Das nächste Mal
Saturday, January 19th, 2008wenn ich eine Schreibblockade habe, sage ich ich einfach, ich unterstütze den Streik der WGA damit. [haha.]
wenn ich eine Schreibblockade habe, sage ich ich einfach, ich unterstütze den Streik der WGA damit. [haha.]
Ich bin momentan sehr unproduktiv. Ich weiß nicht mal wieso es ist eine Art generelle Lustlosigkeit. Ich habe weder die Emails, die auf Antwort warten, beantwortet, noch an irgendwelchen Projekten gearbeitet, irgendetwas geschrieben oder aufgenommen, ich habe nicht einmal irgendwelche großartigen IM-Gespräche geführt, und ich weiß nicht mal, ob ich das später noch tun werde. Ich lebe von Tag zu Tag scheinbar ohne großes Ziel vor Augen. Ich sitze mit Tee und Muffins hier und fühle mich einfach nur leer. Die Muffins sind irgendwie so klebrig, dass man nur die Wahl hat, das Papier mitzuessen oder einen guten Teil Teig wegzuwerfen. Ich habe mich für letzteres entschieden, nehme ich doch schon ernährungsbedingt relativ viel Ballaststoffe auf.
Es fühlt sich merkwürdig an, mal wieder »einfach so« zu bloggen. Ich weiß nicht, wann ich das das letzte Mal getan habe, so Bauchbloggen ohne zumindest eine Zielsetzung. Als ich die Pressemitteilung für die Lesung Mitte Dezember rausgehauen hatte, wollte ich der Presse erst mal ein Blog ohne Katzenbildercontent bieten (was natürlich Blödsinn ist, man kommt hier nach zwei Klicks zu Inhalt, der ganz und gar nicht literarisch ist) und habe mich deshalb mit solchen Artikeln zurückgehalten, und dann fühlte es sich eine gute Zeit lang irgendwie falsch an, »einfach so« zu schreiben.
Vielleicht geht es mir auch deshalb so, weil ich zwischen die Fronten einer merkwürdigen Verschwörung geraten zu sein scheine, auf der einen Seite der Geheimdienst, auf der anderen die rechts ultrakommunistische ADR Pol-Pot-Brigade (oder so ähnlich). Das regt einen dann einige Minuten am Tag auf und dann schreibt man ein paar tolle Zeilen und die Welt sieht wieder anders aus.
Die Zeit fliegt dahin mit Nachgrübeln und Wikipedia-Rumgeklicke, und alle paar Minuten schreibe ich einige Zeilen oder auch nur Wörter in diesen Artikel.
Es gibt auch kein Fazit. Vielleicht sollte ich nur anmerken, dass ich meinen Tee mit Zucker weitaus leckerer finde als in gesund.
Neue visuelle Identitäten finden ist nicht immer leicht. Deshalb sucht man sich Hilfe von Professionellen. Problem nur, wenn die sich in einem labyrinthartigem Haus mit gespenstisch weißen Wänden verstecken und es überall verdächtig nach Koks aussieht…
MP3-Download Podcast: Angscht a Schrecken an enger Pubsagence
Die Musik stammt von Revolution Void und steht unter einer cc-Lizenz.
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»Ich bin gekommen, weil ich bei quasi allem, was ich tue, an dich erinnert werde, weil jeder Gedanke an dich noch immer so schmerzt wie kurz danach. Ich könnte dich nicht einmal hassen, denn das würde bedeuten, dass ich diesen Sommer, den wir gemeinsam erlebt haben, vergessen müsste.«
Seine Stimme klang kratzig, als hätte er seit Stunden nichts getrunken. Dabei hatte er einen Moment davor kurz an seinem Tee genippt.
Er wollte nicht vergessen. Und gleichzeitig hatte er den Wunsch, eines Tages aufzuwachen und sich an nichts mehr zu erinnern, sie aus seiner persönlichen Geschichtsschreibung auszulöschen. Ein weißer Fleck auf der Landkarte in seinem Kopf. Aber das konnte nicht die Lösung sein. War es die Lösung gewesen, hierher zu kommen und ihr das alles zu erzählen?
Ina strich sich über die Arme. Hatte sie eine Gänsehaut? Sie sah ihn nicht an, während sie sprach, und ihre Haare verdeckten seine Sicht auf ihre Augen.
»Was aber willst du, dass ich dir sage? Was soll ich bitteschön tun? Wenn ich mich nach dir sehnen würde, hätte ich dir das gesagt, aber eigentlich war ich froh darüber, dass du aus meinem Leben verschwunden warst. Du warst weit weg, wie ein böser Alptraum am nächsten Tag, und das fühlte sich…«
Sie stockte einen Moment, strich sich wieder mit den Händen über die verschränkten Arme, holte Luft, ehe sie weiterfuhr: »Das fühlte sich richtig an.«
»Wieso?«
Die Frage kam aus ihm herausgeschossen, ohne dass er es wollte, scharf und mit naiver Wut und Unglauben.
Aber hatte er nicht bis vor letzter Nacht das gleiche gedacht und gefühlt? War er es nicht gewesen, der für sich entschieden hatte, keinen Kontakt mehr mit ihr zu haben?
Ina sah ihn verwundert an. Sie hatte sich wohl keinen so scharfen Ton erwartet. Die Anklage, die in seiner Stimme gelegen hatte, traf sie. Dann blickte sie wieder auf ihre Füße, weiter ihre Arme verschränkt, langsam mit ihren Zehen spielend.

»Wahrscheinlich, weil ich nicht wollte, dass es weh tat, wenn ich an den Sommer dachte. Vielleicht wollte ich auch überhaupt nicht mehr daran denken, dass du je existiert hast, dass wir Zeit miteinander verbracht hatten, um keinen Schmerz zu spüren. Manchmal scheint es doch das Beste zu sein, alles zu vergessen.«
Vor unendlich langer Zeit hatte es eine Ina gegeben, die gesagt hatte, dass man nichts vergessen dürfe, auch nicht die schlechten Erfahrungen. Das war die Ina gewesen, in die er sich damals verliebt hatte. Eine Ina, die er noch nicht verletzt hatte.
Inas Freundin hatte sich bisher still verhalten, das Gespräch der beiden beobachtet und von Zeit zu Zeit geräuschlos einen Schluck Tee getrunken, vor allem während den Pausen, die dem ganzen etwas quälendes verliehen, als würde jeder den anderen mit einem Moment der Stille foltern wollen.
Doch jetzt sagte auch sie etwas, mit ruhiger, fast schon heiserer Stimme:
»Vergessen ist schlecht. Alte Menschen vergessen Teile ihres Lebens. Ihnen haftet eine Traurigkeit an, eine Melancholie des Nicht-Vergessen-Wollens. Auch wenn Erinnern Schmerz bedeutet, so ist es besser, als überhaupt nichts mehr zu wissen. Das, was wir erlebt haben, wird zu einem Teil von uns, und wenn wir es mit einem Menschen zusammen erlebt haben, wird dieser Mensch somit auch ein Teil von uns. Wie die Splitter eines Hologramms immer das ganze Bild enthalten, so enthält die Erinnerung immer ein Bild, eine Momentaufnahme dieses Menschen.«
Sie errötete leicht, weil Ina und er auf sie starrten und sie fragend ansahen. Sie wich den Blicken peinlich berührt aus und starrte weiter, wie beim Reden schon, aus dem Fenster, wo sich ein weißer Flaum vom Schneeregen auf die Welt legte, um dann wieder so schnell zu verschwinden, wie er gekommen war.
(Photo cc by Meredith Greenwood)
Nachdem ich dieses wunderbare Stück der Schauspielkunst gesehen habe, dann bei Sara nach dem Lesen dieses Textes tatsächlich eine Träne vergossen habe, brauche ich jetzt einen Whiskey.
Und dann schreibe ich am Ina-Epos weiter.
Death is not the end, they say
But I, standing in a deep dark hole
I dare ask
if maybe the end comes before death
dark and intriguing questions
asked all winter long during cold nights
No answers in these ruins built upon
ancient myths and legends
no more songs to be sung by old men
This ivory tower has collapsed to nothing more
than a well
Death is not the end, they say
I dare to think: maybe destruction is
and at the same moment
I am collecting pieces to build
a new – my own tower
where I shall think
where I shall write my stories
where I shall find protection
in deep winter nights
[Das nennt man dann wohl user corrected poetry. Dankeschön Charel, Thierry, green_wasabi und sara!]
Für alle, die immer noch nicht wissen, was ich denn so bei Graffiti bzw. Radio ARA mache, hier jetzt die endgültige Erklärung und einen wunderschönen Einblick in unseren »Betrieb« ausserdem werden vielleicht einige überrascht sein, wer denn alles bei Radio ARA/Graffiti angefangen hat.
Selfportrait
Death is not the end, they say
But I, standing in a deep dark hole
I dare to ask
if maybe the end comes before death
dark and intriguing questions
asked winterlong during cold nights
No answers in these ruins build upon
ancient myths and legends
no more songs to be sung by old men
this ivory tower has collapsed to nothing more
than a well
Death is not the end, they say
I dare to think: maybe destruction is
and in the same moment
I am collecting pieces to build
a new my own tower
where all my toughts shall be thought
where I shall write my stories
where I shall find protection
in deep winter nights
[Ich weiß, dass ich des Englischen kaum mächtig bin und meine Ausdrucksmittel in dieser Sprache begrenzt sind. Kommentare bzgl. Rechtschreibung, Grammatik und ähnlichem sind deshalb erwünscht. Was nicht heißt, dass inhaltliche Diskusion verboten ist. Im Gegenteil. Und: Na endlich, ein Gedicht.]
Ich sitze in einem Konzertsaal und lausche einem klassischen Musikstück. Musik, von der ich nichts verstehe, die mich aber trotzdem irgendwie beflügelt. Außer mir ist niemand hier. Ich sitze alleine in diesem riesigen Raum, während das Orchester spielt, als wäre der Saal voll. In Neonbuchstaben leuchtet der Name des Komponisten und des Stückes über der Bühne. Ich kann mit dieser seltsamen Mischung aus Symbolen und Zahlen nichts anfangen der Name des Komponisten scheint nur aus Sonderzeichen zu bestehen. Hier sollte meine Bühne sein.
Hier sollte ich als Hamlet, Othello, Kaufmann, Tod, Orpheus stehen.
Hier sollte mein Blut vergossen werden, hier sollte ich heiraten, hier sollte mein Drama stattfinden.
Irgendwo dröhnt ein billiger Kühlschrank. Vielleicht ist es auch nur das Surren eines Fernsehers auf dem Videokanal ohne Signal.
Hintergrundrauschen aus dem All. Die Verbindung zu Alpha Centauri ist schlecht, ich höre ständig meine eigene Stimme. Das andere Ende der Leitung versteht mich kaum. Im Radio: Billiger Telefonsex, während die Moderatoren auf den Tischen tanzen.
Diesmal rettet dich keine Atombombe. Diesen Alptraum musst du ganz alleine austrinken. Wie Bier mit zu viel Schaum.
Wollte sie dich betrunken machen? War das ihr Plan? Deine Zunge lockeren, um sie letztendlich zu verschlingen?
Dieses Blasinstrument sollte mit furzen aufhören, das würde ihm gut tun. Blähungen sind ein ernsthaftes gesundheitliches Problem, dem in unserer Gesellschaft viel zu wenig Achtung geschenkt wird. Verkaufen sie deshalb noch heute ihre Seele und erhalten sie ein zweites Gehirn gratis dazu!
Ist dies eine Folter, oder soll ich tatsächlich noch länger in diesem Traum bleiben? Der diabolische Dr. Faust hat sich mit anderen Superschurken verbündet, um meinen Schädel mit ihren antiken Folterinstrumenten zu öffnen und mein Gehirn zu untersuchen. Vielleicht pflanzen sie Chips ein, um meine Hände zu steuern, während ich schlafe?
Der Held der Oper tritt vor, fällt auf die Knie und bittet seinen Gott um Erlösung.
»Dein Wille komme, oh Spongebob!«
Statt mir trifft ihn eine Erscheinung und sein Geiste klärt sich auf. Große Schuppen fallen ihm aus den Augen. Ein Team von Sanitätern stürzt von beiden Seiten auf die Bühne, wischt den Schaum vor seinem Mund mit einer übergroßen Klobürste ab und zieht die Schuppen mit chromglänzenden Apparaturen aus dem Auge des Heldens. Es stellt sich heraus, dass er ebenfalls seine Kontaktlinse verloren hat.
Ein Gott fällt aus der Reinigungsmaschine, die irrtümlicherweise schon auf der Bühne stand. Er torkelt, offensichtlich betrunken, in den Orchestergraben und fällt in die Tuba, die dennoch nicht ihren Einsatz verpasst. Pflichtbewusst bis zum Ende.
Der Tumult auf der Bühne löst sich auf. Der Held, nun erleuchtet, kleidet sich in nacktes Segeltuch. Es scheint nicht zu kratzen.
Wieder flammen Buchstaben über der Bühne auf. Ich verschlucke mich an einer Erdnuss. Dies sollte meine Bühne sein!
Hier sollte mein Drama stattfinden!
Der schwarze Block erklärt sich solidarisch und stürmt den Konzertsaal. Im Orchestergraben leichter Applaus, ohne dass jemand seinen Einsatz verpasst. Einzig die Musik ist nicht wahnsinnig geworden. Dr. Schiwago spielt Simultanschach mit einer Herde Einhörner, während der Held noch immer von seiner Erleuchtung singt. Großartige Landschaften überlappen sich mit dem Gemetzel aus einem Sandalenfilm. Man projeziert zwei, drei, vier Filme über- und nebeneinander, um den Zuschauer zu verwirren. Aber war ich je nur Zuschauer?
Die Sitze beginnen zu brennen, der schwarze Block hat die Philharmonie zum Einsturz gebracht. Säule um Säule kracht dumpf im Hintergrund. Das Orchester spielt weiter. The show must go on. Der Held, einsam wie ich selbst, ein Spiegelbild nunmehr, singt noch immer, während die Ruinen um die Bühne zu wuchern beginnen. Ich muss keine Angst haben um meinen Kragen, man hat ihn mir chirurgisch entfernt.
Ich warte. Auf das Ende. Auf einen weiteren Gott aus dem Nassstaubsauger.
Die Tage der Wut beginnen.
[Notiz des Autors an sich selbst: Eigentlich wollte ich ein Gedicht schreiben. Sei's drum.]
Ich will von keinem, der nicht Naked Lunch oder ein ähnlich wichtiges Buch der Beat Generation gelesen hat, irgendetwas über Interpunktion hören. Vor allem nicht bei fremden Texten. Ich persönlich bin nach wie vor nicht glücklich, wenn man meine Texte auf ihre Rechtschreibfehler oder orthographischen Ungenauigkeiten reduziert oder diesen Eindruck erweckt, weil man nur darüber kommentiert, aber ich bin eigentlich froh über jede Hilfe und Hinweise, sollte ich irgendwelche Fälle falsch benutzen, Kommataregeln missachten oder sonstwie nicht ganz richtig schreiben, aber wenn ich um Kekse und Fairness bitte und das erste, was kommt, sind Hinweise auf Kommata, dann macht mich das als der, der da eine Plattform zur Verfügung stellt, ein wenig traurig. Über Lesbarkeit und Abschnitte kann man diskutieren, generell sollte man aber erst einmal davon ausgehen, dass ein/e AutorIn weiß, wieso ein Text so aussieht, wie er aussieht.
Ich frage mich, ob der Abschnitt da oben gerechtfertigt ist oder nicht. Darf ich Kritik an meinen Gästen kritisieren? Es ist ja nicht so, als ob diese Dinge nicht »gerechtfertigt« wären oder nicht gesagt werden dürften. Mich stört es nur, wenn es das einzige ist, was man zu einem Text zu sagen hat oder dieser Eindruck erweckt wird. Gute Intentionen können so leider oft in dem sprichwörtlichen falschen Hals landen, vor allem klingen nett gemeinte Ratschläge manchmal so, als würde man die Person nicht ernst nehmen oder für ein Kind halten was dann eher kontraproduktiv ist. Anderseits habe ich oft genug Texte, zu denen niemand etwas sagt, wieso auch immer.
Vielleicht sollten wir uns alle jeden Morgen nicht nur das hier sagen, sondern auch dieses Video hier ansehen. Vielleicht würde das uns alle daran erinnern, dass wir alle nicht ganz normal sind und wir uns darauf konzentrieren sollten, Neues und Schönes zu schaffen. Denn auch wenn dieses Blog auf den Grundfesten der Seelentherapie steht, so weiß ich, dass es kurze Momente gibt, in denen ich schöne Dinge erschaffe, vielleicht gerade deshalb, weil ich mich selbst therapiere, disassembliere, verschlüssele, permutiere, mit den Wörtern und Metaphern jongliere, würfele und wie so lange schüttele, bis etwas dabei herauskommt, was mir gefällt. Vielleicht wäre eine Welt, in der jeder, wenn er aufsteht, sich sagt, dass er an diesem Tag etwas Schönes schaffen will, eine bessere.
Bleibt noch die Meldung, dass ich die Textbreite geändert hat. Die Magie von CSS sollte jetzt bewirken, dass die Textbreite immer 60 Prozent der Fensterbreite ist, was die aufgetretenen Probleme bei kleineren Auflösungen und Nichtvollbildmodus lösen sollte. Zumindest, bis ich eine Smallscreen-Version bastele.
Eigentlich wollte ich ein Gedicht schreiben, aber das habe ich einfach mal gestrichen. Ja, ich beschließe, ein Gedicht zu schreiben und mache dann ein Wordpressfenster auf und beginne zu tippen.