Archive for June, 2007

The Band Oder: Literature is the new rock!

Friday, June 15th, 2007

Hier schwirren ja nun schon einige Tage gewisse Dinge in den Kommentaren herum, vor allem auf Luxemburgisch. Und ich finde, man sollte das nicht verschweigen. Vielleicht hat der eine oder die andere ja schon den Link auf les jeunes mélancoliques gesehen. Geheimnisskrämerei ist nicht meine Stärke. Also machen wir es doch einfach offiziell, nachdem die Dinge sich jetzt so schnell entwickelt haben.

Ich träume ja schon seit meiner Entdeckung der gitarrenbasierten Musik und dem Bewusstsein, dass es nicht nur Superstars sind, die auf Bühnen vor mehr oder weniger begeistertem Publikum stehen, davon, Teil einer Band zu sein. Habe ich anfangs noch auf das Erlernen vom Gitarrenspiel auf einer akustischen Klampe mit dem Wunsch, irgendwann auf die elektrisierte Version umzusteigen, gesetzt und das arme Instrument mit meiner furchtbaren Nicht-Begabung für Melodie, Rhytmus und sonstigen Musik-Krimskrams unglaublich gequält, so habe ich den Wunsch irgendwann begraben und habe mir gedacht: »Wenn du schon nicht Rockstar sein kannst, willst du die Rockstars wenigstens über ihr Sexualleben befragen.« So bin ich dann zum Radio gekommen. Auf dem Radiocamp dann kam mir die Eingebung: beim Rock geht es nicht unbedingt um die Musik. Es geht um große Gesten. Um Posen. Darum, cool zu sein. Ich bin chronisch uncool, aber ich bin ein Kind der Generation, die Generation X nachfolgt. Wir haben nicht einmal mehr Anithelden. Aber Posen und große Gesten kann ich. Und wenn Billy Corgan sowas als Promofoto veröffentlichen kann, kann ich auch einen Kaputzenpulli anziehen, mich in eine dunkle und dreckige Gasse Chicagos Seattlebrucks stellen und meine Tastatur, die ich vorher mit den Worten “born to lose”, geschrieben mit TipEx, verziert habe, wie eine Gitarre halten und ordentlich posen.

Ihr merkt schon, worauf ich hinauswill. Ich hab jetzt ne Band. Eine Gruppierung. Eine Bewegung. Die jungen Melancholiker. Literatur-Band, nur zum Vorlesen, gleichzeitig aber eine Bewegung mit kultureller Botschaft, vielleicht auch ein wenig gegen den grassierenden “Emo”-Zeitgeist, wo die Masse die Melancholie nicht wie wir kreativ ausnutzt, sondern konsumiert, was Thierry in seinem Manifest angerissen hat. Der Name stammt übrigens auch von ihm. Unsere Beschreibung auf myspace trifft es vielleicht am besten:

Les jeunes mélancoliques is French and means nothing more nor less than the young melancholics. Partially inspired by dark romanticism, it is the vision of a new literary movement that reflects the human condition, and especially of the young generation, at the beginning of the 21st century. The idea for a new literary movement was born at the beginning of 2007 and quickly found interested writers. The official website lesjeunesmelancoliques.org is currently under construction and will be launched soon. It will offer a platform to all the authors of the movement and contain more information on who we are and what we are trying to achieve. And, most importantly, tell you what to do if you want to call yourself a jeune mélancolique! Add us as a friend and be informed as soon as we put our website online!
Who we'd like to meet: Novelists, short-story writers, non-fiction writers, poets, and writers of all sorts. Inspiring people, creative people, people who dare to see things differently. And people who see beauty in melancholy.

Und jetzt? Die Webseite wird erst einmal Platz für Vorstellung der Bewegung und der einzelnen Autoren sein, Texte beinhalten. Und später vielleicht auch Tourdaten. Denn wir sind gewillt zu lesen. Wir, das sind: Serge, Leti, Thierry und ich, Fireball/Joël.
Und wo lesen Blogger? Gemeinhin ist der schreibenden vun vorlesenden Zunft der Zugang zu Rockkonzerten wie dem Ring (noch!) verwehrt, und man will ja auch nicht gleich größenwahnsinnig werden. Edit, um die Dinge klar zu stellen: Wir sind auch nicht primär ne Band, sondern eine literarische Bewegung. Ob und wann wir Lesungen als “les jeunes mélancoliques” geben, ist noch nicht entschieden. Lesen wollen zumindest Thierry und ich trotzdem. Und: wir haben keinen “Band”-Account bei myspace, was ich irgendwie angenommen hatte. ;-) (Ende Edit)

Wir suchen also Lokale, die gewillt sind, uns vorlesen zu lassen. Es gibt eine ungeschriebene Liste mit Favoriten, die wir anschreiben werden, aber jeder Vorschlag wird mit Freuden aufgenommen. Ein Event mit Konzert im Anschluss wäre auch sicherlich nicht zu verachten, solange das Vorlesen dadurch nicht zu kurz kommt. Genial wäre natürlich ein Blogger-Abend mit Lesungen, Frage/Antwort-Spiel über Weblogs und musizierenden Bloggern oder bloggenden Musikern.
Und ganz nebenbei: wenn irgendjemand gerne Fotos macht und diese Promofotoidee umsetzen mag, ich bin dafür sehr zu haben. :-)

Literature is the new rock!

Erstaunlich

Thursday, June 14th, 2007

fand ich, dass meine erste Reaktion am Dienstag nicht war, Prayer to God von Shellac zu hören.
Ich mag das Lied trotzdem. Überhaupt bin ich sehr wenig rachsüchtig und so, ich Hippiekind.

lookin' back

Wednesday, June 13th, 2007

Du hast gedacht, du könntest das merkwürdige Gefühl in deinem Bauch, diese Mischung auf Enttäuschung und Wut über dich selbst, einfach so verdrängen.
Doch hier, an diesem Bahnsteig kommt alles wieder. Umarmung, Abschied und dann bist du mit einem glücklichen Gefühl gegangen, hattest dir selbst gesagt, du solltest dir nicht zu viele Hoffnungen machen. Im Zu dann «Safe from Harm» gehört.
I was lookin' back to see if you were lookin' back at me
To see me lookin' back at you

Das schlechte Gefühl kommt wieder. Was, wenn du ihr begegnest? Sagen, du hättest keine Zeit. Was stimmt. Trotzdem: eine peinliche Situation, vor allem: Schock. Und der Wahrheit ins Gesicht sehen, wissen, wie man selbst reagiert, wie tief die Wunde wirklich ist. Eine Tauchfahrt ins Ungewisse, die du nicht unternehmen willst, nicht einmal mit Jacques Cousteau an Bord. Du stellst dir die Frage was schlimmer wäre: sie alleine oder in Begleitung.

Aber du begegnest ihr nicht, jedenfalls nicht im Bahnhof. Die Sonne scheint und du willst keine Musik hören. Alleine sein in der Masse, die umherwuselt, schlendert, den Tag genießt, sich nicht so fühlt wie du. (Woher willst du das wissen?) Ohne jemanden zu begegnen. Die Stadt ist voller asiatischer Touristen. Wie war das nochmal? Alle Japaner sind in Wahrheit immer öfter Chinesen? «Blödsinn», denkst du und gehst weiter. Alles scheint mit Erinnerungen behaftet, und was keine Erinnerung enthält, ist ein möglicher Treffpunkt.

Als ob sie nur auf dich lauern würde. Das sind doch alles nur Hirngespinste. Und trotzdem: Du bist nicht bei der Sache, musst ein paar mal warten, bis die Ampel auf Grün umspringt. Sonst hast du immer Glück. Oder läufst einfach bei Rot über die Straße. Heute aber bist du verletzlich, in Gedanken versunken und kannst dich auf nicht viel anderes konzentrieren. Vielleicht ist das auf die eine Art und Weise ein Weg, damit fertig zu werden, obwohl du dich selbst fragst, womit du denn fertig werden musst, denn eigentlich ist ja überhaupt nichts passiert, auf der anderen Seite weißt du selbst insgeheim, dass es dir gefällt, dich im Dreck deiner «Trauer» oder wie man auch immer dieses «Schlecht fühlen» nennen soll, zu suhlen.

Die Gedanken fliegen nur so, aber leider ist ihr Flug eine enge Kurve um dieses eines Problem, für das es keine Lösung gibt und bei dem man nur auf den Kopf hören und auf die Zeit hoffen kann.

nobodies felt like you / nobodies / love is suicide

Tuesday, June 12th, 2007

Gehen sie direkt ins Gefängniss, ziehen sie nicht über Los und kassieren sie auch keine 4000 Mark.
Eigentlich ist ja nichts passiert. Du könntest oder solltest sogar durchatmen, dir den Himmel ansehen und merken, dass die Sonne scheint und dann so weitermachen, wie bisher. Also, fast.
12 saitige Gitarren haben 6 mal 2 Saiten, also eigentlich 6 doppelte Saiten. Wie konnte ich das bloss vergessen?
Aber eigentlich willst du ja gar nicht so weitermachen. Du könntest ja auch «Tja, Pech gehabt!» sagen und auf die nächste Gelegenheit warten. Aber alle diese Gelegenheiten fühlten sich so verdammt gleich an, nur dass du jedes Mal das Gefühl hattest, du wärst einen kleinen Schritt weiter gekommen. Vielleicht gehst du jedes Mal einen Schritt in eine andere Richtung und kommst so immer wieder bei Null an. Du willst sich in diesem Dreck suhlen. Du willst dich so fühlen. Du willst bedauert werden und dann wütend, weil du diesen gottverdammten Trost angeblich nicht brauchst und nicht willst.
I'm in love with my sadness
Wäre ich zynisch, könnte ich sagen, ich wäre ja jetzt immerhin in der Stimmung, melancholische und düstere Texte zu schreiben, was ich ja so gerne tue. Ich hab aber momentan wenig Bock darauf, zynisch zu sein. Ich hasse dieses Sich-im-Kreis-bewegen. Ich kann es auf den Tod nicht ausstehen. Und ich fühle mich wegen dem Fakt, weil die Dinge immer so laufen, schlechter, als wegen der Sache selbst. Ode to no one.

Not safe from harm

Tuesday, June 12th, 2007

Arghs.
Es ist immer und immer und immer der gleiche Mist. Immer wenn du meinst, du wärst irgendwo einen Zentimeter weitergekommen, merkst du, dass überhaupt nichts los war. Ach, Rockgesten. Und lasst mich in Ruhe mit Töpfen und Deckeln.

Podcast: Angscht a Schrecken op enger halsbriecherescher Fahrt duerch d'Brousse

Monday, June 11th, 2007

Diese Woche geht es um einen sehr merkwürdigen und angsteinflössenden Trip zum Kinotempel auf den Kirchberg - oder eher um den Trip zurück, der mit sehr viel Angst und Schrecken verbunden war. Im Auto mit 3 Verrückten, die sich gegenseitig um den Verstand bringen und keine sehr vertrauenserweckende Fahrweise an den Tag legen. Die einzige Fluchtmöglichkeit: Ein beherzter Sprung in den sicheren Tod. Und zu allem Überdruss verliert man auch noch seinen Öko-Heiligenschein

Angscht a Schrecken op enger halsbriecherescher Fahrt duerch d'Brousse (mp3, 5,34 MB)

Die neuste Folge «A&S» gibt es wie jeden Montag auch heute zwischen 16 und 17 Uhr auf Radio ARA im Rahmen der Sendung Crumble, in Luxemburg auf den Wellen 103,3 und 105,2 MHz und weltweit per livestream auf ara.lu. Desweiteren haben wir heute ein Interview mit Fracture von dem neuen Online-Label Schnurstrax, was spannend zu werden verspricht.
A&S Podcast Feed ¦ A&S in iTunes oder anderem Podcatcher abonnieren ¦ A&S im iTunes Katalog

(more…)

Postapokalypse

Sunday, June 10th, 2007

Mein Plädoyer für die Postapokalyse habe ich ja schon dargelegt.
Heute ein Satz, der mir schon länger im Kopf herumschwirrt und den ich jetzt und heute einfach mal in den Raum werfen will:

Es ist das große Defizit meiner Generation, kulturell genauso wie politisch, dass die Atombombe nicht gefallen ist.

(Ja, man darf mich so zitieren!) Vielleicht scheibe ich später mal mehr dazu.

G8 - Eine Zusammenfassung

Saturday, June 9th, 2007

Nun ist er also vorbei, der vor allem in Deutschland übermediatisierte G8-Gipfel in Heiligendamm.
Es gab reichlich Kritik - an dem Gipfel selbst wie an den Demonstrationen. Alles nur heiße Luft?

Die G8, also die Gruppe der Acht, das sind Kanada, Frankreich, Deutschland, Japan, Italien, Russland, das Vereinigte Königreich, die USA und die EU. Halt, irgendwie klingt das nicht richtig. Die EU ist nicht wirklich ein Land, hat aber trotzdem sogenannten «Beobachterstatus». Den hatte Russland vor seinem offiziellen «Eintritt» in die Clique, die sich übrigens «rein informell» trifft, ebenfalls. Aber nicht nur das klingt irgendwie komisch: Die Gruppe der Acht war ursprünglich mal die Gruppe der acht größten Industrienationen, gemessen am Bruttonationaleinkommen (BNE).
Nach diesen Regeln dürften Kanada und Russland aber gar nicht erst mitspielen: Sie sind von «Schwellenländern» wie die Volksrepublik China (4. größtes BNE) und Indien (Platz 10) sowie Spanien überholt worden.
Das interessiert bei den G8 aber scheinbar niemanden. Muss es auch nicht, denn die G8 ist ein Club ohne rechtliche Grundlagen, irgendwelche Verträge oder sonstige Abkommen. Es ist eigentlich genauso, als ob ich mich mit ein paar Freunden in einer Kneipe treffen würde und Entscheidungen treffen würde. Nur, dass das wahrscheinlich keine 100 Millionen Euro kosten würde.

Von diesen 100 Millionen Euro gingen alleine 15,4 Millionen für das Pressezentrum, das man in einer Metropole wie Kühlungsborn (7400 Einwohner) sicherlich auch in Zukunft dringend benötigt, drauf. Und damit auch ja keine kritischen Stimmen zu den mächtigen der Welt durchdringen konnten, wurde ein Zaun gebaut, der 12,5 Millionen Euro kostete. So ein Zaun kann man auch sicher immer gebrauchen. Vielleicht vermietet man ihn einfach an Globalisierungsgegner, die dann dort für den nächsten Gipfel in Japan trainieren können?
Die gute Nachricht: Es bleiben noch 72,1 Millionen für Schnittchen, 1100 Bundeswehrmitglieder als Bodyguards für die Mächtigen und hässliche Sitzgelegenheiten für den Fototermin.

Und wofür all dieses Geld? Für ein paar informelle Gespräche über Afrika, den Klimawandel, sogenannte «Schwellenländer», internationale Finanzmärkte und Produktpiraterie. Mal abgesehen davon, dass diese Probleme nicht von den G8 (alleine) gelöst werden können, sie viele davon auch selbst ausgelöst haben und gegenwärtig noch verschlimmern: Könnte man das nicht per Telefonkonferenz bereden?

Wieso braucht es einen gigantisch inszenierten Gipfel, der nicht nur Millionen verschlingt, sondern auch noch in realen, politischen Auswirkungen völlig nutzlos ist? Auf G8-Gipfeln werden keine Verträge geschlossen, und Entscheidungen, die gefällt werden, sind oft nur schwammige Formulierungen, die niemanden helfen, aber einen guten Eindruck machen sollen. Der Schein ist alles. Lächelnde Politiker, großartig klingende Versprechungen und Friede-Freude-Eierkuchen Stimmung überall. Kunststück, wenn man kritischen Journalisten die Akkrediation verweigert und sich die Demonstranten mit einem 12km-Zaun vom Leibe hält.

Die Behauptung, dass Probleme auf einem G8-Gipfel nicht gelöst werden können, stammt übrigens nicht von mir, sondern von der diesjährigen Gastgeberin: Kanzlerin Angela Merkel meinte ganz richtig, dass weit reichende Beschlüsse in Heiligendamm nicht möglich seien.
Herausgekommen ist auch nur der schwammige Beschluss, «ernsthaft in Betracht zu ziehen», die weltweiten CO2-Emissionen bis 2050 um 50 % zu senken.
2050, das ist in 43 Jahren. Vor 43 Jahren lag der globale C02-Ausstoß noch unter 335 Teilen pro Million Volumenanteil (ppm), heute liegt et bei 380 ppm. Wie der C02-Ausstoß 2050 aussehen wird, mag ich mir gar nicht ausdenken. Weltweit soll die Temperatur bis dahin um 1 bis 2 ° C steigen.

Neben Terrorismus wird nun die Produktpiraterie ein neuer Motor für die Realisierung von Orwells «Utopie» 1984: Ein internationales, vernetztes Zoll-Informationssystem soll zur Verhinderung der Produktpiraterie aufgebaut werden.

Dann wurde noch beschlossen, Medikamente für Afrika zu spenden. Ein Sprecher der Afrikanischen Union meinte, der Kontinent wolle sich für die Welt öffnen. Dabei liegt das Problem eher anders: Afrika exportiert seine Nahrungsmittel und importiert billigere, konkurrenzlose Produkte aus Europa. Die Produzenten können sich diese jedoch nicht leisten. Ein Großteil der hungernden Bevölkerung auf der Erde produziert Nahrungsmittel. Doch über so etwas spricht man wohl nicht auf dieser auf Hochglanz polierter Politshow, bei der eigentlich nur eins zählt: die schauspielerischen Fähigkeiten der Politiker. Und wenn, dann unternimmt man nichts dagegen, eher im Gegenteil.

Bush und Putin sprachen außerdem über die «interessante Idee», Abwehrraketen gegen den unsichtbaren Feind in Aserbaidschan zu stationieren und einen gesundheitsschädlichen Radar für die Zielerfassung zu benutzen.

Bei den Finanzmärkten konnte man sich nicht einigen und die «Schwellenländer» will man künftig mit einbeziehen. Eigentlich nett, auch mal mit der Wirtschaftsmacht China reden zu wollen. Ansonsten ist nichts entschlossen worden. Aber eine tolle Show haben uns die Politiker geliefert. Man versucht krampfhaft, die Herrscher der freien Welt zu spielen, was aus zwei Gründen nicht gelingt: das deutsche Grundgesetz, der Schengen-Vertrag usw wurden reihenweise außer Kraft gesetzt, um die Kritik am Gipfel klein zu halten und die G8 sind nicht mehr die Herrscher der Welt, auch wenn sie noch so gerne überall westliche «Werte» hätten.

Traditionell gibt es zu jedem G8-Gipfel sehr große Proteste. Diese begannen das Wochenende vor dem Treffen in Heiligendamm und wurden von den Massenmedien hübsch medial aufbereitet. Wenn es gerade keine süßen kleinen Eisbären gibt, so sorgen Steine werfende Autonome und Randale auch für Quoten. Wenn die Steine werfenden Autonomen nur eine Minderheit sind und der größte Teil der Proteste zumindest auf Demonstrantenseite friedlich verläuft, ist das zwar eine Verknappung der Tatsachen, aber im Fernsehen muss man halt verknappen.

Und Zeitungen haben heute kein Geld und Journalisten allem Anschein nach keine Moral mehr und kopieren hübsch Falschmeldungen der dpa. So zum Beispiel das Gerücht - oder sollte man sagen: die Lüge, ein Redner habe die Demonstranten zur Gewalt, ja, zum Krieg aufgefordert. Die dpa zitierte wie folgt: Wir müssen den Krieg in diese Demonstration reintragen. Mit friedlichen Mitteln erreichen wir nichts. Walden Bello, ein philipinischer Globalisierungsgegner hat sich jedoch mit Bezug auf den Irakkrieg folgendermaßen ausgedrückt:
Two years ago they said: Do not bring the war into the discussions. Just focus on poverty reduction. Well, we say: We have to bring the war right into this meeting. Because without peace there can be no justice.
Es dauert drei Tage, bis die dpa den Fehler korrigiert. Unzählige Zeitungen übernehmen den Satz und phantasieren sich teilweise einen Kontext drumherum. Stefan Niggmeier hat auf seinem Blog die Chronologie dieser Falschmeldung zusammengefasst.

Desweitern las man Nachrichten über säuresprühende Clowns, die Polizisten mit ihren gefährlichen chemischen Waffen anspritzten. Es stellte sich heraus, dass die Polizisten ein wenig Seifenlauge in die Augen bekommen hatten und deshalb ein Brennen in den Augen verspürten. Der Traum der brutalen Kampfclowns platzte wie die Seifenblasen, die die durchaus reale “Rebel Clown Army” im Rahmen ihres kreativen Widerstands auf die Polizisten pustete.

Die Krawalle, die es in Rostock gegeben hat, erscheinen in einem anderen Licht, nachdem herausgekommen ist, dass die Polizei offenbar Agents Provocateurs einsetzte, um die Stimmung unter den Gegner anzuheizen. Bei einer Blockade vor dem Zaun hatten mehrere Demonstranten verdeckte Ermittler in Autonomenkleidung, welche zur Gewalt aufriefen und sich aggressiv verhielten, als eben solche Agents Provocateurs erkannt und nach einigen Rangeleien der Polizei übergeben, welche diese in ihren Reihen aufnahm. Solche Agents Provocateurs gab es schon in Deutschland und auch beim Gipfel in Genua 2001 ist die Situation wegen solchen “Anheizern” eskaliert. Die Spezialeinheit Kavala, welche speziell zum Gipfel geschaffen wurde, dementiert die Vorwürfe. Die Staatsanwaltschaft Rostock jedoch erwähnt eine Anzeige.

Ich will jedoch keineswegs sagen, dass es nur Polizisten waren, die Steine in Rostock geworfen haben und die Steinwerfer auch nicht verharmlosen. Gewalt ist bei solchen Protesten eher kontraproduktiv und nützt eigentlich nur einem: jenen Orwell-orientierten Politikern, die ständig schärfere Überwachung fordern. Friedliche Blockaden, kreative und «lustige» Protestformen wie zB. die Rebel Clowns Army nützen mehr.

Der Gipfel und die Proteste hatten schon zu genügend Maßnahmen getroffen, bei denen man schon zweifeln kann, ob sie noch mit dem Grundgesetz oder dem, was wir allgemein unter einer Demokratie verstehen, vereinbar sind.

Am 9. Mai wurden 42 Gebäude in ganz Deutschland durchsucht, weil «Verdacht der Bildung terroristischer Vereinigungen» bestand. Gefunden wurde dabei nicht viel. Einige Anleitungen, Wecker, Uhren (sic!), Drähte und größere Feuerwerkskörper. Ich bin mir relativ sicher, dass man sowas auch in meinem Keller finden würde, mit Ausnahme vielleicht der Feuerwerkskörper. Einige Böller liegen aber sicher bei vielen Leuten um, die dadurch trotzdem keine Terroristen sind.

Ebenso unverhältnismäßig und überzogen wie die Durchsuchungen waren die Brieföffnungen in Hamburg. Dort wurde auch versucht, Internetcafébesitzer dazu zu überreden, Überwachungskameras in ihren Lokalen aufzustellen, um die Daten danach auszuwerten.

Es scheint fast so, als würde man sich nach Jahren des Wartens auf islamistisch motivierten Terror nun linksextremen Terrorismus wünschen, um endlich den totalen Polizei- und Überwachungsstaat einrichten zu können und alles mit der wunderbaren Begründung, es sei doch bloß für die Sicherheit.

Das Grundgesetz und insbesondere Recht auf Versammlungsfreiheit sowie der Schengener Vertrag sind offenbar Dinge, die man sich beliebig zurechtbiegen kann, wenn man erst einmal an der Macht ist. Die Versammlungsfreiheit rund um den Zaun wurde nämlich aufgehoben und der Schengener Vertrag für die Dauer des Gipfel aufgehoben, um Grenzkontrollen durchführen zu können.

Auch während dem Gipfel gingen die Menschen- und Grundgesetzverletzungen munter weiter: Die festgenommenen Demonstranten wurden in sogenannten Gefangensammlungsstellen, im Polizeijargon «Gesa» genannt gebracht, wo sie bei ständiger Deckenbeleuchtung in Käfigen gehalten wurden. Ihr Recht auf Rechtsbeistand konnten sie nicht wahrnehmen oder wurden teilweise nicht einmal darauf hingewiesen, dass sie solche Rechte besitzen.

Manchen Politikern scheint das noch nicht genug negativer Publicity für die «freie westliche Welt» zu sein, forderten doch Mitglieder der CDU/CSU, die Spezialeinheit GSG9, die eigentlich für die Terrorbekämpfung zuständig ist, gegen den «schwarzen Block» einzusetzen.

Man darf auch die Frage stellen, was die Demonstrationen bringen, vor allem in Verbindung mit den einseitigen Medienberichten. Eigentlich sollte eine Demo die Menschen über die Regierungen aufklären bzw. die Kritik an der G8 «an den Mann» bringen. Inhaltlich berichteten die wenigsten Medien, lieber wurde ausführlich über Rangeleien der Demonstranten mit der Polizei oder Verfolgungsjagden auf hoher See berichtet. Da die Gipfeltreffen schon seit längerem nicht mehr in großen Städten stattfinden, sondern weit abgelegen und diesmal auch noch von einem Zaun geschützt, dringt die Kritik nicht zu den Staatschefs durch. Eine richtig erfolgreiche Demonstration müsste so laut sein, dass Bush, Merkel und Co. ihr eigenes Wort nicht mehr verstehen und die Zuschauer inhaltlich erreichen.
Nichtsdestotrotz ist es wichtig, zu zeigen, dass nicht jeder mit diesen Regierungen, ihren Entscheidungen und Einstellungen zufrieden ist. Und in einer Demokratie drückt man diese Meinung eben nicht bloß durch wählen aus, sondern auch durch Demonstrationen oder sonstige öffentliche Meinungsäußerungen.

Was hat der Gipfel nun gebracht, außer ein wenig heißer Politik-Luft, 50.000 bis 80.000 Gipfelgegnern und einer Menge sehr fragwürdiger Repression gegen die Demonstranten?

Nicht sehr viel. Die Herrscher der «freien westlichen Welt» haben wieder einmal gezeigt, wie unwillig sie sind, sich Kritik zu stellen, haben eine perfekte Show mit viel Lächeln und Versprechungen abgeliefert, Bob Geldorf und Bono konnten mal wieder ein Konzert veranstalten, und nebst der linken und autonomen Szene meldete sich auch der Papst zum Gipfel zur Wort.

Der Gipfel war also fast so schön wie die Fußball-WM: ein Ereignis für die ganze Familie. Nur dass es diesmal keine Gewinner gab, sondern bloß Verlierer.

Ginger und ihr Verstärker

Thursday, June 7th, 2007

Erkennt vielleicht auf diesem Foto jemand, welchen Verstärker und eventuell auf diesem welches Modell Ginger Reyes spielt?
Das ganze wird langsam zur Obsession. Als nächstes ist dann Jeff dran, der musiktechnisch völlig auseinander genommen wird. Und alles nur, damit Mr. Kamikaze sich nocheinmal beschweren kann, wie mies der Ton war (blabla, vor der Bühne war er gut!) Wer übrigens noch nicht genug Konzertberichte gelesen hat, dem kann ich Susis Bericht aus Berlin nur empfehlen.

Ginger, die Smashing Pumpkins und der Bass

Wednesday, June 6th, 2007

In den letzten Tage kommen irre viele Suchanfragen nach Ginger Reyes, der neuen Bassistin der Smashing Pumpkins rein. Ich habe ja nicht nur über ihr merkwürdiges Kleid, sondern auch über ihr Spiel auf dem Bass berichtet.
Was kann man noch so über Ginger erzählen? Man kann sich mittlerweile auf der Wikipedia ein Bild von ihr im Atelier ansehen. Ich finde, sie hatte da eine merkwürdige Frisur. Sie hat in der Pop-Punk Band Halo Friendlies gespielt, was eine reine Mädchenband war. Da allerdings Gitarre. Und sie war auch Solo-Künstlerin und nennt sich da Ginger Sling. Irgendwann hat sie auch mal für die Band Lo Ball gespielt.Da bin ich mal gespannt, wie sie im neuem Pumpkins-Album auftauchen wird. Und jetzt nimmt sie den Platz von D'Arcy ein. Und spielte ein ziemlich geiles Solo im Atelier. Ginger hat momentan 27 Jahre, ist also im Jahre 1980 geboren.
Eine eigene Webseite hat Ginger ebenfalls, die ist allerdings nicht sehr aktuell, ein Verweis zu den Pumpkins findet sich da nicht.
Ich kenne mich mit Bässen und Verstärkern nicht gut aus, sonst könnte ich vielleicht noch sagen, was für ein Modell Ginger so spielt. Aber vielleicht weiß das ja jemand der Google-Besucher oder sonstigen Leser?