Archive for the ‘Cooltuhr’ Category

Gender Check

Wednesday, December 16th, 2009

gendercheck1Foto: © MUMOK

Wenn ich schon in Wien wohne, kann ich mir auch ab und an ein wenig Kultur gönnen. Immerhin gibt es hier unglaublich viele interessante Museen. Die meisten davon hat man im sogenannten Museumsquartier versteckt, damit Leute wie ich, die nach freistehenden Museen suchen und denken, sie würden das wohl schon entdecken, erst nach längerer Suche am Ziel ankommen. In dem “Innenhof” der ehemaligen Hofstallungen hat man die Kunsthalle, das Leopoldmuseum und das MUMOK gesteckt. Das muss man ja auch erst einmal wissen. Andererseits hätte ich auch fast meinen seit lang gehegten Plan, einen Tag lang mit den Straßenbahnen Wiens zu fahren, unfreiwillig wahr gemacht, weil ich zu doof war, die Richtung zu checken. Aber ich habe ja schon einmal festgestellt, dass das gonzojournalistische Prinzip des auf-alles-vorbereitet-seins meistens bedeutet, dass man überhaupt nicht vorbereitet ist.

Gender Check ist eine Ausstellung über – Überraschung! – Geschlechterollen in Osteuropa. Bzw. die Auseinandersetzung der Kunst mit Geschlechterollen in Osteuropa. Interessanterweise wurde im Sowjetkommunismus ja eine “geschlechterlose” Gesellschaft propagiert, die aber nicht wirklich umgesetzt wurde, wobei sehr viel mehr Frauen Lohnarbeit verrichtet haben als im Westen. Natürlich spiegelt sich dieser Umstand auch in der Kunst wieder, vor allem im sowjetischen Realismus bis 1960. Im ersten Teil der Ausstellung sind heroische Darstellungen von arbeitenden Frauen zu sehen, erstaunlich oft als Bauarbeiterinnen. Aber auch hier ist eine Arbeitsteilung und damit Rollenbilder zu erkennen. Die meisten Bilder zeigen Frauen in Webereien, in der Lebensmittelindustrie, während die Stahlarbeiter allesamt Männer sind. Trotzdem: die Bauarbeiterinnen bleiben im Gedächtnis. Diese Werke sind Teil der offiziellen Kunst gewesen und damit Teil der Staatspropaganda, die von inoffizieller Kunst als Märchen enttarnt werden.

gendercheck2Michails Korneckis (Lettland) – Mädchen, packen wir es an, 1959 © Normundus Braslins

Vor allem ab den 1970er Jahren beginnen Künstlerinnen, Selbstdarstellungen anzufertigen und decken hier in der offiziellen Kunst nicht vorhandene “Weiblichkeit” auf. Ein Bild mit einer über die Kloschlüssel gebeugten Schwangeren trägt den simplen Titel “Eine Frau”.

Und so staunte ich mich durch die Ausstellung, schaute kurz in einige Filme rein, die ich immer ein wenig sinnlos finde, wenn sie länger als zehn Minuten dauern, denn sie reißen einen oft aus der eigentlichen Ausstellung und ganz ehrlich, eine Stunde auf einem Hocker in einem Museum sitzen bleiben, das halte ich nicht wirklich aus. Es fällt mir schon schwer genug, in meinem Zimmer eine Folge “X-Files” anzusehen, ohne zu schauen, was gerade bei twitter passiert. Nach einigen Versuchen ließ ich die Filme also Filme sein und bedauerte, nicht über mehr Zeit und Auffassungsfähigkeit zu haben. Außerdem ärgerte ich mich darüber, kein real-life-ffffound zu haben und dass es offensichtlich auch in großen Museen Gang und Gäbe ist, Glasrahmen so zu beleuchten, dass man die Ausstellungsstücke gut als Spiegel benutzen kann, jedoch das Werk selbst kaum sieht.

gendercheck3Wojciech Fangor (Polen) – Figures / Postaci, 1950 © Wojcieh Fangor

Die sexuelle Revolution gab es, Überraschung, nicht nur im Westen. Perfomances, Videoinstallationen, Body Art und die Fotografie waren nicht nur neue Medien, sondern auch Ausdruck einer neu erlebten Sexualität. Feminismus wird angedeutet. Auch die klassischen männlichen Rollenbilder, allen voran der Soldat, werden gekonnt dekonstruiert. Auch andere Sexualitäten und Beziehungsformen als die das durch Propaganda geprägte heterosexuelle Norm werden dargestellt.

Nach 1989 veränderte sich so einiges. Der Teil Gender und Kapital zeigt, dass mit dem Kapitalismus/der Wende auch Prostitution, Menschenhandel und die Pornoindustrie verstärkt nach Osteuropa gekommen sind. Milchtüten für Brustmilch, ein Menschenhandel-Monopoly und mutmaßliche Bankangestellte, die “Money Money” von ABBA singen bildeten meiner Meinung nach einige Highlights von diesem Teil, der mich im Großen und Ganzen sehr begeistert hat. Ob das daran liegt, dass “Sex sells”, oder ob ich auf neueres Material einfach besser anspreche, weiß ich nicht. Immerhin ist Pornografie ja heute auch allgegenwertig.

gendercheck4Eva Filova (Slovakei) – Without Difference, 2001 © Eva Filova

Allgemein scheinen die Kunstwerke nach 1989 freier, aber auch wesentlich stärker am Westen interessiert. Das Projekt einer polnischen Künstlergruppe, die eine virtuelle Präsidentschaftskandidatin zur Wahlen stellen lassen wollten, inklusive Wahlkampagne, wirkt dann doch sehr “westlich”. Wobei ich die Idee ziemlich gut fand und sie auch super ausgeführt war.
Natürlich gibt es auch eine Abrechnung mit den Diktaturen und ihren Geschlechterrollenbildern vor 1989 in der Kunst. Nicht nur die DDR-Künstlerin, die die Stasiakten über sich selbst mit Fotos zu den Beobachtungen der Spitzel spickt, sondern auch viele Werke, die die Rolle der Armee und der Männer in ihr beleuchten und karikieren.

Insgesamt ist Gender Check sehr sehenswert. Ein wenig hat mich gestört, dass das ganze ein wenig zu sehr wie ein “Best Of” wirkte. Von manchem hätte ich gerne mehr gesehen, anderes fand ich dann nicht so umwerfend, aber ich würde jeder Person, die ein klein wenig was mit Gender, Kunst oder Osteuropa anfangen kann, dringend empfehlen, das MUMOK zu besuchen. Die Ausstellung läuft noch bis zum 14. Februar 2010. Die Ausstellung hat auch eine eigene Webseite.

In All My Dreams, it Never is Quite as it SeemsRovena Agolli (Albanien) – In All My Dreams, it Never is Quite as it Seems, 2002 © Rovena Agolli

Filmsommer 2009: Midnight Meat Train

Friday, August 28th, 2009

midnightmeattrain

Der Fotograph Leon Kauffmann, bisher eher schlecht als recht durch Fotos für die Sensationspresse über die Runden kommend, fotografiert auf der Suche nach Motiven ein Model, das kurz danach für vermisst erklärt wird. Bald vermutet er einen Zusammenhang mit dem Verschwinden weiterer Menschen und einem Schlachter, den er beim Austeigen aus der New Yorker U-Bahn fotografiert hat. Er wird besessen von der Idee, dass der Schlachter irgendetwas mit dem Fakt zu tun hat, dass immer wieder Menschen in der U-Bahn verschwinden. Seine Freundin Maya (Leslie Bibb), die in einem Restaurant arbeitet, in das Leon immer sein Tofu mitbringt, um es dort vom mürrischen Küchenchef Otto, gespielt von Peter Jacobson (bekannt als Dr. Taub in House), braten zu lassen, erklärt ihn für verrückt und will, dass er mit seinen Nachforschungen, bei denen er vom Schlachter Mahogany (Vinnie Jones) auch schon mal durch das Schlachthaus gejagt wird, aufhört.

Durch Zufall landet er wieder in der U-Bahn, in der Mahogany seine Opfer mit einem gigantischen Fleischhammer tötet, um sie dann von Nägeln und Haaren befreit im letzten Wagen des Zuges kopfüber an Fleischerhaken zu hängen und beobachtet das grässliche Schauspiel, ehe er vom wortlosen Schlachter entdeckt wird. Merkwürdigerweise tötet dieser ihn nicht. Leon erwacht im Schlachthaus und hat ein merkwürdiges Symbol auf seiner Brust eingeritzt. Auf den Schreck hin verputzt er erstmal ein Steak in Ottos Restaurant. Die Polizei glaubt ihm natürlich nichts, so dass er sich im Schlachthaus mit allerlei Messern und Beilen ausrüstet und durch die geheime U-Bahnstation wieder in den Midnight Meat Train einsteigt. Seine Freundin Maya und sein bester Freund Jurgis, gespielt von Roger Bart, ermitteln derweil auf eigene Faust im Appartement des Schlachters, wobei Jurgis von Mahogany erwischt wird.

Es kommt zum Showdown in der U-Bahn, Leon tötet Mahogany in einem heldenhaften Kampf und findet raus, das das Fleisch der entführten Menschen tatsächlich ins Schlachthaus gebracht wird. Sein Freund Jurgis hat die Attacke des Schlachters nur knapp überlebt. In der Endszene sitzt Leon im Restaurant und isst wieder Tofu. Auf die Frage, wieso er dem Steak wieder abgeschworen hat, meint er nur: “Ich weiß jetzt, wo das Zeug herkommt!”

Leider endet Midnight Meat Train nicht so. Das wäre ein halbwegs gutes, akzeptables Ende gewesen. Die Auflösung ist mehr als dürftig und zerstört vor allem die ganze Atomsphäre des Filmes, der eigentlich bis auf das Ende halt, ganz solide ist. Die Hintergrundgeschichte des Fotografen, der Künstler werden will und “das Leben der Stadt” einfangen will, ist ganz okay und der mysteriös-stumme metzelnde Schlachter gibt genug Rätsel auf, die eben nur unbefriedigend erklärt werden. Kamera, Schnitt und Musik verleihen dem Film eine spannende Atmosphäre. Aber das Ende, leider durch die Geschichte des Schriftstellers und Produzenten Clive Baker vorgegeben, konnte der japanische Regisseur Ryuhei Kitamura auch nicht mehr retten. Nett fand ich den Aufritt von Peter Jacobson, der hoffentlich auch bald mal größere Rollen spielen kann.

Auf Rotten Tomatoes hat der Film merkwürdigerweise 70% bekommen, metacritic ist realistischer und vergibt 58 Punkte und bescheinigt “mixed or average reviews“.

Wegen des lausigen Schlusses und verpatzter Möglichkeiten (Soylent Green!) würde ich den Film nur absoluten Gerne-Fans empfehlen und vergebe 38 von 100 möglichen Tofustücken.

photo cc by Molly Des Jardin

Filmsommer 2009: Fighting

Thursday, August 20th, 2009

fighting

Ich war in den letzten Wochen für meine Verhältnisse oft im Kino und habe somit einige Filme gesehen. Und dann kann man ja auch ruhig mal einige Wörter zu diesen Filmen schreiben. Den Anfang macht Fighting von Dito Montiel.

Shawn McArthur, gespielt von Channing Tatum, verkauft gefälschte iPods und Harry Potter-Bücher in New York. Er wird von einigen jungen Männern angegriffen, die er verprügelt, ohne jedoch sein Geld zurück zu bekommen. In einer Bar trifft er dann einen der Männer, der ihm das Geld zurück gibt und ihm anbietet, für ihn in einem illegalen Straßenkampf teilzunehmen und so viel Geld zu machen.
Shawn nimmt an und gewinnt, in dem er seinen russischen Gegner in ein Waschbecken stößt. Auf der Siegesfeier in einem VIP-Raum einer Disko trifft er auf die Kellnerin Zulay Valez, gespielt von Zulay Henao, in die er sich verliebt. Außerdem trifft er auf seinen ehemaligen Erzrivalen, der von seinem Vater trainiert wurde.

Harvey Boarden, gespielt von Terrence Howard verschafft Shawn noch einige Kämpfe, während dieser eine Beziehung mit Zulay anfängt. Irgendwann kurz vor seinem großen Kampf mit seinem Erzrivalen bemerkt er jedoch, dass beide sich kennen und verdächtigt sie, eine Affaire zu haben …

Was klingt wie ein mäßiger Kampffilm mit der obligatorischen Liebesgeschichte, ist ein auf allen Ebenen gut gemachter, abwechslungsreicher Film, der mich auch überzeugen konnte, obwohl ich nicht gerade ein Fan von Martial Arts-Filmen bin. Durchaus empfehlenswert. Anscheinend ist das Erstlingswerk von Dito Montiel, Guide to Recognizing Your Saints, noch besser.

Die Reviews zu Fighting sind durchaus gemischt. Während Rotten Tomatoes nur 41% vergibt, so bescheinigt metacritic 61 von 100 möglichen Punkten und generally favorable reviews.

Ich vergebe 65 von 100 möglichen nuklearen Sprengköpfen.

photo cc by petite corneille

The Marie-Adelaide Complex

Friday, March 6th, 2009

Disneyland copyright by Steve Jakobs

Dieser Artikel ist als Solidaritätbekundung zu Steve Jakobs zu verstehen, dessen Werke (das oben gezeigt Bild sowie eins mit dem Titel dieses Artikels als Schriftzug) vom luxemburgischen Botschaftler in Belgien aus einer Austellung in der Botschaft entfernt, weil sie angeblich Majetätsbeleidigung darstellen. Weshalb ich diese wiederhole.

Mehr Informationen im tageblatt(Das ich ausnahmsweise verlinke, obwohl ich eigentlich auch Lust hätte, über die momentane “Wir schreiben jeden Tag einen nichtssagenden Artikel über Facebook”-Tendenz beim Tageblatt und anderen Blättern zu meckern) und bei rtl. Auf der Seite der konservativen und auflagenstärksten Zeitung Luxemburgs, dem “Luxemburger Wort” ist “erstaunlicherweise” nichts zu finden. Philippe Schockweiler hat ebenfalls einen Artikel über die Mickey-Maus-Monarchie geschrieben.

Kunst muss frei sein und Kunst muss auch Herscher kritisieren können!

an iwwerhaapt, mir hu Kulturjoer, d’Leit solle méi Droge friessen!

Wednesday, December 3rd, 2008

Angscht a Schrecken Liesung
Ich lese also am 10. Dezember 2008 ab 21 Uhr Texte aus Angscht a Schrecken-Folgen im Exit07 in Luxemburg-Stadt. Wer noch nie im neuen Exit07 war, für den gibt es auch eine Anfahrtsskizze.
Es wird übrigens nicht nur über das Kulturjahr gehen, auch wenn alleine der Ort schon bedingt, dass ich das Thema nicht auslassen kann.
Kommt zahlreich und bringt Freunde mit, Eintritt ist frei und die Nächte sind kalt!
Edit: Natürlich ist das Event auch auf Facebook vertreten und ihr dürft auch da gerne helfen, das ganz noch zu verbreiten!
Ansonsten auch vielleicht noch mal ein Hinweis auf die Lesung der les jeunes mélancoliques am 17. Dezember am gleichen Ort mit anderem Programm.

Das Spannungsverhältniss von Kultur, Zensur, Geld und dem Internet

Saturday, April 19th, 2008

Ich habe ja letztens schon von diesem Colloque erzählt, aber ich will darauf jetzt nicht weiter eingehen, weil ich nur für meinen eigenen Workshop da war und sonst nicht ganz viel mitbekommen habe. Was vor allem an meiner Zeit lag. Letzten Samstag war ich nämlich ultra-eingespannt, ganz im Gegensatz zu diesem Wochenende. Obwohl das auch anders hätte sein und verlaufen können, aber ich muss ja nicht immer zu alles Lust haben. Und vor allem tut es auch mal gut, ganz entspannt ein paar schönen Tätigkeiten nachzugehen. Schreiben, und damit ja wohl auch so etwas wie »Kultur schaffen «, gehört ja auch zu meinen Steckenpferden.

Wo fängt Kultur an, und wo hört sie auf? Insbesondere wenn man das Internet betrachtet, ist das eine schwierige Frage, die man kaum noch einfach beantworten kann. Sind YouTube-Videos Kultur? Vielleicht nicht im allgemeinen, aber auch mit einer Handykamera und einem einfachen Schnittprogramm kann man geniale Werke schaffen. Eins der bekanntesten und langlebigsten Webcomics besteht aus immer den gleichen Bildern. Ist das Kunst? Ich sage ja. In vielen Fällen wird etwas geschaffen.

Der Künstler ist, im klassischen Sinne, von Geld abhängig, weil er irgendwie leben muss, will oder kann er nicht einer regulären Beschäftigung nachgehen, ohne seine Kunst zu vernachlässigen. Deshalb muss er seine Werke verkaufen oder einen Gönner finden, der ihn irgendwie finanziert. Und in dem Sinne ist die Künstlerin und damit die Kunst wieder bedroht, weil die finanziellen Mittel möglicherweise nicht unabhängig von dem Output des Künstlers fließen. Die Künstlerin läuft Gefahr, zum Auftragskünstler zu werden und nicht mehr Kunst zu machen, die ihr gefällt, sondern dem Gönner. Und damit ist auch die Kunst in Gefahr, denn dadurch geht ihr in meinen Augen etwas verloren. Ich kann auch gute Artikel über Projekttage in meiner Schule schreiben und dabei all die Dinge erwähnen, die laut Lehrerin und deren Uni erwähnt werden müssen, aber so richtig zufrieden bin ich mit dem Resultat danach nicht, einfach weil es nicht das gleiche ist.

Ein weiterer Faktor ist die Anpassung an den Markt. Sei das ein literarisches Genre, das gerade in Mode ist, eine Musikrichtung, die sich besonders gut verkauft oder eine Form von Kunstwerken, die gerade auf dem Kunstmarkt heiß begehrt ist. Inwiefern kann eine Band, die bei einem großen Label ist, wirklich die Musik machen, die sie machen will und jene Texte singen, die dem Sänger/der Songwriterin in den Kopf gekommen sind?
Ich behaupte: Nicht wirklich. Sonst würden sich nicht so viele Bands von ihren Labels trennen. (Obwohl hierfür wohl auch ein genereller hirnzellenfressender Virus in den Führungsetagen der Musikindustrie verantwortlich sein kann, denn die Verbreitungspolitik, vor allem im Internet, lässt immer noch zu wünschen übrig. Kulturflatrate!) Wie es wohl mit Autoren, Filmemacherinnen oder anderen Künstlerinnen sein mag, weiß ich nicht und kann ich auch nicht beurteilen.

Die Gefahr der Zensur geht aber nicht nur von potentiellen Geldgebern aus, sondern von jeder Macht, die die Kraft hat, zu zensieren, dh. vor allem vom Staat, aber auch von Verlägen, Kunsthäusern, Museen, Zeitungen, usw. Im Internet gibt es diese Form der Zensur nicht, bzw. ist sie hier leichter zu umgehen. Als FlickR vor einigen Monaten deutsche User vor Nippeln schützen wollte, sind die en masse zu anderen Anbietern gewechselt und haben sich dort ihre Nippel angesehen. Eine weitere Form von Zensur ist der Verbot des Benutzens von copyrightgeschütztem Material, wie es zum Beispiel bei MashUps oder Mixtapes der Fall ist. Hier kann selbst das Internet nicht vollständig vor Zensur schützen, da die Urheber solcher Werke von den Anwälten der Rechteinhaber gejagt und heimgesucht werden können.
Hier stellt sich eine ähnliche Frage wie beim Graffiti: Kann auch Kunst, die die Rechte anderer verletzt, legal sein? Und ist das überhaut Kunst? (Oder künstlerisch wertvoll?)

Hier kann man nun allgemein einfügen, dass das Internet eigentlich eine große Kopiermaschine ist und es relativ idiotisch ist, die Kopie verbieten zu wollen, wenn man es mit einem Medium zu tun hat, dessen gesamtes Funktionieren auf dem Prinzip des Kopierens basiert. Ich kann aber gleichzeitig die Rechteinhaberinnen, insbesondere kleine Bands verstehen, die Geld für ihre Kunst haben wollen, weil sie anders nicht überleben können.

Das Internet stellt in allen diesen Bereichen eine Chance dar. Es gibt bereits eine Menge von Webseiten, die es zB. Bands ermöglichen, Geld zu sammeln, um sich beispielsweise eine Album-Aufnahme leisten zu können. Netlabels vertreiben Musik über das Internet. Verlage drucken CC-Bücher von berühmten Bloggern. Ansonsten gibt es Print-On-Demand nicht nur für Büchern, sondern auch für Fotos, Bilder, T-Shirts, Kaffeetassen und ähnliches. CC und ähnliche Lizenzen ermöglichen es MashUp und Mixtape-Künstlerinnen, ohne Gefahr zu Mashen und zu Mixen.
Durch soziale Netzwerke werden Kräfte gebündelt, Autorinnen finden Fotografen und Bassisten Schlagzeugerinnen.

Und dennoch, Geld als Künstler machen ist auch im Internet schwer. Aber wohin wollen wir, was ist gut für die Kunst und was sollte passieren?
Staatlich subventionierte Kunst hat oft nur Eventcharakter (für die Massen) oder ist für die sozialen Eliten gemacht.
Künstlerische Freiräume bringen kein Geld und werden oft schnell wieder aufgegeben, wenn sie denn überhaupt existieren können.
Im Internet liegt die Zukunft, aber es wird uns auch nicht retten.

Was wir brauchen, sind neue Modelle für ein neues Jahrhundert. Neue Ideen und offene Ohren und Herzen, die sie empfangen. Wir müssen uns lösen von der Idee, dass die Kopie etwas böses ist und Zensur notwendig. Wir sollten erkennen, dass wir nicht nur auf der Konsumenten oder der Erschaffer-Seite stehen können, sondern dass es immer mehr Grauzonen dazwischen gibt. Interaktivität wird Teil der neuen Kunst sein, mit in sie einfließen, der Betrachter wird zum Künstler, die Kunst zur Betrachterin, die Künstlerin zur Kunst.
Und das ist erst der Anfang

Kultur, Zensur, Geld

Tuesday, April 15th, 2008

Am Samstag war ich auf einem »Colloque«, das von attac und der europäischen Linkspartei organisiert wurde. Der Name von diesem Diskussionsforum war »Kulture, Argent, Censure «, was ja erst mal interessant klang. Und ich war als Blogger dorthin eingeladen. Sozusagen als Fachmann für den Workshop über die Neuen Medien. Das ganze war recht interessant, vor allem da neben mir auch noch ein Blogger aus Portugal, Daniel Oliveira, anwesend war, der auch interessanten Input und Beispiele aus Portugal brachte. Ich wurde mal wieder auf Angscht a Schrecken angesprochen und traf eine Menge mir wage bekannt vorkommender Leute. Und ich war wahrscheinlich die jüngste Person auf der Veranstaltung, aber sowas sind wir ja mittlerweile gewöhnt.

Und das Tageblatt hat einen Artikel über das ganze geschrieben, in dem ich einmal richtig und einmal falsch zitiert werde. Find ich nett.

Und bei Gelegenheit schreibe ich auch mal was zu dem Spannungsverhältniss von Kultur, Zensur, Geld und dem Internet. Aber momentan habe ich dazu wirklich keine Zeit.

Weinen, Willy und Whiskey

Saturday, January 12th, 2008

Nachdem ich dieses wunderbare Stück der Schauspielkunst gesehen habe, dann bei Sara nach dem Lesen dieses Textes tatsächlich eine Träne vergossen habe, brauche ich jetzt einen Whiskey.
Und dann schreibe ich am Ina-Epos weiter.

Gesponserte Kultur

Tuesday, December 25th, 2007

Weshalb wir neue (junge?) Kunst/Kultur/Literaturbewegungen brauchen: Refeudalisierung des Kulturbetriebes bei Sven Scholz.

Verschiedenes (III)

Monday, December 24th, 2007

Es gibt einen Artikel über uns in der Woxx!
Autor ist der bestbekannte Blogosphärenreporter der Woxx, Luc Caregari. ;-)

Interview auf 100,7 am Donnerstag, gegen halb 12.

Ein neues Studio in Betrieb nehmen ist relativ unspektakulär. Aber es gab zumindest Sekt.

Die Hündin hat die Schnürsenkel meiner Schuhe gefressen. Die Schuhe sind von der Marke Vegetarian Shoes. Aber vielleicht mag die Hündin auch nur auf irgendetwas rumkauen. Was, scheint im Moment relativ egal zu sein. Schnürsenkel, Hände, Eisstücke, Hundespielsachen, Menschenspielsachen, Papier, Schaumstoffbälle – alles mögliche halt. Der Name ist übrigens noch immer Yoda. Wenn der Hund nicht so undifferenziert auf Sachen rumkauen würde, wäre das richtig richtig cool.

Heute gibt es A&S bloß aus der Dose: Angscht a Schrecken leschten Chreschtdaach (hun ech dir main Härz gin)

Eine besinnliche Wintersonnenwende euch allen. Oder so.

Wenn ich eine Zitatserie wie Thierry oder Deef hätte, stünde da jetzt: »Bei de Juden ass daat jo drai Deeg méi frei.«

Kommt am 27. Dezember ins D:qliq. Bringt eure Freunde mit. Das Programm ist wirklich sehr gut. Ausserdem kann man nur ein einziges Mal beim Ersten Mal dabei sein.

Es gibt Menschen, die träumen von mir.
Und es gibt Menschen, die von anderen Menschen träumen, die mit ihren Sexualpartnern Gemüse im Bett benutzen.
Beides macht mir Angst. Besonders, wenn es in Kombination auftritt.

Ich träume hingegen nur von Prüfungssituationen zwischen abstrakt geformten Steinen.

Hier sollte dann ein cooler Abschlusssatz stehen.