Archive for June, 2007

Tonight: Fly

Friday, June 22nd, 2007

Fire macht das, was er eigentlich schon seit langer Zeit jeden Nationalfeiertagsvorabend hätte tun sollen: Ich gehe an einen Ort, an dem Nationalfeiertagsvorabend (Ich habe jetzt schon das zweite mal »vorband« geschrieben. Arghs!) nur bedeutet, dass weniger Leute dort sind. Programm wie immer, die gleiche Musik, die jeden Freitag läuft, entspannte Atmosphäre, nette Leute. Thorben, der ja bekanntlichermaßen letzten Freitag dort war, werde ich wohl spanienurlaubbedingt nicht antreffen, aber da geht sicher noch irgendwann mal was. Ein Musikquiz kann ich sicherlich nicht machen, ich kann mir solche Dinge nicht merken und weiß bei den meisten Liedern eh keine Titel.
Party weit weg von Trubel, Lippenbekentnissen zur Monarchie, Freibier und Feuerwerk, das klingt nach einem nettem Abend.

Kommt jemand spontan mit? ;-)

(Und: Mäh, was bin ich ein Langweiler. Mache ein Blog auf, nur um den Leuten zu erzählen, wo ich heute Abend rausgehe. Ich sollte mir wirklich an innovativeren Funblogs ein Beispiel nehmen und aufhören, Tee zu trinken. Ich Emo. Wo ich jetzt noch erwähnen könnte, dass ich heute ein rot-grau gestreiftes Longsleeve, eine dick gerahmte schwarze Brille, Converse-Imitate und eine für meine Verhältnisse enge Jeans trug. Womit quasi alle Punkte auf der oberflächlichen »Wie erkennt man einen Emo?«-Liste abgehakt wären. Schnittlauch und Weintrauben. )

Freewriting #5

Friday, June 22nd, 2007

Eigentlich gehört der Text noch zu Donnerstag, jedenfalls zum gefühlten Donnerstag. Es sind diesmal 2688 Zeichen geworden und ich bin sehr zufrieden damit. Auch wenn mich die Müdigkeit dann doch ein wenig gebremst hat.

Trotzdem mochte Ina ihr Buch. So unglücklich sie auch über den Inhalt war, so sehr war es dennoch ein Teil von ihr, den sie nicht missen wollte. In den Rändern waren manchmal kleine Erwähnungen über ihr Gefühlsleben zum Zeitpunkt des Eintrags. Sie dachte daran, was sie an dem Tag geschrieben hatte, als ihr Ex sie verlassen hatte. Bzw. als die Beiden sich getrennt hatten. Wie es genau gewesen war, wusste sie immer noch nicht. Vielleicht war sie auch gegangen?

Der Rand von dem Tag war gänzlich schwarz, auf den Seiten war jedoch ein Gedicht, über einen kleinen Vogel, der von der Freiheit singt. Es reimte sich nicht. Eigentlich reimte sich nie etwas, was sie aufschrieb, und wenn, dann hatte es zwar den Charme von lustigen Kinderreimen, nicht jedoch irgendetwas, was sie gerne veröffentlicht oder gar gesungen hätte.

Er schrieb viel. Jeden Tag, soweit sie wusste. Er hatte, das hatte er auf jeden Fall erzählt, ein ganzes Regel voll mit Notizheften, in denen er seine Gedanken, sein Gefühlsleben und auch Gedichte aufgeschrieben hatte. Sie stellte sich seine Schrift vor. Gerade und symmetrisch, sehr gepflegt, dabei nie dreckig oder verschmiert, selbst wenn er so schnell schrieb, wie er nur konnte, weil er fürchtete, die Gedanken könnten ihm davonfliegen. Nicht so wie ihre Schrift. Ihre Schrift war nicht einmal das, was man eine »typische Mädchenschrift« nannte und gemeinerweise durch eine sehr dicke Füllfederspitze zustande kam. Sie schrieb am liebsten mit einem sehr dünnen Fineliner und kritzelte nur. Wenn sie dann doch mal mit der Feder schrieb, verschmierte sie alles, weil sie Linkshänderin war und besonders bei »guten Einfällen« so hastig schrieb, dass es nachher eine wahre Plage war, die Einfälle noch zu entziffern.

Er hatte gesagt, er würde sein Heft mitbringen. Er nahm sein Heft sowieso überall mit hin und schrieb im Bus oder im Zug. Damals, als er sie zum ersten Mal gesehen und sie ihn zum ersten Mal wahrgenommen hatte, hatte er nicht geschrieben. Die Strecke war ihm zu kurz gewesen, und so hatte er nur einen Zettel an sie geschrieben. Die stammte allerdings aus seinem Heft. Ina glaubte, dass dies etwas zu bedeuten hatte. Jemand wie er würde nicht so leichtfertig seine kostbaren, wenn auch noch unbeschriebenen Seiten abreißen, um Telefonnummern auszutauschen. Ein kleines weißes Licht blitzte in ihrer inneren Dunkelheit auf. Es war das, was man gemeinerhin Hoffnung nannte. Sie wollte es wieder verdrängen, denn sie wollte sich nicht schon wieder mit zu hohen Erwartungen selbst verletzten. Aber vielleicht hatte sie diesmal doch Recht? Vielleicht war er wirklich so perfekt, so wundervoll, wie er manchmal – wenn auch nur in ihren Träumen, schien?

Jeder bekommt, was er verdient

Thursday, June 21st, 2007

Disclaimer: Es ist wieder einmal fast Nationalfeiertag. Schlagt mich, aber ich komme in dieser Zeit einfach nicht drum herum, Flames oder merkwürdige Diskusionen anzuzetteln. Und da ich keine Lust auf die Nationalismusdiskusion habe, disse ich einfach mal herum. Wie so ein Rapper.

Bekam ein Großteil des luxemburgischen Blogklumpen noch vor einiger Zeit einen langen Text für meine damalige Verachtung bzw. meine Kritik, so habe ich für das selbsternannte “Funblog” omg.lu nicht einmal einen Link übrig. Trotzdem möchte ich den Preis für das dümmste, geschmackloseste und sinnloseste Blog des luxemburgischen Blogpreis an eben omg.lu vergeben. Ich nehme mir als A-Blogger, wobei das A auch für meinen Nachnamen stehen kann, je nach Defitionswille, des luxemburgischen Blogklumpens das Recht, dies jederzeit zu tun.
Der Inhalt von diesem “Funblog”? Alte “lustige” Bilder, die in der Regel sexistisch oder tendenziell fremdenfeindlich sind sowie Youtube Videos. Eigentlich habe ich ja nichts gegen Blogs, in denen nur Videos gepostet werden, aber was mich stört, ist die Grundhaltung des Blogs. Sexismus, tendenzieller Nationalismus und Prahlerei mit Glanzleistungen wie 250km/h fahren und dabei den Tacho abfotographieren, weil er “1337″ anzeigt. Motto ist übrigens »Wayne interessĂ©iert et …«, also Wen interessiert's… Zu viele, wenn ihr mich fragt. Allem Anschein nach allerdings bloss Leute, die es nicht fertigbringen, mehr als 2 Zeilen zu kommentieren.

Unterhalten wird das ganze übrigens unter anderem von Steve »DamnedFreak« Cannivy, der vor einiger Zeit sein nationalistisches Geschwafel in einem Blog namens »roudeleiw.lu« verbreitete, das mittlerweile aber eingestellt hat.

Ja, ich bin für einen erneuten Flamewar im luxemburgischen Blogklumpen. Ich kann nicht ohne. Ausserdem soll dem Flamewar eine Qualitätsoffensive folgen, oder zumindest sollen kuschelige Beiträge der Beschimpften untereinander folgen, nach dem Motto »Große böse Welt, niemand versteht uns!«, oder jedenfalls so ähnlich.

Jeder bekommt, was er verdient: Der Nationalfeiertag seinen Flamewar, omg.lu den Preis und die Leser das, was ihrem Unterhaltungsniveau entspricht. Demnächst dann wieder Gruppenkuscheln in den betreffenden Blogger-Peergroups. Wer sich jetzt beschweren will, muss dies singend tun, dann höre ich vielleicht zu.

Edit: Die Kommentare kamen dank meiner »Kommentar-Mail« schnell und es gibt auch schon ein Posting auf omg.lu, wo man den Text für den Leser, der den Klick auf einen Link nicht schafft, auch noch einmal kopiert hat. Man freut sich über den wohlverdienten Preis. Vielleicht macht ja jemand eine Award-Grafik, so wie das früher mal Mode war? Einige Leute müssen sich ja persönlich ganz schön angegriffen fühlen, so wie die Reaktionen sind. Und wie vorhergesagt gibt es schon Kuschelkommentare des omg.lu-»Staff« untereinander. Das Leben ist so schön mit Flamewars.
Edit 2 (00:41): Es ist raus. Die Jungs von omg.lu haben es herausgefunden: Ich bin ein Emo. Fast bin ich geneigt, auf den Kommentar zu linken. Leider schaffe ich es vor Lachen nicht.

Freewriting #4

Wednesday, June 20th, 2007

Heute nur 2354 Zeichen. Ich lasse definitiv nach, was die Geschwindigkeit angeht. Ich könnte das heute allerdings auch an meine Müdigkeit sowie mein allgemeines Gefühl schieben. Manchmal ist es wohl besser, einen Tag einfach Tag sein zu lassen und auf den nächsten zu hoffen. Die Geschichte von Ina geht auf jeden Fall wie folgt weiter:

Sie hatte sich jetzt ein ganz normales T-Shirt angezogen, wohl figurbetont, aber ohne Ausschnitt oder sonst was. Dazu trug sie eine schwarze Hose, in der sie Aussagen zufolge einen schönen Hintern hatte, aber sie konnte das trotz mehrmaligen Besuch der H&M-Kleiderkabinen nicht wirklich nachvollziehen. Was war überhaupt ein schöner Hintern?

Er hatte einen schönen Hintern. Obwohl sie den erst sehr viel später gesehen hatte. Sie hatte mal in irgendeiner idiotischen Frauenzeitschrift gelesen, dass soundsoviele Prozent der Frauen ihren Traummann erst von hinten gesehen hätten, ehe sie ihn dann angesprochen hätten und sich dann irgendwann etwas entwickelt hatte.
Sie hatte nur sein Profil gesehen, denn er hatte in der gleichen Sitzreihe im Bus gesessen wie sie. Währendem sie versucht, die hässlichen Mädchen mit dem neusten Modeschick und Kaugummi, die vor ihr standen und sich laut über irgendwelche Beziehungsgesichten von anderen Leuten unterhielten, zu ignorieren, hatte er sie offenbar schon länger beobachtet.
Als sie den Bus dann verlassen hatte, hatte sie ein Stück Papier auf ihrem Schoß gehabt. Sie hatte nicht bemerkt, wie er es dahingelegt hatte, aber es war da gewesen und darauf hatten zwei Sätze und seine Telefonnummer gestanden.

Sie hatte ihm eine SMS geschickt und danach telefoniert. Sie wusste noch, wer er war, aber konnte sich an keine Details mehr erinnern. So lange, bis sie sich durch Zufall noch einmal begegnet waren. An dem Abend hatten sie beide quasi zeitgleich vorgeschlagen, sich doch mal bewusst zu treffen.
Das, was sie bisher von ihm wusste, klang vielversprechend. Er spielte Gitarre, lass sehr gerne und interessierte sich für Kunst. Und er zeichnete kleine, aber feine Bilder, die sie an ihre eigene Kopfwelt erinnerten. Sie konnte selbst nicht zeichnen, stellte sich aber oft Bilder vor und hatte sie einfach im Kopf. All ihre Versuche, das was sie im Kopf hatte, auf ein Blatt Papier zu bringen, waren missglückt. Die fruchtbarsten Versuche waren noch die Gedichte und Liedtexte, die sie in ein kleines in graues Leinen gebundenes Notizbuch kritzelte, wenn sie mal wieder einen einfallsreichen Tag hatte. Kleine Randkritzelein wie Sternchen und der Versuch, organische Figuren zu zeichnen wechselte sich mit in schmieriger Schrift geschriebenen kurzen Gedichten, Liedtexten und musikalischen Idee für Lieder ab.

Am Anfang

Wednesday, June 20th, 2007

Alle Krüge brechen. Es rieselt langsam dicke Ascheflocken, die sich ungleichmässig auf der schwarzgrauen Straße verteilen. Wie eklige Schneeflocken der Unterwelt.
Du bist wieder am Anfang. Der Sand ist in deinen Händen zerronnen. Und immer wieder die Frage: »Wieso ich? Wieso ich? Wieso kann ich nicht einfach einmal Glück haben?«
Und trotzdem denkst du, das Leben sei schön.
Ist das alles Blödsinn? Fußspuren in der Asche. Gelbe Blütenblätter auf dem Asphalt. Ein alter Mann beginnt, die Asche, die auf seine Treppe gefallen ist, mit einem altertümlichen Besen zu fegen. Er hat ein faltiges Gesicht. Und du fragst dich, wie sein Leben ausgesehen hat. Und was du erzählen kannst, wenn du erst einmal so alt bist wie er. Du willst nicht alt werden. Du willst aber auch nicht so sterben. Ficken Venedig sehen und sterben.

Irgendwann wird dein Tag kommen, rufen sie alle im Chor. Freiwillige vor, und alle treten einen Schritt zurück. Als ob du ein Drache wärst, den niemand lieben könnte, weil er alles verbrennt. Herzsprung. Kalle Blomquist der Meisterdetektiv. Am Samstag kam das Sams zurück. Das kleine Gespenst. das Tiger-Team und der Totenkopf-Helm. Antoine Blancpain, CollĂ©gien. Neon Genesis Evangelion. Heilsversprechen in Kinderbüchern.Ich höre nur noch Mittelwelle. Klingt wie früher, in meiner Jugend, möchte der alte Mann sagen, der aber dann merkt, dass es seine eigene Asche ist, die er da fegt.

Der Traum, der nie einer war, fällt zusammen wie ein Haus aus Legosteinen. Du bist wieder am Anfang.
Oder doch um eine Erfahrung reicher?

Freewriting #3

Tuesday, June 19th, 2007

Heute habe ich exakt 10 Minuten geschrieben, und es sind die folgenden 2587 Zeichen geworden. Ich hatte heute das Gefühl, dass ich oft irgendwelche Sätze oder Forumlierungen verbessert habe, was man eigentlich später machen sollte. Trotzdem bin ich einigermaßen zufrieden mit mir. Ich bin mal gespannt was Ina noch so über sich verraten wird.

Ina wusste nicht wirklich, wieso sie noch immer nackt Bass spielte. Vielleicht war es nur die Macht der Gewöhnung, aber es konnte auch mehr dahinter stecken. Hatte ihr Exfreund immer noch einen unsichtbaren Einfluss auf sie, der so stark war, dass sie noch für ihn spielte?
Sie hoffte nicht. Diese Geschichte war vorbei, das Buch war fertig geschrieben und lag nun irgendwo in einem Schrank tief unten in ihren Erinnerungen, wo es ruhig verstauben sollte. Sie wollte es nicht herausnehmen. Die schönen Dinge sollte man konservieren, in Einmachgläser füllen und in eine Vitrine stellen, hatte mal jemand ihr geraten. Sie konnte die schönen Dinge nicht von den ekligen, schlechten Erinnerungen trennen. Teilweise hatten die letzten Tage, dieser Rosenkrieg auch noch einen Schatten auf die schönen Dinge geworfen, den sie nicht korrigieren konnte. Wenn sie den Schatten ausradieren wollte, musste sie alles ausradieren, und das wollte sie nun auch nicht. Besser eine verstaubte Erinnerung als überhaupt keine.

Was würde er sagen, wenn es je dazu kommen würde und sie ihm vorschlagen würde, nackt für ihn zu spielen? Sie malte sich schon vage erotische Geschichten aus und schalt sich sogleich selbst dafür. Sie hatte gelernt, wie schmerzhaft es sein konnte, wenn man sich zu viele Hoffnungen machte und wollte diesen Fehler nicht noch einmal machen. Sie wollte die Sache diesmal ruhig angehen und sich nicht von voreiligen Fantasien antreiben lassen. Das war nicht gut für sie, und für die Beziehung, sollte je eine daraus werden, ebenfalls nicht.

Sie saß nun auf ihrem Bett und betrachtete den Bass, dann den Rest ihres Zimmers. Ihr Kleiderschrank, vor dem sie noch vor einigen Minuten gestanden hatte und sich angezogen hatte, nachdem sie aus der Dusche gekommen war. Sie mochte dieses Ritual. Bass spielen, Duschen, neue Kleider anziehen. Vor allem wenn sie ausging oder wie jetzt, jemand auf Besuch kam, war sie dabei besonders gründlich und versuchte, jeden Schmutz von ihrem Körper und aus ihren Haaren zu waschen.

Ina hatte versucht, sich »richtig« anzuziehen. Was war richtig für ein erstes Date im eigenen Zimmer? Gab es unterschiedliche Abstufungen der Gewagheit, je nach Ort, an dem man sich traf? Beim Eisessen durfte es vielleicht ruhig etwas mehr Dekolletee sein, da er ja von anderen Frauen abgelenkt werden konnte, während er im Zimmer sowieso nicht viel anderes tun konnte, als sie anzusehen und sie nicht künstlich mit tiefem Ausschnitt Aufmerksamkeit erregen musste. Sie hatte das merkwürdige Gefühl gehabt, ihr hätte beim Anziehen jemand über die Schulter geschaut.

Freewriting #2

Monday, June 18th, 2007

Ich habe heute, wie Thierry es vorgeschlagen hat, die Idee von gestern aufgegriffen und weitergesponnen. Diesmal habe ich ganze 15 Minuten geschrieben, obwohl es eigentlich nur Zehn werden sollten. Allerdings war es eine dumme Idee, das Handy, das beim Ablauf des Countdowns vibrieren sollte, aufs Bett zu legen. Da hört man die Vibrationen nämlich nicht.
Anzahl der Zeichen in 15 Minuten: 3569, was statistisch gesehen 2379 Zeichen in 10 Minuten sind, das sind weniger als gestern. Ich bin aber zufrieden mit mir, dass ich den Schreibfluß auch eine Viertelstunde ohne Probleme aufrechterhalten kann und eigentlich noch Ideen habe. Hier das Resultat:

Zehn Minuten. Freewriting. Diesmal mit einem Glas Cola. Ist trinken erlaubt?

Ina war aufgeregt. Sie hatte ihn ganz spontan zu sich eingeladen, oder eher hatte er sich selbst eingeladen. Das stimmte auch wieder nicht ganz. Sie wollten sich treffen, ohne dass es ganz klar war, von dem der Anfangsimpuls ausgegangen war. Normalerweise wusste Ina bei Dates, ob sie oder ihr Date-Partner das Treffen einberufen hatte, aber diesmal hatte sie es vergessen oder es war nicht wirklich wichtig gewesen. Und dann hatten sie nicht gewusst, wo und wie und was. Das übliche Problem. Es fiel Ina schwierig, sich kreative Ideen für erste richtige Treffen einfallen zu lassen. Es gab eigentlich nur paar Möglichkeiten, die alle Vor- und Nachteile boten. Zum einen Kino, was zum Knutschen ideal war, aber sehr effektiv verhinderte, dass man viel redete und sich auf einer intellektuellen Ebene näher kam. Was ihr missfiel. Dann gab es das CafĂ©, wo immer die Gefahr bestand, dass man jemanden kennen würde, was dem Kennenlernen ebenfalls nicht wirklich zur Gute kam. Ganz kreativ hatte sie die Idee mit dem Eisessen gefunden, auf das sie sich eigentlich geeinigt hatten.

Eis war sexy, wenn es man es richtig aß. Ihre beste Freundin hatte mal die Theorie aufgestellt, dass es zwei verschiedene Möglichkeiten gab, ein Eis zu lecken. In Phallusform oder in Busenform. Wobei dabei das präferierte Geschlecht zu sehen wäre. Ina hatte bei mehreren Eiskugeln eher das Problem, dass sie darauf aufpassen musste, dass das Eis nicht herunter tropfte und ihr über die Finger lief. Was sehr wenig sexy war und man bei einem Date vermeiden sollte.
Anderseits stellte sich ihr die Frage, ob sie nicht im Allgemeinen zu viel Eis aß. Nicht gut für ihre Figur, obwohl ihr immer gesagt wurde, sie wäre auf keinen Fall zu dick, eher im Gegenteil. Sie wusste es einfach nicht. Vielleicht hatte sie überhaupt keine Meinung dazu.
Wie merkwürdig.

Es war jedoch nicht zum Eisessen gekommen, weil es heute regnete. Eine ganze Woche eitel Sonnenschein und heute, an dem entscheidenden Tag, wo sie ihn treffen und mit ihm ein leckeres Eis essen sollte, regnete es. Aber vielleicht war das gar nicht so furchtbar, wie es schien. Vielleicht würden sich in ihrem Zimmer sehr viel mehr Möglichkeiten ergeben als in der Eisdiele.
Auf jeden Fall würde er sehr viel mehr über die herausfinden. Er würde merken, dass die merkwürdig war. Ina fand das prickelnd. Sie mochte keine Versteckspiele und dennoch fand sie, dass sie gerade dadurch, dass sie diesem Jungen ihr Leben durch ihr Zimmer zeigen wollte, irgendwie versteckend und gleichzeitig exhibitionistisch.
Gab es nicht auch sowas im Fernsehen?
Ina schaute selten fern, und wenn, dann auch keine Musiksender, oder wie es heute wohl eher heißen sollte: Jugendsender. Denn Musik lief da eher selten. Oder Ina hatte immer zum falschen Zeitpunkt eingeschaltet. Aber sie mochte eh keinen Pop. Vielleicht brauchte sie auch gar keine Musikvideos, denn sie sah sich ja selbst jeden Tag Musik machen. Sie spielte Bass im Spiegel.
Manchmal auch nackt.

Ihr Exfreund hatte immer gesagt, dass ein Bass eine Frau oder ein Mädchen um 200 Prozent attraktiver mache als eine, die kein Instrument spielen würde. Sie hatte manchmal nackt für ihn gespielt, während er nur auf ihrem Bett gesessen hatte und ihr zugesehen hatte, voller erotischer Erwartungen. Das war nach und nach zu einem festen Ritual geworden. Sie übte wenn er da war, und wenn er da war übte sie wegen ihm nackt. Und so hatte sie es sich angewöhnt, nackt in die Saiten zu greifen. Vorhin hatte sie auch nackt gespielt.

Podcast: Angscht a Schrecken op engem komeschen Elektrofestival an engem ziemlech niwelegem Café

Monday, June 18th, 2007

Ich war dieses Wochenende auf einem komischen Elektrofestival. Da gab es nicht nur merkwürdigen Elektro, sondern auch obskure Videoprojektionen und sehr viel Zigerattenqualm, der mir eigentlich schon nach kurzer Zeit die Sicht versperrte und die Orientierung relativ schwierig machte. Daneben kamen einige sehr hippe Zeitgenossen auf die schlechte Idee, mich von meinem Trip runterzubringen. Und meine beiden Freunde Angst und Schrecken waren auch mal wieder mit von der Partie…

Angscht a Schrecken op engem komeschen Elektrofestival an engem ziemlech niwelegem Café (mp3, 12 MB)

Mit Hintergrundmusik gibt es die Folge wie gewohnt heute Nachmittag zwischen 16 und 17 Uhr auf Radio ARA, 103,3 oder 105,2 MHz bzw. im livestream auf ara.lu in der Sendung Crumble. Und den integralen Text nach dem Klick auf “Mehr!”.
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Freewriting #1

Sunday, June 17th, 2007

Freewriting hat Thiery bei Serge in den Kommentaren erklärt. Ich fand das eine geniale Idee und will das jetzt mal ausprobieren. Mal sehen, wie lange ich das durchhalte. Ich habe also eben 10 Minuten lang ununterbrochen geschrieben. Dabei sind die folgenden 2741 Zeichen rausgekommen. Ich habe bloss noch die Rechtschreibung und typographischen Elemente geändert. Thierry darf das ganze gerne mal kommentieren. Das soll es jetzt öfters hier geben. Jeden Tag, am besten. Resultat von Versuch Nummer Eins:

Freewriting. Zehn Minuten ununterbrochen schreiben. Wagen wir es einfach. Mal sehen was dabei rauskommt.

Ich sitze in meinem Zimmer, das ich eben neu dekoriert habe. Also eben, das war vor ein paar Stunden, nicht vor 10 Minuten, wie ich gerade schreiben wollte. Und ich tippe wie ein Irrer, vielleicht auch, weil ich die 10 Minuten, so wie mir das kulturell immer nahe gelegt wurde, als Wettrennen sehe, in der es darum geht, so viel wie möglich zu tippen. Ich weiß nicht, ob das der Sinn ist, glaube aber eher nicht. Ich habe meine Wand mit Konzerttickets vergangener Konzerte aufgehangen.

Und irgendwann würden da auch Tickets von Konzerten hängen, die sie selbst gespielt hatte, dachte Ina und sah dann wieder zu ihrem Bass, der, metallisch glänzend ein Funkeln in ihren Augen auslöste. Sie mochte dieses Instrument, das oft unterschätzt wurde. Ein Bass macht nicht bloß “Bum Bum Bum”, ein Bass ist sehr viel mehr. Sie mochte ihn wirklich sehr, und übte jeden Tag so lange sie Zeit hatte darauf. Obwohl sie ihn gerade wieder in den repräsentativen Ständer gestellt hatte, kribbelte es ihr schon wieder in den Fingern, noch einmal zu üben. Sie wartete aber auf jemanden, und obwohl es irgendwie cool wäre, beim Üben unterbrochen zu werden, wollte sie sich von dem Gast, den sie erwartete, nicht unterbrechen lassen. Einerseits, weil sie Angst hatte, ihr Spiel könnte ihm nicht gefallen, und anderseits wollte sie ihm nicht das Gefühl geben, dass er sie störe. Denn das würde er auf gar keinen Fall tun.

Er wirkte immer so scheu, überlegte sie und insgeheim hatte sie sich schon oft gefragt, wieso. Eigentlich hatte er eine blendende Figur, ein schönes Gesicht und wunderbare grüne Augen. Grüne Augen waren etwas seltenes, und es war ein merkwürdiger Zufall dass er wie sie welche hatte. Wenn sie es sich recht überlegte, war er der erste Mensch, bei dem sie die grüne Augenfarbe sofort und bewusst wahrgenommen hatte. Sie hatte ihn überhaupt sehr bewusst wahrgenommen, was bei ersten Begegnungen bei ihr eher selten war.
Liebe auf den ersten Blick? Wohl kaum, denn dann müsste sie jetzt verliebt sein, und das war sie nicht. Es kribbelte höchstens ein ganz klein wenig an ihren Unterschenkeln, wenn sie ihn sah. Ihre Unterschenkel kribbelten, wenn sie aufgeregt oder verliebt war. Nicht ihr Bauch, wie es das Klischee war. Vielleicht war sie einfach merkwürdig.

Sie war schon immer ein klein wenig anders gewesen. Oder sich anders gefühlt. Sie konnte nicht wirklich mit dem Finger darauf zeigen, was sie denn genau von anderen Menschen unterscheiden würde, aber irgendwo tief in ihr drin hatte sie das Gefühl, dass sie anders war als die anderen Menschen, die um sie herum waren. Was stecke in ihrer Seele, was bei anderen nicht vorhanden war?

Blogcensus

Sunday, June 17th, 2007

Blogcensus.de vermisst die Blogosphäre. Also, die deutschsprachige. Und da ich mich zu dieser zähle, auch wenn ich mit jeder Angscht a Schrecken-Folge weniger rein deutschsprachig werde, mache ich da mit.
Und der Bot braucht einen Code. Diesen Code:
1 : [b396d45b1461bd46]
2 : [2bb24ebd28bf404d]
3 : [f7069063b274b05a]
4 : [306f86b3fc04b468]

Da könnte man fast sagen: Wunderbar ist Dreck dagegen! Ich bin ja mal gespannt, wie groß die Blogosphäre der deutschsprachige Blogklumpen sein soll. Ich mag das Wort »Blogklumpen« übrigens lieber als »Blogosphäre«, das erinnert mich immer an meinen Ökologieuntericht.