Archive for the ‘enjoying’ Category

Ein Herz für Blogs

Tuesday, May 25th, 2010

photo cc by Steven Kay

Es gibt sie mal wieder, die “Ein Herz für Blogs”-Aktion, diesmal ausgeruffen von uarrr.org.

Kobuk.at ist das österreichische Pendant zum wohlbekannten BILDblog. Hier werden alle Medien der, ich wage das Wort kaum zu schreiben, Alpenrepublik auseinander genommen und Falschmeldungen seziert. Wer dachte, die BILD sei schlimm, möge sich mal ansehen, was die Krone sich alles so leistet. Hut ab vor der Arbeit, die sich hier gemacht wird!

Elisabeth Rank
schreibt nicht nur wundervolle Bücher, die ich während einer Zugfahrt verschlinge, sondern auch ein tolles Blog, bei dem ich immer Angst habe, es früh morgens zu lesen, weil mein Gehirn eventuell noch nicht ganz auf Betriebstemperatur ist. Außerdem Erfinderin des tollsten Meme seit den Schallplattengesichtern.

i heart digital life ist “ein Blog über feminismus, queer, politik und das digitale leben. nrrrdiges bloggen in der heterosexuellen matrix”. Und das ist sehr toll, auch wenn es viele viele Links gibt, die sind aber immer lesenswert.

Die kleine Göttin schreibt Texte, die mich an meine eigene Art, Texte zu schreiben, erinnert. Was ich spannend find. Ach, und ich kenn sie, so aus dem realen Leben und so.

Die Grinsekatze und ihre Crew schreiben manchmal Dinge, die ich nicht immer ganz toll finde. Das kommt allerdings selten vor. Meistens geht es um Sex und Luxemburg, wobei der Sex-Teil überwiegt. Es lohnt sich auf jeden Fall, vorbei zu schauen.

Edit: Oh, und wie konnte ich das nur vergessen! on air von Arvina, der europäischen Freiwilligen bei Graffiti, den Jugensendungen des einzigen freien Radios in Luxemburg. Sehr sehr viel hörbar und -enwertens Material!

Der junge Mann und der See

Thursday, May 13th, 2010

Wie sehr ich diesen See vermisst hatte, wusste ich erst, als ich wieder an seinem Ufer stand. Dem einen Ufer. An dem schon so unglaublich viele Dinge passiert sind, dass ich kurz überlegte, ob ich es nicht küssen sollte, weil Pathos doch manchmal etwas unterbewertet wird. Und diesmal konnte ich auch meinen lang gehegten Traum, den See mit dem Schiff zu erkunden, wahr machen. Ich war von den Bergen über den See gekommen. Und nun stand ich an diesem Ufer, das in meiner persönlichen Mythologie ein hochheiliger Ort ist. Und selbst wenn es heute so sehr regnet, dass es scheint als fiele der See selbst vom Himmel, so atme ich dennoch mit jedem Zug den Stoff alter und neuer Legenden ein.

Es ist schön, hier zu sein, nach all der Zeit.Nach all dem Vermissen. Nach all dem Gram um verpasste Gelegenheiten. Nach all den Träumen. Es gibt keinen Ort, an dem ich gerade jetzt lieber wäre. Auf meinem Mobiltelefon ein Anruf in Abwesenheit von Ruth. Ich kümmere mich nicht darum. Ich könnte mir sogar vorstellen, mich irgendwann hier zur Ruhe zu setzen, wie der Nebel gerade über dem See ruht.

Isis

Wednesday, May 5th, 2010

photo cc by Vyacheslav Argenberg

I married Isis on the fifth day of May,
But I could not hold on to her very long.
So I cut off my hair and I rode straight away
For the wild unknown country where I could not go wrong …

Thompson hatte Recht.
Dylan schafft es, selbst in den turbulenten Zeiten, in denen wir uns befinden, Halt zu geben. Leider hat Youtube keine gute Version von dem Lied, aber Desire sollte meiner bescheidenen Meinung nach sowieso in keiner Musiksammlung fehlen. Ich fühle mich in diesen Tagen manchmal wie auf einer langen Wüstenwanderung …

Kopfschmerzen

Saturday, April 10th, 2010

photo from wikimedia commons

Samstagnachmittag. Ich wärme mir das Abendessen von gestern in der Mikrowelle. Nicht ohne zuerst zwei Scheiben Käse auf die kalte Reis-Gemüse-Soße-Masse gelegt zu haben. Denn: Alles wird besser, wenn man es mit Käse über backt. So lautet zumindest die Internetweisheit. Mir fallen ziemlich viele Dinge ein, die ekliger werden, wenn man sie mit Käse über backt (hauptsächlich Süßspeisen und körperliche Tätigkeiten), aber darum geht es gerade gar nicht.

Nach dem Essen, bei dem ich eine Folge Futurama ansehe, der ich aber nur zur Hälfte folge, weil meine Gedanken woanders sind und ich sie eh schon mehrmals gesehen habe, nehme ich die Wäsche aus der Waschmaschine und hänge die halbherzig auf den Wäscheständer. In meinem kleinen Badezimmer stelle ich die Heizung und die Lüftung an und glaube, eine schnelle Methode der Wäschetrocknung erfunden zu haben.

Kopfschmerzen. Als ob ich einen Amboss auf dem Kopf balancieren würde. Und das erstaunlich gut für einen Menschen, der in Sachen Hand-Augen-Koordination und Gleichgewicht einige Defizite hat. Es fühlt sich an, als drücke sich meine Schädeldecke gegen mein Gehirn. Wobei ich mir sicher bin, dass es umgedreht ist. Ich bin aber kein Biologe, schon gar kein Humanbiologe und deshalb ist es wohl besser, ich lasse solche Mutmaßungen ganz einfach sein.
Das viele Amboss-Balancieren bringt zusätzlich noch Nackenschmerzen mit sich.

Immerhin haben wir April und ich kann dem Wetter zusehen, wie es minütlich seine Meinung ändert.

Gegen halb Sechs beschließe ich, dass es von äußerster Wichtigkeit ist, dieses Wochenende noch ein wenig Kekse und eventuell auch eine Pizza zu verzehren. Ich bemerke, dass ich noch eine halbe Stunde zum Einkaufen habe oder mich am Sonntag in die Vorhölle der wenigen offenen Supermärkte in Bahnhofsnähe begeben muss. Darüber habe ich bisher immer nur Geschichten gehört, die 300 wie ein Pixiebuch erscheinen lassen.

Also ziehe ich mich schnell um und schleppe mich um meinem schmerzenden Kopf selbst bedauernd zum Gürtel. Es hängen schon diese merkwürdigen Plastiktaschen, aus denen man sich gegen Münzeinwurf eine Zeitung nehmen kann, an den Laternen. Natürlich kann man die Zeitung auch ganz ohne Münzeinwurf aus der Plastiktasche nehmen, weshalb die Zeitungen entweder ein Verlustgeschäft machen oder in Wien nur sehr ehrliche Menschen leben.

Der Gürtel ist so eine Sache. Eine teilweise achtspurige Straße, die mitten durch Wien führt und die inneren Bezirke von den äußeren trennt, ist schon imposant. In der Mitte führen die Bögen der früheren Stadtbahn die U6, eine U-Bahnstrecke, die größtenteils oberirdisch verläuft, was schon so manche Touristen sehr unterhaltsam gefunden haben. Ich mag die U6. Nicht nur wegen der Aussicht, sondern auch, weil U6 fahren meistens bedeutet, dass ich bald zu Hause bin. (Oder halt aufbreche, und Aufbruch ist auch nur selten etwas schlechtes!)
Es ist also ziemlich schwierig, über den Gürtel zu kommen, weil man mindestens zwei Ampeln überqueren muss, meistens überquert man jedoch mehr, weil man auch noch die Straßenseite wechselt. Als ich darauf warte, dass es grün wird und die Autos nur Zentimeter an mir vorbei rasen, habe ich das seltsame Gefühl, mein Pulli rieche nach Gras. Ich muss an Ruth denken. Hatte ich den Pullover an, als ich das letzte Mal bei ihr war? War sie nicht fiktiv?

Ich glaube, dass der Billa, der in der U-Bahnstation im Stadtbahnbogen inmitten des Gürtels der nächste Supermarkt ist. Allerdings gibt es in meiner Straße, ungefähr 500 – 600 Meter von meiner Haustür entfernt, ebenfalls einen. Außerdem gibt es in einer Parallelstraße noch zwei. Samstags machen alle um 18 Uhr und durch häufige Einkäufe nach U-Bahnfahrten kenne ich das Sortiment des Billas, in dem ich mich jetzt befinde, recht gut. Niemand hat gesagt, dass Einkaufen in letzter Sekunde nicht sehr viel mit Bequemlichkeit zu tun hätte. Ich entscheide mich für Kekse, brauche aber einige Zeit, bevor ich mich entscheiden kann, welche genau ich nehmen will. Andere Menschen haben offenbar ähnliche Probleme.
“Ich weiß nicht was ich mag!”, säuselt eine Stimme gequält.

In letzter Zeit fällt mir immer öfters auf, dass sich Menschen in Supermärkten immer gerade dann zweifelnd vor eine Produktpalette stellen, wenn ich mich entschieden habe. Ich betrachte kurz das Sortiment an Zucker, ehe die Unentschlossenen sich in Richtung Schokolade aufmachen und ich mir zwei Kekspackungen entscheiden kann. Vor dem Chipsregal dann entscheide ich, dass ich keine Lust auf Chips habe. Den leeren Einkaufskorb fülle ich kurz vorm Erreichen der Kasse noch mit Mangosaft, meinem Lieblingssaft, und einer überteuerten Tiefkühlpizza. (Hofer hat Tiefkühlpizzen für 0,79 €. Allerdings ist die spezielle Marke, die ich kaufe, auch sehr lecker.) Vor mir kaufen zwei Menschen eine tiefgekühlte Sachertorte.
Ich würde nicht wirklich auf den Gedanken kommen, mir so etwas zu kaufen, vor allem nicht in Wien. Ich meine, immerhin kann man hier den real deal haben, wenn man nur genug Geld auf den Tisch legt.

Wieder draußen steht neben mir ein Mann. Auch er ist mit last-minute Einkäufen beladen. Aber anstatt ungesundem Süßkram hält er ein Netz Zwiebeln und eine Zweiliter–Flasche Wein in den Händen. Ich blicke auf die einsame Plastikhülle des Standards. Noch keine Zeitung drin. Heute hätte ich sogar bezahlt.
Die Kopfschmerzen werden nicht besser.

Days of Thunder, Nights of War

Thursday, April 1st, 2010

photo cc by MontyPython

Was für ein Tag, heute! Google gibt bekannt, dass sie Island kaufen, coldheat führt ein Premium-Bezahlmodell ein und das gedruckte Wort wurde gerettet! Und mal ganz ungelogen, die Sonne scheint dick durchs Fenster, obwohl das Wetter schlecht sein sollte, die kaputte Waschmaschine tut wie durch ein Wunder wieder und dieses Blog, das kurz durch einen Verrechnungsfehler bei meinem Hoster offline war, ist wieder online. Und @MissAbsent und @Benelsen sind immer noch zu Besuch im wunderbaren Wien. In meinem Kopf klatscht eine Kaiserpinguinkolonie Applaus.
Das Leben ist langweilig schön, manchmal.

Stromausfall

Tuesday, March 16th, 2010

photo cc by Maja Dumat

Stromausfall. Der Fi-Schalter lässt sich nicht mehr umlegen. Im Sicherungskasten der Hinweis, dass in dem Fall eine Elektro-Fachkraft gerufen werden sollte. Was der Fi (oder war es T?)-Schalter genau ist, weiß ich nicht, aber ginge das Internet, könnte ich es sicherlich herausfinden. Zwar hat die andere Seite der Wohnung Strom, aber auch eine Fi- oder T-Sicherung, die sich umlegt, sobald wir versuchen, das Internetgerät anzuschließen, so dass es nun kein Internet gibt, in dem ich nachsuchen könnte, was diese F- oder T-Sicherung genau ist und wie sie funktioniert. Vielleicht sollte ich mir eine Kopie der Wikipedia ziehen, für genau solche Fälle, an denen ich gegen die Uhr tippe, weil der Akkumulator meines Netbooks sich entlädt und ich von Teelichtern, die meine Mitbewohnerin mir gnädigerweise gegeben hat, umringt bin.

Oder halt auch nicht. Immerhin kann ich mich jetzt mit meinen Gedanken befassen. Ich könnte auch lesen. Momentan lese ich auf dem Klo Stephen Hawkins „Eine kleine Geschichte der Zeit“. Auch so eine Sache, da verbinde ich Profanes mit dem höchsten an Wissenschaft, was wir bisher haben. Einem Forschungsteam, so weiß Wikipedia, ist es 2001 gelungen, das Licht anzuhalten. Eine unglaubliche Leistung, die kaum Beachtung findet. Täglich erfahren wir von Nonsensrekorden, meistgepierct, die grösste Anzahl an Hamburgern innerhalb zehn Minuten, aber wieso erwähnt so eine Meldung nicht auch manchmal, so ganz nebenbei, dass es einer Forschungsgruppe gelungen ist, DAS VERDAMMTE LICHT ANZUHALTEN!In Paraguay wurde ein neuer Rekord im Deorollerkugelstoss aufgestellt. Dem Italiener Mario Manuelo ist es gelungen, die zierliche Plastikduftkugel über sieben Meter zu werfen. Und das trotz Gegenwind und scharfer Konkurrenz! Aber was ist so eine Leistung denn eigentlich gegen die jener Forscher und Forscherinnen, welche 2001 für einige Momente das Licht gestoppt haben?

Kaum eine Meldung wird so aufhören, weil das Interesse an erfundenen Sportarten und unmöglich dämlichen Rekordversuchen zumindest in den Reaktionen der Leitmedien grösser ist als das Interesse an „mind-blowing“ wissenschaftlichen Errungenschaften. Wissenschaft interessiert anscheinend nur dann, wenn es um Krebs, Sex oder den Weltuntergang geht. Am Besten alle drei zusammen. Aber die richtig coolen Dinge interessieren anscheinend niemanden.

An dem Zeitpunkt haben wir dann die Nummer im Sicherungskasten angerufen, wo sich ein Mann meldete, der sehr freundlich war, nachdem meine Mitbewohnerin meinte, er würde nicht klingen, als ob er um die Uhrzeit noch im Dienst sei. Als Übeltäterin wurde dann eine Senseomaschine festgestellt. Strom und Internet tun wieder. Das Leben kann weitergehen. Das ist gut, denn mir fehlte gerade irgendwie ein Schluss. Ich lese dann mal, was ein Fi-Schalter ist.

Frühlingswut

Wednesday, March 3rd, 2010

foto aus wikimedia commons

Ich hatte heute so eine merkwürdige Wut im Bauch. Auf dem Nachhauseweg von der Uni habe ich mir gedacht, dass es vielleicht daran liegt, dass der Frühling kommt. Hier in Wien sah es die letzten Tage schon ziemlich stark nach Sommer aus, der Himmel war blau, die Sonne schien und ich war richtig geflasht davon. Heute war es dann nicht mehr so toll, halt so laues Frühlingswetter und in mir braute sich die Gewissheit zusammen, dass die Zeit, in der ich dem Schnee von drinnen zugucken konnte, jetzt vorbei war. Was eigentlich eine positive Sache ist. Aber ich mag den Frühling nicht. Gegen den Sommer habe ich nichts, denn Sommer heißt oft, dass Ferien sind und man irgendwo im Schatten liegt (Ich freue mich darauf, meine Nachmittage im Türkenschanzpark zu vertrödeln!), aber der Frühling macht mich irgendwie fertig mit seiner Unentschlossenheit, seiner Art, alles und nichts zu sein. Im Herbst gibt es wenigstens die Gewissheit, dass es bergab geht, dass es kalt und nass wird. Frühling dagegen ist nur Unsicherheit.

So auf jeden Fall meine Gedanken, während ich durch das Cottageviertel lief (gemeint ist: “gehen”) und das zum Zweiten Mal, weil ich entschlossen habe, wenn ich nur gute zwanzig Minuten Fußweg von der Uni entfernt wohne, kann ich die bei gutem Wetter auch zu Fuß gehen. Wobei ein Fahrrad wohl idealer wäre, ich schätze die Fahrzeit auf lockere zehn Minuten, was meiner Eigenschaft, zu trödeln, sehr entgegen kommen würde, vor allem bei den derzeit doch sehr vollen Hörsälen.

Und jetzt ist alles anders. Meine Gefühle gegenüber dem Frühling sind gemischt, ich freue mich sehr auf den Sommer und die Wut, die ich in mir herum getragen habe, ist weg. Was ich wohl zumindest teilweise auf meinen wunderbaren Rotbusch-Zitronengras Tee, den ich mit Milch und Zucker trinke, zurückführen kann.

(Ja, einfach mal so Befindlichkeitsbloggen. Habe ich lange nicht mehr gemacht, ist aber manchmal ganz gut, und sei es nur für die persönliche Buchführung.)

Axolotl copykills

Monday, February 8th, 2010

photo cc by Roselle Kingsbury

Wie alle Menschen, die gerne schreiben und von sich glauben, einen Funken Talent zu besitzen, würde ich gerne einmal ein Buch veröffentlichen, das dann in den Feuilletons (in Frankreich wird das Wort übrigens vor allem für Soaps verwendet) der Zeit, FAZ, des Standards und eventuell auch noch der Taz hochgelobt wird. So war ich auch etwas neidisch auf Helene Hegelmann, die diesen Wunschtraum bereits mit siebzehn Jahren erleben darf.

Oder durfte. Denn Helene hat beim Verfassen von Axolotl Roadkill fast wortwörtlich in Airens Werk Strobo abgeschrieben, wie einer meiner persönlichen Helden, Deef Pirmasens aufdeckte. Das macht gerade ordentlichen Medienrummel.

Mich stört, dass die Autorin jetzt oft als Kind bezeichnet wird. So falsch Hegemanns Verhalten auch war, persönliche Angriffe sind nicht zu rechtfertigen und es ist für mich etwas leicht gegriffen, zu sagen, die ist so jung, die weiß es nicht besser. Wenn plagiieren als falsch verstandene “Remix”-Kultur gedeutet wird und die Autorin nicht als medienkompetent genug, den Unterschied zu verstehen, gebrandmarkt wird, dann steht sie vielleicht doch für den Umgang der Erwachsenen mit den Kindern des neuen Jahrhunderts. Mal abgesehen davon, dass ich es für hochgradig lächerlich halte, einen Stellvertreterroman schreiben zu wollen, wenn man am 11. September 2001 gerade mal acht Jahre alt war, die Demonstrationen gegen den Irak-Krieg nur vom Hörensagen kennt, usw. Genauso gut könnte ich einen Stellverteterroman für die 1990er schreiben, Nirvana hat mich in meiner Jugend ja auch viel bewegt.

Dann stellt sich die Frage, ob nicht ein Pornotag für Feuilletonisten geführt werden sollte. Damit würden zu ausgiebige Beschäftigungen mit Büchern von jungen Frauen, die über ihr Sexualleben schreiben, vielleicht nicht in Hypes ausarten, die sich später als heiße Luft entpuppen. Wie wichtig die Literatur bei den Lobhudeleien über Axolotl Roadkill waren, zeigt Willi Winkler bei der Süddeutschen. Ausgiebig wurde sich mit der Frisur der Autorin befasst.

Und dann: Wie sieht es bei mir selbst aus? Hegemann hat nicht nur bei Airen abgeschrieben, sondern auch den Song Fuck U der Band Archive übersetzt und als ihr eigenes Werk ausgeben. Da greift das schlechte Gewissen. Ich habe Ina und Zoë abgeschrieben schon sehr oft aus Lieder, die mich gerade bewegt haben, zitiert. Und das auch nicht immer sehr kenntlich gemacht. Vor allem auf dem Werk der Einstürzenden Neubauten ist die eine oder andere Zeile.

Was tun? Darauf verzichten will ich nicht wirklich, denn oft sind es die Sätze, die mir beim Schreiben in den Kopf kommen und ein spielerischer Umgang mit Zitaten und Motiven aus der (Pop)Kultur macht schon seit einiger Zeit das aus, was wir Kultur nennen. Ich werde die Zitate, die sich im übrigen durchaus in Grenzen halten (die vorhin erwähnten Ina und Zoë-Texte sind, soweit ich das überblicke, völlig frei davon), kennzeichnen (etwa durch Verlinkung auf den Originaltext).

Denn schlimmer noch als Eigenlob ist Lob, das man für etwas erhält, das man gar nicht gemacht hat.

2009 revisited

Tuesday, December 29th, 2009

photo cc by Gwenael Piaser

(2006. 2008.)

1. Zugenommen oder abgenommen?
Zugenommen. Wobei ich insgeheim immer noch hoffe, dass ich in Wahrheit schwanger bin.

2. Haare länger oder kürzer?
Länger. Und dann wieder kürzer. Und dann wieder länger. Bald wohl wieder kürzer. Es ist so ein vierteljährliches Auf- und Ab.

3. Kurzsichtiger oder weitsichtiger?
Gleichgeblieben. Wobei ich es ja geschafft habe, den Rückflug einen Tag vor meinem Augenarzttermin zu legen.

4. Mehr Kohle oder weniger?
Mehr zur Verfügung. So richtig meins ist das auch nicht.

5. Mehr ausgegeben oder weniger?
Mehr. Hey, ich bin jetzt Mieter und kaufe für mich selbst ein und so.

6. Mehr bewegt oder weniger?
Eher weniger. Ich bin allerdings auch ganz schön herumgekommen. Münster, Groede in den Niederlanden, Paris, Amsterdam Kopenhagen, Wien und auch manchmal so interimsweise Bratislava.

7. Der hirnrissigste Plan?
Na ja, meine Pläne bezüglich Wohnungssuche in Wien waren wohl etwas blauäugig. So etwas richtig hirnrissiges habe ich nicht getan, würde ich sagen.

8. Die gefährlichste Unternehmung?
Mein praktisches Examen im Wald war sicherlich ziemlich gefährlich, was die Chance, zu scheitern, anging. Ansonsten sass ich reichlich benebelt einem russischen Geländewagen, der von ähnlich benebelten Personen durch den Wald gekarrt wurde, mitten in der Nacht. Das hätte wahrscheinlich auch schief gehen können.

9. Der beste Sex?

10. Die teuerste Anschaffung?
Ich hab die Wohnung ja nicht gekauft, ansonsten wär es das wahrscheinlich. Ich kaufe wahrscheinlich einfach nicht viele teuere Sachen.

11. Das leckerste Essen?
War bestimmt selbstgekocht. Oder das halbe Buffet, das KollegInnen von einem Empfang in die Boku-Protestzentrale gebracht haben, weil es dort niemand mehr gegessen hat.

12. Das beeindruckendste Buch?
Ich habe dieses Jahr gefühlsmäßig viel zu wenig gelesen, auch wenn ich nicht einmal weiß, ob es denn tatsächlich weniger war als 2008. Lebensraum Wald von Heinrich Hofmeister hat mir viel über Waldgesellschaften beigebracht. Vor allem, das ich das ein wenig merkwürdig finde.

13. Der ergreifendste Film?
Ich war unglaublich viel im Kino und habe mir sehr sehr viele Filme angesehen, vor allem vor den Oskars, die ich mit meiner kleinen Schwester zusammen gesehen habe. Insofern natürlich schwierig. Antichrist hat mich ergriffen, aber nicht unbedingt auf eine schöne Art und Weise. Vielleicht Man On Wire. Oder Milk.

14. Die beste CD?
Irgendwie halte ich 2009 nicht wirklich für ein starkes Musikjahr. We were promised Jetpacks. Obwohl ich die neue Editors und die neue Therapy? auch sehr gut finde.

15. Das schönste Konzert?
Nine Inch Nails in der Rockhal.

16. Die meiste Zeit verbracht mit …?
Lernen. Und das hat sich auch gelohnt. Aber protestiert habe ich auch viel. Und überhaupt, eigentlich war 2009 zwei Jahre. Einmal bis zu meinen Examen und einmal die Zeit danach.

17. Die schönste Zeit verbracht mit …?
jetzt-ex-Klassenkameraden. Wir hatten eben die Welt erobert, den Sommer vor uns und einen endgültigen Sieg errungen. Ich mag euch, Jungs.

18. Vorherrschendes Gefühl 2009?
Aufbruch. Durch die Hölle und – nicht zurück, sondern ganz wo anders hin.

19. 2009 zum ersten Mal getan?
Gewählt. Wohnung gesucht. Mich inskribiert. Umgezogen. Miete bezahlt.

20. 2008 nach langer Zeit wieder getan?
In den Niederlanden gewesen.

21. Drei Dinge, auf die ich gut hätte verzichten können?
Harddiskausfall, Deppendiskussionen, Wahlsieg gewisser Parteien.

22. Die wichtigste Sache, von der ich jemanden überzeugen wollte?
Sich Gedanken um die Wahlen zu machen. Weil irgendetwas wählen nicht die Lösung ist.

23. Das schönste Geschenk, das ich jemandem gemacht habe?
Eine CD mit eigenen, selbst eingesprochenen Texten. Fand ich ziemlich toll.

24. Das schönste Geschenk, das mir jemand gemacht hat?
Anerkennung und Respekt von Leuten, von denen ich ebenfalls eine hohe Meinung habe.

25. Der schönste Satz, den jemand zu mir gesagt hat?

26. Der schönste Satz, den ich zu jemandem gesagt habe?
Bien!

27. 2009 war mit einem Wort …?
Veränderung.

28. Noch Fragen?
Mehr Fragen beantworte ich gerne bei formspring:

Winterruhe.

Saturday, December 19th, 2009

foto cc by glenngould

Es wird jetzt ruhiger werden die nächsten zwei bis drei Wochen. Ich fahre “nach Hause”, werde den Winter genießen und mich nur von Weihnachtskeksen und heißer Schokolade ernähren. Und da mein Computer in Wien bleiben wird, wird es wohl so sein, dass ich nicht viel online sein werde. Wer mich sehen will, und ich lade euch alle dazu ein, kann sich ja per Telefon oder Brief melden. Adresse steht ja irgendwo hier auf der Seite, die Telefonnummer im Telefonbuch.

Euch alle eine besinnliche Wintersonnenwende und einen fröhlichen Start in eine neue Runde um den Stern, den wir Sol nennen! Feiert, denkt nach und genießt das Leben!