Fireball’s Weblog – Literature is the new rock!

Kanada

May 6th, 2008 - 1702

Ich werde für eine Woche in Kanada sein. Die Reise geht heute zuerst nach Paris, von da aus fliege ich morgen nach Montréal. Weil ich nicht weiß, ob ich immer bloggen kann, wird es vorausichtlich erstmal Updates per twitter geben. Ich bin nicht per twitter zu erreichen, jedoch per Mobilfunk. Wenn ich die Gelegenheit habe, werde ich auch bloggen. Ansonsten wünsche ich eine angenehme Woche!


    Irgendwo über den britischen Inseln oder dem Atlanik

    May 6th, 2008 - 1700

    [080504~1000CET]
    Nun bin ich also an Bord dieser fliegenden Sardinenbüchse, die sie A310-100 PAX nennen. Sie zeigen einen Film mit Jack Nicholson, aber ich habe nicht wirklich Lust, mir so etwas anzusehen - ausserdem war ich zu geizig, mir Kopfhörer zu kaufen. Wenn ich aus dem Fenster sehe, sehe ich eine endlose Fläche aus Wolken, weiß wie Zuckerwatte.
    Darüber ein blauer Himmel, der nach oben hin immer dunkler wird. Man kennt das, von den ersten Bildern, die auf Urlaubsfotostrecken auftauchen. Meer, Wolken, ein Flügel, Strahltriebwerke, darüber blauer Himmel. Allenthaben kreuzen wir andere Flugzeuge, die wie Pfeile an uns vorbeischiessen. Die Sicherheitsanweisungen, leider ohne Stewardessenballet waren so dämlich und realitätsfern wie gewohnt. Und trotzdem ist Fliegen eine angenehme Art des Reisens, man wird sehr freundlich behandelt und fast schon verwöhnt. Wahrscheinlich als Entschädigung dafür, dass man mir rund 100 Anderen, auf engstem Raum, der japanische Kapselhotels wie Paläste aussehen lässt, den Atlantik überquert und als einzige Unterhaltungsmöglichkeit Komödien mit Jack Nicholson angeboten bekommt. Und mein iPod ist in Amerika, im Krankenhaus, wo er wahrscheinlich im Schweiß und in der Tränenflüssigkeit von Steve Jobs gebadet wird, um dann auf wundersame Art und Weise wieder zu funktionieren, und damit sind meine persönlichen Unterhaltungsmöglichkeiten auf dieses Heft und drei Bücher von zwei amerikanischen Drogenverrückten begrenzt. Aber was erwarte ich?

    Man karrt mich mit dem billigsten Charterflug nach Montréal, weil ich eine nette Mail geschrieben habe, in der groß VICE-PRESIDENT OF THE YOUTH RHINE PARLIMENT stand. Alors, Monsieur le Vice-President, der Tripp ist im vollen Gange. Lehnen Sie sich zurück, geniessen Sie es und nehmen Sie alles, was sie zwischen ihren gierigen, fettigen Wichsgriffel kriegen können!

    TGV, kurz nach Metz

    May 6th, 2008 - 1641

    Das merkwürdige an so einer Reise, wie ich sie im Begriff bin, anzutreten, angetreten habe, ist, dass man ständig dabei ist, sich vorzustellen, wie alles werden wird, dass man das Reisen an sich quasi vergisst, und durch den nach Vorwärts gerichteten Blick das Erleben der Reise nicht immer bewusst wahrnimmt. Ein gigantischer, unglaublich schneller Metawurm, ein Silberpfeil auf Schienen, befördert mich übers Land in die französische Hauptstadt, in der ich die Nacht verbringen werde und von der aus morgen mein Flugzeug abhebt. Und schon wieder vergesse ich das jetzt, habe den Blick starr nach vorne gerichtet. Am Flussufer stehen Wohnwagen und kleine Hütten im Gebüsch. Es ist schwierig, sich auf so eine vermeintliche “Oase” zu konzentrieren, die jetzt schon mehere Kilometer weit weg ist, wenn der Geist schon fast über dem Atlanik ist. Der Zug beschleunigt. Hochgeschwindigkeit. Ich sitzte im Bauch des Metawurms, der mich dem Pendel immer näher bringt.

    Klein-Fire im Quebec, Teil 2

    May 5th, 2008 - 1737

    Es ist sehr merkwürdig, hier zu sitzten, auf die Uhr zu sehen und zu merken, dass es drüben in good old europe schon halb 6 ist. Hier isses halb 12. Heute abend gehts zurück nach Montreal, wo sich mein Host-Mädchen Studentenwohnungen ansieht. Bin ich ja mal gespannt. Die Leute sind hier alle sehr sehr freundlich, was man als Europäer ja nicht unbedingt gewohnt ist, oder nicht in dem Maße. Oder ich bin es einfach nur nicht gewohnt. Gestern “Abend” (für mich hat es sich angefühlt wie tiefste Nacht, aber es war wohl nur so 18, 19 Uhr.) bin ich mit der Mutter meines Hosts-Mädchen rumgefahren und mir den nahegelegenen See und den Kanal angesehen. Valleyfield liegt sehr nahe an der Grenze yu Ontario und auch zu den USA. Ob ich letzteren noch näher kommen will, weiß ich nicht unbedingt.

    Hat Fire eine Art Kulturschock? Ein wenig, aber dann auch wieder nicht. Das meiste, was anders ist, sind irgendwelche Kleinigkeit, bzw. einfach der Fakt, dass alles ca. eine Million Mal größer ist, als ich es gewohnt bin. Ich freue mich auf morgen Abend, wo es dann endgültig nach Montreal geht und das offizielle Programm beginnt. Es geht um Wasser, und wahrscheinlich viel um den Sankt-Lorenz-Strom, der für meine Begriffe ziemlich groß war, für die Kanadier anscheinend aber noch relativ klein ist.

    Klein-Fire im Quebec

    May 4th, 2008 - 2031

    Ich sitzte momentan in einer Schule in Valleyfield in Quebec. Ich habe gestern im Zug und im heute im Flugzeug ein wenig geschrieben, habe das Heft aber jetzt gerade nicht dabei, es wäre wahrscheinlich auch ein wenig viel, das jetzt alles abzutippen. In Kanada fährt man auf der richtigen Straßenseite, benutzt das metrische System und hat nicht annähernd so verrückte Tastaturen wie in Frankreich. Ausserdem kauft man Zigaretten in großen Mengen in kleinen Wohnwagenläden, die von Indiandern betrieben werden, welche dort angeblich Schmuggelgut verkaufen.
    Anonsten sieht Quebec aus wie ein französisches Amerika, bzw. umgedreht, was es irgendwie ja auch ist. Und die Menschen sprechen eine sehr merkwürdige Sprache, welche sie irrtümlicherweise als Französisch bezeichnen. Ich denke, es ist irgendein abstrubser englischer Dialekt mit französischer Grammatik.
    Der Flug war harmlos, ich wurde erstaunlicherweise nicht vom Sicherheitspersonal einer Leibesvisitation unterzogen und musste nur kurz 5 Minuten mit einer netten Zollbeamtin reden.
    Und jetzt bin ich in Valleyfield, was irgendwo zwischen Stadt und Provinznest rumtingelt, soweit ich das bis jetzt beurteilen kann.

    Funkstille

    April 29th, 2008 - 2038

    Montage waren schon immer die Tage, an denen ich am späten Nachmittag durch die Stadt geirrt bin und nicht wusste, was genau ich tun sollte. Zu früh, um heimzugehen oder sich zu besaufen, zu spät, um sich irgendwelche Nachmittagsaktivitäten auszudenken. Der Höhepunkt der Woche war vorbei und es blieb eine merkwürdige Leere, von der ich nicht wusste, wie sie ausfüllen.

    Und auch heute, da der Regen uns wieder einmal verschlingt und seine giftige Säure auf die wenigen noch verbleibenden Wälder (Was für ein Blödsinn! In Luxemburg gibt es schon fast zu viel, zu alten Wald) schüttet, spüre ich eine Leere in mir. Gestern Lustlosigkeit, heute Leere. Alle Krüge sind gebrochen. Das Funkgerät an Bord des Zeppelins bleibt, bis auf die Meldung, es gebe nichts zu sagen, stumm. Ich schwebe einsam und alleine über der Nordsee. Luftpirat.

    Ich bin ohne Ziel. Ã…land, Island, Kanada?
    Ich lese freudige Nachrichten über und aus vergangenen, glücklicheren Tagen. Sie sind wertlos. Zerstört in nur einer Nacht. Und alles, was bleibt, sind Einmachgläser, die du nicht anfassen willst.
    Ein Stapel Papiere fliegt aus dem Fenster, segelt langsam Richtung Meer. Es war notwendig, damit es nicht zu sehr schmerzt. Ein stechender, pochender Schmerz in der Stirn. Du siehst auf die Instrumente im Cockpit, Armaturenbrett deluxe, drückst ein paar Schalter, regelst einige Werte. Beschäftigung, damit es keine Auseinandersetzung gibt. Das gute als Rauf und Runter-Spiel. Dadaismus der Seele. Mindfuck. Du siehst jede Minute auf die Uhr, deren Zeiger zu schleichen scheint. Worauf wartest du eigentlich?

    Auf nichts.
    Darauf, dass die Leere sich wieder füllt.
    »Aye, Aye, Captain! « und ne Buddel voll Rum.
    Alles ist illuminiert und dennoch sehe ich rein gar nichts. Und sprich nur ein Wort und meine Seele stürzt sich in einen tiefen Abgrund. Selbstzitat.
    Bin ich denn krank? War das eine Seuche? Ist das ein Verbrechen gewesen?

    Vom Kurs abgekommen. Oder auch nicht. In der Ferne leuchten die Lichter von London.

    [0804282015]

    Auf der Suche nach der Maus

    April 27th, 2008 - 1633

    Ich habe noch nie von Clay Shirky gehört. Offenbar ist er ein Autor, der New Media an einer New Yorker Uni lehrt. Und er hat ein Buch über die digitale Revolution (oder über »das Internet «) geschrieben hat, das sich Here Comes Everybody nennt und in dem Vereinigten Königreich ein sehr hübsches Cover hat. Da fällt mir ein, dass ich schon mal etwas von dem Buch gehört habe, den Namen des Autors aber wohl vergessen habe. Das passiert mich verdammt oft, aber ich habs einfach nicht so mit Namen. Dafür gibt es ja Facebook, da sind Bildchen über den Namen. Das Buch hat natürlich auch ein Blog und da hat Shirky eine wunderbare Rede gepostet, die ich gerne so unterschreiben möchte. Sie nennt sich Gin, Television, and Social Surplus und ist mehr als empfehlenswert.
    Ein Zitat zum Appetitanregen:
    However lousy it is to sit in your basement and pretend to be an elf, I can tell you from personal experience it’s worse to sit in your basement and try to figure if Ginger or Mary Ann is cuter.

    Dieses Posting wäre ohne twitter nicht zustande gekommen. Und ja, es ist Sonntag, und ja, ich bin ein wenig ein Sonntagsblogger. Aber ich könnte das hier auch Vollzeit, würde mich wer dafür bezahlen! :-P

    High

    April 27th, 2008 - 1502

    Bis jetzt habe ich keine Droge entdeckt, die einem auch nur annähernd ein solches High beschert, wie ich es erlebe, wenn ich an meinem Tisch sitze und schreibe, wenn ich versuche, eine Geschichte zu ersinnen, egal wie aberwitzig sie auch immer sein mag [...]

    Hunter S. Thompson, im Interview mit William McKeen, März 1990

    Aufhören? Wieso, um alles in der Welt?

    April 26th, 2008 - 2053

    Ich kann ehrlicherweise niemanden verstehen, der einfach so mit dem Bloggen aufhören will. Sicherlich kann es Gründe dafür geben, eine Pause zu machen, aber wenn jemand sein gesamtes Blog löschen will, kann ich das auf keinen Fall nachvollziehen. Ich find brach liegen lassen schon schlimm genug.

    Ich weiß, wie ich mich fühle, wenn mein Blog für ein paar Stunden offline ist. Auch, wenn ich überhaupt keine Lust hatte, zu bloggen, beginne ich dann zu twittern, um das plötzlich enstandene Loch in meiner Selbstdarstellungsmaschinerie zu stopfen. Aber vielleicht bin ich das auch nur. Ein egomanisches Monster, eine Rampensau, immer hunrig nach Aufmerksamkeit und ein paar Leuten, die mir zujubeln und ab und an ein paar Kommentare von sich geben. Ich Emo, ich.
    Und ich will eigentlich gar nicht wissen, wie sich cold turkey anfühlt. Das Blog löschen. Oh Gott, was für eine furchtbare Vorstellung. Wenn ich nur daran denke, möchte ich nach jedem Posting ein Datenbankbackup machen und es redunant auf 23 Server verteilen.

    Könnte ich mir ein Leben ohne Blog vorstellen? Nur noch schwer. Natürlich könnte ich noch immer in mein Heft schreiben, die Texte an Menschen verschicken, deren Meinung ich wirklich hören will, in Ruhe ein Buch schreiben und meine Gedanken ausnahmsweise mal für mich halten. Aber ich weiß, dass es nicht mehr das gleiche sein würde. Und mit jedem Blog, das stirbt, wird das Leben wieder ein Stück ärmer. So ist es mit Sad Autumn, und so wäre es auch mit jedem anderem Blog, das ich momentan lese. (Bis auf einige Ausnahmen, die ich nur aboniert habe, weil dort noch einmal etwas wichtiges kommen könnte.)

    Aber sollten jetzt noch weitere Blogs sterben oder nicht wieder aufgemacht werden, habe ich wenigstens etwas, das ich wie mein persönlicher Held, Vorbild und geistiger Vater, Hunter S. Thompson, auf eine Gedenktafel am Ende eines noch nicht existierenden Buches schreiben könnte.

    Und morgen mache ich eine Liste mit tollen neuen Blogs aus Luxemburg, um die allgemeine Untergangsstimmung wieder gut zu machen. Und das erinnert mich an eine schöne Geschichte, die meine Mutter mir erzählt hat, die werde ich dann jetzt gleich sofort bloggen.
    Fazit: Man kann niemanden dazu zwingen, nicht aufzuhören, aber Fireball würde es wohl nie tun und findet es immer wieder schade, wenn jemand es tut. Das hätte ich ja jetzt auch fast twittern können.

    Nine Inch Nails weiter auf Online-Feldzug

    April 23rd, 2008 - 1754

    Trent Reznor, bzw. Nine Inch Nails ist weiter auf dem Online-Feldzug gegen die Musikindustrie und veraltete Distributionsmodelle unterwegs. Heute wurde die Single Discipline veröffentlicht, die man sich gegen Angabe seiner Emailadresse für lau auf der Webseite von NIN runterladen kann. Wer seine Mailadresse nicht angeben will, dem sei PirateBays Dienst slopsbox.com empfohlen. Und es ist wieder Gesang zu hören. In dem Kommentar-Tag der Mp3 ist die Botschaft »Go to www.nin.com May 5 « zu lesen. An dem Datum erwartet uns wohl wieder ein neues Album von NIN. Ich tippe mal darauf, dass es kein neuer Teil der Ghosts-Serie wird, sondern ein komplett neues, nicht rein instrumentales.

    Was für NIN eigentlich selbstverständlich ist, jedoch auch erwähnt werden sollte: Discipline kann auf remix.nin.com als einzelne Tracks heruntergeladen und remixt werden.

    Die Musikindustrie scheint bald tot zu sein, wenn ihr nicht bald etwas einfällt. Kulturflatrate!