Archive for July, 2006

Sunday, July 16th, 2006

Das nächste Mal einfach “Nein” sagen, wenn er fragt, ob es dir gut geht oder du Lust auf die Arbeit hast, die du machst und wofür er zumindest zum Teil die Lorbeeren ernten wird?
Und dann? Weniger Nachfragen, weniger Arbeit. Dafür aber auch noch weniger Lob oder Danke. Falls überhaupt.
Nicht aber mehr soziale Aktivitäten.

Du fühlst dich verraten weil jemand nicht nach etwas fragst zu dem du sowieso nein gesagt hättest. Oder? (Vielleicht sagst du jetzt bloss “Nein” oder würdest “Nein” sagen, weil du nicht sofort gefragt wurdest.)

Vielleicht solltest du auch weniger auf andere Personen hören und das tun, von dem du denkst, dass es das richtige ist, und gewisse Dinge fühlen sich einfach *richtig* an. Oder doch nicht?

Du liegst auf deinem Bett, blickt in den schrecklich blauen Himmel und fragst dich mal wieder, wieso du scheinbar immer bloss die Rolle des Kumpels spielen darfst…

Moment poetique

Friday, July 14th, 2006

Wieder einmal ein leerer Himmel, diesmal jedoch bloss ein helles Blau, dem man ansieht, dass es sich in nicht allzu langer Zeit in ein Schwarz verwandeln wird. Ein blasser Abendhimmel, der so unendlich scheint, dass es dir fast die Augen aus den Höhlen reisst, wenn du ihn erfassten willst.
Du liegst auf dem frisch gemähten Gras, das ein weiches Bett bildet. Und deine Gedanken scheifen ab, als müsstest du mit ihnen die fehlenden Wolken kompensieren, indem du sie auf Reisen schickst.

In der Errinerung ist für den Moment ein schwarzer Fleck, als hättest du geschlafen, ohne es zu bemerken. Ein Schrei weckt dich aus deiner Versteinerung. Und der Moment ist weg. Das einzige was bleibt, ist eine blasse Errrinerung, wie im Nebel, an einen wahrhaft poetischen Moment.

Mondscheintag

Monday, July 10th, 2006

Mond Du liegst auf dem Boden. Vor dem Eingang zu diesem merkwürdigen orangen Haus voller Lichtschranken und verwinkelter Gänge, die dir auch nach 2 Tagen noch immer nicht ganz klar sind, obwohl du dich normalerweise sehr schnell orientieren kannst.
Der einfache Gehweg, auf dem du liegst, ist noch warm von der Sonne, die in den letzten Tagen geschienen hat.

Du hast die Position eines gekreuzigten angenommen. Christliche Erziehung ist nicht mehr wegzubekommen, jedenfalls bleiben die Symbole für das Leid, das du ausdrücken willst, ohne es wirklich zu spüren.
Der Himmel über dir ist grau, unisfarben. Wie ein Schuhkartondeckel. Du wirst ihr diese Metapher erklären, ihr erzählen, dass du dich oft wie in einem Schuhkarton fühlst, und sie wird sagen, dass das eine guter Vergleich ist und diese ihre Einschätzung wird dich freuen. Aber jetzt liegst du nur da und starrst in den Himmel.
Luxemburgish summer weather” hattest du gesagt. Man solle sich lieber daran gewöhnen.

Wie tot. Als wärst du gestorben, gegenüber vom Friedhof, es muss nicht einmal mehr ein Leichenwagen kommen. Wenn man sich beeilt, kann man dich noch ohne viel Mühe einfach herüberschleifen, über die Straße, in den Sarg und dann in die aufgewärmte Erde.
Das einzige, was sich zwischen deinen leeren Augen und der einfarbigen Wolkendecke befindet, sind die Blätter eines Baumes, die von unten aus fast schwarz wirken. Als wärst du gefangen in einem Film, der in schwarz-weiß gedreht ist, so lange du in diesen Himmel starrst.

Der Mond hatte die gleiche Farbe wie damals am Bodensee. Und die Fahrt hätte ewig dauern können, in diesem kleinen roten Ford Fiesta, durch die gelb beleuchteten Straßen. Im Radio spielten sie Sigur Rós.
Wenn es ewig so weitergegangen wäre, mit A. und L. auf der Rückbank, G. als Fahrer und du selbst auf dem Beifahrersitz, es wäre der Himmel gewesen. Eine unendliche Diskusion über Sex mit dieser Musik, die die Realität entfremdet im Hintergrund, während ihr durch die nächtlichen Straßen braust.

Sie kommt raus und setzt sich, nur einen Meter von dir entfernt auf den Boden. Das ist es jedenfalls, was du hören und in den Aufenwinkeln erahnen kannst, während du weiter den toten Mann spielst und in den Himmel starrst. Vielleicht bist du wirklich hier auf dem Boden gestorben, ohne es zu bemerken.
Und du fragst dich, ob sie dich für verrückt hält.

(Foto von Sven Scholz. Vielen Dank!)

Pizza

Monday, July 10th, 2006

Es gab Pizza für lau.
Aber die war nicht von Italienern gebacken, sondern von Ungarinnen.
Und gegessen habe ich eben diese Pizza nicht nach irgendeinem Fußballspiel, sondern nach Maceo Parker.
Ich habe Maceo Parker gesehen, den man mir als the funkiest man alive vorstellte.
Ich hoffe, ich habe jetzt irgendwen neidisch gemacht. Das Konzert war jedenfalls … genial.

Ich bin dann mal weg

Friday, July 7th, 2006

fürs Wochenende.

Vielleicht gewinnen die Italiener, vielleicht die Franzosen - was interessiert es mich? Beim Match Portugal - Italien hätte man ja auf jeden Fall Opportunist sein und feieren gehen können, aber so gibt es bloss vielleicht irgendwo Pizza für umsonst - aber ob das sein muss, steht ja auch noch in den Sternen. Bei Semmels Tippspiel bin ich so oder so letzter. Vielleicht hätte ich öfters tippen sollen, oder doch nicht immer bloss nach Symphatie.

Heute beginnt das große Abendeuer. Wir schreiben den 7. Juli 20072006, das Wetter ist ideal dafür und ich muss bloss noch meine Zahnbürste einpacken, dann gehts los.

Lest doch so lange AIDYLL und sagt mir, wenn ihr eine gedruckte Version wollt, ich hab 20 hier herumliegen.

Der Himmel über uns allen

Thursday, July 6th, 2006

Ist verdammt riesig.
Einen “Vergleich” dazu bietet die größte Webseite der Welt.

Der Himmel über E.

Thursday, July 6th, 2006

Der Himmel über E. ist an 300 Tagen im Jahr der gleiche oder ändert sich nur sehr langsam. Es liegt wohl daran, dass diese Kleinstadt, die eigentlich ein schreckliches Provinznest mit “städtischem Charakter” ist, in einem Loch liegt, umzingelt von Hügeln, die auch heute noch fast alle landwirtschaftlich genutzt werden und an denen die Wolken nicht vorbei kommen - oder wollen.

Und auch heute scheint sich diese schreckliche Monotonie zu halten, obwohl manchmal ein Fetzen des blauen Himmels zu sehen ist, drückt die grauweiße Masse dich so in dieses stinkende Loch, dass du das Bedürfniss hast, dich zu duschen, lange und ausgiebig, um den Dreck und Gestank der Kleinstadt loszuwerden.
Also hast du geduscht, und dich dann erst vor die Kiste gesetzt, um die Nachrichten aus allen Ecken und Enden der Welt zu lesen, nicht ohne dich dabei an die Worte des Artikels über die mediale Menschlichkeit oder eher: die Unmenschlichkeit des Medialen zu errinern, die dir im Kopf hallten wie Poltergeister in einem Spukschloss.

Du bist an das große, offene, und dennoch nicht kühlende Fenster getreten, nach einem kühlen Luftstoss sehnend, hast die trostlose Masse über dir betrachtet, die so gut zu den graugen Schieferdächern harmoniert. Unvorstellbar, hier rote Dächer zu sehen, wie beispielsweise in Semiitalien. Und du errinerst dich an Umberto Eco, Die Grenzen der Interpreation, in dem er die Verwirrung italienischer Leser beim Lesen eines Gedichts eines Franzosen über die Dächer von Paris, der jene mit dem Meer verglich.

Und du denkst, voller Romantik, dass es eine wunderschöne Stadt sein muss, an der du auf den Balkon treten kannst und das Meer sehen kannst, bevölkert von Tauben und Krähen.
Im Radio läuft Ends von Everlast. Der Bass ist weit aufgedreht.
Auf deinem Gesicht ist ein Lächeln zu sehen.

Hitzekater

Wednesday, July 5th, 2006

Da sich bei mir ein Kater immer nur nach Dehydrierung anfühlt, fühlt sich der Morgen heute fast so wie ein Kater an. Mit dem Unterschied, dass ich gestern nichts getrunken habe und ich mich dafür umso zerknauschter fühle.
Ich nenne das ab jetzt einen Hitzekater.
Es darf jetzt regnen, also heute Nacht. Am Morgen soll dann wieder die Sonne scheinen, aber in der Nachts darf regnen.


Yau, Die Nacht ist vorbei
die bösen Geister sind weg
Ich kipp' dich ausm Bett
und mach Kaffee der tote Tanten weckt

Baby wach auf, ich zähl' bis 10
das Leben will einen ausgeb'n
und dass will ich seh'n
lass uns endlich raus geh'n
das Radio aufdreh'n
das wird unser Tag Baby
wenn wir aufsteh'n

49°36'36″ N 6°7'40″ E (II)

Monday, July 3rd, 2006

Du kamst wie ein Dieb in der Nacht. Einfach die Straße, die dan doch ganz unerwarteterweise stark befahren war, überquert, vorbei an den japanischen Touristen mit ihren viel zu großen Rucksäcken, die zeigten, dass sie den Weg nicht kannten. Du hast diesen verschlungenen Pfad, vorbei an dem Zitat von Goethe, dass er von jedem Ort hätte sagen können (Vielleicht lobte er auch einfach nur einen Puff?) auch noch nie genommen. Unter der Brücke hindurch, von der du dich fragst, nach welchem Schloss sie benannt ist, denn du siehst hier bloss Burgen, Wehranlagen, Kasematten, die zahnlosen und doch auch in dieser Form noch beeindruckenden Überreste des Gibraltar des Nordens.

Vorbei an den nackten Felsen, die laut dem Hinweisschild für Touristen von Eidechsen bewohnt sind, über die kleine Brücke, die mindestens vier verschiedene Um- und Wiederaufbauten erlebt hat, über die Alzette, die eigentlich nur braun kennst.
Hier hat sie noch eine grünliche Farbe, die sie wohl auch schon im 16. Jahrhundert hatte, als diese Brücke erbaut worden ist.

Und jetzt sitzt du hier im Schatten dieses alten Gefängnisses, nimmst ab und zu einen Schluck Orangensaft, der herrlich kühl ist.
Genauso wunderbar temperiert ist die Brise, die von Zeit zu Zeit sanft durch das Tal weht und deine Haut streichelt.
Im Vorhof des Gebäudekomplexes, glasüberdeckt, was wohl das Credo der modernen Architektur ist, die alte Innenhöfe wohl immer mit Glas überdeckt, dort also, wo du später deine Kontaktperson treffen wirst, ist eine Rezeption. Da stehen viele wichtige Menschen in warmen Anzügen, die Frauen mit Blusen etwas leichter gekleidet, die Männer jedoch in den Anzügen schwitzend. Du hörst Klaviermusik, vermischt mit dem Stimmgewirr der Schwitzenden und du siehst jene, denen es unter dem Glasdach zu heiß geworden ist.

Man hat, aus welchen dir unzusammenhängenden Gründen auch immer, eine Torwand aufgestellt und feiste Herren schiessen, in einer Hand ihr Sektglas noch haltend, auf sie.
Erfolglos übrigens.

Und du sitzt seit fast schon einer Stunde hier und geniesst einfach nur das Leben. Auf dem blauen Himmel über dir, fast wolkenlos, der den Abend, welcher sich eigentlich bloss in der angenehm gesunkenen Temperatur bemerkbar macht, noch nicht erahnen lässt.
Hier, nicht einmal 20 Meter entfernt von dieser Rezeption, scheint das Leben sehr viel leichter. Vor allem kühler als unter einem Glasdach.