Wieder ein Zeitbombenpost. Fire ist weg und vergnügt euch mit der überarbeiteten und erweiterten Version von EVA
E. war damals genau so trist wie es heute ist, bzw. wie heute jeneTeile von E, die noch exisiteren, es noch sind. Enge Gassen, Verfall und äusserlicher Wiederaufbau in bunten Fassadenfarben, die jedoch nicht dafür sorgten, dass die bedrückende Grundstimmung verschwand.
Wie sollte jene auch verschwinden?
Sie war schon immer vorhanden, seit ich mich erinnern kann, und meine früheste Errinerung ist im Alter von 2 Jahren anzusiedeln, als ich mit meinen Eltern in Italien war. Ich errinere mich an eine Wiese, in der Champigions gepflückt wurden, einen Brunnen mit einem Gesicht drauf, und daran, dass ich ein Foto gemacht habe im Auto, während der Rückfahrt nach E., wo die düstere Stimmung wahrscheinlich schon wieder auf uns wartete.
Ich hatte oft gesagt, E. sei der Ort, an dem das Ende der Welt seinen Anfang nehmen würde. Die Stadt, in der die Apokalypse beginnt. Hatte ich das aus einer allgemeinen gottverdammten Trostlosigkeit geschrieben, oder bloss aus dem Grund, dass ich es ungemein witzig fand, dass gerade in so einer provinzialen Kleinstadt wie die, die ich heute noch immer meine Heimat nenne, der Weltuntergang seinen Anfang nemmen sollte. Wie in Tokio.
Die Mehrzahl der japanischen Weltuntergangs-, Endzeit- oder Endkampfszenarien, inbesondere in Animes und Mangas, spielt in Tokio. Aber wieso sollten sie nicht auch in Paris, Berlin, London, New York oder eben in E. spielen? Es geht nicht um den Schauplatz, sondern um die Geschichte.
Eine Geschichte kann, wenn es sich um eine gute handelt, an jedem Ort der Welt passieren. Gut, manche Städte bilden eine besonders schöne oder “gute” Kulisse, aber eigentlich sind die Orte austauschbar.
Eine Idee für das moderne Theater von jemanden, der davon überhaupt keine Ahnung hat: Zwei Stücke nehmen, mit identischer Anzahl von Schauplätzen und diese austauschen. Romeo und Julia in New York, West Side Story in Verona. Jesus Christ Superstar in Dänemark, Hamlet in Palestina. Und so weiter.
Alternativ die Schauplätze in die Ubahn verlegen. Zwischen den Fahrgästen Theater spielen. Hamlet im Untergrund.
To be or not to be, that's the question!
Und dann kontrolliert er die Fahrscheine, den klassischen Totenschädel im ausgestreckten Arm haltend.
Hätte ich gewusst, dass E. wirklich der Ort war, an dem der Weltuntergang seinen Anfang nahm – denn da die Apokalypse überall stattfand und überall begann, war er das – hätte ich wohl meine Klappe gehalten.
Die ersten Bomben fielen zu einem Zeitpunkt, den niemand für möglich gehalten hätte. So schlimm würde es nicht werden, irgendjemand würde doch wohl etwas dagegen tun. Es tat aber niemand je irgendetwas dagegen In Wahrheit war es vielen wohl egal oder ganz recht, was in E. passierte. Jedenfalls bis auch bei ihnen Bomben fielen, sie die ersten Brände sahen und dann den Namen ihrer Stadt im Fernsehen.
Dazu das Gesicht des Regierungscheffs oder seines Vertreters, der einerseits Bedauern zusicherte und anderseits den Kampf ansagte, mit Reden, die wohl Gänsehaut auslösen sollten.
Den Kampf gegen die Gegner, die schwach, feige und rücksichtslose seien, aber ganz sicher besiegt werden würden. Wir sind die Guten, das sind die Bösen, dazu noch rückgradlos und dumm, und wir werden sie überrennnen, verbrennen, töten, braten, fritieren.
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