Archive for December, 2008

Urheber/Piratenrecht

Saturday, December 13th, 2008

Eigentlich weiß das ja schon jeder, aber die neuste Folge des Elektrischen Reporters ist klasse. Klar hat man für das ZDF ein paar Eingeständnisse gemacht, aber das Reportage/Magazinformat gefällt mir eigentlich genausogut wie einfache Interviews, auch wenn die immer sehr sehr interessant waren. Aber besonders bei Themen wie dem Urheberrecht in Zeiten des Webs 2.0 braucht man natürlich mehr Personnen, um das Thema gut darzustellen. Auf die Folge der nächsten Woche freu ich mich schon.

Interessant auch der Hinweis in den Kommentaren zu sellyourrights und der Aktion von Marcus Loeber, der sein Album releast, wenn in 2 Wochen genug Geld dafür zusammen ist. Auch wenn ich zugeben muss, dass ich nicht ganz verstehe, wieso da “public domain” steht, wenn eine relativ restriktive CC-Lizenz (nichtkomerziell, keine Veränderungen) angewandt wird.

Abwässer

Thursday, December 11th, 2008

Es gibt ja mittlerweile die Teilung von Schmutzwasser und Regenwasser in der Kanalisation. Weil Regenwasser eher selten einer Klärung bedarf und man somit teilweise sehr viel Wasser verschmutzt (indem man sie mit häuslichen oder industriellen Abwässern vermischt), um es dann wieder zu klären.
Also ist die Teilung von Regen- und Abwasser schon mal gar keine so schlecht Idee. Nur, was ich mich halt frage, ist folgendes: Sollte man nicht drei verschiedene Transportrohre/Beseitigungsmaßnahmen einführen, wobei Regen- und Abwässer wie Bade-, Spül-, Wasch- und ähnlich kontaminierte wasser wie gehabt getrennt geklärt würden und man die menschlichen Abfälle, Kot und Urin also in eine Art Biogasanlage befördern würde, wo man entweder Energie (Heizwärme, evtl. Fernwärme) oder Gas zum Kochen (so ein System wird in Entwicklungshilfeprojekten eingesetzt!) gewinnen könnte. Es hätte zum Vorteil, dass man weniger Wasser kontaminieren und klären müsste und ausserdem sofort und relativ lokal Energie produzieren könnte.

Oder ist das jetzt eine Scheißidee?

www.angschtaschrecken.lu

Wednesday, December 10th, 2008

Angscht a Schrecken zu Lëtzebuerg haben jetzt eine eigene Seite.
Und das passt ja zum Tag, denn
heute Abend, 10. Dezember 2008 ist die Lesung
an iwwerhaapt, mir hu Kulturjoer, d’Leit solle méi Droge friessen!
im hauptstädtischen Exit07
ab 21 Uhr
Eintritt frei!

Kommt zahlreich und bringt all eure Freunde und Feinde mit!

Podcast: Angscht a Schrecken um Chrëschtmaart

Monday, December 8th, 2008

Eigentlich habe ich mich schon viel zu oft über Weihnachten ausgelassen. Aber getreu dem Motto “Alle Jahre wieder” kann ich auch dieses Jahr nicht davon lassen, mich über die Auswirkungen dieses Festes auf den öffentlichen Raum zu echauffieren …

Audio clip: Adobe Flash Player (version 9 or above) is required to play this audio clip. Download the latest version here. You also need to have JavaScript enabled in your browser.

MP3-Download Angscht a Schrecken um Chrëschtmaart

Die Musik stammt von Revolution Void und steht unter einer cc-Lizenz.

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Einschlafen

Sunday, December 7th, 2008

Meistens schlafe ich mit einem Hörbuch bzw. Podcasts mit Hörbuchcharakter ein. Ich bekomme nie sehr viel davon mit, höchstens zwei, drei Minuten, weshalb ich mit einer Folge von Dreiviertelstunde sehr lange komme. Allerdings heißt das auch, dass ich die Geschichte nicht unbedingt immer sehr aufmerksam verfolge.
Aber manchmal gibt es Nächte, da mag ich kein Hörbuch hören. Nicht, weil mich die Geschichte langweilt oder ich es nicht mag, mit einer Stimme einzuschlafen. Sondern weil ich mit meinen Gedanken alleine sein will.

Ich lege mir dann meistens ( ) von Sigur Ròs auf und meditiere beim Einschlafen und Betrachten der Bilder in meinem Kopf über meine eigene (Nicht)Einsamkeit nach.
Und darüber, dass es schon lange niemanden mehr gibt, an den ich vor dem Einschlafen denken könnte. (Es gibt wahrscheinlich keine Möglichkeiten, irgendwelche schmierigen Witze abzuwenden, deshalb bitte ich euch jetzt einfach so tun, als stünde hier etwas so mächtiges, das alle Zweifel über die Art des ” an-jemanden-denkens” auflöst.)

Und ich befinde dieses “Traurigsein”, diese Melancholie auf Kommando durchaus befreihend.

Eimer

Thursday, December 4th, 2008

Ich möchte ein Eimer sein, in den sie alle reinkotzen.
Vielleicht bin ich genau dieser Eimer schon lange.
Das ist die schrecklichste Beschreibung für etwas, das so unglaublich schön sein kann.
Aber manchmal fühlt es sich doch genau so an.

Das Leben der Anderen hören, bereden, erleben, erzählen. Als wäre es dein eigenes.
Es ist doch aber ein Teil von dir und du bist ein Teil davon. Aber nichts von alledem ist ganz deins.
War je irgendetwas ganz allein mein?
Eine unendliche Umarmung im Angesicht der Ewigkeit, während eines Wimpernzuckens. Sekunden sind zu lange, um jene Augenblicke zu messen, in denen du dich in einem Stadium absoluter Klarheit befindest.
Wie ein Loch, das mit einer Stecknadel in deinen dicken Wattekokon gestochen wird.

Beschreibt man diese Phasen als Sinuskurve, so ist der gemeinte Moment exakt der, in dem die Auslenkung null ist.
Meine Haare sind schon wieder so lang. Und du hast keine Ahnung, was für eine Frisur du willst. Vielleicht war ein fast kahler Kopf dann doch besser. Roh sah das aus.
Mir fehlt jeder Zugang zu poetischer Sprache. Aber ist nicht Poesie das, was man nicht mehr beschreiben kann, die Sterne, die wir nicht sehen, weil zu weit weg sind, die Jupiterringe, die zu dünn sind, die Millionen von Mikroorganismen, die halbtot auf unserer Haut herumkrabbeln, ohne das wir auch nur die leiseste Ahnung davon haben, ob sie existieren oder nicht? Ist nicht das der Inhalt, den du jetzt nicht mehr auszudrücken vermagst?

Vielleicht, weil es außer Pickel nichts mehr auszudrücken gibt.
Ein eitriger, dicker Pickel auf der Haut meiner Seele. Man sollte ihn ausdrücken, mit allen zehn Fingern gleichzeitig. Auf dass der Eiter und das Blut nur so spritzen! Eklig soll es sein, so eklig, dass man kotzen möchte aber vor Ekel nicht einmal mehr fähig ist, die eigene Speiseröhre auch nur ansatzweise zu kontrollieren.

Menschen taumeln herum, fallen von der Bühne, von der Brücke, in den Abgrund. Eine roboterhafte Spinne klettert die Brüstung des Plastes hoch, auf den Balkon, wo sie die Flagge der Republik hisst. Hilflose Soldaten versuchen sie zu erschießen, merken aber, dass sie nicht einmal Patronen haben. Schnell verstaatlichen sie zwei Banken und ein Plattengeschäft und versuchen die Spinne mit Polyvinylchloridscheiben zu treffen.
Ich trete auf den Balkon meines Palastes und bekräftige noch einmal meine Souveränität.
Eiterflüssigkeit schwappt aus den überlaufenden Kanälen, in denen sich keine Schildkröten mehr aufhalten.
Eine Prozession aus meinen Erzfeinden, allen voran der diabolische Doktor Schredder, der seine Niederlagen nie eingestehen konnte.

Und ich dachte, diese Zeit wäre vorbei! Eine Musikkapelle begleitet den Zug, der schon seit fünf Minuten an einer Wand steht und nicht mehr weiterkommt.
Niemand kann das hier alles erklären und dennoch weiß jeder, was gemeint ist.

Und dann ist da Leere.

an iwwerhaapt, mir hu Kulturjoer, d’Leit solle méi Droge friessen!

Wednesday, December 3rd, 2008

Angscht a Schrecken Liesung
Ich lese also am 10. Dezember 2008 ab 21 Uhr Texte aus Angscht a Schrecken-Folgen im Exit07 in Luxemburg-Stadt. Wer noch nie im neuen Exit07 war, für den gibt es auch eine Anfahrtsskizze.
Es wird übrigens nicht nur über das Kulturjahr gehen, auch wenn alleine der Ort schon bedingt, dass ich das Thema nicht auslassen kann.
Kommt zahlreich und bringt Freunde mit, Eintritt ist frei und die Nächte sind kalt!
Edit: Natürlich ist das Event auch auf Facebook vertreten und ihr dürft auch da gerne helfen, das ganz noch zu verbreiten!
Ansonsten auch vielleicht noch mal ein Hinweis auf die Lesung der les jeunes mélancoliques am 17. Dezember am gleichen Ort mit anderem Programm.

Republik Luxemburg

Tuesday, December 2nd, 2008

Je nachdem, wie die Mühlen der Geschichte jetzt mahlen, wird heute der Tag sein, der als Wendepunkt Luxemburgs in die Geschichtsbücher/ebooks eingehen wird. Großherzog Heinrich I., (eigentlich S. K. H. Großherzog von Luxemburg, Herzog von Nassau, Prinz von Bourbon-Parma, Graf von Sayn, Königstein, Katzenelnbogen und Diez, Burggraf von Hammerstein, Herr von Mahlberg, Wiesbaden, Idstein, Merenberg, Limburg und Eppstein) hat heute bekanntgegeben, dass er das vieldiskutierte Sterbehilfegesetz aus moralischen Gründen nicht unterschreiben und damit legalisieren will. Das ist das erste Mal dass sich Henri aktiv in die Politik einmischt und das zweite Mal, dass ein Großherzog das überhaupt tut.

Und schon das letzte Mal hatte es fast eine Republik gegeben. Ein wenig Geschichtsunterricht:
Am 11. November 1918, also am Ende des ersten Weltkrieges bildete sich in Luxemburg-Stadt ein Arbeiter- und Bauerenrat, der die Abdankung der Großherzoging Marie-Adelheid und die Einführung der Republik beschloss. Dieser sprache bei Staatsminister Reuter vor und überreichte ihm eine Petition, die eine marxistisch geprägte Republik forderte.
Auch in Esch/Alzette und Düdelingen bildeten sich solche Räte, welche die Republik und Abschaffung der Monarchie forderten. Diese Forderungen kamen auch aus der sozialistischen Partei und von einer gewissen Ligue Française, die allerdings auch einen starken Anschluss an Frankreich forderte.
Berreits zwei Tage drauf, am 13. November waren vor allem im Escher Tageblatt und in der Volkstribüne Schlagzeilen zu lesen, die die Abschaffungs der Monarchie forderten und der Großherzogin einen Prozess an den Hals wünschten.

Im Dezember 1918 wurde es zusehens verworrener. Die politischen Parteien waren sich nicht nur uneins ob Monarchie oder Republik, sondern auch ob Anschluss an Frankreich oder Belgien.
Im Januar 1919 gab es dann den ersten Versuch, die Republik zu gründen. Ein Wohlfahrtsauschuss (Comité du Salut Public) wollte am 9. Januar eine vorläufige Regierung aufstellen, welche am Tag drauf vorgestellt werden sollte. Da die Republik nicht sofort ausgerufen wurde, wurde dieser Ausschuss von Volksmaßen ausgepiffen. Der Ausschuss wollte die Schranken des Gesetzes nicht verlassen und hatte daher keinen Erfolg.

Am Tag drauf, 10. Januar 1919 wurde nach Verhandlungen mit dem Ausschuss, Soldatenführern und Sozialdemokraten ein weiterer Ausschuss gebildet, der aus René Blum, Gaston Diderich, Jacques Gallé, Aloys Kayser, Adolf Krieps, Eduard Léon, Emil Mark, Josef Palgen, Jakob Schaack, Emil Servais, Josef Thorn, Jules Ulveling und Dr. Michel Welter bestand.

Die französische Besatzungsarmee schützte jedoch die Regierung Reuter. Und sie scheint wohl auch der Grund für das Scheitern des zweiten Wohlfahrtsausschusses zu sein. Zumindest hat sie die Leute, die sich vor der Chamber (lux. Parlament) versammelt hatten, auseinandergetrieben. Am 12. Januar 1919 gab der Wohlfahrtsausschuss seine Niederlage zu und erklärte die Revolution für beendet.

Ein Brief von Gust van Werveke, der diesen am 11. Januar 1919 um 4 Uhr morgens an seinen Freund Marius Wagner auf dem offiziellen Briefpapier der Chambre geschrieben hat, beschreibt er dass republikanische Kräfte und der Wohlfahrtsausschuss die Chambre besetzt hielten und dass, wenn Wagner den Brief in den Händen halten würde, vielleicht schon die Flage der Republik über Luxemburg wehen würde.
Den Briefkopf hat van Werveke folgendermaßen modifiziert:
Gr.-Duché de Luxembourg République luxbeoise

Drei Wochen später erhielt Wagner wieder einen Brief, diesmal mit unverändertem Briefkopf. Die Republik wäre nach nur sechs Stunden bestehen sabotiert worden. Man müsse einen zweiten Versuch wagen, sobald die Gefahr einer französischen Einmischung nicht mehr bestehe.

Die Informationen zu diesem Beitrag habe ich zum größten Teil aus dem Buch Luxemburgische Avantgarde von Gast Mannes, erschienen im Mai 2007 bei Editions Phi. Weitere Informationen kamen von dieser Webseite.
Wenn jemand mehr weiß – die Kommentare sind dafür da!

Man darf gespannt sein, was jetzt mit Luxemburg passiert. Vor allem die Aussage von Jean-Claude Juncker, er habe das schon lange gewusst, macht mich irgendwie wütend. Immerhin hätte man schon länger darüber diskutieren können, aber vielleicht war das ja auch kalkuliert? (Mein Spaß-Vorschlag war ja die demokratische Monarchie: Wir wählen den Monarchen einfach, verraten das aber niemanden. So können wir den Grüßmonarchen benutzen, um asiatische Konzernchefs zu beeindrucken und haben aber ein demokratisches System.)
Bleibt nur zu hoffen, dass wir kein zweites 1919 erleben müssen und die Zeiten anachronistischer Regierungsformen in Luxemburg bald gezählt sind …