In the shadow of the war propaganda machine

Ich sitze im Schatten der großen Kriegspropagandamachine, sammele leere Patronenhülsen und stelle sie wie russische Puppen ineinander. Ist mein Leben wie diese Schalen? Ineinander verschachtelte Hüllen einer einst tödlichen Mischung? Irgendwo spielt ein schlechter Pianist auf einem ungestimmten Flügel Weihnachtslieder. Ich war schon einmal an diesem Ort. Déja-Vue ohne Déja. Ich überlege, ob es Hitze oder Kälte ist, die mich umbringt. Meine Gefühle kleben an mir wie ein schweißnasses, braunes T-Shirt. Ob es mir besser geht, wenn ich meine Gedärme an einer langen Angelschnur aus mir rausziehe?

Diese Maschine macht mich verrückt. Irgendwo liegt ein automatisches Gewehr.
Es ist entsichert, nur für den Fall, wo.
Wenn alle Stifte versagen, muss ich mit meinem Blut weiterschreiben. Aber oxidiert das Eisen darin nicht sofort? Die Türen schliessen zwei Minuten früher, luftdicht. Dann werden die Passagiere mit dem Geruch von billigem Essen betäubt, bis sie ihre Sünden gestehen und sich in neun Klassen (nach Dante) setzen. Es wäre wirklich schade um das Papier, wenn das Blut oxidieren würde. Braunes Geschmiere, ohne wirklichen Sinn und Zweck, und das alles, weil der Autor einen an der Waffel hat/sich keine Tinte leisten kann/das für ein nettes Motiv hält.
Die Iraner haben waffenfähiges Plutonium aus Zigaretten angereichert. Wie schlimm kann das sein, wenn wir nicht einmal Türen auf und zu machen können? In einem Radius von 2 Metern vom Epizentrum, Ground Zero, schmilzt alles zu Gold, meldet das Radio mit stoischer Beharrlichkeit. (Gibt es zu, du wirst “stoisch” nachschlagen müssen, ehe du publizierst!) Die Ketten der Maschine sind ruhig, aber sie wird weiterfahren. KA-BOOM, mein einziger Glaube. 92: die heilige Zahl. Alle Generäle sind Priester, der Gott ist kein rachsüchtiger, sondern bloß totbringend.

Ein Lichterfaden in der Dunkelheit. Sie testen neue Flugzeuge. Diesmal werden sie mich erwischen. ich muss mich meiner Därme entledigen. Ohne Verdauung riechen mich ihre Sensoren nicht. Die Idee für zukünftige Dikatoren: den Chip in sensibles Nevengewebe einpflanzen. Da helfen auch keine langen Nägel mehr.
Zurück zu mir. Ich spiele weiter mit den Patronenhülsen, wie ein kleiner Junge. Alles nur noch Symbole. Jede Begegnung birgt neue Hoffnung. An das Ende des Gespräches kommen. Antarktis. Der strahlenfreie Kontinent. Pinguinfleisch und Schmelzwasser. Das beste Essen der Welt, zubereitet von zwei Roboterhänden in einem Wohnwagen. Winnie Pooh war ein Gin Tonic. Wie, sie haben keinen Kirschsaft? Drecksäcke! Ich fackele die Bude ab!

Mir bröckeln Stücke aus der Nase. Rohes Muskelfleisch quillt aus meinem After. Die Machine hat mich von Innen aufgelöst, wie mit Säure. Ein Mann mit Stock rettet mich im letzten Moment. Es ist Gandalf, der Sänger dieser Popband, der ständig Kaugummi schluckt. oder habe ich ihn mit jemanden verwechselt? Pass auf, dass dir kein Horn as der Stirn wächst, sagt er zum Abschied. Ich prüfe jeden Tag im Spiegel, aber am Morgen ist das Licht so fahl, dass ich lieber nicht zu oft daran kratze. Elektrisches Blitzen. Sie werden die Bombe werfen, ich werde zu Gold schmelzen und ewig davon träumen, zwischen Grabsteinen zu küssen.

Eine Allee aus Obelisken. Gigantische Phalli, voller Symbole der alten Götter und Helden. Ich will einer von ihnen werden. Apotheose. Schmelzen zu Gold. Zwei Engel heben dich empor, formen dich nach dem goldenen Schnitt. Du bist Adonis, du bist Venus, du bist Herakles, du bist Odysseus. Du bist Tim und Yoda. Der Gang über den roten Teppich, dabei Blitzlichtgewitter. Jeder einzelne so hell wie eine Atombombenexplosion. Abbdrücle deiner Hände, Füße und Genitalien in Gips für den Walk of Fame. Er ist geothermiegeheizt. Alle knien vor dir nieder. Du erblickst unter ihnen auch Einstein und Hendrix, beide mit einer Fender Stratocaster. Zeichen und Gesten der Ehrfurcht überall. Zwei pausbäckige, nackte Engel mit kurzen Flügeln krönen dich mit einem Lorbeerkranz aus kristallisiertem Uran.

Als ich erwache, bin ich noch im Vollbesitz meiner Gedärme. Ich sehe nur Schatten. In der Ferne dröhnt ein Dieselmotor.

One Response to “In the shadow of the war propaganda machine”

  1. Fireball’s Weblog - Literature is the new rock! » Blog Archive » Jahresrückblick Says:

    [...] Sehen wir uns also einfach an, was ich so geschrieben habe. Eine art auto-literarischer Jahresrückblick, also. Ich wollte zuerst einfach durch die Kategorien gehen, die hier als »literarisch« (oder als Essay) gelten, aber neben der Spielwiese verstecken sich Text auch immer mal wieder gerne in der Standartkategorie, also durchstöbere ich mein ganzes Blog 2007. Januar: in schimmerenden Gold (grey edition) Tief im Innern (Ist nicht umsonst in zwei Kategorien) Das Ende der Welt revisited Orangegelb auf Nassasphaltgrau Wieso ich blogge (II) (Essay) Februar: XX/Y sentimental sway Ohne Titel Regentropfen auf deiner Nase (Geht als Essay durch, wenn man es gut mit mir meint.) Tränen (mein einziges Gedicht 2007) März Die Poesie des Alltäglichen oder: Pamphlet auf die Fototapete (Essay) 82: Pb U92 Höllenwald Sternennacht April 0 Nobody loves me Wieso ich blogge (IV) oder: Die gottverdammte Revolution revisited (Essay) Mai Meine Füße sind durchsichtig! the world is a vampire EVA – Fragment Today Tonight Regen Juni Ich möchte eine Figur in einem psychedelischen Anime sein… (geht als Essay durch, wenn man es gut mit mir meint) EVA: Fragment Der süße Duft der Melancholie nobodies felt like you / nobodies / love is suicide (Der Auslöseartikel für die LJM!) lookin’ back The Band Oder: Literature is the new rock! (geht als Essay durch, wenn man es gut mit mir meint) Freewriting #1 Freewriting #2 Freewriting #3 Am Anfang Freewriting #4 Freewriting #5 Freewriting #6 Freewriting #7 Merkwürdig Freewriting #8 winterlong Ich hab mein Bett frisch bezogen. Wanna go for a ride? Juli Freewriting #9 Mischwelt (Ich hab ja doch noch ein Gedicht geschrieben!) Nacktschnecken. (in einer Welt ohne Jahreszeit) August teenage angst has pissed off well, I think Busfahrt. Regen. Anschwellen der Wirklichkeit. Gottesprisma. (Das war im August? Da hat es sooooo viel geregnet!) Mercy (Noch ein Gedicht?) Ina Oder: Holding Out For A Hero(ine) September Apotheose der Atombombe (Essay) Badezimmergedicht (Ich sag nichts mehr) Überstrichen Oktober Phalli in der Nacht Cologne, after all Night Train Kreuzigung November Nervensäge (scheint ein Publikumsliebling zu sein?) Nackt. Essen. Drogen. Nackt. Hoffnung. Entmut. Überwindung. Dezember Türschwelle In the shadow of the war propaganda machine [...]

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