Archive for July, 2008

I am with you.

Monday, July 7th, 2008

in tiefer Ehrfurcht und mit Entschuldigungen an Allen Ginsberg, dessen Geheul mich nie loslassen wird

Ich sitze im Halbparadies unter den Zikadenbäumen
strecke meine Fühler nach den Sternen aus
und singe mein Lied
auf dass sie meine Satelliten werden
drahtlose Verbindungen schwirren durch die frische Kühle der Sommernacht
die köstlich duftet nach Thymian und Rosmarin, die auf den Hügeln verdorren
WLAN, GSM, Infrarot, GPRS, UMTS, Kurzwelle, Langwelle, Mittelwelle, Mikrowelle
ich atme ein und aus
und sage euch
Ich bin mit euch.

Ich bin mit euch in Schandel
wo grosse Hunde bellen und Bäuche schmerzen aber alles gut werden wird
Ich bin mit euch in Junglinster
wo stumme Türme Lügen verbreiten und Zweifel sähen
Ich bin mit euch in Luxemburg-Stadt
wo wichtige Kämpfe vorbereitet werden
Ich bin mit euch in Rostock
wo das Meer nicht so freundlich ist wie hier und Pläne geschmiedet werden
Ich bin mit euch auf Friedhöfen
wo ihr euch langweilen müsst in Ewigkeit
Ich bin mit euch in Köln
wo meine Ungewissheit mich verbindet
Ich bin mit euch in Tübingen
wo ihr erwachsen werdet und es schon länger seid als ich
Ich bin mit euch am Bodensee
wo ich ein Teil meines Herzens verloren habe
Ich bin mit euch in Blogbuerg
wo viel zu lange schon Stille herscht
Ich bin mit euch in Schottland und Wales und der Schweiz und wo auch immer ihr seid
denn eure Reisen erfreuen mein Herz
Ich bin mit euch in Ettelbrück
wo ihr mich anscheinend mehr vermisst als ich meine Freiheit geniesse
Ich bin mit euch in Rockland
wo ich diesen Spruch falsch übersetzt habe
Ich bin mit euch im Norden und Süden und Osten und Westen
auf dem gesamten Erdball und drumherun und innendrinnen bin ich mit euch
auf dieser und der anderen Seite bin ich mit euch
wo auch immer ihr seid, ich bin mit euch Freunde
denn Empathie ist die einzigste Waffe die ich aus der Ferne habe
denn ich weiss, wie gut es sich anfühlt, zu wissen
dass noch jemand die gleichen Sterne sieht wie ich selbst

Podcast: Angscht a Schrecken op enger Insel virun Marseille

Monday, July 7th, 2008

Wenn man auf eine Insel eingeladen wird, muss man die Einladung annehmen. Denn so schnell und günstig kommt man normalerweise nicht vom europäischen Festland weg, und wenn es nur 20 Minuten sind. Aber wie so oft entwickelte sich eine anfangs lustige Bootfahrt mit der Zeit zu einem wahren Horrortrip…

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MP3-Download Podcast: Angscht a Schrecken op enger Insel virun Marseille

Die Musik stammt von Revolution Void und steht unter einer cc-Lizenz.

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Studentenleben (public beta)

Friday, July 4th, 2008

Ich liebe ja Blogs von Studenten über ihr Studentenleben. Also nicht, dass ich nur darüber lesen will, aber wenn man mit einer so typischen Studentenbloggerin wie Comme “aufgewachsen” ist, kann man wahrscheinlich gar nicht anders, als das, was da in Studentenwohnheimen, WGs und Hörsällen abläuft, klasse, lustig und erstebens- oder zumindests lesenwert zu finden.
Und ich selbst möchte ja auch irgendwann mal ein richtiger Student sein, auch wenn ich noch immer nicht so Recht daran glaube, dass das je passieren wird. Nicht, weil ich mir das nicht zutraue, sonder eher, weil ich im Gefühl habe, dass mich ein tonnenschwerer Laster beim unachtsamen Überqueren einer Strasse erwischen wird. Es ist schon viel zu lange gut gegangen, als ob ich immer so viel Glück haben könnte.

Aber das Praktikum in Marseille ist ja schon ein gutes Training für das Studentenleben, sollte ich es je haben. Ich wohne bekanntermassen auf dem Campus “Luminy”, in einem von 6 wunderschönen Studentenwohnheimen. Es gibt auch ein paar nett aussehende Gebäude mit Studios, die im Vergleich zu meinem Kabuff wahrscheinlich wie Paläste aussehen.
Gemeinsames Bad und gemeinsame Küche klingt eigentlich gar nicht so schlimm. Ich hatte mir so fünf bis sieben andere Personen vorgestellt, mit denen ich ein normal aussehendes Bad und eine normal aussehende Küche teilen würde. So wie man sich das halt so vorstellt, als naiver Pratikant.
In Wahrheit teile ich mir die Küche und das Bad mit ca. 20 Personen. Und die Räume sehen nicht aus wie man sich solche Räume normalerweise vorstellt, sondern eher wie ein einem.. na ja, Studentenwohnheim. Eklig.

Das Bad besteht aus drei Klokabinen mit Schüsseln ohne Brille, ohne Klopapier und es wundert mich, dass Bürsten vorhanden sind und die Spülung funktioniert. Am ersten Tag war eins der drei Klos vollgekotzt. Zum Glück bin ich am zweiten Tag auf ein anderes Stockwerk (höher!) umgezogen, dh. ich muss nie auf ein Klo setzen, von dem ich weiss, dass es mal mit eingetrockneter Kotze beschmiert war. Was wahrscheinlich jedoch bei jedem der Klos der Fall ist, aber was man nicht weiss, verursacht keine Verdauungstörungen.

Die Küche besitzt ganze zwei Herdsockel. Keine Herdplatten, wie jede normale Küche, sondern ca. 20 cm hohe Herdsockel. Ich habe sowas noch nie gesehen, weiss nicht, wieso das so ist und will es auch nicht wissen. Die Küche sieht öfters ähnlich aus wie das beschriebene Klo des ersten Tages, nur, dass die Nahrungsmittel noch keinem Verdauungsorgan hinzugefügt wurden. Obwohl man das manchmal gar nicht so genau sagen kann.
Meistens ist die Arbeitsfläche total versaut, es liegen kleine Tintenfischarme herum, abgefallenes Paniermehl von Fischstäbchen oder der eingetrocknete Schaum übergelaufener Milch bilden eine nette Kruste, die nicht nur für das allgemeine Kochvegnügen sorgen, sondern auch noch ein herrliches Biotop für Wesen bilden, über die ich mir lieber keine Gedanken machen.
Es gibt zwei Spülbecken. Mindestens eins davon ist ständig verstopft, in dem anderen befindet sich die Kruste von angebranntem Essen (oder verbranntem Rotkohl – so genau wollte ich es noch nicht untersuchen). Heute haben zwei junge Männer, die eine Sprache sprachen, die ich nicht verstand, aber für etwas in die Richtung “arabisch/türkisch” halte, einen Fisch ausgenommen. Und sich dabei lauthals darüber gestritten, wie man das richtig macht.
Ich wollte nicht fragen, ob die Fischstäbchenüberreste, die seit zwei Tagen auf der Arbeitsfläche liegen, von ihnen stammen.

Ich stach meine unschuldigen und immer noch halbrohen Kartoffeln testweise mit meinem Taschenmesser und verschwand wieder in mein Zimmer. Hatte ich erwähnt, dass auf der guten Kochplatte derzeit etwas brodelte, das offensichtlich niemand gehörte? Das passiert auch öfters. Leute kochen etwas und lassen es so lange stehen, bis es vollständig karbonisiert ist. Wahrscheinlich zu Testzwecken. Ich will auch gar nicht wissen, wie viel Crack in der Küche schon gekocht wurde.

Als ich wieder kam war ein Waschbecken überschwemmt und die Innereien des Fisch taten das, was sie sein ganzes Leben lang getan hatten, nur jetzt halt ohne seine Hülle: Sie schwammen. Nur dies mal im Waschbecken.
Das ganze hat den Vorteil, dass ich kein schlechtes Gewissen haben muss, wenn ich ein paar Reiskerne, die mir beim Wasserabschütten ins Waschbecken fallen, dort drin lasse. Die Brühe dort drin ist sicher das Experiment für die Abschlussarbeit von irgendwem, genau wie der Fischkopf letztens auf der Aussentreppe…

Über die merkwürdige Lärmbelastung erzähle ich dann ein anderes Mal. Entgegen all dem, was ich jetzt erzählt habe, bin ich übrigens ziemlich glücklich hier. Es fühlt sich ein klein wenig an wie Urlaub. Mit dem Unterschied, dass ich manchmal auch arbeiten muss. Und sonnig ist es.

Mehr Fotos aus den Calanques

Tuesday, July 1st, 2008

Calanques
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