Archive for March, 2007

What this world needs most

Monday, March 12th, 2007

Absoluter Lesebefehl zum Thema Sexualität, Liebe, Gender.
Ich hatte gerade Tränen in den Augen. Und verdammt, ich bin kein begeisterter Fan von Dingen die man sich so weiterschickt, aber das sollte man einfach gelesen haben. Wow.

Podcast: Angscht a Schrecken an Computerbutteker an am Kulturjoer

Monday, March 12th, 2007

Pc-Geschäfte und das Kulturjahr, damit beschäftigt sich “A&S” heute.
Die “Vollversion” wie gewohnt zwischen 16 und 17 Uhr auf Radio ARA
Feedback ist immer willkommen.

Angscht a Schrecken an Computerbutteker an am Kulturjoer (mp3, 3,86 MB)

Den integralen Text gibt es unter “Mehr!”.

(more…)

Sternennacht

Sunday, March 11th, 2007

StoffIch sah sie an und dachte, ohne vorher je einen solchen Definitionsversuch unternommen zu haben: “Das ewig weibliche ist die Kurve von ihren Oberschenkeln über ihr Becken bis zu ihrem Bauch.” Sie lag auf der Seite, langgestreckt, und dennoch ließ sie eine gewisse Kauerhaltung durchblicken.

Ich saß hinter ihr und fand den Anblick wunderschön. Es lag eine Atmosphäre von Geborgenheit in der Luft wie kunstvolle Falten werfende Vorhänge aus orangem Samt, die horizontal im Raum schweben. Sie strahlte eine innere Ruhe aus.

Ich denke, das war es: zur Ruhe kommen. Alle Gedanken, Ängste, beunruhigende Gespenster im Kopf hatten wir auf kleiner Flamme geköchelt, reduziert bis auf einen kleinen Quader, den wir mit den warmen Dämpfen, die metaphorisch aus unserer gefühlten Geborgenheit emporstiegen, einhüllten und ihn zumindest für diesen Abend vergaßen.

Gerne hätte ich die Kurve beschrieben. Wäre ich mathematisch dazu in der Lage gewesen, so, davon war ich fest überzeugt, wäre die Formel für das ewig weibliche dabei herausgekommen. Die Beschreibung anders, also mit der Hand auszuführen, traute ich mich nicht. Ich war noch nie gleichzeitig so zurückhaltend und begierig gewesen, einen Körper, ihren Körper, zu spüren. Vor allem: Sie zu umarmen. Als würde diese symbolische Verbindung eine immerwährende sein, eine Symbiose, ohne die das Leben trüb und grau wäre.

So schien es mir, und je mehr ich darüber nachdachte, umso größer wurde auch mein Wunsch, ihren Körper, ihre Wärme, ihre Atmung, ihren Herzschlag zu spüren und der Kauerstellung, die sie mittlerweile angenommen hatte, ein Bett zu geben. Männlicher Beschützerinstinkt par excellence.

Aber war es wirklich bloß das? War es nicht eher ein sexuelles Verlangen? Ich wollte dieser Frage keinen Platz geben. Ich nahm ihre Hand und setzte mich so neben sie, dass mein Rücken vor ihrem Becken war. Sie streichelte, als wäre dies ein Reflex, meinen Handrücken. Die Atmosphäre verdichtete sich. Jede Berührung von ihr löste in mir gleichzeitig Befriedigung und Verlangen nach mehr aus. Vielleicht brauchte ich nur jemanden, um den ich mir Sorgen machen konnte, ich allein und sonst niemand. Männliche Besitzergreifung delux.

Ich war mir nicht mehr sicher, ob ich das Richtige tat. Gleichzeitig fühlte es sich einfach wunderbar an, so dass ich nicht über diese unangenehme Frage nachdenken wollte. Ich packte sie zu dem Quader mit Unangenehmen und ließ mir nichts anmerken.
Sie rückte näher, so dass ihr Becken meinen Rücken berührte. Ich fing an, ihre Hand und wenige Momente später auch ihren Arm zu streicheln, nur mit Mittel- und Ringfinger. Ich spüre regelrecht, wie die kleinen Häarchen auf ihrem Arm sich aufrichteten und unsere gefühlte Nähe sich damit ebenfalls erhöhte.
Sie lächelte.

Ein organger Schleier aus Intimität legte sich über uns, grobmaschig und trotzdem fein gewebt. Es schien wie eine natürliche Entwicklung, sich zu küssen. Und trotzdem war es merkwürdig, sie meinen unrasierten Hals küssen zu spüren. War ich es nicht, der sie begehrte?
Wieso drehte sie den Spieß um, anstatt sich erobern zu lassen?
Ich umarmte sie, und hatte Mühe, loszulassen. Es war deutlich zu spüren, dass wir beide diese Nähe brauchten. Ich fuhr mit der Hand über ihren Rücken, während ich den anderen Arm um sie geschlungen hatte. Sie hielt mich bloß fest, und ich hatte meinen Kopf auf ihre Schulter gelegt. Eine warme, dunkelrote Blase entstand um uns herum und langsam verschwand jeder Kontrast.

Die innere Wärme, die ich verspürte, beeinflusste mein Sehvermögen wie eine merkwürdige Droge, und mein inneres Auge überlappte sich mit den Dingen, die ich tatsächlich sah. Ich gewisser Weise war ich blind. Ich sah weiße Blutkörperchen in der roten Blase schwimmen, als wir uns küssten, unsere Zungen sich berührten und einander umspielten wie konjugierende Einzeller.
Stoff
Alles drehte sich um uns. Es schien für einen kristallklaren Moment so, als wäre der Punkt, an dem unsere Zungen sich berührten, das Zentrum des Universums, der einzige Fixpunkt in einem unendlich expandierendem und drehendem Kosmos, der Obelisk der Ordnung in der geleeartigen Masse des Chaos, und gleichzeitig drehte ich mich in dieser Vision der Klarheit, die bereits jetzt das geistige Pendant zu einem Orgasmus darstelle. Und ich wusste: Sie war meine Sofia, der verloren gegangene Teil von mir, nach dem ich seit ich denken konnte so schmerzlich gesucht hatte.

Jede Berührung von ihr machte mich blinder, rief eine tiefrote oder orange Luftblase auf der betreffenden Körperstelle hervor, die ich wirklich zu sehen schien, so sehr ließ sie mein reales mit mit meinem inneren Sehvermögen verschmelzen.

Wir küssten uns innig, ohne wild zu werden. Alle Bewegungen liefen mit einer zärtlichen Ruhe ab, die die Transparenz der Blase, die uns umschloss überhaupt erst möglich machte. Sie streichelte meinen Rücken, während ich meine Hand auf ihrem Bauch hatte, in immer dem gleichen Rhythmus, für einen ewigen Moment lang.
Wie minutenlanges Luftholen.

War ihr Streicheln das Einatmen, so waren die Küsse, die da folgten, das Ausatmen.
Ich konnte kaum mehr klar denken. Die Welt bestand nur noch aus Sinneseindrücken auf meiner Haut und Küssen.

Auf einmal waren wir beide nackt. Wir lagen auf ihrer Matratze und ich streichele ihren Rücken, während sie auf mir lag. Ich wusste, dass wir kurz davor waren, Sex miteinander zu haben, obwohl ich mich nicht erinnern konnte, sie ausgezogen zu haben. Wieder kam die Frage in mir hoch, ob das, was ich tun würde, das Richtige war. Und die undefinierbare Klarheit, dass sie die Eine war, die Sofia, nach der ich mein Leben lang gesucht hatte, kam zu mir zurück.
Ich lächelte, als sie sich auf mich setzte und sich auf meinen Schultern aufstützte.
Wieder wurde die Welt dunkelrot und bestand bloß noch aus großen, monotolithartigen Gefühlen, die sich in wilder Reihenfolge abwechselten und durch meinen Körper flossen.

Ich erwachte nackt neben ihr.

Images copyright by Dave Sackville and Wojciech Wolak.

Schon ĂĽber mir

Sunday, March 11th, 2007
And I knew you were my destiny
And I thought you'd get the best of me
On the way down to Mexico

Ich weiß nicht, ob man überhaupt sagen darf, dass einem ein Lied der Rolling Stones aus dem Jahre 1998 gefällt. Es ist von dem Album “Bridges To Babylon”, das eigentlich nicht wirklich nach “Stones” klingt. Und das Lied, von dem ich rede, heißt “Already over me” und erzählt irgendeine Roadstory, in der Mick Jagger seine geschätzte 248te Frau ins Bett kriegt. Und das Lied klingt nach Staub, Drogen und ein wenig nach einem alten Mann, der sich die alten Zeiten zurückwünscht. Es rockt weder sonderlich noch ist es textlich sehr abwechselungsreich

Aber das Lied ist für mich eine Erinnerung an Sommer 2002. Ich hatte mir damals den Fuß verstaucht, und das Internet ging auch nicht so wirklich. Davor hatte ich irre viel Zeit im IRC verbracht, mit einem Mädchen, dass ich Gilwen nannte. Sternenmädchen auf Elbisch. Und das Lied verkörperte irgendwie mein Lebensgefühl. Oder es “fühlte” sich so an, als würde es mein Lebensgefühl verkörpern. Mit dem verstauchten Fuß auf dem Bett liegen, den furchtbar blauen und Himmel ansehen, die Rolling Stones hören und dabei irgendein Werk von Tolkien lesen.
Das war genau die Zeit zwischen meinem ersten Blog bei blogspot.com und dem zweiten, diesem hier. Es lag eine Schwere in der Luft, wie ich sie nur selten gespürt hatte. Veränderung.
Dieser Sommer 2002 war auch die Zeit, in der ich anfing, die ersten Schritte in der großen weiten Welt ohne elterliche Begleitung zu tun. Gemeinsam mit Freunden ins Kino. Damals schien es so, als wäre Luxemburg-Kirchberg ein anderer Kontinent. Heute bin ich mindestens einmal in der Woche in der Hauptstadt.
Veränderung, das war es. Ich habe kaum Erinnerungen an die Sommerferien, die meiner Beinverletzung folgten. Der letzte Urlaub in Port Camargue. Die ersten Folgen von Neon Genesis Evangelion, damals noch teilweise ohne Ton. Diffuse Errinnerungsfetzen.

Der Sommer 2002 ist fast fünf Jahre vorbei. Was bleibt, ist ein Lied der Stones, von dem ich heute nicht mehr weiß, wie ich es finden soll.

Wieso ich blogge (III)

Saturday, March 10th, 2007

Damit diese herrlichen Bilder in meinem Kopf nicht verloren gehen.
Will irgendwer die Enstehunggeschichte hören?

Höllenwald

Friday, March 9th, 2007

Es regnet, während du voller Verzweiflung nach oben siehst und denkst: “Aus diesem Höllenwald werde ich nieder wieder herauskommen.”

Du fühlst dich schrecklich, ausgelaugt, verschwitzt und müde. Ein dicker Regentropfen fällt auf deine Nase. Es fühlt sich an als würden heute viele Menschen sterben, als wäre heute einer jener Tage, an denen Atomreaktoren explodieren, Pandemien und Hungersnöte ausbrechen.

Dies ist kein Tag der Wut, sondern einer jener Tage, an denen das Schicksal einem mit der Faust ins Gesicht schlägt und dabei hässlich grinst. Und dann flüstert dir jemand ins Ohr “Es ist doch gar nichts passiert.”
Es sind mehr die emotionalen Vorgänge als die wirklichen Fakten, die nüchtern betrachtet wirklich nicht schlimm sind.

Das Wochenende fällt in sich zusammen. Vielleicht solltest du dich einfach nur ins Bett legen und den Schlaf der Gerechten schlafen.
Der Schlaf der Gerechten. Als würden die Ungerechten ständig von Schlaflosigkeit geplagt!

Dunkelkammer

Friday, March 9th, 2007

Wie cool. Wie überaus cool.
Dark Room
Ein Texteditor, der nur das tut, was ein Texteditor tun soll: Texte editieren. Es gibt sonst kaum Features, die nicht auch “Notepad” hätte. Dafür ist das ganze aber um einiges cooler.
Und da das ganze einen Vollbildmodus hat, kann man sich vollends auf seine Texte editieren. Die Farbe der Schrift ist einstellbar, falls jemanden der grün auf schwarz-Kontrast nicht gefallen sollte. Der Autor resümiert das ganze so:
Dark Room is just about you and your text.
Und so fühlt es sich auch an. Man ist alleine, sitzt vor einem Interface, das auch Jacobo Belbo benutzt haben könnte und sieht dem Text zu, wie er Gestalt annimmt. Ich denke, der Editor eignet sich grandios für “Aus dem Inneren meiner Seele“-Texte.
Und sehr passend heißt der Editor auch Dark Room.
(Link via vasili)

Expertenwissen

Thursday, March 8th, 2007

Zu meinem wunderbar besuchten Artikel “Moderne Designerdrogen” kam heute ein Kommentar einer offenbar vom Artikel angeheiterter Person:
Oh man… schrieb:
LOL Wenn man keien Ahnung hat lieber mal die Fresse halten würde ich da sagen.
08.03.2007 14:34:42

Lustigerweise verrät mir meine blogscout-statistik, dass diese Person über den Suchbegriff “Reduktion von l-Ephedrin oder d-Pseudoephedrin mit Lithium oder Natrium in flüssigem Ammoniak zu d-MA” auf mein Blog gekommen ist. Fragt sich jetzt bloss, wie das mit dem “keien Ahnung haben” zu verstehen ist.
Lieber “oh man…”. Ich bin sehr froh über Drogenerlebnisberichte. Ich weiß noch immer nicht, was an Drogen toll ist, deren Auswirkungen sich anfühlen wie Insekten, die einem unter der Haut krabbeln. Ich will auch gar nicht wissen, was dabei alles schiefgehen kann, wenn man als Hobbychemiker mit Google nach einer Anleitung sucht, um diese Drogen selbst herzustellen und sie dann konsumiert. Ich habe tatsächlich also wenig Ahnung von “Crystal Speed”. Es zersetzt angeblich Geldscheine und wird von Leuten genommen, die in 3 Stunden eine wahrhaft tödliche Deathline haben und noch nicht mal angefangen haben.
Also, lieber “oh man…”, ich bin mir sicher, jeder würde von deinem Expertenwissen profitieren. Teile deine Erfahrungen mit “Crystal Speed” mit uns.
(Ich habe jetzt tatsächlich überlegt, eine Kategorie “Drogen” anzulegen. So oft, wie ich das Thema hier bringe…)

wirr

Wednesday, March 7th, 2007

Am Montag habe ich Paulo Lobo vor dem “Cd Buttek beim Palais” getroffen. Wir haben ein paar Worte gewechselt. Er wusste nicht, dass der Laden schon seit ein paar Monaten den Standort gewechselt hat. Und er hat micht nicht gefragt, was ich mache. Ich finde, die Leute sollten mich fragen, was ich mache, wenn ich vor einem Plattenladen stehe. Mir ist immer peinlich, wenn ich Leute nicht sofort wiedererkenne. Wozu ich ja aber auch nicht verpflichtet bin, immerhin habe ich den Mann erst einmal im Leben gesehen und ich merke mir Gesichter und Namen eh sehr schlecht.
Ich fand das merkwürdig. Ich hoffe bloss, er hat keine Fotos von mir gemacht, wie ich vor diesem Plattenladen stehe und nach Gothic-CDs Ausschau halte.

Geheimtipp

Wednesday, March 7th, 2007

Wo ich schon dabei bin, kurze Linkposts zu verfassen, gibt es gleich noch einen.
Mein Tipp gegen zu wenig Kreatvitität und vor allem gegen schlechte Halleffekte:
Tank-FX
Das ganze nennt sich “a natural reverb effect” und ist genau das. Man lädt einen Sound hoch und der wird in einem 11 mal 7 Meter Stahlbetontank gespielt, wieder aufgenommen und einem vorher gewählten Format (mp3, ogg, flac) an einen zurückgeschickt.
Man weiss nie, wann man einen guten Hall brauchen kann und das Projekt zeigt, dass gute Effekte weder teuer noch kompliziert sein müssen.
Demnächst: A&S aus dem Tank.