Musik umsonst konsumieren
Friday, October 20th, 2006Blumentopf. Akkreditierung. Sogar mit Gratis-Parkschein.
Und dabei habe ich nicht mal ein Auto.
(Steigert sowas das Sexappeal?)
Blumentopf. Akkreditierung. Sogar mit Gratis-Parkschein.
Und dabei habe ich nicht mal ein Auto.
(Steigert sowas das Sexappeal?)
Notiz an mich selbst:
Bei Unwohlsein, Selbstzweifel, Herbstdepression, Leberschmerzen und ähnlichem: Yü-Gung von den Neubauten hören und laut mitsingen. Für die zwischenzeitliche Dosis Paranoia wahlweise auch aus dem Bootlegalbum mit alternativer Textzeile.
Das hilft gewaltig.
Einige luxemburgische Blogger planen also, die luxemburgische Blogosphäre in der Realität zu versammeln. Was eine durchaus realisierbare Aufgabe ist, denn es gibt kaum über 30 luxemburgische Blogger.
Es gibt, und das errinert mich an so vieles in diesem Land, zuerst einmal ein Diskusionsforum, in dem diskutiert wird, wo und wie man sich treffen soll. Ich habe mich angemeldet und ein paar Kommentare abgelassen.
Ich meine, es kann kaum ein Luxemburgblogosphärentreffen ohne mich geben, bin ich der dienstälteste Blogger in diesem Land. Ausserdem ist es sicher lustig, die Leute, die man früher mal schrecklich gedisst hat, Auge in Auge zu sehen. Oder auch nicht. Kopfüber in die Hölle.
Manchmal besiegt die Müdigkeit jeden Drang, etwas produktives zu tun.
Ich werde mich jetzt in mein Bett legen, Schokolade futtern und “The rum diary” lesen. Und wer ohne zu googeln weiß, von wem dieses Buch ist, kriegt ein Geschenk meiner Wahl.
Ich habe immer Angst vor diesem Lokal. Dabei bin ich sehr oft sehr nahe dran und könnte theoretisch also fast jede Woche 2,3 mal diesen Leuten über den Weg laufen. Aber immer nur, wenn es uns in ganu dieses Lokal verschlägt, bekomme ich es mit der Angst zu tun. DIese alten Geschichten sind nicht verdaut, dass weiß ich genau. Ich weiß auch genau, was ich den Leuten an den Kopf werfen würde, nachdem ich sie erkannt hatte. Das ist es ja. Mich erkennt man wieder.
Und ich? Ich habe ja nicht einmal ein Namensgedächniss, geschweige denn ein Gesichtsgedächniss. Ich erkenne die Leute immer viel zu spät, wenn ich mich denn überhaupt an sie errinnere. Ich muss mir schon alle meine Termine, die ich oft genung durcheinanderwerfe, trotz Gedächnisstütze im Handy und auf Papier, irgendwie merken - dann auch noch Gesichter von denen, die ich mal beleidigt habe, und sei es nur virtuell? Schwierig. Fast unmöglich.
Ausserdem bin ich so dumm und beginne immer sofort laut darüber zu reden, wieso ich in genau diesem Lokal auf gefährlichen Terrain befinde. Vielleicht wird es genau dadurch einmal sehr gefährlich werden. Abschätzig über Leute reden, die sowieso eine Wut auf mich haben, unds ich dann auch noch von denen dabei hören lassen kann sehr ungesund werden. Im Kalashnikov-Sinne von ungesund.
Dass ich dann eine ganze andere Person dort treffe, bei der auch noch so einiges ungeklärt ist - und es wohl besser auch bleiben wird, hätte ich auch nicht gedacht. Aber besser als das Katana zücken zu müssen.
Fire findet wie Comme, dass ein Chai (bei mir heißt das Ding Masala Chai, aber ich denk mir mal, wenn es um zimtigen Tee geht, reden wir beide von dem gleichem), sehr entspannend und gemütserhellend wirkt. Besonders, wenn er in der Badewanne getrunken wird. Immer, wenn ich an Badezimmer denke, muss ich an CocoRosie denken, die zwei Schwestern, die sich nach langer Zeit in Paris wiedersehen und spontan ein Album in einem Badezimmer einer Pariser Dachwohnung aufnehmen. Und ich kann mir nur vorstellen, dass sie das nackt getan haben.
Und es ist mir egal, ob dies alles wahr oder nur eine Lüge oder Legende ist. Es ist so wunderschön und passt so toll zur Musik.
Wochenendseminar klingt nach etwas schrecklichem. Wo doch bei Fire das Wochenende die Tage sind, wo er nicht für die Schule, sondern für irgendwelche Projekte arbeitet, und auch schon mal bis halb 12 im Büro des Radios sitzt und dort Jingels produziert. So etwas muss man in tiefster Nacht machen, anders geht das gar nicht. Und wir werden das bald einmal 24 Stunden lang machen. Wir haben Guarana Cola, uns kann nichts aufhalten.
Dieses Wochenende war sehr ruhig. Geburstag nur im Familienkreis gefeiert, alles andere wird nachgeholt, wahrscheinlich mit viel Rum. Oh nein! Jetzt sind wieder alle besorgt um meinen Magen und meine Leber! Womit ich stilecht den Übergang zu den Neubauten machen kann, indem ich “Ich bin Prometheus, meine Leber wächst nicht nach” von den Einstürzenden Neubauten intoniere.
Die Musik obengenannter Band wird nämlich, und das erschrecke Fire sehr, in der Sportschau verwendet. Zwischen Fußballergebnissen. Fire findet das ein wenig unwürdig. Das ist so wie Nick Cave in einer halbdokumentativen Krimiserie über Gerichtsmediziner.
Würden wir jeden Tag so geniessen, würden wir an jedem Tag so hemmlungslos gegen alle Unwiedrigkeiten kämpfen, würden wir alles als so schön betrachten, wie an unserem Geburstag, die Welt wäre voller glücklicher Menschen.
:-)
Und dann kam ich an diesem See heraus. Und ich wusste: “Du bist am Ende der Welt.”
Ich konnte es weder damals, noch kann ich es heute erklären, aber das Gefühl, das dies nun das Ende sei, war stärker als alles, was ich je zuvor verspührt hatte. Sämtliche Rausche die je meine Synapsen verwirrten, hatten sich nicht so wundervoll groß und stark angefühlt wie dieses. Es war, als würde jede Zelle in meinem Körper die Gewissheit des Endgültigen laut aus sich heraus schreien, als würden alle meine Nerven für einen Moment nur noch diese Information übertragen, als atme ich die Gewissheit ein, als brenne sie mir auf der Haut.
Für einen einzigen Moment.
Dann war wieder Stille. Ich tat einen Atemzug und spürte, dachte, wusste: Es würde weitergehen. Es müsse weitergehen. DIe Unendlichkeit, die sich zumindest in der Dauer der Zeit und der Größe von Punkten als mathematische Einheit ausdrückte und deshalb in irgendeiner Form existieren musste, forderte diesen Weitergang mit einer großen, grauen, dumpfen Kraft.
Und ich wusste nichts Anderes, als nachzugeben und anzunehmen, dass es tatsächlich weitergehen müsste.
Ich spürte salzigen Wind auf meinen Lippen. War das hier ein Meer oder ein See?
Und ich wusste, dass es keine Worte geben würden, um das Gefühl zu beschreiben, das der Sand unter meinen Füßen verursachte, das erste erschreckte Zusammenzucken bei der Berührung mit dem kalten Wasser, keine Worte, keine Melodie, keine Bilder, keine Leider, die die schwere Melancholie zu beschreiben möglich gemacht hätten, die über diesem See lag, den ich gleichzeitig verfluchte und liebte, die viel tiefer lag als die bedrohlichen Wolken, die Luft so dick machte, dass ich fast Mühe hatte, durch sie zu gehen. Dieser Sonnenuntergang, für den jedes Wort zu wenig gewesen wäre, und der mir gleichzeitig den Atem raubte und mich nicht berührte.
Ich hatte gedacht, ich sei am Ende meiner Wanderung angekommen. Als würde ich eine Fischerhütte an diesem See bauen und fortan darin leben, in dieser einsamen Idylle, die mich verrückt gemacht hätte. Ich malte mir schon aus, wie mein Leben aussehen würde, wie ich die Fische fangen und einen kleinen Garten mit Obst und Gemüse beackeren würde. Ich dachte mir, ich würde viel Zeit zum Nachdenken haben, und alle Arbeit, die ich tun würde, wäre wie ein Gebet, bis ich die Weisheit erlangt hätte und alles niederschreiben würde.
Dann began es zu regnen.
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Und alles in explodiert in mir, und ich weiß nicht, wieso, weshalb und was das alles soll.
Im Moment jedoch regiert bloss die Müdigkeit. Es bleibt bloss zu hoffen, dass sie nicht der Schlaflosigkeit weicht.
Mir wird heute Abend einen Presseausweis ausgehändigt. Für das “newcomers on stage”-Konzert. Ich fühl mich fast noch priveligierter als bei dem Nick Cave Konzert. Fast.