der gemeine Sandwurm. Die Tiere sind nicht gefährlich, aber unglaublich robust. Eine ungeübte Wandererin kann sich leicht durch den Anblick der meterlangen Chaetognatha aus der Fassung bringen lassen. Der Baron ist nicht ungeübt. Nicht mehr. Niemand, der die belgische Wüste durchquert hat, ist ungeübt.

Domein Raversijde steht auf einem Schild, das nur wenige Zentimeter aus der Asche rausragt. Die Schrift ist nur schwer zu erkennen. Aber dies ist die Gewissheit, die er brauchte. Dies war die Stelle. Der ehemalige “internationale” Flughafen liegt hier ganz in der Nähe. Wahrscheinlich wird er hier finden, was er braucht.

Drei Tränen laufen dem Baron über die Wange. Kurz durchzuckt ihn die Angst, der Filter der Gasmaske könnte beschädigt oder voll sein. Erleichtert bemerkt er, dass er weint.
Von dem blutroten Meer trennt ihn nur eine hohe Düne.

photo: U.S. Office of War Information

son of

Monday, February 21st, 2011

- Gastbeitrag von Fynh. Vielen Dank an Joël, dem dieser Text auch gewidmet ist.

Sometimes i wish you would come home, lay your exhausted self down in the spare half of the bed, and instant sleep would fall over you. I would watch over your insecurity until you get up running again. I’ll watch your breath, I swear. I’ll watch your heartbeat, I swear. I won’t ever touch you. You should only come home to me so I’d be given the chance to care for you.

Eddie’s coming over every once in a while. We drive up to the hills, sit down on the front lid of the car, watch the airport’s quiet nightiness. We roll some papers, he’s telling me his worries, i get caught by the smoke we blow. The Head is the only one I can loose my head with. He goes home with the dawn. I think about M. We’re coming to get you Barbara. I broke your circle of death before dishonor. Did you break the promise to yourself? When will you break it to me? My olfactive taste resembles your mother’s so much. I have a strange feeling. I wasn’t horny tonight, I’m really sorry. For days I’ve been having pyromaniac desires. I want to see burns, flames slapping the air, ever higher, while laid back, worshipping the universal selfdestructiveness to the bone.

Mando Diao are riding like the Walkyries on short waves, invading my brain with their sticky whatsoever songs for the ipod nation, and i’m ashamed for the times I cried about the news. I hate the mere idea of imperialism, but the strength and vigor, the discipline and consistency They were showing builds up the remedium to my depression.

So crowded are these nights, lonely inside. Hold me without taking hold of me. Afraid of being alone because of all the accumulated sins. Typing the oh so beloved night away, waiting for invading moments of shared love, but recurrently sensing the voracious creeping in of the counterpart awareness.

I don’t know when I last felt a devotion so devouring I was torn through inside only by looking at its centre. I want a life so blastingly bright that it makes me Semele in front of Zeus eventually. Instead I feel like I’m Antigone’s repressed doubt.
I am
Antigone’s
repressed
doubt.
I am
Semele’s
hidden
regret.
I am
Kronos’
broken
will.
And all the Aconitum of the East won’t make those thoughts vanish.
And all the success that’s nurturing my splintered ego won’t make it redundant at last.
Let go of yourself, only then will you be able to fuse with the universe.
Most of the time I’d be perfectly satisfied with fusing with the background.
Life as a struggle with my self. A struggle between the difficulty of moving on and the reluctance to give up. I already said that once before, except for one fine detail.
It’s the love for you that determines the outcome of each and every fight.

eiskaltes Bett.

Tuesday, February 8th, 2011


Brutale Träume, die mich morgens mit weit aufgerissenen Augen aus einem eiskalten Bett aufstehen lassen. Mit zitterigen Händen koche ich mir Kaffee, den ich im ersten Sonnenschein des Jahres auf dem Balkon trinke. Der Wind weht durch die Krone der Kiefer im Innenhof und für einen kurzen Moment wähne ich mich am Meer. Das Blau des Himmels, für das es kein passendes Wort gibt, um es zu beschreiben. Und die Sonne, die mich fast verblendet. Fast rieche ich das Meer in der Ferne, statt der Donau. Melancholisch denke ich an Belgien, das, wie Pommern in dem Kinderlied, abgebrannt ist. Nur noch öde, verkohlte Landstriche, die nicht einmal zur Wüste taugen.

Ich bin auf einer Demonstration. Vielleicht ist es auch der kommende Aufstand, von dem man immer wieder hört. Ich stehe am Rand, auf der obersten von ein paar flachen Stufen, die zu einem Platz führen, auf dem ein weißes Hochhaus steht. Ein älterer Mann lächelt, winkt mich zu sich und begrüßt mich mit meinem Vornamen, auf Luxemburgisch. Ich kenne ihn nicht. Aus dem, was er sagt, lässt sich erkennen, dass er wohl einen früheren Lehrer von mir ist. Ich erkenne ihn nicht wieder, denke, dass er unglaublich gealtert sein muss in den paar Jahren. Er weiß offenbar, dass ich rauche (obwohl ich eigentlich ja überhaupt nicht …) und bietet mir Zigaretten, Parisiennes, an. Er grinst mich mit seinem unbekannten Gesicht an und wünscht mir Alles Gute.

Die Polizei will die Demo abriegeln. Ich will dabei sein, hetze die Stufe herunter, springe hinter das Absperrgitter, kurz bevor es geschlossen wird. Ich verstehe mich selbst nicht, aber das Ziel der Demonstration scheint mir wichtig zu sein. Ich vermute kurzzeitig, dass es wieder einmal gegen einen Ball in der Hofburg geht, vielleicht gegen den BOKU-Ball.
Wenig später finde ich mich mit einem Mädchen eingekreist von der Polizei. Ein Polizist schießt immer wieder Tränengasgranaten in unsere Richtung, trifft jedoch nie. Einmal landet die Granate, kreisrund und schwarz, vor meinen Füßen. Ich hebe sie auf und werfe sie in Richtung des Polizisten. Ich erkläre mir selbst, dass das äußerst gefährlich sei, sowas zu tun.
Durch die Papierkulisse, himmelblau, springt ein Fuchs. Ich streichele ihn, ziehe neckisch seinen Kopf nach oben und flehe ihn an, “chaos reigns!” zu sagen. Irgendwer kommentiert, dass zwar in jedem Film von von Trier ein Fuchs vorkomme, aber dieser Spruch halt nicht immer.

Ich bin in einem Schloss. Wir beraten uns. Und stellen fest, dass die Situation untragbar ist und der einzige Ausweg ist, jemanden der anderen zu erschießen. Ich habe eine Waffe, jemand hat sie mir gegeben, weil ich ihn darum gebeten habe. In dem Raum, der ein wenig wie ein Hörsaal wirkt, warte ich auf eine Gelegenheit, um sie zu erschießen. Sie sieht mich an und ich weiß, dass ich ihr die Patrone in die Augen jagen muss. Sie sieht aus wie eine Mischung vieler weiblicher Personen mit roten Haaren, denen ich in meinem Leben begegnet bin. Und k., merkwürdigerweise. Ich drücke ab, aber es kommen nur Metallspäne aus dem Lauf. Sie muss blinzeln, funkelt mich böse an. Draußen, es ist ein Sommertag, muss ich mich auf die kleine Mauer stützen. Fast hätte ich einen Menschen getötet. Mechanisch führe ich ein neues Magazin ein, ich habe drei davon in meiner Jackentasche, warum auch immer. Ich verstehe mich selbst nicht. Fast hätte ich einen Menschen getötet. Niemand spricht mit mir, alle entfernen sich von mir.

Ich grabsche nach nackten Brüsten, die Frau, der sie gehören, erkenne ich nicht, wahrscheinlich ist sie unbekannt. Ich fühle mich brutal und schuldig.


photo Rolling Barren Land, near Karakul, Xinjiang : Kevin Cure / CC BY 2.0
photo riot police : Chris Huggins / CC BY 2.0

Müllverbrennungsanlage Canossa

Monday, January 31st, 2011

Fi sieht mich verständnislos an.

Canossa

Ich blicke verständnislos zurück, ziehe meine Mütze tiefer ins Gesicht, will gehen. Sie legt ihre Hände in mein Gesicht, drückt meine Mundwinkel nach oben, so dass ich lächele.
Ich muss an diese Party denken, auf die ich eigentlich nicht gehen wollte, weil ich mal wieder zu müde war. Auch da hat eine Person meine Mundwinkel nach oben gezogen, so dass es aussah, als würde ich lächeln. Danach hatte ich tatsächlich noch etwas Spaß auf der Tanzfläche. Als der DJ dann “Nein Mann” spielte, sind wir gegangen. Oder vielmehr: Ich bin gegangen. Diesen verheerenden Nachhauseweg, den ich schon viel zu oft alleine gegangen bin. Das mit dem Abschleppen kann ich nämlich überhaupt nicht. Vielleicht bin ich auch zu blöd, mich abschleppen zu lassen.

Ich verlasse die Wohnung, ziehe abermals an meiner Mütze, die mir gut steht und von der ich immer das Gefühl habe, sie würde falsch sitzen. Ich stapfe durch den Schnee, der erst nächste Woche fallen wird. Zur Bushaltestelle. In meinem Mund eine Zigarette, obwohl ich eigentlich überhaupt nicht … Krampfhaft halte ich mich an ihr fest. Wie an einem Rettungsring.
Ich bin auf dem Weg zu Ruth. Ruth, die ich eigentlich schon vergessen hatte. In letzter Zeit war sie nicht mehr als ein Name auf meinem Handydisplay gewesen. Ohne Gesicht, ohne Stimme, nur Buchstaben in einem flüchtigen digitalen Speicher. Und nun bin ich auf dem Weg zu ihr, schaffe es kaum, meine Füße zu heben.

Der Bus lässt auf sich warten. Der Bus lässt immer auf sich warten. Manche Busse haben Spitznamen, werden “die rote Rakete” genannt. Dieser Bus lässt nur auf sich warten. Als ich nach kaum vier Stationen wieder aussteige, wähne ich mich in einer anderen Welt, mindestens aber in einem anderem Land. Das hier könnte genauso gut ein kleines Dorf im unbekannten Osten Luxemburgs sein. Die Straßenschilder sprechen eine andere Sprache.

Ich war schon einmal hier. Eigentlich war ich schon viel zu oft hier. Ich kenne die Straßen, als sei ich sie eine Zeit meines Lebens jeden Tag gegangen. Dort haben wir damals Y. getroffen, dort hat Ruth mal Menschen den Weg erklärt, nicht ohne unabsichtlich einen Fehler dabei zu begehen. Unwillkürlich muss ich grinsen, obwohl mir gar nicht zum Grinsen zu Mute ist. Ich schleppe mich den Hügel hoch, von dem aus man über die ganze verdammte Stadt sieht. Wenn nicht gerade dicker Nebel die Sicht versperrt. Die Müllverbrennungsanlage (oder das Fernwärmekraftwerk, je nach Betrachtungsweise) Spittelau stößt bedrohlich ihre (oder seine, je nach Betrachtungsweise) ungefährlichen Dämpfe aus.

Ruth also.
Einen kurzen Moment erfasst mich eine Woge der Einsamkeit. Das Meer der Verdammnis umspült mich mit seinen eiskalten, harten Wellen, als ich in der Brandung stehe. Am Horizont das große Seelenzeppelin.
Ich lächele. Ganz ohne fremde Hilfe.

photo: Some rights reserved by sayimsorry