Archive for the ‘literarische Spielwiese’ Category

Irgendwo über den britischen Inseln oder dem Atlanik

Tuesday, May 6th, 2008

[080504~1000CET]
Nun bin ich also an Bord dieser fliegenden Sardinenbüchse, die sie A310-100 PAX nennen. Sie zeigen einen Film mit Jack Nicholson, aber ich habe nicht wirklich Lust, mir so etwas anzusehen - ausserdem war ich zu geizig, mir Kopfhörer zu kaufen. Wenn ich aus dem Fenster sehe, sehe ich eine endlose Fläche aus Wolken, weiß wie Zuckerwatte.
Darüber ein blauer Himmel, der nach oben hin immer dunkler wird. Man kennt das, von den ersten Bildern, die auf Urlaubsfotostrecken auftauchen. Meer, Wolken, ein Flügel, Strahltriebwerke, darüber blauer Himmel. Allenthaben kreuzen wir andere Flugzeuge, die wie Pfeile an uns vorbeischiessen. Die Sicherheitsanweisungen, leider ohne Stewardessenballet waren so dämlich und realitätsfern wie gewohnt. Und trotzdem ist Fliegen eine angenehme Art des Reisens, man wird sehr freundlich behandelt und fast schon verwöhnt. Wahrscheinlich als Entschädigung dafür, dass man mir rund 100 Anderen, auf engstem Raum, der japanische Kapselhotels wie Paläste aussehen lässt, den Atlantik überquert und als einzige Unterhaltungsmöglichkeit Komödien mit Jack Nicholson angeboten bekommt. Und mein iPod ist in Amerika, im Krankenhaus, wo er wahrscheinlich im Schweiß und in der Tränenflüssigkeit von Steve Jobs gebadet wird, um dann auf wundersame Art und Weise wieder zu funktionieren, und damit sind meine persönlichen Unterhaltungsmöglichkeiten auf dieses Heft und drei Bücher von zwei amerikanischen Drogenverrückten begrenzt. Aber was erwarte ich?

Man karrt mich mit dem billigsten Charterflug nach Montréal, weil ich eine nette Mail geschrieben habe, in der groß VICE-PRESIDENT OF THE YOUTH RHINE PARLIMENT stand. Alors, Monsieur le Vice-President, der Tripp ist im vollen Gange. Lehnen Sie sich zurück, geniessen Sie es und nehmen Sie alles, was sie zwischen ihren gierigen, fettigen Wichsgriffel kriegen können!

TGV, kurz nach Metz

Tuesday, May 6th, 2008

Das merkwürdige an so einer Reise, wie ich sie im Begriff bin, anzutreten, angetreten habe, ist, dass man ständig dabei ist, sich vorzustellen, wie alles werden wird, dass man das Reisen an sich quasi vergisst, und durch den nach Vorwärts gerichteten Blick das Erleben der Reise nicht immer bewusst wahrnimmt. Ein gigantischer, unglaublich schneller Metawurm, ein Silberpfeil auf Schienen, befördert mich übers Land in die französische Hauptstadt, in der ich die Nacht verbringen werde und von der aus morgen mein Flugzeug abhebt. Und schon wieder vergesse ich das jetzt, habe den Blick starr nach vorne gerichtet. Am Flussufer stehen Wohnwagen und kleine Hütten im Gebüsch. Es ist schwierig, sich auf so eine vermeintliche “Oase” zu konzentrieren, die jetzt schon mehere Kilometer weit weg ist, wenn der Geist schon fast über dem Atlanik ist. Der Zug beschleunigt. Hochgeschwindigkeit. Ich sitzte im Bauch des Metawurms, der mich dem Pendel immer näher bringt.

Entscheidungsfindung

Monday, April 21st, 2008

Dies ist der 8. Teil einer Geschichte um ein Mädchen mit dem Namen Ina, ihren Exfreund und ihre Freundin.
1. Teil: Hoffnung. 2. Teil: Entmut. 3. Teil: Überwindung. 4. Teil: Türschwelle 5. Teil: Ina. 6. Teil: Vergessen. 7. Teil: Mullbinde.

Er wusste nicht, ob er sich trauen sollte, sie zu fragen, ob sie noch eine Kopie von dem Gedicht hatte. Einerseits war sein Verlangen, diesen Text, der mehr als nur ein Kunstwerk war, noch einmal zu lesen, riesig, anderseits wollte er auch nicht wirklich wissen, wie es ihm gehen würde, wenn sie seine Frage verneinen würde.
Vielleicht hatte sie jedes Andenken vernichtet, um nicht weiter unter den schmerzenden Erinnerungen leiden zu müssen?

Und was war dann mit seiner Trainingshose? Oder war sie mittlerweile schon so sehr ihre eigene Hose geworden, dass sie nicht einmal mehr darüber nachdachte, wem sie mal gehört hatte? Dass es ihr egal war?

Er fühlte sich, als ob er an einer hohen Klippe stünde und ein falscher Schritt den sicheren Tod bedeuten würde, der richtige jedoch einen Gewinn unermesslichen Ausmaßes – nicht nur, aber auch an Selbstbewusstsein. Was war das für eine merkwürdige Parabel, die er sich da in einem Kopf zusammensponn?

»Hast du noch etwas von den Sachen, die wir zusammen geschrieben haben? «, platze es aus ihm heraus. Als habe er die Worte nicht länger zurückhalten können.

Sein Fuß war in der Schwebe. Würde er wieder Halt finden oder in den Abgrund stürzen?

»Vielleicht. Ich habe einen ganzen Ordner mit Erinnerungen. Fotos, Briefe, Eintrittskarten, Post-Its, ein paar getrockneten Blumen, und all die Dinge, die irgendwie mit jenem Sommer zu tun haben. Jene Dinge, die mein Bild von dieser Zeit auf immer prägen sollen. Alles Schöne und Gute, damit meine Bilder im Kopf vielleicht schwarz-weiß, aber nicht von giftiger Säure zerfressen werden! «, antwortete Ina ruhig.

Er hätte es wissen müssen. Als ob es immer nur Ja und Nein gäbe! Als ob man jedes Ding in Gut und Böse einteilen könnte! Er stand nicht weiter auf einer Klippe. Er schwebte in der Schwerelosigkeit. Aber so hatte sich die Zeit damals auch angefühlt.

Es gab nichts festes, damals. Nichts ausgesprochenes, obwohl doch alles ausgesprochen gewesen war. Aber anstatt sich mit großen, flapsigen Worten die Liebe zu gestehen, hatten sie es lieber gehabt, all diese Dinge in kleine Geheimnisse einzupacken, sich mit Metaphern und Parabeln zufrieden zu gehen. Es hatte zu viel in Worten wie „Ich liebe dich!“ gelegen, um sie einfach so auszusprechen. Aber was waren schon Worte angesichts dessen, was sie gespürt hatten, was allgegenwärtig gewesen war?

Er hatte sich gefühlt wie schwerelos, aber schwerelos im Orbit um eine gigantische, unübersehbare Wahrheit, die so offensichtlich war, dass man sie nicht hatte auszusprechen brauchen. Aber allem Anschein nach musste jeder Satellit die Umlaufbahn wieder verlassen, dachte er bitter.

Image cc by Jezlyn26

»Glaubst du, da sind auch Gedichte von uns beiden dabei? «, fragte er und versuchte, den kleinen Unterton der verzweifelten Hoffnung in seiner Stimme zu unterdrücken.

»Du hast mir nie erzählt, dass du mal geschrieben hast! «, kam es aus Zoës Richtung. Sie klang ein wenig beleidigt, aber gleichzeitig auch belustigt.
»Ich würde gerne mal lesen, wie du schreibst. Du hast eine schöne Schrift, aber wie deine Texte sich anhören, das sieht man auf Einkaufszetteln nicht! «

Ina antwortete, obwohl man in diesem Moment nicht wirklich wusste, auf wessen Frage eigentlich:
»Vielleicht sind noch einige in diesem Ordner. Ich habe ihn sofort danach gemacht, weil ich nicht wusste, was ich sonst tun sollte und aber nicht alles wegwerfen wollte, denn das würde mir ja eh später Leid tun. Danach habe ich ihn nie wieder geöffnet. Er liegt auf dem Dachboden. «

»Wollt ihr beide das alles denn überhaupt noch einmal sehen? «
Er hatte das Gefühl, dass Zoës Stimme wie ein Echo im Raum wiederhallte, fast eine Minute lang. Es wurde wieder still und das einzige Geräusch, das von außen zu ihnen drang, war das Bellen dieses großen Hundes, das nun gedämpft klang, wie vom Schnee verschluckt.

Mit dieser Frage hatte er sich noch gar nicht auseinander gesetzt. Er wusste nicht, ob er all diese Erinnerungen, die zwar in seinem Kopf lebten, aber nicht so konkret waren, wie sie durch diese Objekte werden würden, aushalten konnte. Vor allem, wenn Ina neben ihm sitzen würde, quasi mit ihrer Freundin im Arm.

Ina beschäftigen offenbar die gleichen Zweifel. Ihr Gesicht sah sorgenvoll aus und ihr Mund war leicht geöffnet, so, als habe sie etwas sagen wollen und noch vor dem ersten Wort wäre der Satz ihr wieder völlig sinnlos und dumm vorgekommen.
Sie nahm einen Schluck Tee.

Was würde passieren, wenn sein Bild von dieser Zeit, von diesem wunderbaren Sommer, durch die richtigen Eindrücke zerstört werden würde? Oder noch viel schlimmer, würde er sich damit abfinden können, dass diese Zeit endgültig vorbei war, verpackt in einen Ordner, irgendwo auf dem Dachboden in diesem Haus in dieser gottverlassenen Gegend, wo sie darauf wartete, vom Staub verschluckt und von den Würmern zerfressen zu werden, um schlussendlich auch aus ihren Köpfen zu bleichen wie überbelichtete Polaroidfotos?

Image cc by Cat Sidh

Zoe wirkte zögerlich, nicht mehr so selbstsicher, wie sie ihm von Anfang an geschienen hatte. Sie hatte offensichtlich bemerkt, dass sie auf einen sehr empfindlichen Nerv gestoßen war und Ina und er sich zurückgezogen hatten wie die Fühler einer Schnecke, die man unabsichtlich berührt hatte.

»Und wenn ich für euch nach dem Gedicht suche? Danach könnt ihr euch ja noch immer entscheiden, ob ihr euch den Rest ansehen wollt oder nicht. Ich weiß ja nicht, was an diesen Dingen dranhängt, ich sehe nur Blumen oder Zettel oder was auch immer. «
Ihr Stimme wirkte wärmer denn je, beruhigend, so, als wolle sie um jeden Preis vermeiden, dass einer der beiden sich aufregte.

Das Licht wurde grauer, der Schneefall immer heftiger. Er hatte vor, Inas Antwort abzuwarten. Denn er wusste nicht einmal mehr, ob er das Gedicht überhaupt lesen wollte. Was hatte noch einmal drin gestanden? War das jetzt überhaupt nocht wichtig? War es nicht unendlich wichtiger, wie dieses Stück Text entstanden war? Das war eine Frage, die er sich oft bei seinen eigenen Texten und Werken stellte. War es nicht wichtiger, in welcher Stimmung man gewesen war, als man etwas geschrieben hatte, aus welchem Umständen heraus etwas geschaffen wurde als nur der Inhalt? Was war beeindruckender? Ein Text, der unter schwierigen Bedingungen vollendet wurde, oder einer, der mit Leichtigkeit aufs Papier gebracht wurde?
Hatte diese Frage einen Sinn? Und wenn ja, was für eine Antwort hatte er selbst darauf gefunden? Welche Ina?

Sie streckte noch einmal ihre Beine und er konnte regelrecht fühlen, wie es sich für sie anfühlen müsste, die Beine, die sie so lange in der gleichen angespannten Position gehalten hatte, jetzt zu strecken. Früher hatte er oft die fixe Idee gehabt, er könnte ihre momentane Situation genauestens nachvollziehen und quasi fühlen, was sie fühlte. Ina hatte dann immer gelacht und gemeint, das sei wohl das schwerwiegendste Anzeichen dafür, dass sie beide wohl so etwas wie »seelenverwandt « seien.

Er selbst hatte dieses Wort, dieses Konzept, diese Idee der Seelenverwandtschaft nie gemocht. Sie waren zwei Menschen, die sich mehr oder weniger durch Zufall getroffen hatten und aufeinander reagiert hatten. Es gab für ihn keine Vorherbestimmung, genauso wie es für ihn keinen Gott oder kein fliegendes Spaghettimonster gab.

Dann, endlich, erhob Ina ihre Stimme:
»Ich will den Ordner nicht ganz durchsehen. Nicht jetzt. Es ist zu früh. Oder… «. Sie stocke, saß einen Moment mit halb offenem Mund da, als wüsste sie nicht Recht, was sie gerade selbst gedacht hatte.
»Ich weiß nicht. Ich will mich erinnern, aber ich habe das Gefühl, dass ich den Ordner nicht einfach so nach dem Gedicht durchsuchen könnte. Als ob man ein heiliges Buch nach einem Wort, das einmal vorkommt, durchsucht, ohne sich der Heiligkeit bewusst zu sein. Ein Frevel, quasi. Verstehst du? «

Er hatte das Gefühl, dass die Frage an Zoë gerichtet war, obwohl die beiden Mädchen ihn ansahen. Ohne recht zu überlegen antwortete er:
»Mir geht es ähnlich. Ich weiß nicht, wie du die Dinge eingeordnet hast, aber ich weiß, dass selbst ein noch so kleiner Schmierzettel mit drei Zeilen von damals eine Kettenreaktion auslösen würden, die ich kaum kontrollieren könnte. Der Schmerz ist nicht groß, aber er sitzt noch immer tief. «

Zoë wirkte ein wenig angespannt, als sei es für sie auch nicht leicht, die Situation zu bewerten und das zu tun, was sie vorgeschlagen hatte. Vielleicht fühlte sie sich auch einfach in der von ihr angenommenen Rolle der Vermittlerin unwohl. Auch die Gewissheit, dass Ina ihr längst noch nicht alles von sich erzählt hatte, schien ihr auf dem Magen zu liegen. Aber vielleicht war das auch ein Grund, weshalb sie den Ordner durchsehen wollte?
Sie verschränkte ihre Arme unter ihrer Brust und drückte sie fest gegen ihren Bauch.

Image cc by ici et ailleurs

Ina sah sie still an, lächelte kurz und meinte dann:
»Ja, doch, geh nach dem Gedicht suchen. Der Ordner steht auf dem Dachboden in dem grünen Regal. Es steht einfach nur »Sommer « drauf, und ich habe ein Foto draufgeklebt, dunkel mit einem hellem, orangen Licht darauf. «
Jetzt grinste sie fast.
»Das ist er, wie er sich über dem Fahren eine Zigarette anzündet. Du müsstest den Ordner finden. Und das Gedicht.. «

»Zwei verschiedene Schriften. Das Gedicht, das ich habe, ist von Ina und mir gemeinsam geschrieben, und wir haben uns mit dem Schreiben abgewechselt. Das Blatt hat also zwei verschiedene Handschriften. «

Ihm war mit Inas Antwort ein Stein vom Herzen gefallen. Sie hatte einfach eine Entscheidung getroffen, vor der er sich noch stundenlang gedrückt hatte. Aber nun wurde er erst Recht nervös. Würde Zoë das Gedicht finden?
Und wie würden sie beide, Ina und er, darauf reagieren, es nach so langer Zeit – die dennoch viel zu kurz war, wieder zu lesen?

Zoë verschwand langsam, aber zielstrebig aus der Küche. Man hörte gut ihre Schritte, wie sie sich über die hölzernen Stufen dem Dachboden näherte.

Was er jetzt brauchte, war eine Zigarette, so merkwürdig wie das auch in seinen Gedanken klang. Er hatte sich eigentlich abgewöhnt, zu denken, dass er die Zigaretten brauchen würde. Er rauchte aus Gewohnheit, nicht, weil er sie brauchte. Er rauchte, um sich zu beschäftigen, des Rituales wegen. Das sagte er sich jedenfalls selbst und er fühlte sich dadurch ein klein wenig weniger schuldig, wenn er die eigentlich lächerlichen Warnungen auf den Packungen las, die vor frühem Tod und Schwangerschaftskomplikationen warnten.

Er schaffte es nicht, Ina in die Augen zu sehen. Stattdessen starrte er für einige Momente ihre Brüste an, um den dann den Blick vollends abzuwenden und ihre Teetasse anzusehen, während er sprach:
»Ich geh kurz raus, rauchen. «

Im Augenwinkel sah er, dass sie nickte.

Images cc by Jezlyn26, cc by Shelly and cc by ici et ailleurs

Mullbinde.

Friday, April 4th, 2008

Dieser ist der 7. Teil einer Geschichte um ein Mädchen mit dem Namen Ina, ihren Exfreund und ihre Freundin.
1. Teil: Hoffnung. 2. Teil: Entmut. 3. Teil: Überwindung. 4. Teil: Türschwelle 5. Teil: Ina. 6. Teil: Vergessen.

[Der Autor hat wahrscheinlich zu viel Whiskey getrunken, außerdem noch anderthalb Finger breit im Glas. Obwohl er seit Wochen Tagen nichts »ordentliches« geschrieben hat, will er jetzt an seinem Epos weiterschreiben.]

Er bemerkte, dass Inas Blick auf ihr haften blieb. Wieder dieser verliebte Ausdruck in ihrem Gesicht, dieser merkwürdige Glanz in ihren Augen. Als würde sie ihre Freundin quasi von unten ansehen.

In ihrer Beziehung war es stets so gewesen, dass er sich Ina unterlegen gefühlt hatte. Sie hatte immer die weisen Sprüche gehabt, die sie ihm vor die Füße geworfen hatte, wenn er in seiner, so schien es ihm damals, grenzenlosen Naivität eine Frage, die ihm gerade so durch den Kopf gegangen war, laut gestellt hatte.
Ina war immer die Reife gewesen, für die keine Frage unbeantwortet bleiben sollte. Manchmal hatte es geschienen, als habe sie alles schon einmal überlegt, als sei sie alle möglichen Fragen des Lebens schon einmal durchgegangen und ihre Antworten dazu überlegt.

Er hatte diese Überlegenheit, die Ina nicht raushängen ließ, sondern die immer nur subtil durchschimmerte, immer auf ihr Alter zurückgeführt.
Sie war ein Jahr älter als er.
Als hätte dieses Jahr so viel bedeutet.

Er konnte sich nicht erinnern, dass diese gefühlte Unterlegenheit, die er immer gegenüber von Ina verspürt hatte, je ein Streitthema gewesen wäre. Für ihn war das einfach nur ein unterschwelliges Gefühl gewesen, und er hatte sich gut in dieser Rolle gefühlt, vor allem da Ina ihn nie von oben herab behandelte. Aber vielleicht kam es gar nicht darauf an, ob jemand sich überlegen fühlte, sondern nur darauf, dass der andere sich unterlegen fühlte.

Wie es wohl in anderen Beziehungen war? Sollte es immer einen Partner oder eine Partnerin geben, die sich unterlegen fühlte, und eine, die – und wenn auch nur in den Augen der anderen, überlegen war, die Beziehung geistig dominierte?
Hatte er sich vielleicht deshalb so viel Mühe gegeben, Ina zu gefallen, auf sie aufzupassen, ihre Wünsche zu erfüllen und sie zu unterstützen, wo er nur konnte?

Irgendwo in seinem Inneren wusste er, dass dies eigentlich Blödsinn war. Aber immerhin war es eine gute Ausrede. Wenn man sagen konnte, dass es eine feste Rollenverteilung gegeben hatte, dann war seine neuerliche Flucht zu ihr, seine überlegte Verzweiflungstat nur die letzte Konsequenz davon. Dann hatte diese Begegnung, die nun stattfand, stattfinden müssen. Dann würde jetzt alles einen Sinn ergeben, ohne dass er sich selbst erklären müsste - denn dann hätte er ja nur seine Rolle in der Beziehung zu Ende gespielt. Aber insgeheim wusste er ja, dass Ina ebenfalls oft für ihn gesorgt hatte, ihm umworben hatte, Dinge für ihn getan hatte. Und er wusste ebenso, dass auch er seine Momente hatte, in denen er auf Inas Äußerungen nur mit mysteriösen Sätzen geantwortet hatte, die ihm schon länger durch den Kopf gegangen waren.

Und trotzdem hatte er sich Ina aus einem merkwürdigen Grund heraus immer unterlegen gefühlt.
Irgendwo in der Ferne bellte ein Hund. Vor seinem geistigen Auge sah er einen großen schwarzen Hund, mehr ein Bär als ein Haustier, der bedrohlich sein Revier verteidigte. Dieses simple Geräusch hatte ihn aus seinem Gedankenstrom gerissen.

Er merkte, dass er wohl für einige Zeit aus dem Fenster gestarrt hatte, abwesend. Ina rührte in ihrer Teetasse, obwohl sie sich keinen Zucker genommen hatte. Sie hatte noch nie Zucker genommen.

[Der Autor nimmt einen Schluck Whiskey aus der Flasche. In seinen Kreisen gehört Alkohol- oder Drogeneinfluss beim Schreiben zum guten Ton, offensichtlich.]

»Ich frage mich, ob du wirklich ohne eine fixe Idee hier her gekommen bist, oder ob du einen Plan hattest. Ich finde nicht, dass es zu dir passt, etwas so kopfloses zu tun. Zumindest unterschwellig hattest du eine Idee, oder? «
Ein wenig Flehen lag in ihrer Stimme. Als ob sie nicht wollte, dass ihr Bild von ihm jetzt vollends zerstört wurde, als ob das für sie wichtig wäre.

»Wahrscheinlich, ja.«
Er sah sie nicht an, schaute auf den Boden, blickte nicht einmal auf ihre Schuhspitzen.
»Vermutlich hast du Recht. Ich bin nicht wirklich grundlos hier her gefahren, ich hatte wohl das Gefühl, die fixe Idee, dass irgendetwas großartiges passieren würde, wenn ich diese Reise zu dir auf mich nehmen würde und dann vor deiner Tür stünde.«

Ina hatte aufgehört, in ihrem Tee zu rühren.
Normalerweise hätte sie jetzt einen Spruch von sich gelassen, etwas über weibliche Intuition gesagt und er sich wieder unterlegen gefühlt. Nichts von alledem.

»Ich hatte es geahnt. Oder mehr noch, gehofft.«
Er, verwundert:
»Wieso gehofft?«
»Nicht bevor du hier warst. Aber jetzt, da du hier bist, wollte ich nicht, dass du grundlos hier bist. Ich habe dich nicht als einen Menschen in Erinnerung, der sowas tut. Und ich will nicht, dass mein Bild von dir, so sehr es auch nur auf den guten Eindrücken basiert, so viel es auch nur Schwärmerei ist, zerstört wird. Ich habe damals beschlossen, dass ich das Übele und Schlechte nicht über die schöne Zeit siegen lasse.
Ich habe die Zeit mit dir quasi süß eingemacht und will nicht, dass mir die Erinnerung im Glas bitter wird.«

»Aber alles, weswegen ich wahrscheinlich hier bin, was ich selbst nicht einmal so genau sagen kann, weil es mehr mein Inneres war, nicht so sehr meine Ratio, hat sich nun in Luft aufgelöst. Ich sehe dich und deine Freundin..«

»Sie heißt Zoë.«
Ina sprach ihren Namen so zärtlich aus, dass man den Eindruck hatte, sie wolle ihre Freundin mit ihren Worten streicheln. Und Zoë lächelte. Sie hatte ihre Füße auf dem Stuhl und die Beine angewinkelt, streichelte sich selbst über ihre Arme. In ihren Augen, trotz ihrer Farbe tief wie ein skandinavischer See, lag eine unausgesprochene Weisheit.

Er atmete vor dem Sprechen nervös ein, als müsse er nach Luft ringen, um den Satz überhaupt über die Lippen zu bringen.
»Ich sehe dich und Zoë hier, und alles wirkt so glücklich und friedlich und … perfekt. Und dann komme ich mit meinem blöden, nicht einmal in Gedanken ausgesprochenen Plan daher und will von dir empfangen werden wie ein Retter, ein Gott aus der Maschine, der im letzten Moment alles ins Lot bringt. Und dabei gibt es keine Notsituation. Du bist gar nicht alleine hier in der Einöde!«

Einen kurzen Augenblick sah es so aus, als wolle Ina sich auf ihn zubewegen.
»Aber das ist doch furchtbar lieb. Rührend, sozusagen.«
Sie sah wieder ihre Zehen an.
»Ich habe dich ja vermisst. Aber nicht als meinen Freund, nicht als Partner, sondern als Menschen. Als jemanden, mit dem ich die Poesie des Alltäglichen bereden kann.«

Snowstorm (image cc by Walter Parenteau

[Der Autor nimmt einen weiteren Schluck Whiskey aus der Flasche, während der nächste Satz in seinem Kopf wächst.]

Seine Stimme wurde lauter, erregt.
»Aber das kannst du doch sicher auf mit Zoë! Dazu brauchst du mich doch nicht!«

Sie antwortete ruhiger, als er es nach seinem erhitzen Ausruf erwartet hätte:
»Natürlich kann ich das. Und natürlich brauche ich dich nicht. Aber darum geht es nicht. Es geht doch nicht darum, ob wir einen Menschen unbedingt brauchen, sondern ob wir ihn mögen, ihn bei uns haben wollen, Dinge zusammen mit ihm erleben wollen – und im allerbesten Falle: Kunst mit ihm schaffen wollen.«

Kunst zusammen schaffen.
Das war ein wundervolles Konzept. Er hatte einige Gedichte über Ina geschrieben, an denen sie nicht ganz unbeteiligt war. Er erinnerte sich an eine heiße Nacht, in der sie nicht schlafen konnten. Zum einen, weil sie bei jeder Berührung schwitzten und auch, weil sie einfach nicht müde waren, aus welchem Grund auch immer. Er hatte sein omnipräsentes Notizbuch herausgenommen und einfach angefangen, zu schreiben.

Er konnte sich nicht einmal mehr an eine Zeile erinnern. Hatte er überhaupt noch eine Kopie, oder hatte er ihr das Blatt mitsamt Gedicht geschenkt, ohne es je abzuschreiben?

Der Gedanke daran, dass dieses Stück gemeinsame Kunst jetzt verloren sein sollte, machte ihn traurig. Er hatte das Gefühl, die Welt sei mit einem Male dunkler geworden. Sein Blick wanderte nach draußen. Aus dem Schneeregen war ein richtiger Schneesturm geworden, der sich wie eine Mullbinde auf die Landschaft und auf sein Gemüt legte.

Image cc by Walter Parenteau

Verlorener Tag

Saturday, March 29th, 2008

Dies wäre ein verlorener Tag, meintest du. Und ich entgegnete, dass es wohl wichtig wäre, die Bilder des letzten Abends, der vergangenen Nacht Revue passieren zu lassen und sich dem wohligen müden Gefühl der Dehydrierung hinzugeben. Du klagtest über Kopfschmerzen und die Unmöglichkeit, einen Kater zu genießen. Ich hingeben, der nie Kopfschmerzen hat, meinte, dass auch dies dazugehörte.

Den Körper bis an die Grenzen treiben. Wie ein Irrer mit einer lächerlichen Sonnenbrille durch die Nacht laufen und ständig Thompson zitieren, was auf die Dauer nicht witzig, sondern nur nervig ist. In einem schicksalhaften Lokal brennt noch Licht, durch die halb heruntergelassenen Jalousien siehst du den Besitzer mit einem Freund diskutieren. Man hat dich überall vertrieben, und hier, mitten in der Nacht kommt dir die Erkenntnis:

Das, was wir brauchen, ist ein Zeppelin. Du siehst es schon vor dir. Ein gigantisches Luftschiff am Himmel über Norwegen, nur mit den LJM an Bord. Neben der luxuriösen Ausstattung gibt es noch ein paar weitere Argumente: Reisefreiheit, die Möglichkeit, unwillige LeserInnen zu entführen sowie die offensichtliche Inspiration, die von diesem Objekt ausgeht.
Du siehst dich selbst in deiner Kabine sitzen und deine Texte in die Tastatur einer altmodischen, mechanischen Schreibmaschine, die auf wunderbare Art und Weise mit einem Computer verbunden ist, hauen. »Klack! Klack! Klack!« macht die Maschine, während das Luftschiff starr seinen Kurs beibehält und nach Island fährt. (Fahren oder fliegen Luftschiffe?)

Mittelmaß?

Tuesday, March 25th, 2008

Ich möchte mich freimachen von dem Leid, das diese Abwesenheit in mir verursacht. Ich suche Extremsituationen oder Ablenkungen. Ich arbeite bis tief in die Nacht, betrinke mich während des Schreibens. Masturbation und Spieltrieb, Tanzen und Lautstärke. In den Abgrund sehen. Dulebstnureinmal. Livefastdieyoungandleaveahandsomebody. In die Hölle und nicht mehr zurück. Alle Abgründe auslotsen.

Beschäftigung, Beschäftigung,
denn das viele Denken macht dumm!

Ich brauche das, genauso wie ich Angst und Schrecken brauche. Ich denke gerne nach, aber nicht zu lange. Oder nicht immer. Die Wirklichkeit in ihrer Gesamtheit ist zu schrecklich, zu großartig.
Muss man schnell leben? Müssen wir uns ständig auf Autobahnen und Hochgeschwindigkeitszugstrecken fortbewegen? Oder dürfen wir auch mal langsam leben, abseits von Colaautomaten und 3D Virtual Reality Videospielen?
Ja. Und ich tue es. Abwechselnd mit Wahsinnsphasen, in denen Speed von Atari Teenage Riot in meine Gehörgänge reinkracht, und ich mich wie auf einer seltsamen, alles beschleunigender Droge fühle. Wieso diese Dualität? Wo bleibt das Mittelmaß?
Was ist die abgeschwächte Form von Angst und Schrecken?

Danach dann die eigentlich dumme Frage, was das Ganze eigentlich gebracht hat. Im Endeffekt war es ein netter Abend unter Leuten, die du nicht genug kennst, um dazu zu gehören, die dir aber interessant erscheinen. Eine drogeninduzierte Psychose jagt die nächste. Völliger Quatsch, aber der Satz klingt so gut. Das Leben ist wie eine Schlange, die so lange wächst, bis sie gar nicht mehr anders kann als sich in ihren eigenen Schwanz zu beißen.
Wo stehe ich da? Oder sind wir alle Kaninchen in der Schlange, nicht wissend, wo es zum Schwanz und wo es zum Maul hingeht, während wir langsam verdaut werden?
Alles Unsinn.

Wir sind Wale im Ozean der Belanglosigkeiten.
Kleine Käfer auf dem Weg ins Licht.
Menschen (Homo sapiens) im frühen 21. Jahrhundert, irgendwo auf der Staße des Lebens, ohne Navigationsgerät, als Orientierungspunkte nur verblasste und sterbende Sterne.

Wir sind nirgendwo und es ist jetzt.
[0803181922]

Moor

Wednesday, March 12th, 2008

Du sitzt im Bus, der geduldig wie ein altes großes Tier, ein Mammut oder Rhinozeros, über das Land fährt. Die silbergraue Karosserie trotzt dem strömenden Regen und dem peitschenden Wind, während der Bus mit stoischer Ruhe jede Haltestelle abfährt, ohne jemanden mitzunehmen. Vor einer Stunde ist der letzte Reisende zugestiegen. Wie lange du selbst berreits fährst, wagst du gar nicht zu rechnen. Du siehst den Regentropfen zu, die sich wegen dem starken Wind Spermatozoiden ähnlich horizontal über die Scheibe bewegen.

Moor cc by burtonwoodandholmes

Irgendwann bist du angekommen. Im Nirgendwo. In der Pampa, möchte man sagen. In Wahrheit stehst du an einem Moor, durch dessen Kanäle nachts angeblich Fischotter schwimmen.
Es regnet noch immer. Dicke Tropfen auf deiner Brille. Du kannst förmlich spüren, wie sich das Moor, die gesamte Landschaft mit Wasser vollsaugt. Ein gigantischer geologisch-biologischer Schwamm.

Es ist so friedlich hier. Der Regen schluckt jedes Geräusch, nur das einzelne Rufen eines dir unbekannten Vogels ist von Zeit zu Zeit zu hören. Du bist völlig durchnässt. Junge Fischotter sind angeblich wasserscheu. Du atmest tief ein, riechst die torfige Luft.
Ein letzter Atemzug.
Ein schöner Ort, um zu sterben.

[0803122202] (Image cc by burtonwoodandholmes)

Badezimmer

Sunday, March 2nd, 2008

Das Badezimmer ist viel zu hell jetzt. Früher waren die Fliesen rosa und das warme, aber schwache Licht über dem Spiegel ließ einem das eigene Spiegelbild wie ein Polaroidfoto erscheinen, wie weich gezeichnet.
Es ist warm, als du herein kommst, einen großen Krug Tee in der Hand, obwohl du sie erst vor wenigen Minuten eingeschaltet hast. Du fragst dich kurz, wieso das Badezimmer so schnell heiß wird, während die Heizung in deinem Zimmer nur blubbert, das Zimmer aber ewig kalt bleibt.

Die Gedanken wirbeln wild durcheinander. Unerfülltes Sexualleben prallt gegen wiedergefundene Gedichte. Du liegst im Bett und wünschst dir, sie würde neben dir liegen, obwohl dort überhaupt kein Platz ist. Merkwürdige Flugblätter über vermisste Hunde. All deine Wünsche bedeuten nichts, denn du wünschst sie nicht wirklich. »Es ist einfach nur langweilig.«, meint sie und du weißt nicht, was du sagen sollst. Dazwischen die Flucht vor den eigenen Eltern, wie aus einem dieser Drogenbücher, die man in der Schule lesen musste. Unwirklich, ihre Stimme am Telefon. Du wolltest vorlesen. Die Sterne verschwinden im Regen, der alles verschluckt. Jetzt ist der Winter schon wieder fast vorbei. Sie spielt mit dem Gedanken, dir Texte zu zeigen. Das ist fast so gut wie Sex. Mit Zwanzig hat niemand mehr Illusionen. Du weißt noch, dass du geträumt hast, aber die einzige Erinnerung ist eine karamellfarbene Pampe, die wie aus einem Fleischwolf gepresst durch deinen Kopf zieht. Ein verwischtes Bild, auf in Großbuchstaben mit eben dieser Pampe »SEX« geschrieben steht. Alles unklar. Vielleicht ging es auch nur um Geld. Der Frühling, der Sommer, er wirkt bedrohlich. Unfälle auf den Vogelfelsen irgendwo am Mittelmeer. Wie lange kannst du dir das alles noch anhören?

Der Spiegel wirkt wie ein scharfes Messer, das die unbarmherzige, haarige Realität hervorzeigt. Vielleicht sehen alle anderen durch deine Kleider hindurch, erkennen das Monster, das sich darunter verbirgt, und das ist der wahre Grund. Das wäre nett, immerhin kannst du wenig dafür und bist dennoch Schuld. Das warme Badewasser lässt dich alles vergessen. Ein Krug voller Tee und ein Buch mit melancholischen Kurzgeschichten.
Dies ist der Himmel. Für kurze Zeit.

Zugunglück

Saturday, March 1st, 2008

[0802192011] Schwarze Materie verschlingt mich. Was für ein Alptraum.
Der Zug, in dem du sitzt, bleibt auf dem Abstellgleis stehen und bewegt sich nicht mehr.
Mit einem Male fällt dir auf, wie unrasiert du bist. Aber so lange es nicht kratzt, ist alles in Ordnung. Oder es stört dich dann auf jeden Fall nicht.
Netwon schlägt mit all seinen Gesetzen gleichzeitig auf dich ein, was dir das Bewusstsein einimpft, dass Physik ein schwieriger Begleiter für Texte ist. Immer und immer wieder Fahrten durch das Dunkle. Als bestünde das Leben nur aus einem schwarzen Rohr, durch das du ständig hindurch fährst, hin und zurück, hin und zurück, immer wieder. Der Nachtzug als Ersatz für die U-Bahn. Urbanes Leben in der Einöde.
Nachrichten fliegen ratternd durch den Äther, knistern in den Ampliflikatoren und Transistoren unterwegs, während du nur Sender/Empfänger bist. Kommunikation ist niemals selbst reisen. Still beneidest du die elektromagnetischen Wellen für ihre Reisefreiheit.

Call me zero

Wednesday, January 23rd, 2008

[Im Laufe einer »Waldwachstumskunde«-Stunde geschrieben, was eventuel eine Erklärung für den depressiven Unterton ist. Ich weiß, dass ich des Englischen kaum mächtig bin und meine Ausdrucksmittel in dieser Sprache begrenzt sind. Kommentare bzgl. Rechtschreibung, Grammatik und ähnlichem sind deshalb erwünscht. Was nicht heißt, dass inhaltliche Diskusion verboten ist. Im Gegenteil. Gedicht? Liedtext? Geständnisse eines Automaten? Was weiß ich.]

Call me zero
cause I am none
I am the void
I am anonymous
I am a dark spot
I feel nothing

Do I search pain?
I always say
everything is okay
but nothing is okay
empty body
empty soul
plastic skin
plastic flesh
feels so real
faked robot style
human typewriter
writing only meaningless letters,
empty words, void phrases
emulating feelings
simulating chest pain

Call me zero
cause I am none