Erstmal meine These nicht belegte, weder bewiesene noch geschichtlich belegte Idee: Patriotismus -> Nationalismus -> Faschismus
Nationen sind doch eigentlich künstliche Konstrukte, hauptsächlich durch die Geld- und Machtsüchteleien toter, “adeliger” Leute enstanden. Die Stelle, an der ich geboren wurde, habe ich mir nicht ausgesucht, ich habe nichts dafür getan. Und wenn 11 Leute, die zufälligerweise in dem gleichen Land leben wie ich, einen Ball mehr oder weniger gut zwischen 3 Metallstangen kicken können, habe ich - folgt man der Logik - eigentlich sehr wenig damit zu tun. Im Grunde genommen eigentlich gar nichts. Wieso also sollte ich stolz darauf sein, in dem gleichen Land zu leben wie eben diese 11 Männer? (Gab es eigentlich Konvois bei der Frauen-WM? Da *ist* Deutschland Weltmeister - ich habe noch keine einziges Frauenfußballspiel im TV gesehen.) Und wieso sollte ich, wenn für mich als dem Sport Fußball Aussenstehenden nicht nachvollziehbare Freude über den Sieg dann doch gepackt hat, diese Freude mit Stolz für den Staat, in dem ich lebe, gleichsetzen?
Am 23. 6. ist der luxemburgische Nationalfeiertag. Gefeiert wird der Geburstag des Monarchen. Der momentane Großherzog Herni hat allerdings im April Geburstag. Der Tag ist eigentlich der Geburstag seiner Großmutter. Man hat den Tag wohl deshalb beibehalten, weil weder im Januar (Jean), noch im April gutes Wetter für Paraden zur Demonstration der lächerlichen militärischen Macht Luxemburgs zu erhoffen ist.
Momentan hängen bloss portugiesische, teilweise auch italienische Flaggen aus den Fenstern, spätentens für Freitag wird das aber anders sein. In den Geschäftsfenstern wieder Bilder des Monarchen, dessen ziemlich teurer Lebensstil von Steuergeldern bezahlt wird (von was sonst wohl?), der damit auch noch eine sehr hässliche Couchgarnitur gekauft hat (Ja, wenn ich schon in einer Monarchie leben muss, will ich, dass mein Monarch eine annehmbare Couchgarnitur mit meinen Steuergeldern kauft!), dessen Frau des öfteren wieder nach Cuba (!) fliehen wollte und dessen Bruder verdächtigt wird, vor 20 Jahren 18 Bombenattentate begangen zu haben.
“Mir wölle bleiwen waat mir sin!” ist der offizielle Wahlspruch des Landes. Unter diesen Umständen finde ich Patriotismus gefährlich. Das hat für mich nichts mit “Ich mag den Ort, an dem ich aufgewachsen bin und/oder lebe” zu tun. Sondern mit einer Ideologie, die gefährlich nahe an ein Überlegenheitsgefühl herankommt.
Update zur Klärung einiger Dinge (aus den Kommentaren entnommen):
Ich mag Patriotismus nicht, weil es für mich keinen Grund gibt, auf das Land, in dem man lebt, stolz zu sein, weil man hierfür recht wenig getan hat und die Leistungen anderer Personen nunja, die Leistungen anderer Personen sind und nicht die eigenen. Freut euch wegen mir über was ihr wollt, aber seid stolz auf die Dinge, die ihr selbst getan habt.
Ich mag keine nationalen Symbole und keinen Patriotismus, weil mir das alles zu sehr ein “Überlegenheitsgefühl” vermittelt. “Wir sind die, die wir sind, wollen *genauso* bleiben (dh. es darf sich nichts veränderen, dh. nichts fremdes soll hinzukommen - oder?) und alle anderen sind nicht so toll wie wir.”
Ich will nicht behaupten, dass Patriotismus zwangsläufig in Nationalismus endet, aber beides geht fliessend ineinander über, was die Sache für mich gefährlich macht.
(Vorsicht, provozierend!) Achja: Etwas gutes hatte die Diskusion hier. Die luxemburgische Blogosphäre wurde mal wieder einmal aufgerüttelt, und jene, die sich normalerweise damit begnügen, myyoutube-Videos zu bloggen, haben sich aufgerafft und ein paar Zeilen geschrieben. Und die Leute hassen mich mal wieder alle, aber hey, ich bin der erste, der kam, und ich werde der letzte sein, der geht, was also mach ich mir um so etwas Gedanken?