Nora Wagener – Menschenliebe und Vogel, schrei

January 24th, 2012 - 1906

Disclaimer: Nora Wagener hat mir mal eine Email geschrieben, dass ihr mein Blog gefällt. Wir haben daraufhin mehrmals gemeinsam alkoholische Getränke getrunken. Ihr Buch ist beim gleichen Verlag wie Write Out Loud erschienen.

Elke, eine junge Frau, hat die Trennung von ihrem Freund noch nicht ganz verdaut. Und wird von ihrer Mutter, die findet, dass “das” nicht mehr so weitergehen kann, in Urlaub geschickt. Mit der kleinen Schwester Alela zur Großmutter, die auf dem Dorf lebt. Alea redet nur, wenn sie Lust dazu hat. Lust dazu hat sie so selten, dass die auf die meisten Menschen stumm wirkt. Die Großmutter hat eine geheimnisvolle Vergangenheit, an die sie sich scheinbar nicht erinnert. Das ist mehr oder weniger die Ausgangssituation für den ersten Roman von Nora Wagener, Menschenliebe und Vogel, schrei.

Die Stimmung des Buches hat mich von Anfang an gefesselt. Der Tonfall der Erzählerin ist schwankt zwischen melancholisch und verzweifelt, aber sie hat Biss. Ich habe jetzt lange versucht, eine treffende Formulierung zu finden und habe keine andere als “jugendliche Rotzigkeit” gefunden. Das passt natürlich nicht so ganz, aber vielleicht wird damit klar, was ich meine: sarkastische Betrachtung des Umfeldes und der eigenen Situation.

Ich bin ein paar Mal über Formulierungen gestolpert. Ich weiß aber nicht, ob das an mir liegt oder an der Autorin. Ich glaubte auch, ein paar “luxemburgische” Sätze rausgelesen zu haben. Im Deutschunterricht in Luxemburg gibt es ja offensichtlich nichts schlimmeres als ein Lokalkolorit in selbst geschriebenen Texten. Ich glaube, meine 0/30 Punkte auf der Passiv-Grammatikprüfung wurden weniger abschätzig kommentiert als “Luxemburgismen”. Insofern: Scheiß drauf. Falls es denn überhaupt welche gibt. Denn meine Wahrnehmung ist ja auch die von jemanden, der die Autorin kennt und in all das, was da passiert, Luxemburg reinliest. So wie die meisten Leser_innen fälschlicherweise autobiografische Details in Texten vermuten, die dort gar nicht vorhanden sind.

Sehr gefreut habe ich mich über die Beschreibung der Dorfdisko, die das Flying Dutchman zum Vorbild hat. Eigentlich war es längst überfällig, dass dem Fly ein literarisches Denkmal gesetzt wurde. Und spannend, wie sehr Elkes Wahrnehmung mit meiner eigenen Erfahrung bricht. Und realistisch, dass sie nicht auf einmal ausflippt und es toll dort findet.

Ich mochte Menschenliebe und Vogel, schrei. Ich kann es euch nur sehr ans Herz legen. Und das nicht, weil ich Nora sehr sympathisch finde und junge Autor_innen aus Luxemburg doch Aufmerksamkeit gebrauchen können, sondern weil es wirklich ein gutes kleines Stück Literatur ist, das da auf euch wartet.

Nora Wagener
Menschenliebe und Vogel, schrei
Op der Lay 166 2011
144 Seiten, Paperback
ISBN 978-2-87967-177-2 11,90 €

Das Buch beim Verlag. Copyright für das Bild liegt beim Verlag.

Wanderungen (II)

January 12th, 2012 - 1809


Samstag, irgendwann am frühen Vormittag im späten Februar.
Ich trage rosa Plüschhasenohren und eine Jogginghose. Ich genieße die verwirrten Blicke der Menschen im Supermarkt, die mich in der Schlange vor sich lassen, weil ich nur eine Packung Eier und ein Glas Oliven kaufe. Es scheint sich niemand zu trauen, mich zu fragen, warum ich diesen dann doch etwas eigenwilligen Kopfschmuck trage. Vielleicht interessiert es auch niemanden. Ich werde auch sonst merkwürdig angeschaut, wenn ich merkwürdige Zusammenstellungen auf das Kassenband lege. Muss an meinem allgemeinen Erscheinungsbild liegen, ob mit oder ohne Hasenohren.

Die Nacht, die hinter mir liegt, ist voller Verwirrungen, die mit einer Flasche Aperol angefangen haben. Die Tragweite der Ereignisse werde ich erst viel später begreifen, falls ich sie überhaupt je begreifen werde.

Mein erster Gedanke war also die Flucht. Zurückblickend ist das wenig verwunderlich, aber jetzt weiß ich das noch nicht, jetzt stehe ich an der Supermarktkasse und krame nach Münzen, um den Betrag gleich richtig zu zahlen und nicht noch mehr Kleingeld mit mir herumschleppen zu müssen. Und ich stehe hier, weil ich Eier und Oliven kaufen will. Denke ich auf jeden Fall. Warum ich wirklich aus meiner eigenen Wohnung geflohen bin, daran wage ich nicht zu denken. Deshalb denke ich nur an die Eier und das Glas Oliven, nicht an die Gründe meiner Flucht, die sich in kalten Betten herumwälzen, in denen ich keinen Schlaf mehr finde.

Als ich den Supermarkt verlasse und die nächste Person mich merkwürdig anschaut, frage ich mich, ob ich nicht etwas vergessen habe. Vielleicht noch eine Flasche Alkohol, die wieder alles egal macht, die Mattheit in Müdigkeit verwandelt und traumlose Alpträume beschert.

Als ob es am Alkohol gelegen hätte.

Ich gehe zurück zu meiner Wohnung – aber nur, weil ich nicht weiß, wohin ich sonst soll, mit den Eiern und dem Glas Oliven unter dem Arm. Ein Gefühl, das ich noch viel zu oft erleben werde. Aber das weiß ich jetzt noch nicht und gehe deshalb frohen Mutes nach Hause, ohne mich über den bitteren Geschmack, der mir im Rachen sitzt, zu kümmern. Ich kümmere mich nicht. Noch schauen mich alle nur so an, weil ich Hasenohren trage.

photo cc by D’Arcy Norman

Wolfgang Herrndorfer – Tschick

January 6th, 2012 - 1500

In Österreich und besonders in Wien heißt “Tschick” Zigarette. Das hat mich anfangs ein klein wenig verwirrt, aber was für Büchercover und die Bewertung des Inhaltes gilt, gilt wahrscheinlich genau so für die Titel und regionale Sprachverwirrung. Tschick, einer der beiden Protagonisten, die einen Lada klauen und damit durch Ostdeutschland fahren, raucht aber ein paar Mal in dem Roman. Könnte also sein, dass sein Spitzname auch ein netter Seitenhieb darauf ist. Diese Interpretation lässt sich zumindest fabelhaft da rein lesen.

Zwei Vierzehnjährige fahren mit einem Lada durch Ostdeutschland. Maik erzählt wie ein Vierzehnjähriger. Oder wie Vierzehnjährige aus Berlin in meiner Vorstellung reden könnten. Der Roman erfüllt die Erwartung, denn Vierzehnjährige schreiben keine Romane, und wenn sie es tun, dann in einer anderen Sprache als Herrndorf. Gut gefallen haben mir auch die Seitenhiebe auf die mediale Welt von Personen, die 2010 Vierzehn waren: Die Frage, ob Steppenwolf nun ein Buch oder eine Band ist kommt genauso vor wie Wikipedia, Facebook und Rihanna.

Maik ist zwar verliebt, aber das spielt nicht die Hauptrolle in dem Buch. Ich weiß nicht, ob das in “Jugendbüchern” immer so ist, aber in meiner Erinnerung ging es immer entweder um Drogen oder um Liebe. Oder um beides. Maik und Tschick ziehen nicht einmal an einem Joint, werden aber von einer merkwürdigen Familie irgendwo in Brandenburg zum Essen eingeladen und denken über außerirdische Rieseninsekten nach.

Ein Jugendbuch, das ich – jetzt, nachträglich – gerne mit Vierzehn oder Fünfzehn gelesen hätte. Und heute auch allen Erwachsenen nur ausdrücklich ans Herz legen kann.

Tschick bei rowohlt (mit Leseprobe)
Wolfgang Herrndorfer hat ein Blog.
Das Buchcover unterliegt dem Copyright des Verlages.

Bücher 2011

January 3rd, 2012 - 2214

2010 ärgerte ich mich über meine schlechte Listenführung, 2011 fing ich an, meine Bücher ordentlich aufzuschreiben und bei goodreads einzutragen. Dort gibt es auch jedes Jahr eine reading challenge, ich habe gleich mal großkotzig 40 Bücher eingetragen. Natürlich habe ich keine 40 geschafft, sondern, auf goodreads immerhin 23. Da stehen auch ein paar Mangas und Comics, mit denen ich im September noch hoffte, die Challenge haarscharf gewinnen zu können. Aber: 2010 habe ich knappe 1600 Buchseiten gelesen, 2011 waren es 7080. “Buchseite” ist nicht der genaueste Maßstab, aber es freut mich, dass dieser Vorsatz, mehr zu lesen, Früchte getragen hat. Ich genieße das wohlige Gefühl, im Bett zu liegen und zu lesen, mich viel ruhiger in eine Geschichte einfinden zu können als z.B. bei einer Fernsehserie. Erstaunlich, dass ich das Gefühl nicht viel mehr vermisst habe!

Es folgt die Besprechung der fünfzehn zu Ende gelesenen Büchern von 2011.

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2011 revisited

December 28th, 2011 - 1149

photo cc by Gwenael Piaser

(2006. 2008. 2009. 2010.)

1. Zugenommen oder abgenommen?
Gefühlsmäßig gleichgeblieben. Wahrscheinlich ein bisschen mehr. 2012 geh ich endlich mal schwimmen.

2. Haare länger oder kürzer?
Iro. Der mittlerweile aber so lang ist, dass ich ganz brav darin aussehen kann.

3. Kurzsichtiger oder weitsichtiger?
Gleich.

4. Mehr Kohle oder weniger?
Mehr. Als Referent für Öffentlchkeitsarbeit gibt es eine Aufwandsentschädigung.

5. Mehr ausgegeben oder weniger?
Ist wohl relativ gleich geblieben.

6. Mehr bewegt oder weniger?
Ich war in Berlin und bin da ziemlich viel herumgelaufen. Und war auch manchmal tanzen. Zählt das?

7. Der hirnrissigste Plan?
In Frankfurt nur kurz ein Bier trinken.

8. Die gefährlichste Unternehmung?
Mit dem Zug in die Berge an den Bergen vorbei gefahren.

9. Der beste Sex?
Hell yeah.

10. Die teuerste Anschaffung?
Was habe ich mir denn angeschafft? Vielleicht die Lomo. So teuer war die aber nicht.

11. Das leckerste Essen?
Canneloni mit Spinat-Ricotta-Füllung, für Freund_innen gekocht.

12. Das beeindruckendste Buch?
Irgendwo zwischen Dostojewskis Schuld und Sühne und Matt Ruffs Ich und die Anderen. Über Bücher kommt noch was.

13. Der ergreifendste Film?
Der Maschinist.

14. Die beste CD?
Zählt “Album” auch? Das neue von We Were Promised Jetpacks vielleicht. Lieblingstrack 2011 ist dieses fantastische Cover, wahrscheinlich das beste Cover überhaupt.

15. Das schönste Konzert?
Habe mir leider kein erwähnenswertes Konzert angesehen.

16. Die meiste Zeit verbracht mit …?
Wien. Emotionen. ÖH_Magazin. (ab Juli.)

17. Die schönste Zeit verbracht mit …?
K., L. und P. Und mit A. und M.
(Ja, ich habe generell nur Kontakt zu Großbuchstaben.)

18. Vorherrschendes Gefühl 2011?
Vom Regen in die Traufe. Und dennoch geht es irgendwie.

19. 2011 zum ersten Mal getan?
Referent geworden und Chefredakteur gespielt.

20. 2011 nach langer Zeit wieder getan?
Mich verraten gefühlt. Wahrscheinlich zumm “ersten” Mal.

21. Drei Dinge, auf die ich gut hätte verzichten können?
WG-Chaos, Frankfurt und diverse Kriege und Naturkatastrophen.

22. Die wichtigste Sache, von der ich jemanden überzeugen wollte?
Dass es sich lohnt, sich mit dem “Gender-Kram” zu befassen. (Stand 2010 auch hier.)

23. Das schönste Geschenk, das ich jemandem gemacht habe?
Selbsteingesprochenes Hörbuch.

24. Das schönste Geschenk, das mir jemand gemacht hat?
Ein Schneidebrett mit dem Spruch “Für das schöne Leben” rangiert ziemlich weit oben. Ich mag das aber alles nicht so werten.

25. Der schönste Satz, den jemand zu mir gesagt hat?
“Du kriegst auch mein flauschigstes Badetuch” gleichauf mit “Es ist schön, dich zu kennen.”

26. Der schönste Satz, den ich zu jemandem gesagt habe?
“Es ist auch voll schön, dich zu kennen.”

27. 2011 war mit einem Wort …?
ein Jahr.

28. Noch Fragen?
Mehr Fragen beantworte ich gerne bei formspring:
http://www.formspring.me/Joel

Wetterspitze

December 9th, 2011 - 037

Ich habe versucht, nicht an den Tag zu denken. Den Jahrestag. Aber ich spürte ihn. Etwas anderes wäre ja auch gar nicht zu erwarten gewesen. Ich war kraftlos und zu Tode betrübt. Ob das jetzt jedes Jahr so sein wird? hast du mich so sehr verletzt? Ich mich selbst?

Ich stehe solchen Fragen ratlos gegenüber. Hatte ich je Antworten? War das eine gute Zeit, vor einem Jahr? Sie wirkt besser. In der Erinnerung. Aus der Ferne sieht jeder Misthaufen pittoresk aus. Ich kann das nicht beurteilen. Ich schreibe die Dinge auf, die ich in dem Moment für wichtig halte und erinnere mich dann so daran, wie ich sie aufgeschrieben habe. Die Fiktion wird zur Realität und die Realität zur Fiktion. Romanfigur im eigenen Roman. Schreibe dir deine Geschichte, wie sie dir gefällt. Vielleicht geht das in dieser merkwürdigen Dinosaurierdimension?

Die ist gar nicht so schlecht. Ich kann bestimmen, dass Freitagabend ist. Und dann ist einfach Freitagabend, weil ich es bestimmt habe. Ich tue die Dinge, die mir gefallen, lache mit den Menschen, die ich mag und singe die Lieder, die in meinem Kopf klingen. Ich trage Jogginghose und beratende Stimme, manchmal sogar gleichzeitig. Ich bin sogar nicht einmal unproduktiv.
Klingt doch ganz gut.

Wären da nicht die kaltklaren Gedanken, die das Einschlafen schwer machen. Wäre da nicht die Angst vorm Alleinsein. Wäre da nicht die bleierne Trägheit am Morgen, wenn ich kaltgeschwitzt aus vergessenen Träumen aufwache.
Wäre da bloß …

Die Zeit ist vorbei. Im Halbschlaf kann ich wieder an meine Erinnerung von Ruths nackten Brüsten denken, ohne diesen unangenehmen Stich im Kopf zu spüren. Oder: ohne ihn gar so fest zu spüren.

Vielleicht war es auch gar nicht das Datum. Vielleicht nur der Winter, die Dunkelheit und zu wenig Schlaf.
Zumindest würde ich mich daran gerne erinnern.

Orangenträume

November 24th, 2011 - 2313

Ich würde heute Nacht gerne träumen.
Träumen, Orangen zu pflücken mit dir.
In einem Garten, in dem immer Sommer ist.
Träumen, eine Orange zu teilen mit dir.
So als wäre sie ein Kuss.
(Ich weiß noch nicht, wer du bist, aber ich wüsste es gerne.)

photo cc by miggslives

das letzte Stück

November 22nd, 2011 - 127

Das letzte Stück Schokolade im Universum.

Oder eher: das letzte Stück „echte“ Schokolade im Universum.
Er wollte gar nicht drüber nachdenken, wie Jasmin in den Besitz dieser Kostbarkeit gekommen war. Sie trieb öfters wertvolle Sachen auf, aber das letzte Stück Schokolade, das aus richtigen Kakaobohnen von der Erde gewonnen worden war, war einer der Höhepunkte ihrer Sammlung.
Und gerade jetzt wollte sie es mit ihm teilen.

Die künstliche Gravitation hatten sie ausgeschaltet, um Energie zu sparen. Sie schwebte zu ihm, strahlte ihn mit ihren dunklen Augen an und reichte ihm das Stück, das sie sorgsam abgebrochen hatte. Trotzdem stand ein kleiner Vorsprung aus dem Stück heraus, der Boden der Kammer, die sie in ihrem Mund versinken ließ. Er biss das Stück ab. Nur Schokolade.

Mild. Zartschmelzend. Er hatte die Begriffe gehört, aber nie wirklich etwas mit ihnen anfangen können. Jetzt wusste er, was gemeint war. Die Schokolade war leicht nussig, was die Füllung erahnen ließ. „Mousse auf Chocolat Noisettes“ hatte Jasmin gesagt und dabei gelächelt wie eine der Grinsekatzen von Aldeberan 8.

Das eigentliche Stück lag noch vor ihm. Sie schwebte, offenbar bereits entzückt von dem Geschmack durch das Schiff und hatte die Augen geschlossen. Er biss in die Mitte der gefüllten Kammer. Die Mousse quoll nicht raus, wie er es erwartet hatte, sondern blieb relativ fest. Er zerteilte das Stück in seinem Mund nochmal, nochmal, schmeckte die Mousse, die Schokolade, verstand nun, warum Jasmin die Augen geschlossen hatte. Er versuchte so viel wie möglich von dem Geschmack zu behalten, was ihm nicht gelang, viel zu schnell war das Teilstück zerteilt und seine Kehle runter gerutscht. Ein Nusssplitter bohrte sich sanft in seine Zunge, wie zum Abschied.

Er spürte, wie die zweite Hälfte zwischen seinen Fingern weich wurde. Zu lange konnte er nicht warten. Er öffnete den Mund. Diesmal würde er nicht kauen, er würde den Moment genießen, ihn auffangen für die Ewigkeit – oder zumindest so lange, wie er leben würde. Das letzte Stück Schokolade des Universums. In seinem Mund.

Wieder öffnete er den Mund, ließ das Stück auf seiner Zunge schmelzen. Diesmal funktionierte es. Der harte Kern, auf seiner Zunge wie die Außenhülle eines Raumschiffs, das in eine Sonne flog. Die Mousse, im Geschmack intensiv, aber nicht zu süß. Er versuchte die Masse auf seiner Zunge, am besten in seinem ganzen Mund zu verteilen, um alles zu schmecken, um zu verstehen, was er da im Mund hatte. Die Nusssplitter wie Asteroidenschauer auf seiner Zunge.

Der Moment dauerte viel zu kurz. Die Masse war schon verschwunden, in seinem Mund noch der Geschmack. Er würde ihn nicht vergessen, aber er würde ihn so auch nie wieder schmecken. Er wagte es kaum, Luft zu holen oder seinen Speichel zu schlucken.

Und dann verstand er, dass um ihn herum nur der kalte Weltraum war.

photo cc by Alex Garcia

NaNoWriMo

November 6th, 2011 - 1525

NaNoWriMo

Ich mach dieses Jahr beim National Novel Writing Month mit. Der eigentlich “international” heißen sollte, denn die Aktion begeistert weltweit Menschen, im November einen 50.000-Wörter Roman zu schreiben. Ich zweifele noch ein wenig daran, ob mir das gelingen wird. Denn ich bin heute gerade mal bei 2000 Wörtern, 10.000 sollte ich heute um Mitternacht erreichen, laut Plan. Mein Terminplan im November sieht nicht gerade unglaublich leer aus. Aber etwas hat NaNoWriMo schon erreicht: ich habe angefangen. Und Motivation. Also mal sehen, wie weit ich es heute noch schaffe. Mein Profil befindet sich übrigens hier.

Gefühle

October 31st, 2011 - 144

Kennst du das Gefühl, in der U-Bahn zu sitzen und dich von der dunklen Röhre eingesaugt zu spüren? Kennst du das Gefühl, zwischen all den Menschen einsam zu sein? Die Bahn beschleunigt, vibriert, die Schlaufen zum Festhalten wackeln fröhlich im Takt. Und je mehr Menschen einsteigen, umso einsamer wird es? Kennst du das Gefühl der Gänsehaut im Nacken, wenn die kalte Stimme in deinem Hinterkopf flüstert, dass du in deinem Innersten immer alleine sein wirst?

Keine guten Gefühle.

Es gibt aber Möglichkeiten, diese Gefühle los zu werden. Aus der U-Bahn aussteigen. Über die Fußballfans grinsen, die ihr Dosenbier öffnen, “auf die Grünen” anstoßen und dabei wohl keine politische Partei meinen. In eine andere Dimension reisen. Dinosaurieruntergrund oder Mutantenstadl. Den einen Moment erleben. Sich zum Zentrum des Universums wünschen. Im Bett liegen und Musik fühlen, wie seit Jahren nicht mehr. Flugreise mit Synästhesie-Airlines.

Bessere Gefühle.

photo cc by Bryan Boobooo