Archive for June, 2008

Podcast: Angscht a Schrecken op der Fréijoersfoire

Monday, June 2nd, 2008

Die alljährliche Frühlingsmesse ist ein steter Quell von Angst und Schrecken. Das darf man sich als Gonzojournalist natürlich nicht entgehen lassen. Mit Begleitung wagte ich micht in die Ausstellungshallen auf dem Kirchberg, nur um schon an den Eingängen fast zu verzweifeln …

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Die Musik stammt von Revolution Void und steht unter einer cc-Lizenz.

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Verlassen

Monday, June 2nd, 2008

[0806011709]
Ich verlasse diese Stadt und fühle mich nicht gut dabei. Nach längeren Reisen überwiegt meistens dann doch die Freude, mal wieder nach Hause zu können. Aber heute ist das das erste Mal überhaupt nicht so. Da in T. sind Freunde, ehemalige Affairen, »liebe Menschen «, mit denen man sich verbunden fühlt und es schmerzt, nach so kurzer Zeit wieder zu gehen und zu wissen, dass ein Teil von einem dort bleiben wird.
Vielleicht ist es auch einfach, weil kein Zuhause mehr da ist, weil ich andauernd auf Reisen bin.
[Ich schreibe lieber auf meinen Knien als auf dem Tisch, irgendwie.]

Mein Magen rebelliert. Aber wogegen eigentlich? Das Essen war gut, ich habe genügend und abwechlungsreich getrunken und habe auch nicht an suspekten Dingen rumgeleckt.
Psychosomatisch, möglicherweise.
Ich möchte jetzt eigentlich noch weiter mit meinen Freunden aus T. auf der Terrasse sitzen, Limo oder Kaffee schlürfen und über alles mögliche diskutieren.
Irgendwann mal wiederkommen. Am liebsten im Sommer, am liebsten sofort, am liebsten überhaupt nicht wegfahren.

Und dann sagst du deiner rebellierenden Verdauung und deinem kribbelnden Körper, dass du die Erinnerung bewahren musst, die Luft, die du geatmet hast, die Bilder, die du gesehen hast, die Musik und die Worte, die du gehört hast, jede Berührung und Umarmung, die du gefühlt hast musst du in deinen Zellen und deiner DNA abspeichern, damit du sie nie vergisst.

Und das ist das Schöne. Die Fähigkeit, Erinnerungen zu bewahren wie mystische Einmachgläser. Die Inspiration, die über sämtliche Nervenbahnen kriecht und neue Verbindungen schafft und dass neues entsteht.
Fast wie die Vögel, wie Seemöwen.

Unterwegs

Monday, June 2nd, 2008

[0805261822]Kryptische Symbole auf dem Tellerrand der Seele.
Ich bin nur noch unterwegs. Home is where your luggage is.
Und immer kommt Geld von irgendwoher, du verlierst die Perspektive. Stählerne Metawürmer verschlingen dich, verdauen dich in ihren rasenden Innereien zwischen Bordbistro und Dynamo. Transkontinentale Flüge, und du musst dir nur im Eilverfahren einen Pass ausstellen lassen.
Du verlierst die Perspektiv, fühlst dich irgendwie nicht mehr daheim, denn du bist ein Nomade.

Aber war das nicht dein Wunsch?

Die Perspektive zu verlieren über der kalten Nordsee, wo die feine Linie zwischen Horizont und Meer, zwischen Genie und Wahnsinn, zwischen Pepsi und Cola, zwischen Leben und Tod nicht zu erkennen ist?

War es nicht dein Wunsch, ein einsamer Wanderer zu sein, über dem Meer, ewig auf der Suche nach deiner Insel? Ich bin der Nemo der Lüfte! Call me Captain, Baby! Sub umbra alarum tuarum!

Du hast die Perspektive verloren und niemand ist da, dem du es erzählen könntest. Vielleicht hast du nicht nur die Perspektive verloren, sondern auch andere Dinge, Menschen, Gefühle.

An der Bahnsteigkante sitzt ein Jazz-Yogi und meditiert.
Auf den Leitungen sitzen Raben und trauern alten Zeiten nach.
Am Fahrkartenschalter verkauft ein Insektenwesen Zeit auf Raten
Pinkfarbene Mobiltelefone verbinden Kontinente auf der Metaebene.
Abstrakte Denkmuster fließen aus meinen Ohren.

Ich erwache in dem Plastiktraum.
Hier ist alles unsinnig, selbst meine Brustwarzen.
Die Sonne scheint und der Traum beginnt zu schmelzen. Entschuldigen Sie, Herr Schaffner, aber meine Fahrkarte ist geschmolzen!
Plastikturbinen heulen auf, während Ken und Barbie eine wilde Knuschterei beginnen. Er hält ihren Kopf und reißt ihn von ihrem angeschmolzenen Hals. Ihr letzter Plastikschrei erstickt und es spritzt Plastikblut und -gedärme aus ihrem Halsstummel. Der ganze schöne Teppich ist ruiniert. Ein unwissender Greis setzt sich mit seinen Plastikhintern auf den beschmierten Sitz. Er ist inkontinent und so schmilzt er auf dem Sonnenplatz zu einer breiigen Masse aus Blut und Urin.

Meine Augen öffnen sich ein weiteres Mal. Ich stehe in einem dichten, dunkeln Nadelwald. Es ist absolut still. Paranoia kommt auf. Alle unterdrückten Kindheitstraumata vom bösen Wolf und kannibalischen Frauen stemmen meine Schädeldecke auf und schöpfen meine grauen Zellen mit Metaleimern aus meinem Kopf. Ich taumele blind und taub durch diesen Alptraum, um schlussendlich einzuschlafen, während ich mich langsam verpuppe.
Ich verwandele mich in einen ewigen Tausendfüssler, der von unten Frauen auf die Brüste stiert, die er nicht versteht, weil er ihre Sprache nicht spricht, und überhaupt – die meisten von ihnen mögen keine Männer!

Wärst du doch nur eine Schnecke geworden, die sind Zwitter und haben homo- und heterosexuellen Sex zugleich, sozusagen.
Dir fallen die Beine ab. Der Waldboden löst sich, krümmelt unter deinen Füßen, die du nicht mehr hast. Mädchen fassen sich gegenseitig ohne Scham an die Brüste und gewinnen offenbar Befriedigung davon, eine Zigarette nur zu halten.
Meine Hornhaut hat sich gelöst, ich sitze gesichtslose in großen Sälen und sage nicht.

Eine lose Sommerbrise.
Alles wird gut, sagt die Frau im Fernsehen.
Es ist warm. Ich bin ein Mensch. Sauerstoff füllt meine Lungen.
Hello, World!