Archive for the ‘enjoying’ Category

Frühlingswut

Wednesday, March 3rd, 2010

foto aus wikimedia commons

Ich hatte heute so eine merkwürdige Wut im Bauch. Auf dem Nachhauseweg von der Uni habe ich mir gedacht, dass es vielleicht daran liegt, dass der Frühling kommt. Hier in Wien sah es die letzten Tage schon ziemlich stark nach Sommer aus, der Himmel war blau, die Sonne schien und ich war richtig geflasht davon. Heute war es dann nicht mehr so toll, halt so laues Frühlingswetter und in mir braute sich die Gewissheit zusammen, dass die Zeit, in der ich dem Schnee von drinnen zugucken konnte, jetzt vorbei war. Was eigentlich eine positive Sache ist. Aber ich mag den Frühling nicht. Gegen den Sommer habe ich nichts, denn Sommer heißt oft, dass Ferien sind und man irgendwo im Schatten liegt (Ich freue mich darauf, meine Nachmittage im Türkenschanzpark zu vertrödeln!), aber der Frühling macht mich irgendwie fertig mit seiner Unentschlossenheit, seiner Art, alles und nichts zu sein. Im Herbst gibt es wenigstens die Gewissheit, dass es bergab geht, dass es kalt und nass wird. Frühling dagegen ist nur Unsicherheit.

So auf jeden Fall meine Gedanken, während ich durch das Cottageviertel lief (gemeint ist: “gehen”) und das zum Zweiten Mal, weil ich entschlossen habe, wenn ich nur gute zwanzig Minuten Fußweg von der Uni entfernt wohne, kann ich die bei gutem Wetter auch zu Fuß gehen. Wobei ein Fahrrad wohl idealer wäre, ich schätze die Fahrzeit auf lockere zehn Minuten, was meiner Eigenschaft, zu trödeln, sehr entgegen kommen würde, vor allem bei den derzeit doch sehr vollen Hörsälen.

Und jetzt ist alles anders. Meine Gefühle gegenüber dem Frühling sind gemischt, ich freue mich sehr auf den Sommer und die Wut, die ich in mir herum getragen habe, ist weg. Was ich wohl zumindest teilweise auf meinen wunderbaren Rotbusch-Zitronengras Tee, den ich mit Milch und Zucker trinke, zurückführen kann.

(Ja, einfach mal so Befindlichkeitsbloggen. Habe ich lange nicht mehr gemacht, ist aber manchmal ganz gut, und sei es nur für die persönliche Buchführung.)

Axolotl copykills

Monday, February 8th, 2010

photo cc by Roselle Kingsbury

Wie alle Menschen, die gerne schreiben und von sich glauben, einen Funken Talent zu besitzen, würde ich gerne einmal ein Buch veröffentlichen, das dann in den Feuilletons (in Frankreich wird das Wort übrigens vor allem für Soaps verwendet) der Zeit, FAZ, des Standards und eventuell auch noch der Taz hochgelobt wird. So war ich auch etwas neidisch auf Helene Hegelmann, die diesen Wunschtraum bereits mit siebzehn Jahren erleben darf.

Oder durfte. Denn Helene hat beim Verfassen von Axolotl Roadkill fast wortwörtlich in Airens Werk Strobo abgeschrieben, wie einer meiner persönlichen Helden, Deef Pirmasens aufdeckte. Das macht gerade ordentlichen Medienrummel.

Mich stört, dass die Autorin jetzt oft als Kind bezeichnet wird. So falsch Hegemanns Verhalten auch war, persönliche Angriffe sind nicht zu rechtfertigen und es ist für mich etwas leicht gegriffen, zu sagen, die ist so jung, die weiß es nicht besser. Wenn plagiieren als falsch verstandene “Remix”-Kultur gedeutet wird und die Autorin nicht als medienkompetent genug, den Unterschied zu verstehen, gebrandmarkt wird, dann steht sie vielleicht doch für den Umgang der Erwachsenen mit den Kindern des neuen Jahrhunderts. Mal abgesehen davon, dass ich es für hochgradig lächerlich halte, einen Stellvertreterroman schreiben zu wollen, wenn man am 11. September 2001 gerade mal acht Jahre alt war, die Demonstrationen gegen den Irak-Krieg nur vom Hörensagen kennt, usw. Genauso gut könnte ich einen Stellverteterroman für die 1990er schreiben, Nirvana hat mich in meiner Jugend ja auch viel bewegt.

Dann stellt sich die Frage, ob nicht ein Pornotag für Feuilletonisten geführt werden sollte. Damit würden zu ausgiebige Beschäftigungen mit Büchern von jungen Frauen, die über ihr Sexualleben schreiben, vielleicht nicht in Hypes ausarten, die sich später als heiße Luft entpuppen. Wie wichtig die Literatur bei den Lobhudeleien über Axolotl Roadkill waren, zeigt Willi Winkler bei der Süddeutschen. Ausgiebig wurde sich mit der Frisur der Autorin befasst.

Und dann: Wie sieht es bei mir selbst aus? Hegemann hat nicht nur bei Airen abgeschrieben, sondern auch den Song Fuck U der Band Archive übersetzt und als ihr eigenes Werk ausgeben. Da greift das schlechte Gewissen. Ich habe Ina und Zoë abgeschrieben schon sehr oft aus Lieder, die mich gerade bewegt haben, zitiert. Und das auch nicht immer sehr kenntlich gemacht. Vor allem auf dem Werk der Einstürzenden Neubauten ist die eine oder andere Zeile.

Was tun? Darauf verzichten will ich nicht wirklich, denn oft sind es die Sätze, die mir beim Schreiben in den Kopf kommen und ein spielerischer Umgang mit Zitaten und Motiven aus der (Pop)Kultur macht schon seit einiger Zeit das aus, was wir Kultur nennen. Ich werde die Zitate, die sich im übrigen durchaus in Grenzen halten (die vorhin erwähnten Ina und Zoë-Texte sind, soweit ich das überblicke, völlig frei davon), kennzeichnen (etwa durch Verlinkung auf den Originaltext).

Denn schlimmer noch als Eigenlob ist Lob, das man für etwas erhält, das man gar nicht gemacht hat.

2009 revisited

Tuesday, December 29th, 2009

photo cc by Gwenael Piaser

(2006. 2008.)

1. Zugenommen oder abgenommen?
Zugenommen. Wobei ich insgeheim immer noch hoffe, dass ich in Wahrheit schwanger bin.

2. Haare länger oder kürzer?
Länger. Und dann wieder kürzer. Und dann wieder länger. Bald wohl wieder kürzer. Es ist so ein vierteljährliches Auf- und Ab.

3. Kurzsichtiger oder weitsichtiger?
Gleichgeblieben. Wobei ich es ja geschafft habe, den Rückflug einen Tag vor meinem Augenarzttermin zu legen.

4. Mehr Kohle oder weniger?
Mehr zur Verfügung. So richtig meins ist das auch nicht.

5. Mehr ausgegeben oder weniger?
Mehr. Hey, ich bin jetzt Mieter und kaufe für mich selbst ein und so.

6. Mehr bewegt oder weniger?
Eher weniger. Ich bin allerdings auch ganz schön herumgekommen. Münster, Groede in den Niederlanden, Paris, Amsterdam Kopenhagen, Wien und auch manchmal so interimsweise Bratislava.

7. Der hirnrissigste Plan?
Na ja, meine Pläne bezüglich Wohnungssuche in Wien waren wohl etwas blauäugig. So etwas richtig hirnrissiges habe ich nicht getan, würde ich sagen.

8. Die gefährlichste Unternehmung?
Mein praktisches Examen im Wald war sicherlich ziemlich gefährlich, was die Chance, zu scheitern, anging. Ansonsten sass ich reichlich benebelt einem russischen Geländewagen, der von ähnlich benebelten Personen durch den Wald gekarrt wurde, mitten in der Nacht. Das hätte wahrscheinlich auch schief gehen können.

9. Der beste Sex?

10. Die teuerste Anschaffung?
Ich hab die Wohnung ja nicht gekauft, ansonsten wär es das wahrscheinlich. Ich kaufe wahrscheinlich einfach nicht viele teuere Sachen.

11. Das leckerste Essen?
War bestimmt selbstgekocht. Oder das halbe Buffet, das KollegInnen von einem Empfang in die Boku-Protestzentrale gebracht haben, weil es dort niemand mehr gegessen hat.

12. Das beeindruckendste Buch?
Ich habe dieses Jahr gefühlsmäßig viel zu wenig gelesen, auch wenn ich nicht einmal weiß, ob es denn tatsächlich weniger war als 2008. Lebensraum Wald von Heinrich Hofmeister hat mir viel über Waldgesellschaften beigebracht. Vor allem, das ich das ein wenig merkwürdig finde.

13. Der ergreifendste Film?
Ich war unglaublich viel im Kino und habe mir sehr sehr viele Filme angesehen, vor allem vor den Oskars, die ich mit meiner kleinen Schwester zusammen gesehen habe. Insofern natürlich schwierig. Antichrist hat mich ergriffen, aber nicht unbedingt auf eine schöne Art und Weise. Vielleicht Man On Wire. Oder Milk.

14. Die beste CD?
Irgendwie halte ich 2009 nicht wirklich für ein starkes Musikjahr. We were promised Jetpacks. Obwohl ich die neue Editors und die neue Therapy? auch sehr gut finde.

15. Das schönste Konzert?
Nine Inch Nails in der Rockhal.

16. Die meiste Zeit verbracht mit …?
Lernen. Und das hat sich auch gelohnt. Aber protestiert habe ich auch viel. Und überhaupt, eigentlich war 2009 zwei Jahre. Einmal bis zu meinen Examen und einmal die Zeit danach.

17. Die schönste Zeit verbracht mit …?
jetzt-ex-Klassenkameraden. Wir hatten eben die Welt erobert, den Sommer vor uns und einen endgültigen Sieg errungen. Ich mag euch, Jungs.

18. Vorherrschendes Gefühl 2009?
Aufbruch. Durch die Hölle und – nicht zurück, sondern ganz wo anders hin.

19. 2009 zum ersten Mal getan?
Gewählt. Wohnung gesucht. Mich inskribiert. Umgezogen. Miete bezahlt.

20. 2008 nach langer Zeit wieder getan?
In den Niederlanden gewesen.

21. Drei Dinge, auf die ich gut hätte verzichten können?
Harddiskausfall, Deppendiskussionen, Wahlsieg gewisser Parteien.

22. Die wichtigste Sache, von der ich jemanden überzeugen wollte?
Sich Gedanken um die Wahlen zu machen. Weil irgendetwas wählen nicht die Lösung ist.

23. Das schönste Geschenk, das ich jemandem gemacht habe?
Eine CD mit eigenen, selbst eingesprochenen Texten. Fand ich ziemlich toll.

24. Das schönste Geschenk, das mir jemand gemacht hat?
Anerkennung und Respekt von Leuten, von denen ich ebenfalls eine hohe Meinung habe.

25. Der schönste Satz, den jemand zu mir gesagt hat?

26. Der schönste Satz, den ich zu jemandem gesagt habe?
Bien!

27. 2009 war mit einem Wort …?
Veränderung.

28. Noch Fragen?
Mehr Fragen beantworte ich gerne bei formspring:

Winterruhe.

Saturday, December 19th, 2009

foto cc by glenngould

Es wird jetzt ruhiger werden die nächsten zwei bis drei Wochen. Ich fahre “nach Hause”, werde den Winter genießen und mich nur von Weihnachtskeksen und heißer Schokolade ernähren. Und da mein Computer in Wien bleiben wird, wird es wohl so sein, dass ich nicht viel online sein werde. Wer mich sehen will, und ich lade euch alle dazu ein, kann sich ja per Telefon oder Brief melden. Adresse steht ja irgendwo hier auf der Seite, die Telefonnummer im Telefonbuch.

Euch alle eine besinnliche Wintersonnenwende und einen fröhlichen Start in eine neue Runde um den Stern, den wir Sol nennen! Feiert, denkt nach und genießt das Leben!

Auf Wohnungssuche in Wien

Thursday, November 26th, 2009

wohnungssucheinwien

Dieser Artikel erscheint Mitte Dezember in der neusten Print-Ausgabe der Queesch. Da ich meine BlogleserInnen aber besonders liebe und hier schon viel zu lange nichts mehr geschrieben habe, dürft ihr ihn schon jetzt lesen. Ach, und falls es jemand noch nicht mitgekriegt haben sollte: die erste Folge des neuen luxemburgischen Podcasts Gedibbers ist online.

Freitag Abend. Ich steige aus der U-Bahn, mir schlägt kalte Luft entgegen. Sie riecht nach Winter. Ich versuche, mich zu orientieren, was mir aus zwei Gründen nicht leicht fällt: Erstens bin ich ein ganz klein wenig angetrunken, zweitens befinde ich mich in Wien, einer Stadt, die mir zu diesem Zeitpunkt noch nicht sehr bekannt ist. Später werde ich merken, dass ich eine U-Bahnstation zu früh ausgestiegen bin, aber immerhin ist mir der Weg hier bekannt. Ich bin im Zeitdruck, denn vor ungefähr zwanzig Minuten hat mich Jan, dessen Zimmer in einer WG ich haben will, angerufen und mich gefragt, ob ich nicht noch einmal vorbeikommen könnte, da jetzt mehr Mitbewohner da seien, die sich gerne mit mir unterhalten würden. Aus Angst, zu spät zu kommen und eine Mitbewohnerin, die nur kurz da sein wird, zu verpassen, laufe ich sogar ein Stück. Lieber verschwitzt ankommen und zeigen, dass ich den WG-Platz wirklich will, als zu spät kommen.

Ich geb’s ja zu: Ein klein wenig habe ich mich schon um die Wohnungssuche gedrückt. Eigentlich hätte ich viel früher damit anfangen können, mir etwas zu suchen, immerhin kannte ich auch schon vor meiner Ankunft hier in Wien einige Leute. Und es ist ja nicht so, als würde man Wohnungen heutzutage in Zeitungen oder auf schwarzen Brettern suchen. (Obwohl das vielleicht die beste Methode ist, immerhin GIBT es noch Anzeigen auf den schwarzen Brettern dieser Welt!) Ich habe also ein paar FreundInnen angeschrieben, ob sie niemanden kennen würden, der/die einen Mitbewohner aus Luxemburg sucht. Vielleicht würde die Traumimmobilie ja einfach so ohne weiteres Zutun zu mir kommen und ich müsste nur noch „Ja!“ sagen.

Als dann nach und nach klar wurde, dass dem wohl nicht so sein würde, sah ich mir einige Mitbewohner-Gesuche im Internet an, schrieb Dutzende Mails, von denen nur die wenigsten beantwortet wurden und buchte einen Flug nach Wien. Vier Tage gab ich mir Zeit vor Ort, eine Wohnung oder eine WG zu finden. Währenddessen würde ich bei einem Kumpel unterkommen.

Fünf Minuten nachdem ich den Flug gebucht hatte, schrieb mich eine Freundin aus Wien an und fragte, ob ich nicht zusammen mit ihr in eine WG ziehen wollte. Natürlich wollte ich. Das Problem war nur: Für die WG gab es noch keine Wohnung. Schlagartig änderten sich also meine Suchkriterien von „Ich will ein Zimmer, möglichst abschließbar“ zu „eine Wohnung mit drei getrennt begehbaren Zimmern in guter Lage“. Vor allem die drei getrennt begehbaren Zimmer sind in Wien schwierig. Es scheint früher durchaus gang und gäbe gewesen zu sein, Leute in Durchgangszimmern einzuquartieren. Was natürlich blöd ist, denn solche Zimmer muss man immer aufgeräumt und sauber halten, Freundinnen und Drogen sind möglichst unauffällig zu platzieren. Will sagen: Nichts für Studierende.

Weil die Aussicht auf einen Fund nicht so gut aussah und obwohl ich mich ziemlich daran klammerte, besuchte ich zwei WGs, die MitbewohnerInnen suchten. Auf dem Weg zur ersten Wohnung erzählte mir mein Kumpel, der mich zwecks Ortsfindung begleitete, dass Hitler, der ja auch irgendwann in Wien eine Wohnung gesucht hätte, bei der Wohnungssuche einer eventuellen Vermieterin wohl so sehr gefallen hätte, dass diese ihren Bademantel absichtlich fallen gelassen hätte. Wie hätte sich die Geschichte wohl verändert, wäre er nicht mit hochrotem Kopf aus dem Haus gerannt?

Bei meinem Besuch in der Sechser-WG gehen mir ganz andere Dinge durch den Kopf. Zum Beispiel, dass es eine ziemlich dumme Idee war, sich nur zwei WGs anzusehen und zu hoffen, dass eine geeignete Wohnung für die geplante WG-Gründung vom Himmel fallen würde. Ich habe gerade eine Absage für die andere Wohnung, die ich mir angesehen habe, bekommen. Die hätte etwas weniger gut gelegen, das Zimmer wäre aber größer gewesen. Dieses „Bewerbungsgespräch“ war also quasi meine letzte Chance, sollte ich doch am nächsten Tag wieder nach Hause fliegen. Es ist teilweise sehr verwirrend, in einer Großstadt, die man nicht wirklich kennt, eine Wohnung zu suchen. Zum Glück ist Wien in Bezirke eingeteilt, was sie Suche ein wenig erleichtert, vor allem, da es offenbar einige „Bad Bezirke“ (analog zu der „Bad Bank“) gibt, in denen man sich keine Wohnung suchen sollte. Außerdem kann man die Bezirke des historischen Stadtzentrums gleich mal weglassen, es sei denn, man hat im Lotto gewonnen. Gut, dass ich einen Menschen zur Seite hatte, der vor einem halben Jahr das gleiche Problem gehabt hatte und die Tücken des Wiener Wohnungsmarktes recht gut kannte.

Ich unterhalte mich also mit der Mitbewohnerin, halte zum gefühlten millionsten Mal ein Spontanreferat über Luxemburg und versuche wie ein guter WG-Mensch zu wirken, obwohl ich eigentlich überhaupt nicht weiß, wie das in einer WG so wirklich vor sich geht. Immerhin kann ich als erstes von fünf Kindern behaupten, ich wüsste, wie es ist, in einem Haushalt mit mehreren Personen zu leben. Jan, dessen Platz ich haben soll (das mit dem Zimmer ist nochmal komplizierter), bietet mir nach der ersten 0,5 l-Dose Bier ein merkwürdiges Getränk an, das, Zitat eines Mitbewohners, schmeckt „als ob man eine Distel“ trinkt. Und ein klein wenig wie „Tegel“, ein Gel, das in meiner Familie als Wunderwaffe gegen jede Art von kleinen Entzündungen im Mund verwendet wird.

Nach einiger Zeit ist das Gespräch beendet, ich achte darauf, mein Glas selbst zum Spülstein zu bringen und werde mit der Ankündigung, das Gitter zum Innenhof sei nun sicherlich zu und ich müsste wohl darüber klettern, verabschiedet.

Nachdem ich über das sicherlich zwei Meter hohe Gitter geklettert bin, was ich wahrscheinlich nur wegen des Alkohol in meinem Blut schaffe, laufe ich an einem Elektrofachgeschäft vorbei: „Nur Miele, Miele, sagte Tante, die alle Waschmaschinen kannte“ steht dort im Schaufenster. Ich muss grinsen und torkele zurück zu der Geburtstagsfeier, von der ich gekommen war.

Am nächsten Tag wache ich verkatert auf, dusche schnell und eile zum Bus, der mich zum Flughafen Bratislava fährt. Dort mahnt mich ein Schild, kein radioaktives Material mit an Bord zu nehmen. Dargestellt ist das radioaktive Material auf dem Schild durch eine Styroporbox, auf der das Radioaktivitätszeichen abgebildet ist. Nach dem kurzen Flug, während dessen ich glücklicherweise fast die ganze Zeit schlafe, mache ich mir bei meiner Ankunft in Hahn ernsthaft Sorgen. Was, wenn ich den Platz in der WG nicht bekomme? Wie soll ich von Luxemburg aus eine Wohnung finden?

Irgendwo zwischen Hahn und Luxemburg ruft mich Jan an und sagt mir, dass ich in die Wohnung einziehen darf. Ich mache einen Luftsprung. Nur innerlich, da ich ja in einem Auto sitze und angeschnallt bin und ich die Fahrsicherheit nicht beeinträchtigen will.

Zu Hause wartet eine Email mit einem weiteren Angebot für eine WG auf mich.

photo cc by problemkind

Nachrichten aus Währing

Thursday, October 22nd, 2009

NachrichtenWaehring

Nun bin ich schon fast eine Woche in Wien. Mein Zimmer sieht noch immer ein wenig leer und improvisiert aus, aber das wird schon noch. Ich fühle mich wohl hier, in Währing, dem achtzehnten Bezirk Wiens, direkt an der U6, jener U-bahnlinie, die zu einem großen Teil oberirdisch auf Arkaden fährt und edle anmutende Stationsgebäude hat. Mein Hörsaal ist eigentlich ein Kinosaal, dafür aber sehr bequem.

Auf dem freien Radio Wiens, Orange 94, war ich auch schon zu hören, was aber nicht heißt, dass ich Angscht a Schrecken in Zukunft vernachlässigen werde, denn in einer Großstadt wie Wien gibt es wohl jeden Tag Anlass, eine Folge zu schreiben (was ich trotzdem nicht tun werde!).

Ich vermisse übrigens schmerzhaft Rosmarin, der in Österreich illegal zu sein scheint. Auf jeden Fall konnte ich noch keinen entdecken, was ich dann doch recht merkwürdig finde. Vielleicht sollte ich auf Kümmel umsatteln.
Außerdem vermisse ich das Geräusch von Regen auf einem Dachfenster. Aber man kann ja nicht alles haben.

Ich fühle mich wohl hier. Schön, dass mein Bauchgefühl Recht hatte und sich die Unsicherheiten und der Stress in den letzten Wochen doch gelohnt haben.

Ach, und das Blog hier heißt nun offiziel nur noch “enjoying the postapocalypse”. Als Fireball kennen mich doch eh nur ganz besondere Freunde. Wenn ihr wollt, könnt ihr eure Linktitel also umstellen. Wäre nett.

Foto aus Wikimedia Commons

the meaning of life

Monday, October 19th, 2009

themeaningoflife

Ausgehend von dem Haiku

She asked me about
The meaning of life,
didnt Know what to say— blank

haben Vytautas Alechnavicius, Goda Jankute und Sergejs Radkevics dieses schöne, merkwürdig naiv-poetische Stop-Motion Video gedreht, das es nach dem Klick zu sehen gibt.

Ich sollte auch mal Haikus schreiben. Irgendwie habe
ich das Gefühl, das liegt
mir doch schon. Vielleicht.
(more…)

grasp me

Wednesday, October 14th, 2009

cityof

City of music and great musicians, city of fiacre and dancing, city of bon vivants, city of Freud, city of exquisite Sacher cake and great coffee, city of wine, city of culture, music, concerts, arts, theater, science, peace, beauty and love, city of districts, here I come …

photo cc by Les Hutchins

Fragen. (aus Leipzig)

Saturday, September 12th, 2009

leipzisch

(von einem Flyer, den ich in Leipzig gefunden habe…)

Weißt du wie HIV, Candida und Hepatitis übertragen werden? Schließt du nachts deine Tür ab? Besitzt du mehr als eine Haarspange? Sagt dir manchmal jemand, dass du schöne Augen hast? Denkst du dir neue Kosenamen für neue Beziehungen aus oder sagst du immer mein Herzkeks? Kannst du in eine Flasche pinkeln? Schon mal einem kleinen Kind beim Pinkeln geholfen? Weinst du? Redest du beim Sex? Vergleichst du einen Körper mit dem anderer Leute? Hast du einen dicken Arsch? Große Titten? Einen Bierbauch? Warum machen Frauen die Zuarbeit? Warum sind Männer wichtig? Bietest du Gästen Heißgetränke an? Bist du grobmotorisch? Lebst du in serieller Monogamie? Kratzt du dich in der Öffentlichkeit zwischen den Beinen? Trägst du figurbetonte Kleidung? Pfurzt du in der Öffentlichkeit? Hast du hohe Telefonrechnungen? Wer würde dich besuchen, wenn du im Krankenhaus liegst? Redest du gerne über Musik? Kannst du mit nem Feuerzeug Bierflaschen öffnen? Kannst du Reifen wechseln? Weißt du immer eine Antwort? Bist du dir sicher? Weißt du was Heterosexualität ist? Trägst du Unterhosen mit Eingriff? Hast du schon mal eine Möse geleckt? Hast du manchmal Kopfweh statt Sex? Kennst du dich mit Heilmitteln aus? Machst du lieber Tür oder Tresen? Hälst du Gespräche am Laufen? Machst du Geschenke? Kannst du mit einer Zigarette im Mund Kickern? Rauchen ohne abzuaschen? Fährst du Auto oder wirst du gefahren? freiwillig? Hast du freiwillig keine Beziehung? Redest du auf Plena? Hast du Angst? Bist du queer? Weißt du, was das bedeutet? Bist du ein Frauenversteher? Eine frustrierte Emanze? Wurde dir schon mal deutlich, dass du sexistisch bist? Warum kochen immer die Mädchen? Warum trägst du kein T-Shirt? Wer schraubt dein Auto? Warum bleibt die Frau mit dem Kind zu Hause? Kannst du schweißen? Windeln wechseln? Wer hat es dir beigebracht? Wie oft wächst du ab? Bei dir zuhause? Bei anderen? Wie viele Male hast du abgetrieben? Wie oft kein Kondom benutzt? Küsst du Männer? Küsst du Frauen? Was tust du wenn ein Keilriemen reißt? Hast du Gefühle? Redest du darüber? Hast du eine Nagelpfeile? Spielst du in einer Band? Schminkst du dich selber? Hast du schon mal einen Rock getragen? Zu welcher Gelgenheit? Wann hälst du eine sexuelle Beziehung für befriedigend? Wackelst du mit dem Arsch beim Tanzen? Trägst du eine Brustbandage und einen Pullover auch im Hochsommer? Hast du schon mal jemanden geschlagen? Wen? Warum? Kannst du Blut sehen? Benutzt du Einführhilfen? Besitzt du einen Bolzenschneider? Bist du süß? Hast du eine Plattensammlung? Lächelst du gern? Hast du gute Zähne? Ist klein und nett zu sein eine erfolgsversprechende Verhaltensweise? Ist Sex gleich Penetration? Hast du Angst im Dunkeln? Kannst du Holzhacken? Mit einer Motorsäge umgehen? Hörst du gut zu? Hast du Narben? Bist du jeden Tag mit Politkram beschäftigt? Hütest du Kinder anderer Leute? Eigene? Bringst du sie ins Bett? Übernimmst du viele Aufgaben? Hast du ständig schmutzige Fingernägel? Putzt du das Klo? Hast du betrunken Sex? Kennst du die Kalorienzahl deiner Nahrungsmittel? Hast du einen LKW-Führerschein? Wie oft isst du täglich? Kochst du oder andere? Hat dir schon mal jemand gesagt, dass du grenzüberschreitend bist? Steckst du dein T-Shirt in die Hose, wenn du Kopfstand machst? Trägst du BHs? Schämst du dich für deine rasierten Beine? Stinken deine Füße? Fährst du allein in Urlaub? Knutschst du außerhalb deiner Beziehung? Redest du mit deiner Beziehung darüber?
Bist du gerne allein?

Verkrampfung

Sunday, August 2nd, 2009

verkrampft

Jaja, lacht ihr nur!

Auch der Geist kann verkrampfen. Auch wenn meiner meistens ein lauter, stürmischer Schreihals ist, der es gar nicht erwarten kann, Wörter abzusondern, so gibt es auch Zeiten, in denen der “Schreibmuskel” verkrampft ist und gelockert werden muss. Das ist nicht immer einfach, aber oft hilft es schon, auf richtiges, echtes, aus Bäumen gemachtes Papier zu schreiben und während einer Reise den Geist fliegen zu lassen – in alle möglichen Richtungen, ihn zu stimulieren mit allen Sinnen. Insofern ist es nur richtig, sich Gedanken über kommende Tote zu machen. Manchmal muss man aber auch einfach möglichst verschwurbelt darüber bloggen, damit sich andere darüber aufregen, man würde nur noch über Schreibblockaden, die überhaupt keine sind, bloggen. Da wirkt die Muskel-Metapher gar nicht mehr so dumm, immerhin haben wir alle irgendwelche Antagonisten.

Vielleicht fängt man am Besten mit der eigenen Leiche an. Nicht jener, die man im Keller – oder, und das ist sicher auch oft der Fall, auf dem Dachboden liegen hat, sondern mit der, die man einmal sein wird. “Alle Zeit, die wir haben, ist jetzt …” Gedenke deines eigenen Todes!

Aber es ist doch Sommer! Da möchte man nicht an Leichen denken, lieber an Froschlaich, aber der ist jetzt auch schon geschlüpft oder gegessen.
Ja, denken wir an Froschlaich und erfreuen uns des Sommers, der da fröhlich vor sich hin plätschert, wenn es gerade mal nicht trocken ist.

Wer mag schon im Regen stehen, wenn er auch sitzen kann? So setzen wir uns, irgendwo im gott- und menschenverlassenen Osten unter das Vordach einer maroden Schule, in der niemand mehr lehrt oder lernt. Der Regen hat nichts bedrohliches. Er ist, im Vergleich zu Welle der Gefühle in uns allen, nur Hintergrundrauschen.
Wer beschwert sich im Anblick seiner eigenen Hinrichtung schon über das Wetter?

photo cc by Martin Sordilla