Archive for October, 2005

Tokio Hotel: Uns finden viele Jungs scheiße, weil ihre Freundinnen auf uns abfahren

Friday, October 7th, 2005

Nicht alle können mit den Beleidigungen allerdings so gelassen umgehen: Tom erzählte der Jugendzeitschrift, dass es “”rgendwie Kacke sei, das Gefühl, über den Gang zu laufen und doofe Sprüche zu hören.” und Gustav, der auf ein Wirtschaftsgymnasium geht, meinte, er hätte “echt Schiss, mal von so 13-Klässlern vermöbelt zu werden.”
Hier. Ich finds saukomisch.

jugendherberge yokohama

Ich find, die schauen auf dem Bild alle so, als habe man ihnen gerade die Eier mit Kabelbinder abgeklemmt. Wahrscheinlich zur Piepsstimmenerhaltung. Übrigens findet man sich hier ein sehr nettes Vorher/Nacher-Foto.

Was ich besonders witzig find, ist dieses arrogante und machohafte Auftreten. Sprüche wie “Ihr findet uns Scheiße weil euere Freundinnen auf uns abfahren” sind ungefähr das, was Manager Mütter ihren nicht-schlagfertigen Kindern zu antworten raten, wenn sie “Schwuchtel” genannt werden.
Aber hey, vielleicht schreiben sie mal ein Lied darüber. Und das heißt dann “Böse”. Und die Musik wird ein wenig an ein bekanntes Lied von Jacko errinern - aber den kennen die 13-jährigen Fans von TH ja nicht.

Herbstgedicht II

Thursday, October 6th, 2005
für N.

Der Herbst ist da
tote Blätter fallen als stumme Zeugen eines Sommers
dessen Wind uns Botschaften voneinander gebracht hat
Wir rücken näher zusammen
eng aneinander
Berührungen, wie Blinde tastend
der leichte Hauch des Atems
errinert an die warme Sommerluft
Wenn du den Blick in den klaren Winterhimmel richtest
siehst du die Sterne
die den Sommer bezeugen können
und die Errinerung an ihn
für ewig konservieren

I'm Housin

Thursday, October 6th, 2005

Heute, im 4. Jahr meines Schwimmtrainerseins bekam ich zum ersten Mal ein Bild gemalt. Von dem Kind, das ich am meisten anbrülle und über das ich mich am meisten aufrege. Kleiner runder Junge, oft frech und ohne wirkliche Motivation zum Schwimmen. Aber er hat mir ein Bild gemalt.
Auf dem Bild bin ich zu sehen, wie ich in einem roten Sportwagen sitze, aus dessen Auspuff Flammen schiessen. Ich beim cruisen, sozusagen.

Cruisen stand dann heute auch auf dem Programm des ersten Praxismorgens in der Schule für angewandte Revolutionstheorie, Rebbellion und politischen Terrorismus (LTRRTE). Wir fuhren zu neunt mit einem schwer gepanzterem Jeep (Ein Chevrolet. Ein geklauter, allerdings. Man kann doch den Klassenfeind nicht unterstützen.) mit N²-Einspritzung, getönten Scheiben und einer Mordstereoanlage, aus der das Radiohoroskop Rage against the Machine mit I'm Housin tönte. Flugs die Fenster aufgemacht, die Gewehre raus, und im Vorbeifahren die Pappkameraden Pappgenossen umgenietet. Nochmal um den Block, und die Überlebenden aufmischen, dann Vollgas, nach der nächsten Kurve wieder schön langsam weitercruisen , nach guter Westcoast-Manier.

Ja, auch wenn man sich das nicht umbedingt bei dem Wort “Rebell” vorstellt, so gehört es dennoch zu einer soliden Grundausbildung. Wer seinen Block nicht beherscht, wird auch nie eine Regierung stürzen können, wie Ernesto einst schon so weise sagte.

Wir haben dann den Bus von der alten, halbverlassenen Milchproduktefabrik nach E. verpasst und mussten durch ein abgerntetes Maisfeld nach E. laufen. Als ich dann so vor Energie und Tatendrang strotzend völlig kraftlos durch die Fußgängerzone nach Hause lief schlurfte, da sah ich sie wieder. Ging gerade in ein Süßwarengeschäft. Ich war allerdings zu kraftlos, ihr zu folgen. Ausserdem wär die Begegnung ja dann nicht wirklich zufällig gewesen. Ausserdem wars nur von hinten, und da binsch mir nicht sicher, ob es das Gothic-Mädel überhaupt war. Nächstes Mal.

When you're up on the hill in your big home
I'm out here risking my dome, just for a bucket or a fast ducket,
just to stay alive hey yo I got to say fuck it.
here is something you can't understand, how I could just kill a man
(Currently listening: Rage Against The Machine - How I Could Just Kill A Man)

Luxgras ist tot

Wednesday, October 5th, 2005

Einige meiner Leser werden wohl schon auf die Satireseite gestossen sein, die ich im Schuljahr 2001-2002 als “Klassenhompage” eingerichtet hatte, nämlich luxgras.de.vu. Anscheinend hat die Hompage gegen das Drogengesetz verstossen, was besagt, man dürfe keine “Werbung” oder Propaganda für Drogen machen, selbst dann nicht, wenn das nicht dazu führe, dass irgendjemand Drogen konsumiere. Ich sah Luxgras immer als Satireseite, die als solche klar erkennbar war (spätentens bei der Tatsache, dass Luxgras angeblich über 8 Sateliten verfügte, hätte jedem klar werden müssen, dass es sich bei der Seite um Satire handelte.), niemals aber als Propaganda oder Werbeseite für Cannabis oder ähnliche Drogen.

Bei der Polizei habe ich dann auch diese Ausage gemacht und die Seite jetzt gelöscht, womit die Sache wohl (hoffentlich!) erledigt ist. Jedenfalls waren die beiden Herren ganz freundlich, auch wenn ich mich bei manchen Fragen gefragt habe, was das noch mit Luxgras zu tun habe. Unter anderem haben sie mich übers Blog ausgefragt und gemeint, es entstehe der Eindruck, ich wäre Tag und Nacht im Internet. Wenn ich mir andere Blogs ansehe, die am Tag so oft aktualisiert werden wie mein Blog in der Woche und von arbeitenden Menschen unterhalten werden, die sicherlich weniger Zeit haben als ich, muss ich mich dann doch fragen, wie man zu diesem Eindruck kommt. Natürlich, wenn man sich die Masse von dem, was ich über die Jahre so produziert habe, ansieht, könnte man vielleicht zu dem Schluss kommen - wenn man annimmt, dass ich das alles an einem Tag geschrieben habe.

Was ich jetzt aber noch erwähnen möchte, ist, dass ich nicht den ganzen Tag vorm PC hocke. Ich bin Trainer bei einem Schwimmverein, (aktives) Mitglied einer Naturschutzvereinigung, Reporter bei der Jugendsendung Crumble auf Radio Ara, Vorstandmitglied der Jugendsendungen von Radio Ara (Graffiti) und so ganz nebenbei gehe ich noch zur Schule. Und bis auf die Mathe bin ich dort auch sehr erfolgreich gewesen, wenn ich mal damit angeben darf.

Jedenfalls ist mir nicht ganz wohl bei dem Wissen, dass man aufgrund von Satiren gerichtlich belangt werden kann und meine Homepage jetzt wohl “beobachtet” wird. So wie ich das gesehen habe, gibt es in dem Ordner über mich Bilder von mir und allem Anschein auch ODED (Von dem zu lesen ich jedem nur abraten kann - literarisch wertvoll ist das wirklich nicht. Aber durchaus ein Stück Zeitgeschichte)
Nichtdestotrotz werde ich mit dem Bloggen weitermachen.
Immerhin gibt es (noch) Meinungsfreiheit.

Nächte wie diese

Tuesday, October 4th, 2005

Heute ist einer jener Abende, an denen die magische Schwelle von 22 Uhr schleppend kommt. Es zieht sich hin wie die Warteschleife beim Arzt. Erfahrungsgemäss gehts bis 23 Uhr dann schneller, und um Elf geh ich auch meist ins Bett.
Aber heut fühl ich mich kein bisschen müde, eher hungrig. Da würde ich mir gerne ein leckeres Nudelgericht kochen. Und wer jetzt noch keinen Hunger hat, der sieht sich einfach die Wikipediaseite über Pasta an. All diese Sorten. Ich brauch die nur zu sehen, dann kriegsch schon Hunger. Und wenn ich mir dann vorstelle, was man leckeres von Gemüse dazumachen könnte, möchte ich am liebsten in die Küche gehen und sofort anfangen, zu kochen oder zu “bratschen“, wie man das hierzulande nennt. Ich weiß nicht, ob es ein deutsches Wort dafür gibt. Es klingt nach “einkochen”, aber auch teilweise ein wenig abwertend. Etwas “zesummegebratschtes” klingt in meinen Ohren nicht sehr gut.

Heute ist ein Abend, der zu einer schlaflosen Nacht werden könnte. Wenn ich könnte, würde ich mir morgen frei nehmen und mit ein paar guten Freunden um die Häuser ziehen - oder jedenfalls was nettes trinken gehen und philosophische Gespräche führen. Doch, heute ist eine Nacht, in denen man Hirnwindungen produziert. Am besten bei jemandem zu Hause, da ist die Hintergrundmusik meist besser, und ausserdem kann man sich so gegen elf, wenn man wieder hungrig wird, was zu essen kochen. Ausserdem gibts Tee und die Sitzmöglichkeiten sind meist bequemer. Wobei, es gibt ja auch Szenebars, wo alles aus Sitzmöglichkeiten zu bestehen scheint, sogar die Wände. Oder nur die Wände.

Sollte es je Bars im Weltraum, in der Schwerelosigkeit geben, so werden dort einige Dinge eingeführt:
1. Der Bierkrug mit Abdeckung wird Pflicht. Oder der Schnellimbisspapbecher.
2. Die Gäste müssen sich anschnallen.
3. Die Wände sind gepolstert. (Betrunken in der Schwerelosigkeit ist es sicher leicht, gegen die Wände zu…fliegen? schweben? schwerelosigkeiten?)

Schau mir in die Augen, Kleines…

Tuesday, October 4th, 2005

Ich hab sie heute wieder gesehen, 30 000 km weit weg von der Stelle, an der ich sie das letzte Mal gesehen habe. Also, das Gothic-Mädel, das dieser alten Frau Platz gemacht hat. Ich glaube, sie hat mich auch bemerkt. ich hab sie in den Augenwinkeln erblickt, im Vorbeigehen, und mein Gehirn meldete nur “interessant!”. Reflexartig drehte ich meinen Kopf und sah sie dann ganz. Ich ging weiter und meinte, dass sie mich auch gesehen hat.
Merkwürdiger Zufall.

Mir hat ja mal ein weiser Mann erzählt, es gäbe keine Zufälle. Ich habe damals leider die Chance verpasst, ihn zu fragen, wer denn alles bestimme. Und ich errinere mich auch heute immer noch gerne an den Spruch, den ich in an den Anfang von einem der ersten Kapitel meines nie zu Ende geschriebenen Romans setzte, nämlich: Zufälle sind die Mittel des Schicksals, mit dem es seine größten Pläne mit uns durchführt.
Wobei ich mich frage, ob dies nicht eigentlich ein Paradox ist. Denn wenn ein Zufall das Mittel des Schicksals, einer allesbestimmenden Macht, sind, wie können sie dann noch “zufällig” geschehen? Und wenn die Zufälle, die das Schicksal benuzt, wirklich “zufällig” sind, dann hieße das, das Schicksal würde quasi würfeln, was hieße, dass es nicht vorausplane, was wiederum hieße, dass das Schicksal nicht Schicksal sondern nur Spiel des Schicksals sei.
Man könne das ganze aber nun so weit spinnen, indem man sich ein Schicksal vorstellt, das in den Nächten der Schöpfungwoche mit Rollenspielwürfel und Papier in der Gott-Teufel-Schicksal-WG saß und sämtliche Schicksale aller Menschen ausgeknobelt hat. Womit die Schicksale selbst zufällig gewählt wären, jedoch von vorherein (also vor der Geburt des Menschen) festgelegt.
Übrigens ist das Schicksal ein Fuchs mit einem Spitzhut, einem schwarzen Bart und einem grün-gelb-karrierten Anzug, der auf 4 Pfoten läuft und Hasenzähne besitzt.

Flash Gordon

Monday, October 3rd, 2005

dieJulia linkt heute auf dieses merkwürdige “Spiel“, das einen wirklich nicht mehr loslässt. Und Herr Scholz linkt auf eine Webseite von Ikea, von der man auch nicht so schnell wegkommt. Wirklich genial wird das ganze, wenn man das klassische Lied (Wer sagt mir was das ist?) der Ikea-Webseite laufen lässt und sich mit der fallenden Frau beschäftigt….

Die Schule des Terrorismus II

Monday, October 3rd, 2005

Montag. Die Woche beginnt, und sie beginnt, wie in jeder anderen Schule, auch in der Schule des Terrorismus(LTRRTE). In Fires Fall begann die Woche mit Sportunterricht. Als sei das allein noch nicht schlimm genung, stellte sich der Sportunterricht als Schulschwimmen heraus.
Fire wäre eigentlich sehr viel lieber mit seinem grünem Kopftuch und seiner neuerstandenen Tarnkleidung durch den Matsch gerobbt, oder wenigstens unter NATO-Stacheldraht durch.
Nachdem Fire die Wassertemperatur gefühlt hatte und gegen den ersten Eisblock geschwommen war, der da so munter umhertrieb, wäre er auch nur in Tarnbemalung durch den Matsch oder wenigstens unter NATO-Stacheldraht gerobbt.

Nach einigen Stunden, die Fire sehr müde verbrachte und der Mittagspause hatte er dann das Fach “Taktik und Strategie. Sehr nett auch das das kursbegleitende Buch, “Der Guerillakämpfer - Taktiken und Strategien”. Nach dieser Stunde, in der Fire den ersten Einblick in die Grundlagen des urbanen Kampfes bekam, hatte er dann zwei Stunden “Arbeitsaufteilung”. Die Einführung, die sich nun bereits in der dritten bzw. zweiten Woche (die erste Stunde rechnet man ja nie mit!) befindet, befasste sich viel mit dem Konzept “Arbeit”. Leistungskurve, Motivation, usw. Unter anderem fielen auch die Stichworte “Entfremdung des Menschen von der Arbeit” und “Marx”. Natürlich wird die Klasse sofort wach, wenn Marx genannt wird. Schlimmer ist es nur wenn die Silbe “Che” von einem Lehrer in den Mund genommen wird. Dann ruft immer mindenstens einer “Was ist mit Ernesto? Mein Vater kannte ihn, war damals in Bolivien dabei!” oder etwa “Hasta la victoria, siempre! Cuba Libre!“.
Auf letzteres brüllt immer jemand aus der letzten Reihe - jemand, der die Klasse wiederholt - “Ja, Cuba Libre trink ich auch gerne!
Woraufhin er stets als Verräter und “Kapitalistenschwein” bezeichnet wird, wenn er nicht sofort hinzufügt: “Aber nur mit fair gehandelter Guarana-Cola!

“Das war vielleicht ein geiler Fick…” dachte sie und brüllte ihn an, was für ein sexueller Versager er doch war Oder: I've lost myself!

Sunday, October 2nd, 2005

Anne hatte Geburstag, am Freitag. Und das war vielleicht eine Party, hui! Ich erspare euch die Details, da steckt der Teufel doch eh drin. Jedenfalls auch von hier nochmal herzlichen Glückwunsch zum 18., Soulsister!

Fire war dann auch im Kino und sich einen russischen Film angesehen. Ja, einen russischen, mit französischen und niederländischen Untertiteln. Russen machen lustige Filme, bei denen Vampire wie Junkies wirken. Ausserdem gab es keinen obercoolen Helden, dafür aber nen obercoolen Oberbösewicht mit entsprechendem Hund.

Auf dem Weg zurück setzte sich Fire neben drei Metal/Gothic-Mädels. Bzw. zwei der Mädels saßen ihm gegenüber und eins neben ihm. Die Schönste der Dreien, die in mir das Stichwort “Hexe” hervorrief, und ich weiß nicht, ob das am Kaputzenpullover oder am Rock lag, saß Fire gegenüber. Allerdings nur so lange, bis eine alte Frau sie um ihren Platz bat.
Na ja, das ist nicht ungewöhnlich, das ist auch in Ordnung, aber wieso wollte die Frau dem Mädel 2 Euro dafür geben? Hat sie keinerlei Selbstrespekt? Junge Leute sollen nicht gebeten werden müssen, sondern darauf bestehen, alten Leuten ihren Platz anzubieten. Jedenfalls wurde die alte Frau beinahe wütend, als das Mädel die 2 Euro nicht haben wollte.

Ich habe ebenfalls all die “statischen” Seiten ins Blog aufgenommen, was bedeutet, dass sie für mich leichter zu handhaben sind. Und im gleichen Zug habe ich einige Stories hinzugefügt, dh. Der Saloon, Brücke und Ein doppelgesichtiges Portrait, was alles Hausaufgaben bzw. Aufsätze waren. Für den zweiten erhielt ich sogar 52 von 60 möglichen Punkten, was einer 1 entspricht. Eine Note über 50 ist bei den meisten Deutschlehrern und auch der, die mir diese Note gegeben hat, meist quasi-unmöglich. Nur um das Mal erwähnt zu haben und um mein Ego zu pushen.

Noch 12 mal schlafen…

Der Saloon

Sunday, October 2nd, 2005

Ein kleiner Saloon, in einer kleinen Stadt am Rande der Prärie, irgendwo dort, wo der Westen noch wild war, ein Saloon wie tausende.
Wenn man durch die typischen Flügeltüren eintrat, kamen einem Rauchschwaden entgegen, die von der bereits längeren Zeit sitzenden Klientell verursacht waren. Man roch deutlich den charakterischten Geruch des Wildwestsaloons:
Das neu angestrichene Holz, das man wahrscheinlich gebraucht hatte, um die letzte Schiesserei zu verdecken, das noch einen “neuen” Geruch hatte, der abgestandene Whiskey, der billige Tabak der durchreisenden Cowboys und deren eigener Geruch nach Vieh und Pferden, allles vermischt in dieser düstern Spelunke.

Joe Grey war schon in hunderten, wenn nicht tausenden solcher Saloons gewesen, und seiner Meinung nach war es wie folgt: Hatte meinen einen Wildwestsaloon gesehen, hatte man alle gesehen, abgesehen von den billigern Plagiaten, in denen sich zumeist gelehrte Leute aufhielten, die teuere Zigarren rauchten und französichen Wein tranken, und jeder trotzdem einen Cowboyhut aufhatten, um den Eindruck zu erwecken, sie gehörten zur Landbevölkerung – dabei waren es meist Versicherungsagenten oder ähnliche Firmenvertreter aus dem Osten.

Dies hier war ein echter Saloon, das bemerkte Joe Grey nicht nur auf den ersten Blick, sondern seit er den Geruch der Cowboys, der auch ihm anhaftete, gerochen hatte. In dieser Wirtschaft konnte man sicher einige lustige Stunden erleben.

Joe setzt sich gemächlich auf den Barhocker, spuckte einen Kautabak in den kupfernen Spucknapf und strich sich durch das unrasierte Gesicht. Er wartete ungeduldig darauf, dass ihn jemand bediente, und war dran und drauf, mit der Hand auf den Tresen zu hauen und zu schreien:
“Was ist das hier für ein Sauladen? Jetzt warte ich schon eine Ewigkeit auf meinen Drink!”
Zum Glück der Innenaustattung des Saloons wurde Joe jedoch eine Sekunde nach diesem Gedanken bedient.
“Hey, Bubi, lass nen Whiskey rüberwachsen, und keinen zu knappen!”

Der Barkeeper, offensichtlich an den rüden Umgangston seiner Klientell gewöhnt, schüttete Joe einen starken Whiskey raus – und wenn Joe schon fand, dass er stark war, dann war er wirklich stark!
Trotzdem, der Cowboy vertrug so einiges.

Plötzlich erhob sein Nebenmann, ein älterer Cowboy, seine Stimme:
“Hey, Greenhorn, ziehst du auch so schnell wie du trinkst?”
Der Mann war offensichtlich betrunken. Trotzdem war das für Joe kein Grund, nicht auf ihn einzugehen.
“Du nennst mich ein Greenhorn? Du weiß wohl nicht, mit wem du es zu tun hast? Ich bin Joe Grey, und ich habe Rinder vom Rio Grande zum Pazifik und wieder zurück getrieben!”
“Greenhorn, nun mach dir mal nicht in die Windeln. Das habe ich schon getan, als du noch an den Brüsten deiner Mutter genuckelt hast!”

Joe Grey wurde nun ernsthaft wütend.
“Ich glaube, da will jemand ein Duell, was?”
“Wenn du dich traust, Hosenscheißer, gerne!”
“Um Punkt 6 Uhr morgen früh, vor dem Stadttor. Du wählst die Waffen!”
“Ich werde da sein, Greenhorn. Wenn du dich bis dahin nicht aus dem Staub gemacht hast, würde ich dir raten, vorher den Sargbauer aufzusuchen, er fertigt Modelle auf Maß.”
“Du wirst keinen Sarg brauchen, wenn ich mit dir fertig bin.”

Mit einem Zug lehrte Joe Grey sein Glas und verliess, ohne noch ein Wort zu sagen, den Saloon.
Der heiße Wüstensand der Stadt knirschte unter seinen Stiefeln.